Wie kann Religion ein Schulfach sein, wieso sind so viele Schulen konfessionell ausgerichtet?

  • Ich muss zugeben, dass deine Thesen @alias auch zu beachten sind.
    Wenn der Religionsunterricht nicht mehr unter staatlicher Aufsicht ist, müssen die Religionen umso mehr im Ethikunterricht behandelt und moralische Werte reflektiert werden in Bezug auf Mensch und Gemeinschaft.
    Eine interessante Diskussion übrigens.


    Was du, @Pyro über die philosophischen Einlassungen in der Oberstufe schreibst, finde ich sehr wichtig.


    Aber auch in der Grundschule und besonders in der Sekundarstufe 1 (Hauptschule) halte ich einen Ethikunterricht sehr wichtig. Schüler, die die Schule mit der 9. Klasse verlassen, sollten sich mit ethischen Themen intensiv auseinandergesetzt haben.

  • Ich bin für Religions- und Ehikunterricht an Schulen

    Beides? Eher parallel oder zum Wählen?


    Das Christentum hat über 2000 Jahre hinweg

    Ich bezweifle, dass es "das Christentum" schon so lange gibt. Über welchen Zeitraum wir hier haben reden mögen, möchte man wirklich alles, was darin geschehen ist, in eine ungebrochene Tradition stellen. Das Christentum hatte in seiner Geschichte so einige Erscheinungsformen, mit denen ich mich nicht identifizieren wollte. Warum beruft man sich also darauf? Möchte man alles mit dabei haben?

    Da ist es schon sinnvoll, zu wissen, worum es dabei eigentlich geht. Denn nur so sind verschiedene Entwicklungen der Geschichte verstehbar.

    Dafür halte ich den Blick von außen für angebrachter als die Innenbetrachtung. Eine kritische Betrachtung der Geschichte des Christentums ist angesichts der moralischen Querschläger, die die Christen produziert haben, dringend notwendig. Sehr wohl. Dass die Institutionen, die dabei auch einer kritischen Betrachtung wert sind am Lehrplan mitschrieben, kann ja nur ein Witz sein. Wie sehr Kirchen daran scheitern können, ihren eigenen Kram aufzuarbeiten, haben wir ja gerade erst erlebt.

    2. Für die Vermittlung ethischer Grundhaltungen und Glaubensfragen sind die anderen Schulfächer nicht in dem Maß geeignet

    Die Vermittlung von Glaubensfragen halte ich nicht für ein relevantes Unterrichtsthema. Auf welcher Grundlage sollen de vermittelt werden? Eine wissenschaftliche gibt es ja nicht. Insbesondere aber halte ich die Antworten, die die Religionen zu geben haben, für bedenklich. Wo sind denn die Belege für z. B. ein Leben nach dem Tode? Wir sollten den jungen Menschen ehrliche Antworten geben.


    Was die ethischen Grundhaltungen anbetrifft, so halte ich die Behauptung, dass deren Vermittlung religiösen Unterrichts bedarf, für die Verlängerung der ohnehin steilen These, dass ohne Religion (wahweise ohne Gott) kein ethisches Handeln möglich sei. Und? Welche ethische Instanz fehlt denn dem jungen Menschen, der nicht am Religionsunterricht teilnimmt? Welche ethische Handlung kann ich als Atheist nicht begehen?


    Nee, angesichts der Geschichte, auf die man sich gerne beruft (s.o.), würde ich es mir auf dem hohen moralischen Ross nicht zu bequem machen, wenn ich Christ wäre.


    3. Findet Religionsunterricht nur noch im außerschulischen Bereich statt, sind kruden Theorien und Beeinflussungen Tür und Tor geöffnet. Da muss man sich nur die ganzen Sekten anschauen.

    Und deshalb soll man die kruden Ideen (Theorien würde ich sie nicht nennen) in die Schulen holen? Aber selbst wenn der schulische Religionsunterricht gemäßigt wäre, inwiefern verhindert das, dass außerschulisch Spinner Spinnkram erzählen? Wäre da nicht eine kritische Betrachtung von Relgionen und ihren Irrtümer unter wissenschaftliche Aspekten nicht hilfreicher?


    Da muss man sich nur die ganzen Sekten anschauen.

    Man muss nämlich wissen, es gibt zwei Arten von Religionen. Gute, dazu gehört insbesondere immer die eigene. Und ganz, ganz böse, denen man ihre abstrusen Ideen vorhält. Auch hier halte ich eine kritische Außenbetrachtung für hilfreich. Wenn der von einer christlichen Amtskirche dazu ermächtigte Religionslehrer einem Anhänger einer anderen, sich ebenfalls christlich nennenden Glaubensgemeinschaft, erzählt, dass er die Schrift falsch interpretiere und damit Mitglied einer Sekte sei, dann wird dieser sich sicherlich denken "Stimmt, der Mann hat recht, bei dem trete ich ein." Sektenproblem gelöst.


    So in etwa? Viel Erfolg!


    4. Religionsunterricht ist "Lernen am Modell". Die Geschichten, Gleichnisse und Erzählungen hatten seit Jahrhunderten ein moralisch-erzieherisches Ziel.

    Auch hier halte ich die kritische Außenbetrachtung auf wissenschaftlicher Grundlage für vielversprechender als den Relegionsgemeinschaften in der Schule den Raum zu verschaffen, sich selbst Recht zu geben.


    Du hast ziemlich gute Argumente gegen konfessionsbezogenen Religionunterricht geliefert.

    „Fakten haben keine Lobby.“


    (Sarah Bosetti)

    2 Mal editiert, zuletzt von O. Meier ()

  • Nun könnte man sagen, dass das doch der Deutschunterricht leisten soll, aber da bin ich bei Krabappel: Der ist schon voll.

    Ja natürlich ist der bei uns auch voll. Aber offenbar mit anderen Themen. ;) Es ist halt grundsätzlich schwierig sich mit dem Gedanken anzufreunden, dass etwas auch anders sehr gut ginge, das man selbst immer schon so kennt wie es ist und irgendwie für gut befunden hat. Meine ketzerische Frage, woher denn nun all eure Probleme mit Islamophobie und Rassismus kommen, wenn der Religions- und Ethikunterricht doch ach so wichtige im Sinne der Aufklärung ist, hat mir bislang ja noch keiner beantwortet. Die ganze Diskussion hier zeigt eigentlich nur, dass der Religionsunterricht in Deutschland sowas wie eine heilige Kuh zu sein scheint, sonst gäbe es ja auch den entsprechenden Passus im Grundgesetz gar nicht. Bei uns ist Französisch so eine heilige Kuh. Matura ohne Französisch grenzt an Blasphemie!! Dass rings um uns rum in allen Ländern die allgemeine Hochschulreife problemlos mit nur einer Fremdsprache erworben werden kann interessiert da nicht sonderlich. Kein Französisch ist in jedem Falle skandalös. Oder so.



    Das Christentum hat über 2000 Jahre hinweg unsere Kultur, Geschichte, Sprache und Einstellungen geprägt. Da ist es schon sinnvoll, zu wissen, worum es dabei eigentlich geht. Denn nur so sind verschiedene Entwicklungen der Geschichte verstehbar.

    Erstens wurde schon mehrfach erwähnt, dass das mit den 2000 Jahren etwas arg übertrieben ist und zweitens schrieb ich auch schon mal, dass Kirchengeschichte in den Geschichtsunterricht gehört und von einem studierten Historiker auseinander genommen werden sollte. Gerade für diesen Aspekt braucht es einen konfessionellen Religionsunterricht am allerwenigsten, in dem kann das Thema nämlich gar nicht objektiv behandelt werden.



    Findet Religionsunterricht nur noch im außerschulischen Bereich statt, sind kruden Theorien und Beeinflussungen Tür und Tor geöffnet. Da muss man sich nur die ganzen Sekten anschauen.

    Oha ... warte. Stimmt, wir sind umzingelt von missionierenden Sekten-Gurus. In Frankreich und Albanien ist das auch ein riesen Problem. So ein Glück, dass wir wenigstens noch ein bisschen Religions- und Ethikunterricht an den staatlichen Schulen haben! Spass beiseite. Albanien ist wirklich das beste Beispiel von allen, dass Christen und Moslems sowas von friedfertig nebeneinanderher leben können, ohne dass es staatlich verordnete "Aufklärung" in dem Bereich gibt. Das Land hat sicher 1000 andere Probleme nur das ist nun wirklich keins.



    Für die Vermittlung ethischer Grundhaltungen und Glaubensfragen sind die anderen Schulfächer nicht in dem Maß geeignet

    Für die Vermittlung ethischer Grundhaltungen sind andere Fächer sogar erheblich besser geeignet. Beim Thema Respekt vor dem Leben und der Natur sind wir z. B. aber sowas von konkret im Biologie-Unterricht. Eine meiner Schwerpunkfachklassen wird nächstes Semester ein interdisziplinäres Projekt zum Thema "Ethik in der Medizin" bearbeiten. Guess what ... die betreuenden Lehrpersonen unterrichten Deutsch/Geschichte und Biologie.


    Nee, überzeugt mich alles nicht. Philosophie finde ich hochgradig spannend, wäre ich heute noch mal Schüler, würde ich das sofort als Ergänzungsfach wählen. Wenn es nur um "ethische Grundhaltungen" gehen soll, dann braucht's das aber sicher nicht in so einem detaillierten Umfang.



    Schüler, die die Schule mit der 9. Klasse verlassen, sollten sich mit ethischen Themen intensiv auseinandergesetzt haben.

    Bleibt immer noch zu klären, was diese "ethischen Themen" genau sein sollen. Ein Hauptschüler lernt auch keine Integralrechnung, da wage ich zu bezweifeln, dass man dem Kant z. B. zumuten kann und das müsste man wohl um von "intensiv" sprechen zu können. Ansonsten sind wir wieder bei den "ethischen Grundhaltungen" und die haben mit "intensiv" nicht so viel zu tun.


    Außerdem möchte ich noch erwähnen, dass SuS sich durchaus fragen, ob es einen Gott oder ein Leben nach dem Tod gibt. (Verlust-)ängste und Selbstfindung spielen dabei eine große Rolle für sie. Nach meiner Erfahrung sind die "großen" existentiellen Themen des Lebens auch die, die in Lerngruppen zu den intensivsten Gesprächen führen.

    Das überzeugt mich schon eher. Meine ehrlich interessierte Frage an den studierten Philosophen lautet daher an dieser Stelle: In welchem Alter etwa fangen die SuS sich denn an sich damit zu beschäftigen? Und wie genau äussert sich dieses Interesse, also was sind die konkreten Fragestellungen?

    Einmal editiert, zuletzt von Wollsocken80 ()

  • ...Es ist halt grundsätzlich schwierig sich mit dem Gedanken anzufreunden, dass etwas auch anders sehr gut ginge, das man selbst immer schon so kennt wie es ist und irgendwie für gut befunden hat. ....

    Nunja, dann könnte man ebensogut Sport und Chemie abschaffen, sind alle bloß Gewohnheitssache... Ich verstehe deine Skepsis bzgl. eines Ethikunterrichts (aka Philosophie aka Werte und Normen etc.) nicht.


    Die Erklärung, dass es in einem Land Rassismus trotz Ethikunterrichts gibt und daher dem Fach die Legitimation entzogen werden soll, will mir auch nicht einleuchten. Es gibt auch Analphabeten in der Schweiz, trotzdem sollte man nicht den Deutschunterricht dort abschaffen.


    Edit: das mit Albanien ist interessant. Kennst du dich mit dem albanischen Schulsystem aus?

    Einmal editiert, zuletzt von Krabappel ()

  • Nunja, dann könnte man ebensogut Sport und Chemie abschaffen

    Sport ist eines der wichtigsten Schulfächer überhaupt. Viele Kinder und Jugendliche würden sich freiwillig gar nicht bewegen, wenn sie in der Schule nicht müssten. Wir können uns beide denken, wozu das führen würde. Über Chemie können wir gerne diskutieren. Wenn es nach mir ginge, müssten unsere SuS am Gymnasium nämlich *nicht* alle drei Naturwissenschaften belegen sondern könnten eine entsorgen, wohlwissend, dass die Mehrheit vermutlich Chemie abwählen würde. Das Fachwissen der Chemie ist hochspezialisiert, für kaum jemanden ist das ausserhalb der Schule von Belang. Leider ist meine Meinung da relativ bedeutungslos. ;)


    Ich bin gar nicht skeptisch gegenüber einem Schulfach Ethik. Ich finde nur, man braucht es nicht als Pflichtfach. Ich bin grundsätzlich skeptisch gegenüber zu vielen Fächern, die unterrichtet werden, auch wenn das natürlich überhaupt nicht dem aktuellen Trend von "von allem ein bisschen was" entspricht.

    Einmal editiert, zuletzt von Wollsocken80 ()

  • Okay, dann wäre es eine Grundsatzfrage, welche Fächer wir überhaupt "brauchen". Man könnte auch in der gesamten Schulzeit verschiedene Themen fächerübergreifend in Projekten erarbeiten. Aber es ergibt m.E. schon Sinn, dass jeder das unterrichtet, was er/sie auch studiert hat. Die Philosophielehrerin geht doch ganz anders an ein Thema heran, als die Geschichts-, Bio- oder Deutschkollegin.


    Wie dem auch sei, im Grunde hat sich die Ausgangsfrage gleich im ersten Kommentar erübrigt, das Grundgesetz wird niemand ernsthaft in Frage stellen wollen.

  • Wie dem auch sei, im Grunde hat sich die Ausgangsfrage gleich im ersten Kommentar erübrigt,

    Naja, aber ehrlich ... den Passus im Grundgesetz hast Du doch gekannt, nicht? Ist doch eine spannende Diskussion. Wenn man immer nur über das streiten würde, was man tatsächlich auch ändern kann, das wäre ja auch langweilig.



    Die Philosophielehrerin geht doch ganz anders an ein Thema heran, als die Geschichts-, Bio- oder Deutschkollegin.

    Ja logisch. Es geht im erwähnten Projekt meiner Klasse aber auch gar nicht um Philosophie, sondern - wie bereits geschrieben - um "Ethik in der Medizin". Ein studierter Mathematiker geht auch anders an Mathe ran, als ein Grundschullehrer, der Mathe auf Lehramt studiert hat. Ist das jetzt gut oder schlecht? Die Frage lautet an der Stelle, was für den Kontext Schule ausreichend ist. Aber das ist wieder ein anderes Thema das hier auch schon dutzendfach und noch jedesmal fruchtlos diskutiert wurde.


    Konfessionellen Religionsunterricht halte ich aber in jedem Fall für absolut überflüssig, der hat an einer staatlichen Schule nichts verloren. Ich muss mich trotzdem damit abfinden, dass auch die Schweiz kein laizistisches Land ist.

  • Edit: das mit Albanien ist interessant. Kennst du dich mit dem albanischen Schulsystem aus?

    Nein leider nicht wirklich. Wir waren diesen Sommer in Albanien im Urlaub und ich fand das Land so spannend, dass ich mich infolgedessen noch recht ausführlich mit seiner Historie befasst habe. Es scheint tatsächlich so zu sein, wie ich vorhin schon mal schrieb: Albanien ist das einzige Land, in dem Moslems und Christen friedlich zusammenleben. Das ist insofern bemerkenswert, als dass das Land jahrhundertelang unter osmanischer Herrschaft stand und die freie Ausübung der Religion unter dem Hoxha-Regime komplett unterdrückt wurde. Albanien und Frankreich sind in Europa die einzigen Länder, in denen es an staatlichen Schulen überhaupt keinen Religionsunterricht gibt. Auch das finde ich für ein Land, dessen Geschichte so stark mit Religion verbunden ist, bemerkenswert. Ich stelle an dieser Stelle mal die gewagte Hypothese auf, dass das fehlende Nationalbewusstsein der Deutschen zu einer - aus meiner Sicht - übertriebenen Identifikation mit "christlichen Werten" (was auch immer das sein mag) führt. Der Albaner an sich strotzt hingegen nur so vor Nationalbewusstsein.

  • ... Ich stelle an dieser Stelle mal die gewagte Hypothese auf, dass das fehlende Nationalbewusstsein der Deutschen zu einer - aus meiner Sicht - übertriebenen Identifikation mit "christlichen Werten" (was auch immer das sein mag) führt. Der Albaner an sich strotzt hingegen nur so vor Nationalbewusstsein.


    Was christliche Werte sind, weiß ich auch nicht. "Nächstenliebe" vielleicht? 4 Kerzen auf einem Tannenring, sonntags ausschlafen und das Fehlen von Kopftüchern. Wobei, Korinther11:
    "Jede Frau aber, die betet oder weissagt mit unbedecktem Haupt, entehrtihr Haupt; denn es ist ein und dasselbe, wie wenn sie geschoren wäre. … Wenn es aber für eine Frau schändlichist, dass ihr das Haar abgeschnitten oder sie geschoren werde, so lass sie sich bedecken. Darum soll die Frau eine Macht auf dem Haupt haben, um der Engel willen … Urteilt bei euch selbst: Ist es anständig, dass eine Frau unbedeckt zu Gott betet?"


    Vielleicht hat Lehramtsstudent eine Idee.

  • Darauf hatten die Zeugen Jehovas doch schon eine Antwort. ;)


    Edit: In Bezug auf das Kopftuch.

    Einmal editiert, zuletzt von Wollsocken80 ()

  • @Krabappel: Wenn das wieder zu einem Kopftuchthread werden soll, entziehe ich mich einer Antwort. Die Wahrscheinlichkeit, dass eine Aussage am Ende gegen mich verwendet wird, ist mir dann doch zu hoch.

    Einmal editiert, zuletzt von Lindbergh ()

  • Inhalte religiöser Sozialisation:
    1. Interesse gegenüber religiösen Themen und Fragen
    2. positive Grundhaltung gegenüber einer bestimmten Glaubensgemeinschaft
    3. Erwerb von Wissen von inhaltlichen Annahmen und Glaubensüberzeugungen
    4. Entwicklung des religiösen Urteils im Sinne eines strukturgenetischen Prozesses
    (spektrum.de)


    Die studierten Religionslehrer können sicher besser erklären, was genau hinter den einzelnen Punkten steckt, aber ein mögliches Beispiel, neben den christlichen Festen wäre z.B. der Aspekt der Nächstenliebe. Kinder lernen das Prinzip meist anhand der Martinsgeschichte kennen und können dann im Anschluss überlegen, was die Moral der Geschichte für die heutige Zeit bedeutet und wie sie selbst im Rahmen ihrer Möglichkeiten Nächstenliebe praktizieren können.

    • @1 Warum muss der Unterricht dann konfessionell sein? Das steht diesem Zweck eher entgegen. Es gibt noch viele andere Religionen als das Christentum.
    • @2 Warum nur gegenüber "einer bestimmten Glaubensgemeinschaft"? Wenn man eine positive Grundhaltung gegenüber religiösem Glauben erreichen will, dann ist das nicht konfessionell gebunden. Ob die Grundhaltung zwangsläufig positiv sein muss oder entsprechender Untericht ergebnisoffen sein darf kann man diskutieren.
    • @3 Wieso muss das konfessionell gebunden sein? Es gibt deutlich mehr als eine Religion.
    • @4 Was das sein soll weiß ich nicht. Jedenfalls ist moralische Erziehung nichts religiöses. Denn sonst wären nur gläubige Christen gute Menschen (was auch immer das genau ist), was natürlich vollkommen absurd ist.


    Wir fassen zusammen: du weißt selbst nicht so genau, warum ein konfessioneller Religionsunterricht notwendig sein soll, bist selbst nicht religiös, aber Religionsunterricht gehört schon aus irgendwelchen Gründen zur deutschen Kultur dazu. Aus welchen auch immer.


    Wie man anderen helfen kann und nicht immer nur an sich selbst denkt, hat rein gar nichts mit Religion zu tun.

  • auch in Verbindung mit anderen philosophischen Fragen (Was kann ich wissen? Was darf ich hoffen? Was ist der Mensch?)

    Außerdem möchte ich noch erwähnen, dass SuS sich durchaus fragen, ob es einen Gott oder ein Leben nach dem Tod gibt.

    Auf solche Fragen (wie auf alle anderen auch) sollten wir den jungen Menschen ehrliche Antworten geben. Religion ist dazu nicht in der Lage, weil ihr die wissenschaftliche Grundlage fehlt und sie nicht bereit ist, ihre Behauptungen auch zu belegen.


    Wenn die Antwort "We have no idea." heißt, sollte man sie auch so aussprechen. Jemandem ein Leben nach dem Tode zu versprechen, das man nicht garantieren kann, ist schlicht Betrug.


    Da gibt es kein Auskommen, philosophische Fragen sollte man dann doch im Philosophie-Unterricht behandeln. Ich meine, das bietet sich doch an.

    „Fakten haben keine Lobby.“


    (Sarah Bosetti)

    Einmal editiert, zuletzt von O. Meier ()

  • was du weiter oben gefragt hattest - nun, sagen wir mal, diesen Völkern fühle ich mich jedenfalls eher verbunden als weltfremden Monotheisten usw. Insofern... die waren wohl die ersten, die die Länder hier an Rhein und seinen Nebenflüssen besiedelt haben. Und eine ganze Menge von deren Kultur mag ich...

    In diesem Thread kommt mir an einigen Stellen zu viel "wir" vor. Die einen rekurieren damit auf irgendwie christlich und die entsprechende Tradition. Stikt mir zu sehr nach Leitkultur. Das Referieren auf eine womöglich ältere Kultur mit dem Nexus, diese sei zuerst dagewesen, Anhänger andere Kulturen seien damit "Eindringlinge" riecht mir zu fremdenfeindlich. Ist wird schon ein Grund ahben, dass sichunter den Neu-Heiden auch Nazis tummeln. Da wäre ich dann dich vorsichtig.


    Beim "wir" in beiden Fällen halte ich die Gefahr, dass man da auch Personen vereinahmt, die da eben nicht zugehören (wollen), für zu groß. Warumkann man seine kulturellen Präferenzen nicht in der schönene ersten Person Singular formulieren.


    Auch wenn sie Ergebnis einer Entwicklung ist, so ist Kultur doch in weiten Teilen eine Zustandsbeschreibung, die häufig ohne Wertung daherkommt. Dass die Feststellung, das etwas so oder so sein, häufig als Begründugndafür herhalten muss, dass es auch gut so sei, ist nicht gerechtfertigt. Was mich betrifft so kann ich die Riten und Handlungen, die ich ausübe, aus sich heraus beurteilen. Dafür ist es mir wurscht, ob ich da gerade mit anfangen habe oder Menschen, von denen ich nichts weiß, vor tausend Jahren etwas ähnliches gemacht haben, ziemlich wurscht.

    „Fakten haben keine Lobby.“


    (Sarah Bosetti)

    Einmal editiert, zuletzt von O. Meier ()

    • Offizieller Beitrag

    Wenn die Antwort "We have no idea." heißt, sollte man sie auch so aussprechen. Jemandem ein Leben nach dem Tode zu versprechen, das man nicht garantieren kann, ist schlicht Betrug.

    Ich frage mich, wie hardcore-mäßig sich manche User den Reli-Unterricht vorstellen....


    Wer verspricht denn etwas? Wer garantiert etwas, wer will überhaupt eine Garantie?

  • Wer verspricht denn etwas? Wer garantiert etwas, wer will überhaupt eine Garantie?

    Das dürfte einer der Stellen sein, an den es schwierig wird, unterschiedliche Ideen unter dem Oberbegriff "Christentum" zusammenzufassen. Aber kläre mich doch mal auf, gibt es nach christlicher Vorstellung ein Leben nach dem Tode oder nicht. Und um Missverständnise zu vermeiden, von welcher christlichen Richtung reden wir dabei.


    Was die Garantien anbetrifft, so geben die Religionen jedenfalls keine. Aber Versprechungen sehe ich durchaus. Neben dem Christentum, meine ich, gbt es auch im Islam die Vorstellung vom Leben nach dem Tode. Im Buddhismus gibt es wohl die Idee der "Wiedergeburt". Aber das ist nur meine Außenbetrachtung. Wenn du da mehr weißt, bitte.

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    (Sarah Bosetti)

    2 Mal editiert, zuletzt von O. Meier ()

  • Ob die Schüler an Wiedergeburt glauben oder nicht, ist doch kein Bewertungskriterium im Religionsunterricht. Der Unterricht ist ja keine reine Wertevermittlung, sondern soll in erster Linie Inhalte vermitteln, die sich methodisch durchaus nicht von denen im Geschichts- oder Deutschunterricht unterscheiden. Die Schüler lernen also, dass die Wiedergeburt im Christentum eine zentrale Rolle spielt, können dies an zwei Beispielen festmachen und im dritten Schritt Bezüge zu ihrem Alltag herstellen. Das ist jetzt nicht weniger wissenschaftlich als wenn der Unterrichtsgegenstand "die Römer" oder "Sturm und Drang" wäre.

  • Klar, Religion ist quasi ein Fach wie jedes andere auch. Der Lehrer darf halt z.B. nicht ein zweites Mal heiraten oder schwul sein, aber sonst ist alles total locker und undogmatisch...



    Wikipedia mit Bezug aufs GG u. Bundesverfassungsgericht:


    "Religionsunterricht, Art. 7 Absatz 2, 3 GG
    [...]
    Religionsunterricht hat die Vermittlung von Glaubenssätzen einer Religionsgemeinschaft zum Gegenstand. Er beschränkt sich nicht darauf, diese mitzuteilen, sondern lehrt sie als Wahrheit."

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