Schulleistungstests

  • Okay, ihr Lieben, auch auf die Gefahr hin, dass die Frage einfach dumm ist, möchte ich sie dennoch gern hier stellen.


    Es geht mir um das Thema Schulleistungstests / Diagnostik:


    Einmal angenommen ich hab den Auftrag, den aktuellen Leistungsstand des Schülers xyz anhand von Schulleistungstests zu diagnostizieren und zu beschreiben und es ist klar, dass der Schüler aktuell NICHT mehr zielgleich unterrichtet wird. (Qualifizierter Nachteilsausgleich, Bundesland Hessen). Dann macht es doch keinen Sinn den Schulleistungstest der entsprechenden Klassenstufe durchzuführen. Einmal angenommen, der Schüler ist Klasse 4, macht es u.U. keinen Sinn den DEMAT 3+ durchzuführen, sondern eher den DEMAT 2+? Kann mir jemand sagen, wie ich das dann in einem Bericht zusammenfasse? Einmal angenommen der Schüler erreicht ein schwaches Ergebnis im DEMAT 3+, und ich möchte aber seinen aktuellen Leistungsstand beschreiben. Sprich ich führe dann den DEMAT 2+ und würde da ein Ergebnis im Durchschnittsbereich erhalten. Würde ich dann in einem Bericht schreiben (beispielhaft): "Schüler xyz befindet sich derzeit in der 4. Klasse. Im DEMAT 2+ erreichte er ein durchschnittliches Ergebnis. Auf dieser Grundlage ist davon auszugehen, dass er aktuell auf dem Leistungsstand der 2. Klasse ist." So? Ich finde es mitunter schwierig zu wissen, welchen Schulleistungsstand welcher Klassenstufe ich derzeit nutzen muss, um den aktuellen Lernleistungsstand zu ermitteln, wenn klar ist, dass der Schüler nicht mehr lernzielgleich beschult wird. Nehme ich da also den von dem ich glaube, dass der Schüler noch ein durchschnittliches Ergebnis erreicht? (Zumal der entsprechende Schulleistungstest der jeweiligen Jahrgangsstufe ja gar kein aussagekräftiges Ergebnis mehr erreicht, wenn klar ist, dass der betroffene Stoff nicht beherrscht wird!) Die Frage war halt um wie viel Jahre liegt der aktuelle Lernstand zurück. Ich wäre um Infos dankbar. Vielen lieben Dank :).

  • Genau so wird das in Hessen bei uns con den BFZlern gehandhabt.
    Demat 2+, in 4. Klasse bedeutet 2 Jahre Lernrückstand und den 'brauchst' du ja für eine förderdiagnostische Stellungnahme.

  • Es kommt wohl auf das Ziel an. Wenn du Normwerte benötigst, brauchst du natürlich einen Test, der für das Alter bzw. die Jahrgangsstufe des Schülers normiert ist. Geht es dir um die Ableitung der nächsten Förder-/Therapieziele, dann ist natürlich ein Test sinnvoller, der detaillierter in dem aktuellen Lern-/Entwicklungsbereich des Schülers differenziert.

  • ...
    Einmal angenommen ich hab den Auftrag, den aktuellen Leistungsstand des Schülers xyz anhand von Schulleistungstests zu diagnostizieren und zu beschreiben ...


    ...Die Frage war halt um wie viel Jahre liegt der aktuelle Lernstand zurück.

    Was genau ist die Frage?


    DEMAT3+ "Einsatzbereich




    Die letzten sechs Wochen der dritten Klasse und die ersten sechs Wochen der vierten Klasse. Gruppentest zur Erfassung von besonderen mathematischen Leistungsstärken und -schwächen mit den Zielen:

    • der Erstellung von Förderdiagnosen
    • der Abschätzung eines individuellen Risikos einer Rechenstörung
    • der ergebnisorientierten Erfassung von Leistungsmerkmalen von Schulkindern, Klassen und Schulen
    • der Bereitstellung eines Messinstrumentes für unterrichtsbezogene Evaluations- und Qualitätsentwicklungsmaßnahmen im Rahmen von Vorher-Nachher-Untersuchungen
    • der ökonomischen Testung großer Stichproben im Bereich der Forschung"


    Ich frage mich, ob der Test überhaupt der ist, mit dem du rausfindest, was du wissen willst? Willst du Fördervorschläge entwickeln, dann kannst du m.E. den für jüngere Kinder nehmen. Willst du einen Vergleich zur Altersgruppe, macht nur der für Gleichaltrige Sinn. Ich weiß nicht, ob das.geht: Einfach den für Jüngere machen und daraus zu schließen, dass das Kind sich auf dem Stand eines Jüngeren befindet? Kenne ich so nicht.



    Bei uns gibt es diese "Zweijahresrückstandsklausel" auch gar nicht, in welchem Bundesland bist du?

  • Ihr habt mir sehr weiter geholfen :). Vielen lieben Dank. Das mit den zwei Jahren war mir bislang auch noch nicht bekannt. Ich bin noch nicht lange im BFZ. Und ich bin gerade etwas erleichtert, dass nicht nur ich so irritiert war :).


    Schmeili: OH :) jemand der auch in Hessen im BFZ arbeitet. Danke für deine Rückmeldung. Wählst du dann bei vorliegen eines qualifizierten Nachteilsausgleich und der Frage nach einer FDS den Schulleistungstest aus, der um zwei Jahre zurück liegt? Also 4. Klasse DEMAT 2+ und HSP2? Und wie schreibst du das dann im Abschlussbericht? Die Durchführung des DEMAT 2+ ergab den Prozentrang xyz. Dieses Ergebnis liegt im durchschnittlichen Bereich. (Dann Darstellung der Ergebnisse) Der aktuelle Lernstand des Schülers liegt damit um mehr als zwei Jahre zurück. So? Ich finde diesen Rückschluss allerdings auch fragwürdig. Hm. Falls das für dich in Frage kommt: würdest du mir einen deiner Abschlussberichte in denen du das so formuliert hast mal komplett anonymisiert (ist ja klar) zu kommen lassen?


    Krabappel: Ja genau. Der Altersbereich ist mir bekannt. Deshalb war mir auch nicht klar, wann ich den für jüngere machen soll (bzw. Fördervorschläge klar, nachvollziehbar) aber das mit dieser Zweijahresklausel kannte ich bislang nicht und ich wusste auch nicht, dass es dann so gehandhabt wird, wie hier weiter oben beschrieben.


    Plattenspieler: Danke. Ja so hatte ich das bislang auch gedacht. Und jetzt diese Zweijahresklausel (Das Wort trifft es :)) kennen gelernt. Und da war ich überfragt.


    Ich danke euch, dass ihr mir hier gerade so helft Licht ins Dunkel zu bringen. :D

  • ...Die Durchführung des DEMAT 2+ ergab den Prozentrang xyz. Dieses Ergebnis liegt im durchschnittlichen Bereich. (Dann Darstellung der Ergebnisse) Der aktuelle Lernstand des Schülers liegt damit um mehr als zwei Jahre zurück. So? Ich finde diesen Rückschluss allerdings auch fragwürdig. ...

    Ich glaube nicht, dass das geht. Und ich verstehe auch nicht, warum du das so machen möchtest? Der Test ist dafür da, in groß angelegten Studien Schulentwicklung zu betreiben.


    Wenn du noch besser rausfinden kannst, wo es bei dem Kind genau hapert und wo es läuft, also auf welchem Lernstand es steht, dann nutzt er dir vielleicht auch.


    Was machst du aber z.B. bei einem Achtklässler mit Lernproblemen? auch einen Test für Zweitklässler und wenn durchschnittlicher Wert, dann ist der Schüler Niveau Klasse 2? und wenn er gut abschneidet, nimmst du den fürs 3. Schuljahr und probierst dich so durch? Mir scheint das ziemlich sinnfrei.


    Ich überlege gerade, ob es dasselbe wäre, einen IQ-Test anzuwenden, das vermutete Entwicklungsalter anzugeben und dann den IQ für durchschnittlich zu erklären, weil zum geschätzten Entwicklungsalter passen die Ergebnisse ja :sterne:


    @Valerianus kennt sich da aus...

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  • Vorschlag: schreib doch einfach hin, was du beobachtet hast. In Mathe beherrscht das Kind blablub im Schriftspracherwerb blabla. Dies entspricht den Lehrplaninhalten des zweiten Schuljahres?

  • Das letzte Mal, dass ich das Manual für einen der DEMAT-Tests in der Hand hatte ist schon ein paar Jahre her, aber wenn ich mich richtig erinnere sind da am Ende die t-Werte und Prozentränge für die Kinder angegeben, die sich in am Ende der Klassenstufe befinden (Demat 3+ also Ende Klasse 3) und für Schüler die sich am Anfang der nächsten Klassenstufe befinden (im Beispiel also Anfang Klasse 4). Einen Prozentrang für ein Kind zu bilden, dass zu einem anderen Zeitpunkt getestet wird (beispielsweise schon Mitte Klasse 3 oder Mitte Klasse 4) ist eigentlich nicht zulässig und eine darauf basierende Dyskalkulie-Diagnostik (in Verbindung mit einem Intelligenztest) fehlerhaft. Dafür nimmt man dann einen altersangemessenen Test und lässt das Kind voll vor die Wand fahren (PR 0 oder so was).


    Der Schluss, dass ein Kind das im DEMAT 2+ durchschnittliche Ergebnisse erzielt auch nur auf dem Stand eines durchschnittlichen Zweitklässlers sei, ist meiner Meinung nach auch nicht zulässig, da die Tests sich ja an die Lehrpläne anlehnen und damit zum Beispiel gar nicht festgestellt werden könnte, ob ein Kind nicht bestimmte Inhalte späterer Jahrgänge beherrscht, aber einzelne Grundlagen nicht verstanden hat. Ich würde hier eher einen Test anwenden, der für eine größere Spanne von Jahrgangsstufen geeignet ist, für mathematisch schwache Kinder bietet sich da Teddy-PC und Zareki-R an, die sind auf Dyskalkuliediagnostik ausgelegt...

    If you look for the light, you can often find it.
    But if you look for the dark that is all you will ever see.

    Einmal editiert, zuletzt von Valerianus ()

  • Also ich danke euch für eure Einschätzung und ich verstehe diese Einwände. Ich werde dann jetzt dennoch noch mal im BFZ nachfragen, wie das dort gehandhabt wird. Und auch mal diese Einwände vorbringen.

  • Nein, nein! ICH bin keine BFZ Lehrkraft. Ich schilderte das Vorgehen der BFZler bei uns an der Schule.


    In meinem geshcilderten Fall geht es nicht alleine (eigentlich gar nicht) darum zu schauen, was das Kind kann - denn das weiß die BFZ-Kraft schon dadurch, dass sie bereits seit zwei Jahren mit diesem Kind arbeitet. Nach einer Klassenzurücknahme und einem lernzielabweichenden Nachteilsausgleich geht es jetzt aber darum festzustellen, wie groß der Lernrückstand ist. Hierfür würde es gar keinen Sinn machen den altersgemäßen bzw. klassengerechten Leistungstest zu nehmen, da er das ja gar nicht können KANN. Also muss man hier soweit zurückgehen, bis man bei den Dingen ist, die er eben können kann. Es geht also keinesfalls um eine reine Diagnostik, sondern um eine Einstufung in Form des Abschlussberichts für die Beantragung einer förderd. Stellungsnahme.
    Ich habe dieses Vorgehen der BFZler nie angezweifelt, da es sehr sinnvoll erscheint. ;)

  • ...
    In meinem geshcilderten Fall geht es nicht alleine (eigentlich gar nicht) darum zu schauen, was das Kind kann - denn das weiß die BFZ-Kraft schon dadurch, dass sie bereits seit zwei Jahren mit diesem Kind arbeitet. Nach einer Klassenzurücknahme und einem lernzielabweichenden Nachteilsausgleich geht es jetzt aber darum festzustellen, wie groß der Lernrückstand ist. Hierfür würde es gar keinen Sinn machen den altersgemäßen bzw. klassengerechten Leistungstest zu nehmen, da er das ja gar nicht können KANN. Also muss man hier soweit zurückgehen, bis man bei den Dingen ist, die er eben können kann. Es geht also keinesfalls um eine reine Diagnostik, sondern um eine Einstufung in Form des Abschlussberichts für die Beantragung einer förderd. Stellungsnahme.

    Wie gesagt, man kann hinschreiben, dass das Kind im Zahlenraum bis X dies und jenes kann und das dem Lernstand Klasse Y entspricht. Die Aussage "Kind ist auf dem Lernstand Klasse Y, weil es in einem für eine andere Altersgruppe normierten Test "durchschnittliche Ergebnisse" (also wusste manches, manches nicht") erreicht, geht m.E. nicht.


    Zudem, wie schon angemerkt wurde, wird das, was das Kind aus dem aktuellen und letzten Schuljahr verstanden hat auf diese Weise gar nicht erfasst.


    Der Sinn von standardisierten Tests ist doch gerade der Vergleich zur Leistung vieler anderer desselben Alters. Also: Aufgaben aus dem Test übernehmen, um den Lernstand zu beschreiben ja, aber das Testergebnis zur Einstufung in einen Jahrgang: nein. Auf die Weise könnte man ja jeden zum Zweitklässler ernennen.


    Aber ich bin gespannt, was die TE berichtet.

  • Was soll das Kind denn aus dem aktuellen Schuljahr verstehen, wenn es nicht mehr lernzielgleich unterrichtet wird, sondern aktuell den Lernstoff aus der zweiten Klasse bekommt?

  • Darf ich mal fragen, welches BFZ das ist? HG, F und OF weichen beispielsweise in ihrem Vorgehen deutlich voneinander ab... Ich gehe davon aus, dass GI und KS nochmal anders arbeiten.

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