Handlungsorientierter Grammatikunterricht: WORTARTEN

  • Hallo zusammen,


    bei mir steht demnächst mal wieder ein UB im Fach Deutsch (Klasse 3 BW) an.


    Ich soll eine Übungsstunde zu den Wortarten zeigen. (Leider habe ich selbst kein Einfluss auf das Thema!)


    Mein Problem ist, dass es eine Übungsstunde ist und somit das Wissen in dieser Stunde ja eigentlich gefestigt werden sollte.
    Die Stunde soll aber gleichzeitig die Kinder zum Nachdenken anregen und eine kognitive Aktivierung sollte sichtbar werden!


    Ich weiß leider nicht, wie ich dies umsetzen kann?!


    Mein ursprünglicher Plan war, dass ich eine Lerntheke zum Thema Wortarten anbiete. Einstieg: Wörter an der Tafel ordnen lassen- dies begründen lassen- Wiederholung Wortarten - dann die Lerntheke- Abschluss Reflexion.
    Meinte Mentorin ist von dieser Idee leider kein Fan und möchte eine handlungsorientierte Stunde sehen, die die Kinder aktiviert und alle bei der Sache dabei sind.


    Hat jmd von euch vll einen Tipp für mich?


    Vielen vielen Dank im Voraus!


    Rosemary

  • Es ist lange her, dass ich es in der Hand hatte. Ich erinnere mich nur daran, dass ich es didaktisch sinnvoll, in sich logisch fand und schöne Methoden darin zu finden waren.

  • Hallo!


    Wenn die Schüler bereits die Wortarten kennen und der Unterricht handlungsorientiert sein soll, was hältst du von Enzensbergers "Der Zipferlake" als Stundengrundlage? Das ist ein Gedicht mit vielen Fantasiewörtern, und die Schüler sollen aufgrund des Satzbaus ermitteln, um welche Wortart es sich bei den einzelnen Wörtern handelt. Je nachdem, wie viel Zeit du hast, könntest du vorher noch kurz die Wortarten mit den Kindern "auffrischen" oder sie nachher selbst ein Quatschgedicht schreiben lassen, wobei zwei Kinder im Anschluss vorlesen dürfen und die Mitschüler Ausschnitte in Bezug auf Wortarten "analysieren". Zuletzt dürfen die Kinder reflektieren, wie sie diese Übung fanden und woran sie festmachten, dass Wort XYZ ein Nomen, ein Verb oder ein Adjektiv ist. Diese Strategien helfen ihnen dann auch später, Wörter außerhalb ihres Vokabulars in dieses Schema einordnen zu können.


    Mit freundlichen Grüßen

  • Es kommt halt darauf an, was deine Mentorin konkret sehen möchte. Du schreibst ja, dass möglichst alle Schüler aktiviert werden sollen. Das erreichst du vermutlich noch am ehesten über Bewegung. Wie wäre es damit, dass du einen Text vorliest und die Schüler bei jedem Nomen klatschen, bei jedem Verb stampfen und bei jedem Adjektiv schnipsen müssen? Du könntest dann ja auch ein paar Fallen wie substantivierte Verben einbauen und die Schüler dann fragen, wenn sie falsch reagierten, warum sie dachten, dass es sich um ein Verb statt ein Nomen handelt. Auch hier könnten die Schüler wieder einen Text schreiben und dann im Anschluss ausprobieren. Wichtig finde ich hier immer, dass die Schüler am Ende ihre Herangehensweise schildern und so über Strategien sprechen, was sicher auch deiner Mentorin wichtig sein dürfte.
    Die Sache mit dem Gedicht kenne ich noch aus dem Studium, aber ausprobiert habe ich es (noch) nicht.

  • Ich bezweifle nur, dass das meiner Mentorin so gefallen würde :grimmig:

    1. das weißt du erst, wenn du's ausprobiert hast
    2. so relevant ist deine Mentorin nun auch wieder nicht
    3. Eine Mentorin, die sagt: lass das mal, mach dafür "irgendwas Handlungsorientiertes" hat selber keine Lust, sich Gedanken zu machen.


    Die Idee ist witzig und sinnig, würde ich sofort ausprobieren. Oder das obige Buch ausleihen, wenn's weniger originell sein soll ;)

  • Ich habe mir nun eine Alternative überlegt....


    Unsere Einheit dreht sich im Moment ja noch um die Adjektive...
    ich habe ein bisschen bei Pinterest gestöbert und eine Idee mit einer Täterbeschreibung gefunden....


    Überlegung zur Stunde:
    Zu Beginn wird eine Täterbeschreibung vorgelesen (nachdem die Rahmenbedingungen klar sind), diese erhält aber nicht viele Adjektive und entspricht somit allen Tätern (Der Täter trägt ein Pullover, eine Hose, hat kurze Haare....)
    Die SuS sollen dem Zeugen einen Tipp geben, wie er die Täterbeschreibung zielführender verfassen hätte können -> Adjektive
    => Kognitive Aktivierung????
    Im Anschluss dürfen die Schüler einen Täter auswählen, diesen näher beschreiben.
    Diese Täterbeschreibungen werden im Plenum oder in Gruppen vorgelesen und die Schüler müssen erraten um welchen Täter es sich handelt.
    Reflexion: Welche Funktion (?) haben Adjektive?


    Ziel der Stunde: Durch Adjektive können Nomen näher beschrieben werden


    1) Was haltet ihr von der Überlegung?
    2) Geht dieser Verlauf zu sehr in das Thema Personenschreibung?

  • Die Idee mit der Täterbeschreibung finde ich an sich gut, wobei ich denke, dass es mit Hinblick auf das Stundenziel eher eine Einführungsstunde in das Thema Adjektive ist. Die Kinder könnten als Adjektive Farben einsetzen (bei der Kleidung, der Augen- und Haarfarbe) und Adjektive wie "lang, kurz, lockig, dick, dünn, groß, klein, gestreift etc.". Es wird meiner Ansicht nach deutlich, dass Adjektive die Nomen näher beschreiben. Man kann auch gut die passenden Wie-Fragen einüben, um ein Adjektiv zu finden: Wie ist der Pullover? Rot-blau-gestreift. Wie ist die Hose? Braun. etc. Ich würde dann zur Eigenarbeit der Schüler einen Lückentext vorgeben, in den nur die Adjektive hineingehören.



    Ich hätte sonst eine Spielestunde zum Thema Wortarten vorgeschlagen.
    Erst ein Wortartenrätsel. Du oder ein Kind liest vor: "Ich werde immer groß geschrieben. Ich geben den Dingen ihren Namen etc." "Ich sage, wie etwas ist...." Die Kinder sagen die Lösung. Die entsprechende Bezeichnung an die Tafel schreiben. Die Erklärungen dazuheften.


    Wortartenquiz: Jedem Kind eine Karte geben. Auf manchen stehen Nomen, auf anderen Adjektive usw. Die Kinder heften ihre Karten unter die entsprechende Wortart an der Tafel. Gemeinsame Kontrolle. Dabei Wiederholung durch die Kinder: Wie kann man herausbekommen, ob es Nomen, Verb, Adjektiv ist. Kinder erklären.


    Tafel aufklappen. Dort sind große Dominokarten angeheftet. Die Kinder sollen sie ordnen, z.B. "Start:Julias Pferdedomino / Pferd" -->
    "Nomen - Namenwort/ wiehern" --> "Verb - Tuwort / reiten" --> "Verb-Tuwort / braun" --> "Adjektiv - Wiewort / Fohlen" --> usw. ".../ Ende"
    Einmal durchspielen. Dann ankündigen, dass die Kinder gleich selbst so ein Spiel für die Klasse basteln dürfen.


    Es gibt verschiedene Themen. Die Kinder wählen ein Wunschthema aus, schreiben ihren Namen auf die Startkarte, schneiden die Karten aus und spielen das Domino. Als Differenzierung können die Kinder selbst Blankodominokarten mit Beispielwörtern zu einem Thema beschriften. Dort ist dann nur die Wortart vorgegeben, das Beispielwort wird selbst geschrieben oder bei sehr fitten Kindern, beschriften sie ihr Spiel komplett alleine.


    Die Kinder holen das Material. Die Kinder legen ihre Dominos zusammen. Am besten Lösungsblätter bereithalten, damit sie selber kontrollieren können. Du kontrollierst die selbst beschrifteten Karten. Zum Schluss werden Spiele von anderen Kindern ausprobiert.


    Das Material kann in folgenden Stunden wieder genutzt werden.

  • finde ich schön, möchte aber zu bedenken geben, dass basteln aller art wie hier mit der schnippelaktion erfahrungsgemäß gerne mal sehr (!) viel länger dauert als geplant, hohes chaospotential hat und bei kindern ohne feinmotorik ziemlich lustig werden kann (also, wenn man es mit humor nimmt).


    was mir sonst so einfällt: stadtlandfluss mit wortarten, activity mit wortarten, wortschlange und diese dann nach wortarten sotieren lassen, irgendeine lesespur, bei der sich der weg durch wortartenzuordnung erschließen lässt.


  • Ziel der Stunde: Durch Adjektive können Nomen näher beschrieben werden

    Ich dachte, du hättest bereits alle Wortarten eingeführt?


    Du musst erst mal das Ziel klar kriegen. Und handlungsorientierter als die Lerntheke ist die Idee auch nicht fürchte ich.

  • Also, das ist der Anfang der 3. Klasse.


    Es gibt jetzt zwei grundlegende Dinge:
    Geht es um die Aktivierung der Wortarten (Nomen, Verb, Adjektiv, Artikel) auf dem Niveau vom 2. Schuljahr?


    Oder: Wurden die Wortarten schon wiederholt und erweitert um irgendwelche Eigenschaften und sollen jetzt zusammengefasst werden?
    Das wäre meines Erachtens zu früh zum jetzigen Zeitpunkt, da hätte man die Wortarten im Riesentempo wiederholt und erweitert.


    Wenn es also um die Aktivierung von vorhandenen Wissen vom 2. Schuljahr geht, würde man anders ansetzen wie wenn man die Wortarten am Ende einer Einheit nochmals übt.



    Aktivierung:
    Bei der Aktivierung vom zurückliegenden Wissen kann man auf einem Weg die Wortarten "neu" entdecken lassen. (Z.B. anhand von einem schönen Text oder unterschiedlichen Texten arbeitsteilig in Gruppenarbeit oder Wörtern mit einer kooperativen Methode die Wortarten herausfinden lassen, vorstellen und begründen, warum, Eigenschaften der Wortarten formulieren etc. , ist aber etwas anspruchsvoll, geht aber bei einer 3. Klasse, die ein solches Arbeiten kennt)


    Man könnte auch verschiedene Wörter Wortarten zuordnen lassen z.B. in PA, dann die Ergebnisse an der Tafel sammeln und im Kinokreis mit ein paar schönen vorgefertigten Kriterien der Wortarten besprechen/zuordnen und dann die Schüler eine verwandte Übungsaufgabe als Sicherung machen lassen.


    Ich habe z.B. schon öfter Schüler Wörter vorgegeben und gesagt, sie sollen sie irgendwie ordnen.
    Die einen haben es nach dem ABC geordnet, ein andere nach Bedeutungen die nächsten nach Wortarten. Das ist eine kognitive Aktivierung, allerdings mit kreativem Spielraum.
    Da muss man dann überlegen, wie man schlau die Brücke zu dem schlägt, was man will.



    Wenn es am Schluss einer Einheit Thema ist:
    Hingegen am Schluss einer Einheit ist es didaktisch mit am sinnvollsten, wenn man diese im Stationenbetrieb/ einer Lerntheke etc. einübt/wiederholt.


    Das muss erst geklärt sein, dann kannst du weiter planen.


    Den schönen Vorschlag von Lehramtsstudent würde ich eher im 4. Schuljahr verorten (probiere ich mal aus, danke für die Idee) oder bei einer außergewöhnlich guten Klasse könnte ich es mir am Ende einer Einheit mit Risiko vorstellen.

  • Wir haben bereits in den letzten Wochen die Nomen/Verben und Adjektive wiederholt und teilweise auch erweitert. Im Moment sind wir noch bei den Adjektiven. Es geht also nicht um eine Aktivierung sondern um das Festigen des Wissens -> Ende des Monats schreiben wir einen Grammatiktest über alle Wortarten.


    Stationenarbeit/ Lerntheke wurde mir abgeraten, da man dann von mir (als L.) nichts sehen würde....Obwohl die vom Seminar ja eigentlich wollen, dass man sich zurück nimmt....

    • Offizieller Beitrag

    Ich schließe mich Krabapple an: Du brauchst ein konkretes Ziel. Mir ist nicht klar, was die Kinder können. "Alle Wortarten", aber sie wissen nicht, dass ein Adjektiv ein Nomen näher beschreibt? Komisch.
    Wie lange haben die Kinder das denn in letzter Zeit geübt? Zwischen "können" und "können" kann es erhebliche Unterschiede geben.


    Täterbeschreibung: Wäre eher eine Einführungsstunde oder die erste Folgestunde nach der Einführung.
    Die Vorschläge von Cat1970 und keckksfinde ich gut, genauso wie das Lapbook.
    Wie wäre es, das Domino schon vorher (ohne UB) vorzubereiten und dann in der besagten Stunde ausprobieren zu lassen? Dann fällt das Risiko des Bastel-Chaos' weg.
    Beim Lapbook hast du aber auch das Bastel-Problem, ich würde nicht drauf wetten, dass das in der 3. schon selbstständig klappt. Eher einen Teil in der Stunde anfertigen.


    Vom Zipferlak möchte ich aus meiner Erfahrung (auch der aus meiner derzeitigen, "normalen" Schule) heraus absolut abraten.
    Die Kinder sind am Anfang der 3., d.h. die haben gerade erst die Klasse 2 hinter sich. Viele können ganz gut lesen, aber nicht alle. Beim Lesen sind sie oft noch darauf konzentriert, dass ein Wort einen Sinn ergibt. Es muss einen Sinn ergeben, das gehört zu den grundlegenden Regeln des Lesens für diese Altersklasse dazu. Sie werden stolpern und bei jedem Wort fragen, was das heißt.
    Daran, dass es Quatschwörter gibt, musst du die Kinder in diesem Alter gewöhnen. Dann können sie sich mit dir gemeinsam über Quatschwörter freuen, aber der Bogen zur Grammatik ist dann ungefähr eine Weltreise, denn die Grammatik wird in diesem Alter eher intuitiv am Gesprochenen beherrscht.
    Der Deutschunterricht arbeitet daran, dies auf die schriftliche, abstrakt-formale Ebene zu übertragen - jahrelang.
    Diese Ebene zu durchschauen ist so schwierig, dass die Wortarten in Klasse 3 im Allgemeinen noch nicht beherrscht werden - zumindest nicht so gut, um Adjektive und Verben im Zipferlak-Gedicht zu erkennen. Das kannst du probieren, wenn du ohne bewertende Blicke in der Klasse bist - und vielleicht am Ende des Schuljahres oder in der 4.

    SCHOKOEIS!


    Ich lese und schreibe nach dem Paretoprinzip.

  • Ich finde die Idee, die Kinder etwas beschreiben zu lassen, sehr gut! Das muss nicht unbedingt eine Person sein, sondern vielleicht auch ein Tier o.ä., wenn du Angst hast, sonst das Thema Personenbeschreibung zu sehr vorzugreifen.


    Ich würde vielleicht unterschiedliche Tiere als Bild mitbringen, die alle einige Eigenschaften gemeinsam haben (Hufe, Schwanz, Fell, Hörner o.ä.) und du beschreibst diese ohne Adjektive. Die Kids sollen raten, welches Tier du genau beschreibst.


    Stichwort “kognitive Aktivierung“: Alle werden ziemlich flott darauf kommen, dass da etwas fehlt zur genauen Bestimmung: das kannst du dann benennen lassen.


    Dann wird noch mal gesammelt, was Adjektive können und wie sie aussehen.


    Danach (Stichwort “ kognitive Aktivierung“ und “Handlungsorientierung“) beschreiben sie in einem Lückentext ein Tier für ihren Nachbarn und dann kann man das am Ende noch vorstellen lassen :)


    Ad “Lapbook“: ich habe meine damaligen Drittklässler auch ein Lapbook gestalten lassen. Sie fanden es toll, aber es war wirklich schwer zu Beginn für sie und sie brauchten bei der Bastelei viel Anleitung und Unterstützung! Aber als Lernprodukt ist es toll! :)

  • ich unterricht am gym, bei uns gibt es das nur mal als spielerei oder im daz-förderunterricht.


    ad quatschwörter für grammatik: das war zu meiner schulzeit vor vielen monden teil der üblichen grammatikübungen für 5er in deutsch, bei ca. zwanzig prozent übertrittsquote. wir haben jetzt hier um die neunzig prozent übertritt und nach klasse 4 und in meiner aktuellen 5 kamen letzte woche mit dem versuch, die verben aus dem guten alten ballade vom estamen klimasch (pastior) hrerauszusuchen, höchstens zwei drittel der klasse alleine zurecht. insofern halte ich grammatik anhand von unsinnswörtern in der gs für wirklich sehr ambitioniert.

  • OT, aber ihr habt 90% Übertrittsquote ans Gymnasium? Die Lehrer der 4. Klassen weisen Eltern und Schüler aber schon darauf an, dass es mehrere Schulformen gibt und dass ein 4er-Kandidat nicht unbedingt am Gymnasium gut aufgehoben ist, oder?

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