Zweitfach - aber welches nur?

  • Hi!


    Ich werde nächstes Jahr vermutlich mein Abitur bestehen (bei gleichbleibenden Noten etwa 2.1 oder 2.2) und träume davon, danach Lehrer (Gymnasium/Gesamtschule) zu werden.
    Kopfzerbrechen bereitet mir dabei aber die Wahl eines zweiten Faches, besonders, da mein schon entschiedenes Fach (Italienisch) nicht so nette Aussichten bietet.
    Zur Wahl stehen eigentlich nur Englisch, Deutsch und Geschichte, mein Interesse an Geschichte ist dabei ein bisschen höher als an den anderen Fächern.


    Macht die Kombination überhaupt Sinn? Mir ist klar, dass keiner weiß, wie der Lehrerbedarf in sieben bis acht Jahren aussehen wird, aber ich möchte ungern direkt eine KO-Kombination wählen.



    Alternativ würde ich, gegebenenfalls anschließend, Informatik als Drittfach studieren, da heißt es immer, es gebe so viel Bedarf, dass man sich seine Schule praktisch aussuchen könne (was für mich absolut perfekt wäre) (Info und Italienisch sind in NRW (Uni der Wahl ist die RUB) ja leider beide nur Ergänzungsfächer, kommen also zu zweit nicht infrage).
    Mathe und Naturwissenschaften fallen weg - da komme ich teilweise nicht hinterher, für Philosophie, Latein und Französisch kann ich mich einfach nicht begeistern.


    Was könnt ihr mir da raten?


    LG

  • Mit "Italienisch" als Fach wohl kaum, wobei da ggf die Berufsschule noch eine Idee wäre.


    Aber vorweg eine ganz wichtige Frage...
    Wieso ausgerechnet Lehrer? Was erwartest du von diesem Beruf, wvon bist du so "begeistert" - auch wenn du das aus der anderen Perspektive noch gar nicht kennst?

    Der Zyniker ist ein Schuft, dessen mangelhafte Wahrnehmung ihn Dinge sehen lässt wie sie sind, nicht wie sie sein sollten. (Ambrose Bierce)
    Die Grundlage des Glücks ist die Freiheit, die Grundlage der Freiheit aber ist der Mut. (Perikles)
    Wer mit beiden Füßen immer felsenfest auf dem Boden der Tatsachen steht, kommt keinen Schritt weiter. (Miss Jones)
    Wenn der Klügere immer nachgibt, haben die Dummen das Sagen - das Schlamassel nennt sich dann Politik (auch Miss Jones)

  • Ich würde von allen o.g. Kombinationen dringend abraten und Info auf jeden Fall dazu nehmen, wobei ich hoffe, dass du das nicht unterschätzt :).

    There are only 10 sorts of people - Those who know binaries and those who don't.

  • [...]Informatik als Drittfach[...]
    Mathe und Naturwissenschaften fallen weg - da komme ich teilweise nicht hinterher[...]

    Vielleicht kann da mal jemand was zu sagen, der Informatik auf Lehramt gemacht hat.
    Ich kenne es nur vom normalen Informatikstudium. Da ist sehr mathelastig und definitiv nichts für jemanden, der kein Mathe mag/kann.


    Darüber hinaus solltest du nicht auf ein Drittfach zwecks Einstellungschance bauen. Auch ein Drittfach macht Arbeit und bindet Ressourcen im Studium. Die wenigsten studieren das mal eben nebenher, zumal wenn es kein verwandtes Fach zu einem der anderen Fächer ist. Oft verlängert es das Studium oder geht zu Lasten der anderen Fächer. Wenn du eine wenig gesuchte Fächerkombination hast, brauchst du gute Noten.
    Konzentrier dich lieber erst auf deine Hauptfächer.

  • Danke für eure Antworten bis jetzt.


    Eine Arbeit an Haupt- oder Realschulen kann ich mir vorstellen, allerdings wenn überhaupt nur als "zweite Wahl".


    Vom Lehramt erhoffe ich mir vor allem, einen Beruf mit Wirkung auszuüben (ein einfacher Bürojob, beispielsweise in einer Bank, spricht mich einfach nicht an, ich möchte irgendwas machen, was anderen in ihrem Leben voranbringt). Auch gefällt mir die Möglichkeit, Dinge zu vermitteln, die einen selber interessieren.


    Die Prognose kannte ich bisher nur in der älteren Version, sollte das wirklich so aussehen, kann ich Geschichte ja tatsächlich vergessen, zumindest mit Italienisch.
    Gilt das aber auch mit Drittfach Informatik?
    Sollte sich ein Drittfach wirklich so schwierig darstellen, würde ich wohl Italienisch weglassen und dafür Informatik mit Geschichte paaren (macht das überhaupt Sinn?).
    Wie sieht es ansonsten mit SoWi/Geschichte oder SoWi/Info aus? Ebenfalls Kombinationen, die ich mir gut vorstellen könnte.


    Was ich mich auch frage - wenn alle ihre Fächer nach aktuellem Bedarf und aktuellen Prognosen wählen, wird es dann nicht in Zukunft wieder Mängel an aktuell überlaufenen Fächern geben?

  • Tja... wie sag ich das jetzt diplomatisch...
    Es war schon zu meiner Studienzeit so, und ist offenbar heute nicht wirklich anders - (achtung, bewusst polemisiert) jeder Honk meint, für Germanistik und Geschichte müsse man ja nix tun, das ist ja nur Gelaber, und das macht man so "nebenher".
    Das Resultat sind eine Menge Germanisten und Historiker, die schauen müssen, was "übrigbleibt", wenn sie denn überhaupt was bekommen (und ob sie als Lehrer was taugen steht auf einem ganz anderen Blatt).
    Bei Informatik kommt noch dazu (zumindest mein Eindruck, da kann mich gerne wer "vom fach" korrigieren, ich kenne es ja nur aus Schülersicht): Da ist alles was eben noch aktuell war scon wieder alter Hut. Ich glaube kaum, mit dem, was ich selber in "Informatik" so gelernt habe (hauptsächlich eine Portion Turbo-Pascal), heute noch irgendwen hinterm Ofen vorholen zu können. Und solche Materie zu unterrichten... als ich Schülerin war, waren unsere Informatiklehrer samt und sonders Mathelehrer mit irgendeiner Zusatzquali.


    Dann zu deinen Interessen... Italienisch ist so ne Sache... das bieten eben nicht so viele Schulen an, insofern ist da die Nachfrage eher situationsbedingt (wenn mal wieder ein entsprechender Kollege pensioniert wird zB).
    Du erwähnst Interesse an SoWi... ggf auch "Wirtschaft"?
    Ich spinn mal laut rum...
    vielleicht wärest du mit sowas wie Wirtschaft/Informatik und dann Italienisch als Bonus für eine Berufsschule interessant (zB eine, die Außenhandelskaufleute ausbildet)?

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    Die Grundlage des Glücks ist die Freiheit, die Grundlage der Freiheit aber ist der Mut. (Perikles)
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  • Es ist halt nur eine Prognose, keine Garantie.
    Natürlich sähe die Realität in 5 Jahren sehr anders aus, wenn jetzt jeder das selbe studiert. Ansatzweise sieht man die Folge bei Deutsch/Geschichte. Leider gibt die Prognose keine Auskunft über Fachkombinationen.


    Du solltest bei deiner Fächerwahl auch bedenken, dass du die Fächer anschließend auch 40 Jahre unterrichten mußt. Wenn du da keinerlei Interesse und Begeisterung für deine Fächer hast, weil du sie nur nach der Prognose ausgesucht hast, dann wirst du die Zeit nicht durchhalten. Von daher macht es Sinn seine Fächer nach Interesse, Talent und Prognose zu wählen.


    Letztendlich kannst du aus der Prognose folgendes herauslesen:
    Je weiter deine Fächer im Bereich geringe Bedeutung/geringer Einstellungschancen liegen, umso wichtiger werden die Noten, Glück und Zufall bei der Einstellung und ein Plan B, falls es nicht sofort klappt.
    Plan B kann heißen: Jobalternative außerhalb der Schule, Schulformwechsel, Bundeslandwechsel oder Inkaufnahme von befristeten Vertretungsverträgen bis zur Festeinstellung.

  • Das ist alles schwierig zu beantworten.


    G/Info ist sicher eine ungewöhnliche Kombination, aber diu weißt nicht, an welche Schulen du geraten könntest. Vielleicht triffst du auf eine Schule, die in x Jahren in diesen beiden Fächern einen Mangel hat, aber nur eine Stelle ausschreiben darf. Dann bist du sehr gefragt. Vielleicht triffst du aber auch auf eine Schulleitung, die nur Personen mit mindestens einem Hauptfach einstellen will, weil jemand mit G/Info nie Klassenlehrer werden kann. Oder vielleicht sind gerade ein oder zwei Jahre vorher Lehrkräfte für Info eingestellt worden, so dass der BEdarf da erstmal gedeckt ist.


    Was das Drittfach angeht, ist das auch schwer zu sagen. Ich bin über mein (gesuchtes!) Drittfach an eine Stelle gekommen. Ich hatte das FAch vor über 20 Jahren aufgrund von damals aktuellen Bedarfsprognosen bewusst ausgewählt. Klar, das Studium hat sich dadurch verlängert. Mir hat es nicht geschadet.


    Und zur letzten Frage: Der sog. Schweinezyklus ist auf dem Lehrerarbeitsmarkt ein guter alter Bekannter, aber darauf kann man sich nicht verlassen.


    Wenn du 2019 Abi machst, dann wirst du in frühstens 6 (?) Jahren mit der Ausbildung fertig sein. Was genau dann los sein wird, weiß hier niemand. Die Alterstruktur der Kollegien kennt man zwar, aber andere Dinge eben auch nicht. Dass z.B. im Zuge von 2015 der Lehrerarbeitsmarkt eine ganze Weile komplett leer war, insbseondere bei DaZ-Lehrkräften, tauchte in keiner Prognose auf.
    Das hilft die alles nicht sehr viel weiter, weiß ich. Aber es ist leider so, dass es die Topantworten nicht gibt.

  • Und warum dann nicht Italienisch und Englisch?
    Schade, dass Italienisch/ Info nicht geht. Wusste gar nicht, dass es seit neuestem Kernfächer gibt.



    Ich hab Info selbst als Drittfach studiert und das war schon sehr Mathelastig.

    Only Robinson Crusoe had everything done by Friday.

  • Vielleicht kann da mal jemand was zu sagen, der Informatik auf Lehramt gemacht hat.Ich kenne es nur vom normalen Informatikstudium. Da ist sehr mathelastig und definitiv nichts für jemanden, der kein Mathe mag/kann.

    Volltreffer. ich bin trotz meines sehr mathelastigen Hauptfachs nach der ersten Info-Vorlesung zum Prüfungsamt und habe mein Zweitfach gewechselt, weil ich mathematisch völlig überfordert war.

  • Ich kann nur zu Informatik was sagen.


    Informatik ist insofern gesucht, als es wenige Absolventen für Lehramt Informatik gibt. Andererseits bieten viele Schulen das Fach ja gar nicht an, daher ist der Bedarf auch nicht so hoch. Dennoch glaube ich, dass man damit eine Stelle bekommt, vor allem, wenn man sich initiativ bewirbt und flexibel ist.


    Schwierigkeit: Informatik ist nicht in dem Sinne "mathelastig", dass man dafür viele Inhalte aus Mathe braucht. Informatik bedient sich aber der Sprache der Mathematik.


    Hier zum Beispiel sieht man das sehr schön:


    https://de.wikipedia.org/wiki/Pumping-Lemma


    Analysis oder so etwas braucht man für Informatik aber nicht. Das mag von Uni zu Uni differieren, eine kurze Suche ergab z.B. diesen Studienplan:


    https://www.informatik.uni-wue…2012/studienverlaufsplan/


    Etwas fies finde ich, dass die theoretische Informatik erst am Schluss kommt - fällt man dann am Ende noch durch?


    Abgesehen von der th. Inf. ist die Haupthürde insbesondere für Lehrämtler das Programmieren. Das liegt nicht jedem, das merke ich auch an meinen Schülern. Manche lernen's nie. Info ist natürlich nicht nur programmieren, aber man sollte das schon können, finde ich.


    Aus meiner Sicht ist Info in etwa so schwer wie Mathe (heißt: Wenn man dafür talentiert ist, gut machbar, wenn nicht: keine Chance).

  • Ich finde Informatik ist eine Art Fremdsprache, die allerdings logisch/ mathematisch ist.


    Ich erwähne aber gerne, dass ich die Mathekurse des Studiums laut Drittfachregelung nicht besuchen musste. Das mag aber je nach Uni differieren. Ich hatte aber auch Glück, da mein Mann zeitgleich seinen Bachelor in Informatik machte konnten wir einige Kurse zusammen belegen und ich hatte super (Nach-)Hilfe.
    Ich fand es allerdings daneben, dass wir in Info-Didaktik alles in LateX coden mussten.


    Und ungewöhnliche Fächerkombinationen finde ich gut. Da hat man wenigstens wirklich Abwechslung.

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