? Offenlegung von Kriterien und Lehrplänen

  • Hallo kimetto,


    für die Abiturienten ist natürlich ein Stoff auf Hauptschulniveau langweilig. Im Unterricht kann man sich also durchaus auch anspruchsvollere Themengebiete suchen. So behandle ich das Thema Bundestag mit den Bankkaufleuten anders als mit Verkäuferklassen.


    Die innere Differenzierung ist immer schon eine der Aufgaben in der Berufsschule gewesen.


    Für die Prüfungen gilt aber sehr wohl, dass von einem grundlegenden Hauptschulniveau ausgegangen werden muss.


    In früheren Bildungsplänen hier in Bawü war diese Differenzierung auch enthalten, man konnte eine Auswahl treffen. Der neue BP sieht das aber nicht mehr vor. Der Schwerpunkt liegt auf Methodenkompetenz, nicht auf Wissen.

  • Ich finde es spannend, so viele unterschiedliche Berufsgruppen vor mir zu haben. Es kann auch Spaß machen, z.B. politische Diskussionen auch nach der Berufsgruppe auszuwählen: Mit den Automobilern rede ich über das Thema Luftreinhaltung, mit den Industriekaufleuten über Nachhaltigkeit in der Produktion.
    Auch in den Sprachen kann man gut unterscheiden - die Verkäufer brauchen viel Kommunikation, die Steuerfachleute sollen lernen, ihre Geschäftsbriefe in verständlichem Deutsch zu texten und trotzdem akkurat zu sein.
    Eine schöne Herausforderung.
    Zudem haben viele Berufsgruppen ihre Eigenheiten: die Verwaltungsfachleute sind oft ruhig und brav, aber fleißig, die Einzelhändler häufig mündlich stark und diskussionsfreudig, im Industriebereich sind die Klassen oft sehr schweigsam, schriftlich aber stark..... Die Abwechslung machts

  • Völlig normales Tagesgeschäft am Berufskolleg. Für einen Gymlehrer ist das natürlich erstmal eine Umstellung, aber daran wirst du dich gewöhnen müssen. Die von dir genannten Berufe finde ich sogar teilweise noch recht kompatibel miteinander in der Vorbereitung, da kann es viel schlimmer kommen. Mit einem Deputat von 26 Stunden haben manche Kollegen quasi 26 verschiedene Bildungsgänge. Mit allem, was unter 12 versch. Bildungsgänge fällt, bin ich schon sehr zufrieden und würde den Aufwand als "entspannt" bezeichnen.

  • Hallo kimetto,


    für die Abiturienten ist natürlich ein Stoff auf Hauptschulniveau langweilig. Im Unterricht kann man sich also durchaus auch anspruchsvollere Themengebiete suchen. So behandle ich das Thema Bundestag mit den Bankkaufleuten anders als mit Verkäuferklassen.

    Das kann ja in NRW wieder ganz anders sein, als bei euch in BaWü. Aber DQR-Niveau 4 (3-jährige Ausbildung) bedeutet nach allem, was ich darüber weiß Fachabiturniveau. Hauptschulniveau müsste demnach auf Niveau 2 liegen. Deswegen würde ich mich extrem schwer damit tun, Fachklassen des dualen Systems auf Hauptschulniveau zu unterrichten. Aber wie gesagt, ich beziehe mich damit auf NRW und gängige Praxis bei uns am Berufskolleg.

  • Auch wenn die Lehrpläne nun nur noch ansatzweise betroffen sind, möchte ich mal die Kollegen fragen:


    findet ihr nicht die Vorbereitung für die Berufsschule extrem aufwändig? Oder ich mache mir zuviel Aufwand.


    Im BG, auch Leistungskurs, gab es in Englisch Semesterthemen, verpflichtende Literatur/Filme, Methoden... das ganze in Lehrbüchern (teil dann für jeden Abi-Jahrgang neu) zzgl. der Bücher und wenn man Lust hatte einige aktuelle Zeitungsartikel etc. Das fand ich übersichtlich und handhabbar in der Vorbereitung. Die Beurteilung der Sprache ging über festgelegte Deskriptionsraster.. alles gut.


    Die Speditionskaufleute (fast alles Abiturienten) in Politik kamen dann z.B. bei der Reihenplanung selbst auf die Fragestellung:
    "Inwiefern kann in Deutschland im Vergleich zu Ungarn von einer Pressefreiheit gesprochen werden?"
    Aber das wird man so nicht in einem Lehrbuch finden. Nun könnte man


    a) die komplette Reihenplanung mit den SuS weglassen, Reihen aus Raabits, Büchern etc. kopieren und den SuS vorlegen
    b) die SuS selbst Lösungswege für diese Frage benennen lassen und dann z.B. arbeitsteilig im Netz recherchieren lassen
    c) selbst die erforderlichen Materialien recherchieren, mit Aufgaben versehen und den SuS vorlegen



    Ich selbst tendiere ja eher zu c) aber vielleicht ist das auch der Knackpunkt, sowohl bei der Beurteilung als auch beim Arbeitsaufwand. Zum einen habe ich dann ggf. recht hohe Erwartungen, wenn ich z.B. entsprechende Artikel aus der Zeit, Süddeutschen Zeitung etc. zusammenstelle und erarbeiten/vergleichen lasse.
    Zum anderen, sollten sich die SuS damit schwer tun oder einfach die Arbeit scheuen, gibts schnell ne 4 oder 5 wegen fehlender Mitarbeit.


    b) finde ich schwierig. Zwar können sich dann mehr SuS einbringen und stärker methodisch arbeiten, aber die Erfahrung hat gezeigt, dass das Ergebnis oft recht mau bleibt und oberflächlich.


    a) wenden viele Kollegen an, weil einfach und sie sich damit sicher fühlen.



    Sehe ich das zu kompliziert?

  • Hallo kimetto,


    eigentlich müsste die duale Berufsausbildung bundesweit einheitlich geregelt sein. Und da gilt, dass Hauptschüler Berufsausbildungen machen können. Mit dem Abschluss der Ausbildung hat man auch noch lange kein Fachabi (außer in vereinzelten Berufen/Sonderausbildungen), die Leute müssen noch einmal Schule draufsatteln, um das Fachabi zu bekommen. Wer mit Hauptschule in die Berufsausbildung geht, hat nach der Ausbildung die Fachschulreife, die dem Realschulabschluss gleichgestellt ist. Auch das müsste bundeseinheitlich sein (wenn auch die Namen unterschiedlich sind). Folglich ist das Niveau in der Berufsschule das der Realschule, eben im Anschluss an den Hauptschulabschluss.


    Können bei euch alle mit Berufsausbildung einfach so an die FH?

  • Hallo kimetto,


    eigentlich müsste die duale Berufsausbildung bundesweit einheitlich geregelt sein. Und da gilt, dass Hauptschüler Berufsausbildungen machen können. Mit dem Abschluss der Ausbildung hat man auch noch lange kein Fachabi (außer in vereinzelten Berufen/Sonderausbildungen), die Leute müssen noch einmal Schule draufsatteln, um das Fachabi zu bekommen. Wer mit Hauptschule in die Berufsausbildung geht, hat nach der Ausbildung die Fachschulreife, die dem Realschulabschluss gleichgestellt ist. Auch das müsste bundeseinheitlich sein (wenn auch die Namen unterschiedlich sind). Folglich ist das Niveau in der Berufsschule das der Realschule, eben im Anschluss an den Hauptschulabschluss.


    Können bei euch alle mit Berufsausbildung einfach so an die FH?

    Nein, die Azubis können auch bei unst nachher nicht einfach so an die FH. Das meine ich aber auch nicht. In dem Link, den ich weiter oben angegeben habe steht aber, dass das Niveau der Ausbildungen DQR-Niveau 4 entspricht - und das ist eben gleichzusetzen mit dem Niveau, welches bei der Fachhochschulreife gefordert wird. Hauptschule wäre DQR-Niveau 2. Von daher kann ich diese "grundsätzlich auf Hauptschulniveau"-Aussage nicht so richtig nachvollziehen.


    So wie ich das sehe, erreicht man nach erfolgreichem Durchlaufen der Ausbildungen mit entsprechenden Noten sozusagen den jeweils nächsten Schulabschluss (kein Schulabschluss -> Hauptschule, Hauptschule -> mittlerer Schulabschluss). Besitzt man bereits einen mittleren Schulabschluss, so kann man diesen durch einen Zusatzkurs (bei uns 2x Woche Abendschule) zur Fachhochschulreife "aufwerten". Das ist in BW aber scheinbar auch so, sagt zumindest dieser Link. (Abschnitt "Abschluss- und Anschlussmöglichkeiten")

  • vielleicht bin ich zu doof, aber dein erster absatz widerspricht deinem zweiten, oder? entweder kann ich durch den abschluss der ausbildung den nächsthöheren abschluss erreichen (so kenne ich das), oder ich kann damit immer ein äquivalent zu einem fh-abschluss erreichen. das wäre für jemanden mit quali aber doch nicht der fh-abschluss? oder meinst du "in manchen fällen kann man mit abschluss der ausbildung das äquivalent eines fh-abschlusses erreichen"?

  • vielleicht bin ich zu doof, aber dein erster absatz widerspricht deinem zweiten, oder? entweder kann ich durch den abschluss der ausbildung den nächsthöheren abschluss erreichen (so kenne ich das)

    Das ist in jedem Fall so.



    oder ich kann damit immer ein äquivalent zu einem fh-abschluss erreichen

    Das habe ich nirgendwo behauptet.



    [...] das wäre für jemanden mit quali aber doch nicht der fh-abschluss? oder meinst du "in manchen fällen kann man mit abschluss der ausbildung das äquivalent eines fh-abschlusses erreichen"?

    Einen FH-Abschluss auf gar keinen Fall, sondern die Berechtigung zum Besuch einer FH.



    Ich tue mich einfach schwer damit zu sagen Berufsschule ist auf "Hauptschulniveau" (DQR-Niveau 2) oder "Realschulniveau" (DQR-Niveau 3) zu unterrichten, weil der DQR was anderes sagt, nämlich DQR-Niveau 4 für Ausbildungen mit einer Ausbildungsdauer von min. 3 Jahren.

  • ja, ich meine fos/bos, nicht die fh, sorry. ich verstehe jetzt besser, was du meinst, das wurde oben nicht recht klar.

  • Ich tendiere zu einer Variante von a: Wenn die Lerngruppe dazu in der Lage ist (und das trifft bei mir nur auf max. 1/10 Lerngruppen zu) plane ich mit ihnen gemeinsam. Sprich, welche Themen wären wichtig und ggf. welche Reihenfolge sinnvoll ist. Dann suche ich mir zu der jeweiligen Planung via Internet oder Büchern den benötigten Kram zusammen. Bestenfalls gibts fertige, brauchbare Reihen. Schlechtestenfalls muss man viel selber basteln.

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