Seiteneinstieg - wie geht streng?!?

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    • Seiteneinstieg - wie geht streng?!?

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      Schüler in den Griff zu bekommen, ist nicht nur ein Problem für Seiteneinsteiger, aber es ist wohl eines ihrer größten und das symptomatischste für einen gescheiterten Seiteneinstieg. Auch bei Lehrerforen.de kann man viele Diskussionen und Ratschläge zu Unterrichtsstörungen lesen. Immer wieder.

      Diesen Artikel fand ich lesenswert. Er ist Teil einer Serie:

      Zitat schrieb:


      In der Hofpause bekomme ich einen Tipp von Tom aus der 4g: "Sie sind zu nett. Sie müssen strenger sein. Das sagt mein Papa und der ist Kinderpsychologe." Ich lache, leicht gequält. Denn auch in meiner Quereinsteigerausbildung höre ich: Sei strenger! Aber wie geht strenger?
      Die Frage zeigt wohl, dass ich an diesem Thema wirklich arbeiten muss. Bei der Supervision kam schon raus, dass ich mit Unterrichtsstörern sympathisiere. Stimmt. Ich frage etwa: "Wer kann mir eine Klassenregel nennen?" Sogleich haut es zehn Schüler von den Stühlen, aus ihren Mündern schießen Klassenregeln und Parodien dieser Klassenregeln. Sie brüllen ekstatisch "Wir melden uns!" durch den Raum. Ungeschickterweise lache ich dann oft.

      zeit.de/gesellschaft/schule/20…erziehung/komplettansicht
      Für alles gibt es ein Publikum und für jede Meinung das passende Argument.
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      Von Belohnungssystemen habe ich hier auch oft gelesen. Ich bin da skeptisch. Nur weil sich jemand benimmt, wie man sich benehmen sollte, bekommt er/sie eine Belohnung? Ich hätte Sorge, dass Kinder damit dazu erzogen werden, nur noch etwas zu tun, wenn sie dafür etwas bekommen.

      Zitat schrieb:


      Pro Stern eine halbe Minute Spielzeit
      Um 8.00 Uhr ist es mucksmäuschenstill, als ich erkläre, was die Sterne an der Tafel sollen. "Jeder Stern steht für eine halbe Minute Spielzeit am Ende der Stunde", sage ich, "immer wenn einer von euch gegen eine Regel verstößt, wird ein Stern gestrichen." Die Schüler sind begeistert. Nachdem ich "leider, leider" die ersten drei Sterne abgewischt habe, verblüffen sie mich mit einer Disziplin, wie sie Lehrer vielleicht vor hundert Jahren gekannt haben. Zum Schluss muss ich sogar auf Einhaltung der Spielzeit drängen.
      Auf Wolken schwebe ich ins Ausbildungsseminar, wo man mich wieder runterholt: "Das funktioniert nur kurzfristig." Tatsächlich treten in manchen Klassen bald Verschleißerscheinungen auf. Karl etwa ist es egal, ob gespielt wird, er will lieber robben. "Nur wegen dem!", regen sich die anderen auf. "Total ungerecht!" Und wenn alle Sterne weg sind, was dann? Dann werden wieder drakonische Strafen gefordert. Arghs. Meine Bücher raten: Mit dem robbenden Karl muss ich ein Sonderbelohnungssystem aushandeln, das mit dem Klassensystem verschränkt ist, aber auch dieses muss weiter ausdifferenziert werden. Die Sache ist komplex.

      (ebenda)

      [Hervorhebung von mir]
      Für alles gibt es ein Publikum und für jede Meinung das passende Argument.
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      Die anderen Teile dieser Serie sind auch lesenswert. Nicht nur zum Kopfschütteln, manchmal auch zum Schmunzeln. :)

      Zitat schrieb:




      Ich stehe nicht eigentlich vor der Klasse, sondern mittendrin. Denn Kind Nr. 1, 2 und 3 hüpfen hinter mir, Nr. 4 kritzelt an etwas an die Tafel, Nr. 5 und Nr. 6. bemalen sich gegenseitig. Zum Glück bin ich für diese Situation gewappnet. Das Wichtigste im Leben einer Grundschullehrerin sei eine Klangschale, hat man mir gesagt. Und die gonge ich jetzt, Schülerin Nr. 7 und ich lauschen dem verhallenden Ton nach, alle anderen gehen weiter ihren außerunterrichtlichen Tätigkeiten nach. Ich gonge ein zweites Mal. Schülerin Nr. 7 tauscht jetzt Sticker mit Nr. 8 aus.
      Gerade will ich ein drittes Mal gongen, da reißt mir der kleinste Schüler (Nr. 9) den Klöppel auf der Hand, sagt: "Sie müssen viel stärker draufhauen, nämlich so ...", holt aus und ... die Klangschale fliegt – glücklicherweise keinem Schüler an den Kopf. Immerhin habe ich jetzt die Aufmerksamkeit. "Ach so", sage ich, "bei euch schmeißt man die Klangschale durch die Gegend. Wie gut, dass ich das nun weiß."

      zeit.de/gesellschaft/schule/20…forderung/komplettansicht

      Zitat schrieb:

      Jemand fragt: "Eignet sich die Methode eher für unruhige Klassen mit Bewegungsdrang oder für müde zur Aktivierung?" Wir schauen gespannt. "Hat jemand eine Idee dazu?", fragt die Seminarleiterin. Ja, irgend jemand hat immer eine Idee. Meistens haben sogar mehrere mehrere Ideen, die sich gegenseitig widersprechen. Ich hätte gerne die richtige Antwort gehört. "Ihr könnt eine Frage aus der Klasse immer an die Klasse zurückzugeben, so wie ich es eben getan habe", sagt die Seminarleiterin stattdessen.
      So etwas mache ich nie, erst gestern ist es wieder (nicht) passiert: Lea aus der 3b fragt, ob Schaukel mit "ck" geschrieben werde. "Nur mit k", sage ich und erkläre die Regel. Gespenstische Stille – als habe ich gerade etwas Ungeheuerliches getan. Und genau so ist es auch. Ich habe die Lernchancen etlicher anderer Schülerinnen und Schüler in der Klasse zertrampelt, die gerne versucht hätten, Lea zu helfen. Janis und Leo hätten nicht ganz zutreffende Vermutungen formuliert, Maya hätte es fast richtig gesagt, Piet hätte die Regel perfekt gewusst, aber zu leise gesprochen, als dass Lea es gehört hätte. Was aber egal gewesen wäre, denn sie hätte ihre Frage inzwischen wieder vergessen.


      zeit.de/gesellschaft/schule/20…forderung/komplettansicht
      Für alles gibt es ein Publikum und für jede Meinung das passende Argument.