Rund 50 Prozent LRS - da stimmt doch was nicht!

  • Wie ich gerade lese, erfüllen rund 50 Prozent der Schüler der dritten Klassen in Berlin die Mindestanforderungen im Bereich Rechtschreiben nicht. Das bedeutet doch, die haben alle LRS! Wie kann das sein? Was läuft da falsch?

  • Hier noch der Link dazu:


    "So ergab der sogenannte Vera-Test, ein Gemeinschaftsprojekt mehrerer Bundesländer, dass rund die Hälfte der Berliner Teilnehmer der dritten Klassenstufe bei der Rechtschreibung nicht einmal die Mindestanforderungen erfüllt. Beim Lesen war es ebenso wie in Mathematik rund ein Drittel." https://www.rbb24.de/politik/b…besser-lesen-rechnen.html

  • Ich denke mal, daß ein gerüttelt Maß an "moderner Pädagogik aka Selbstlernen" für den Mist verantwortlich ist. Hinzu kommen die ganzen Zusatzaufgaben, die die Schule heute noch alle erfüllen soll. Aber niemand sagt, was dann im Gegenzug für diese neuen Anforderungen wegfallen soll.


    Merke: Die Lehrpläne in den 1970ern waren nicht so schlecht, jedenfalls wenn man sich die Ergebnisse, die sie produziert haben, ansieht. ;)


    Oder, im BWL-Sprech: "Concentrate on core competence!" :)

  • Rechtschreibung ist heute doch nur noch ein nettes I-Tüpfelchen, der Stellenwert sinkt immer weiter....
    Politisch ist das doch fast gewollt: Bei uns in Hessen gab es bis vor einigen Jahren bis zu vier Punkte Abzug wegen FI. Mittlerweile sind es nur noch maximal 2 Punkte und der Index wurde angehoben.


    Mir ist es tw. peinlich, welche verhältnismäßig gute Note ich geben muss.

  • Die üblicher Definition von LRS ist schlecht in Rechtschreibung (und Lesen) bei normaler Intelligenz (Diskrepanzkriterium). Da Intelligenz normalverteilt ist und wir mit ziemlicher Sicherheit davon ausgehen können, dass nicht 50% der Berliner das Kriterium für Schwachsinn erfüllen, müssten da schon abnorm viele Leute LRS haben. Dankenswerterweise gibt es im ICD-10 noch ein Kriterium, dass die Schüler retten kann:


    Das Hauptmerkmal ist eine umschriebene und bedeutsame Beeinträchtigung in der Entwicklung der Lesefertigkeiten, die nicht allein durch das Entwicklungsalter, Visusprobleme oder unangemessene Beschulung erklärbar.


    Die Schüler werden in Berlin schlicht und ergreifend unangemessen beschult. :)

    If you look for the light, you can often find it.
    But if you look for the dark that is all you will ever see.

  • Die Frage, die sich mir da ein wenig stellt, ist inwiefern der Direkt-, Quer- oder Seiteneinstieg oder infolge fehlender Fachlehrkräfte fachfremd erteilter Unterricht eine Rolle spielt (und zwar nicht nur bezogen auf die Berliner Ergebnisse, sondern durchaus auch bezogen z.B. auf BaWü).
    Ich gehe jetzt einfach mal von mir selbst aus: Sek.I in BaWü bedeutet, dass ich nach dem Ref bei entsprechendem Fachlehrermangel an meiner Schule und Bereitschaft meinerseits vorausgesetzt auch fachfremd eingesetzt werden kann. Das mag in einer anderen Gesellschaftswissenschaft angesichts dessen wie ich im Studium aufgestellt war noch vergleichsweise unproblematisch und fachlich leistbar bzw.didaktisch mit entsprechendem Einsatz umsetzbar sein, in Mathe oder Deutsch würde mir aber schlichtweg zuviel an Fachlichkeit bzw.didaktischem Wissen fehlen, um da mehr als Unterricht auf Nachhilfe-Niveau anbieten zu können. Das dann in den Hauptfächern 2-3 Schuljahre lang hintereinander bei sehr heterogenen Lerngruppen aus entsprechendem sozialen Umfeld und wir sprechen schnell von einem Leistungsrückstand, den man in Schuljahren angeben muss.


    P.S.: Bitte nicht missverstehen als Abwertung der oft hervorragenden Arbeit von Direkt- und Seiteneinsteigern. Ich habe selbst in meiner Familie Seiteneinsteiger in den Lehrberuf, die teilweise für ihr studiertes Fach der einzige Fachlehrer an der Schule sind und dank der Ausbildung im Ref auch in diesem Fach entsprechend qualifiziert sind. Das muss aber ja nicht die Regel sein, gerade, wenn die Verzweiflung an Lehrer in bestimmten Fachbereichen zu kommen groß genug ist und ist in jedem Fall nur ein Baustein angesichts des zumindest in der Sek.I oft massenhaften fachfremden Einsatzes von Lehrkräften.

    "Benutzen wir unsere Vernunft, der wir auch diese Medizin verdanken, um das Kostbarste zu erhalten, das wir haben: unser soziales Gewebe, unsere Menschlichkeit. Sollten wir das nicht schaffen, hätte die Pest in der Tat gewonnen. Ich warte auf euch in der Schule." Domenico Squillace

    Einmal editiert, zuletzt von CDL ()

  • Die Frage, die sich mir da ein wenig stellt, ist inwiefern der Direkt-, Quer- oder Seiteneinstieg oder infolge fehlender Fachlehrkräfte fachfremd erteilter Unterricht eine Rolle spielt (und zwar nicht nur bezogen auf die Berliner Ergebnisse, sondern durchaus auch bezogen z.B. auf BaWü).
    Ich gehe jetzt einfach mal von mir selbst aus: Sek.I in BaWü bedeutet, dass ich nach dem Ref bei entsprechendem Fachlehrermangel an meiner Schule und Bereitschaft meinerseits vorausgesetzt auch fachfremd eingesetzt werden kann. Das mag in einer anderen Gesellschaftswissenschaft angesichts dessen wie ich im Studium aufgestellt war noch vergleichsweise unproblematisch und fachlich leistbar bzw.didaktisch mit entsprechendem Einsatz umsetzbar sein, in Mathe oder Deutsch würde mir aber schlichtweg zuviel an Fachlichkeit bzw.didaktischem Wissen fehlen, um da mehr als Unterricht auf Nachhilfe-Niveau anbieten zu können. Das dann in den Hauptfächern 2-3 Schuljahre lang hintereinander bei sehr heterogenen Lerngruppen aus entsprechendem sozialen Umfeld und wir sprechen schnell von einem Leistungsrückstand, den man in Schuljahren angeben muss.


    P.S.: Bitte nicht missverstehen als Abwertung der oft hervorragenden Arbeit von Direkt- und Seiteneinsteigern. Ich habe selbst in meiner Familie Seiteneinsteiger in den Lehrberuf, die teilweise für ihr studiertes Fach der einzige Fachlehrer an der Schule sind und dank der Ausbildung im Ref auch in diesem Fach entsprechend qualifiziert sind. Das muss aber ja nicht die Regel sein, gerade, wenn die Verzweiflung an Lehrer in bestimmten Fachbereichen zu kommen groß genug ist und ist in jedem Fall nur ein Baustein angesichts des zumindest in der Sek.I oft massenhaften fachfremden Einsatzes von Lehrkräften.

    Meine volle Zustimmung! Ich habe schon mehrmals fachfremd im sekI Bereich etwas unterrichtet, was mir nicht lag. Gerade Englisch und Mathe waren wirklich Horror. Für mich und die sus. Aber "besser schlechter Unerricht als keiner" lautete die Devise und so hat man nich halt wurschteln lassen, trotz meiner Ankündigung, dass mein Englisch wahrscheinlich im Bereich A1 oder 2 liegt. Von Mathe mal ganz zu schweigen. Ich habe weder eine Sprache, noch etwas mathematisch-naturwissenschaftliches studiert und meine Didaktikkenntnisse gehen gegen 0. War aber allen völlig egal. Lange habe ich das nicht gemacht, weil ich das den SuS und mir nicht antun wollte. Wäre ich nicht freiwillig gegangen, würde ich da wahrscheinlich noch bis in alle Ewigkeit Unwissenheit lehren :autsch: Es ist ja auch für manche verlockend - woanders keine stelle bekommen und dann einfach in den schuldienst wechseln und von aller Öffentlichkeit ungesehen Minderleistung gegen gute Bezahlung abliefern.
    Ist zum Glück nicht bei allen so. Aber die Gefahr ist unter gewissen Bedingungen natürlich gegeben. Ob das der Grund für die schlechten Leseleistungen ist, vermag ich nicht zu beurteilen. Aber ein Negativfaktor gewiss.

    • Offizieller Beitrag

    Erst einmal: VERA 3 fragt die Standards der 4. Klasse ab. Von Drittklässlern werden die Kompetenzen abgefragt, die sie also rund 14 Monate später - zum Ende des 4. Schuljahres - erreicht haben sollten.
    Für das obige Zitat heißt das: "3/4 der Schüler würden im Mai des 3. Schuljahres eine 4, 5 oder 6 bekommen, wenn sie sich am Ende der 4. Klasse befinden würden, d.h. sie haben den Regelstandard ("Note 3 am Ende der 4. Klasse") im Bereich Rechtschreiben am Ende der 3. Klasse nicht erreicht."


    Verbessert das Bild etwas, aber natürlich ist auch das noch traurig.


    Immerhin gibt es für die Standards am Ende des 4. Schuljahres aber mal einen Vergleich der Bundesländer. (Für VERA 3 habe ich keinen für alle Bundesländer gefunden.) Alle drei Stadtstaaten sind auf den vier Schlussplätzen.


    Ich bekräftige / ergänze mal:
    Arme Familien, ghettoartige Wohngegenden mit eigenen Sprachen oder eigenen Varianten der deutschen Sprache, die weit jenseits von Duden & co liegen. Ghettoartige Gegenden mit vielen bildungsfernen Elternhäusern, vielen Alleinerziehenden, einigen Eltern, die so viel arbeiten, dass sie keine Zeit für die Kinder haben und trotzdem aufstocken müssen. Elternhäuser, in denen nicht ein Buch existiert und für die Lesen und Schreiben keinerlei Bedeutung haben. Völlige Egal-Einstellung gegenüber Arbeit, Leistung, Lernen, Gessellschaft. Ich hatte mal ein Kind mit einer Farbsehschwäche, das hatten die Eltern in 6 Jahren nicht bemerkt.
    Mangelnde Leistungsmotivation. Eltern leben das den Kindern vor. ("Ich habe eh HartzIV, ich bekomme keinen Job." - "Meine Mutter kann drei Dinge auf einmal: Rauchen, Bier trinken und Onlinespiele spielen." Kind X., 11 Jahre alt, mit vermutlich durch Alkohol in der Schwangerschaft ausgelöster Lerneinschränkung über ihre Mutter.)
    Sprachverarmte Elternhäuser. Kinder mit der Muttersprache Deutsch, die mit weniger Sprachkenntnissen als DAZ-Kinder in die Schule kommen. Zweiwortsätze, Wortschatz weit zurück, Dysgrammatismus etc.
    Viele dieser Kinder haben ein sehr schwaches Gedächtnis, oft auch besonders ein sehr schwaches Arbeitsgedächtnis. (Schwaches Arbeitsgedächtnis heißt, dass du spätestens jetzt vergessen hast, wie der Anfang des Satzes hieß.) Die schaffen es nicht, sich ein Wort mit 5 Buchstaben vom Anfang bis zum Ende zu merken. Die müssten das Wort vermutlich 200- bis 500mal schreiben, bis es möglicherweise irgendwo im Gedächtnis landen würde. (Und wozu, am Smartphone / Tablet gibt es doch die Rechtschreibkorrektur.)


    Die Bildungsprogramme der KiTas wurden heruntergefahren. Kinder kommen mit immer weniger Voraussetzungen in die Schule. Ich habe in der 1. regelmäßig mit einem Vorschulprogramm (Raumorientierung, Figur-Grundwahrnehmung, Hörwahrnehmung, Schulung des Gleichgewichtssinnes, der Sinneswahrnehmungen generell, der Feinmotorik, Üben des Sprechens von ganzen Sätzen, Bildung des Plurals, Erfassen kleiner Mengen, z.B. der Anzahl der Finger an einer Hand etc. pp.) angefangen und wenn ich sehr schnell war, quasi ein Vierteljahr der 1. Klasse dafür benötigt. Damit waren das Mittelfeld und die leistungsstärkeren grundlegend versorgt. Die leistungsschwächeren Schüler hätten weit mehr Zeit dafür benötigt.


    Quereinsteiger.
    Zusätzlich wurden viele Jahre lang fast keine Grundschullehrer eingestellt. Ein Ersatz fehlender Grundschullehrer erfolgte - schon viele Jahre, bevor von Quereinstieg die Rede war - durch Kolleginnen mit der Ausbildung für die Klassen 5 bis 10. Diese wurden an die Grundschule versetzt und mussten auch in jüngeren Klassen (mindestens ab der 3.) unterrichten. An meiner ehemaligen Schule lag der Anteil der Grundschullehrer längere Zeit bei unter 30%. Das reichte dann nicht einmal mehr flächendeckend für Klasse 1/2.


    Jetzt kommt das alles zusammen in einer Klasse. Die Kinder sitzen da und sehen rundherum, dass alle leistungsschwach sind. Die Motivation, besser zu werden, ist gering, man passt sich doch hervorragend in den Klassenschnitt ein. Man kommt durch's Leben, Mama tröstet, wenn man was nicht kann: "Ach, das ist nicht so schlimm, du hast mich als Vorbild. Ich hatte auch immer eine 5 in Deutsch/Mathe."
    Diagnosen kommen dazu: "Ich habe LRS, ich kann das sowieso nicht." - "Ich habe LRS, mich hat das angestrengt, ich brauche eine Pause."
    Hausaufgaben vergessen? Schulterzucken. Nachholen? Schulterzucken.
    Meine Klasse und meine ehemalige Schule hatten Ergebnisse, die weit unter dem Berliner Durchschnitt lagen. Die besseren Schüler waren überwiegend diejenigen, deren Eltern mal als Gastarbeiter kamen und ihren Kindern vorlebten, dass man viel und fleißig arbeiten muss und sich das selbst dann lohnt, wenn man sehr wenig verdient.
    Ein Kind aus der Verwandschaft, mit Abstand schlechtester Schüler seiner Klasse in gut situierter Wohngegend (LRS und Rechenschwäche), hätte in meiner Klasse zur Leistungsspitze gehört.




    Und nein: Das betraf nicht nur eine Schule, das sind ganze Bezirke. Die anderen Bezirke reißen es nur bedingt wieder heraus.

  • Unsere Bildungspläne und Schulbücher nehmen wenig Rücksicht darauf, welche Wörter durch Hören erfasst werden können und bei welchen man wissen muss, wie man sie schreibt. Vermittelt wird alles bunt durcheinander. Zwar ist die Reihenfolge gerne kindgerecht gewählt (früh kommen z.B. Hund und Katze), aber diese Wörter lassen sich nicht durch Hören schreiben, ebenso wenig wie wir, ihr und sie - alle mit gedehntem i und jedes anders geschrieben.


    Das verwirrt Kinder mit LRS und solche, deren Muttersprache nicht Deutsch ist.
    Hier braucht es Fachkräfte mit viel DAZ- Erfahrung und einer guten linguistischen Ausbildung.
    Die Gymnasialkollegen, die nun in den Grundschulen unterrichten, bringen diese wohl eher seltener mit.

  • "Meine Mutter kann drei Dinge auf einmal: Rauchen, Bier trinken und Onlinespiele spielen."

    8| =O :crying:


    @Conni, *gefällt mir* passt hier mal wieder nicht. Trotzdem beeindruckend, wie du das meisterst/gemeistert hast. Schüler, wie du sie beschreibst, sind in Sachsen einfach auf der Förderschule und zählen in kein Veragedöns rein.


    Was ist bei euch eigentlich Inklusion? Wird da ein Kind ohne Förderbedarf inkludiert? :zahnluecke:

  • Bei uns kam heute eine Rundmail des VBE zu Unterrichtsausfall und Quereinstieg. Demnach gebe es in BaWü wohl aktuell 1438 Quereinsteiger (die rund 1000 Sek.II-Leute, die wohl bereit waren mangels Alternative an die GS zu gehen darf man da getrost draufschlagen, auch wenn die wenigstend berufsbegleitend nachqualifiziert werden). 1438 Quereinsteiger entsprächen etwa 1,2% der Lehrkräfte von BaWü, in Berlin haben derselben Info nach angeblich sogar nur 39% der Lehrkräfte eine vollständige Lehrerausbildung durchlaufen.
    In Kombination mit den von Conny beschriebenen Ausgangs- und Arbeitsbedingungen wundert mich das Abschneiden der Berliner Schüler nicht mehr. Fassungslos macht mich eher, was in dem von Conny verlinkten Artikel stand:



    (...)Und genau hier liegt der Skandal des neuerlichen Schulschocks: Der Berliner Senat nämlich weigerte sich zunächst, die Zahlen zu veröffentlichen. Der Abgeordnete Joschka Langenbrinck, ein Neuköllner Sozialdemokrat, musste erst mit einer Entscheidung des Karlsruher Verfassungsgerichts winken, ehe seine Parteifreunde in der Schulverwaltung die Ergebnisse auf seine parlamentarische Anfrage hin herausrückten. Mit anderen Worten: der Senat wollte verheimlichen, dass Berlins Drittklässler nicht schreiben können.



    Der Staatssekretär für Schule Mark Rackles (SPD) zeigte in seiner launigen, pomadigen, genervten Antwort auf die Anfrage von Langenbrinck, dass die Reise der Kultusminister in ganz Deutschland in diese Richtung geht: Die Bundesländer, so schrieb er, „werden sich darauf verständigen, künftig die VERA-Daten weder für einen Ländervergleich noch für die Veröffentlichung landesinterner Vergleiche zu nutzen.“(...)

    In BaWü war ähnliches zu hören vor der Veröffentlichung der letzten Vera 8. Da frage ich mich, wer hier eigentlich der Souverän ist, wenn den Wählern solche Ergebnisse vorenthalten werden sollen!?! (...aber Lehrkräften zumutet auch noch solche Vergleichsarbeiten durchzuführen und vor allem zu korrigieren; kann man sich dann doch ehrlicherweise direkt sparen, damit alle sich auf die "lustige" Umsetzung der DSGVO im schulischen Alltag konzentrieren können. Es lebe das neue analoge Zeitalter....)

    "Benutzen wir unsere Vernunft, der wir auch diese Medizin verdanken, um das Kostbarste zu erhalten, das wir haben: unser soziales Gewebe, unsere Menschlichkeit. Sollten wir das nicht schaffen, hätte die Pest in der Tat gewonnen. Ich warte auf euch in der Schule." Domenico Squillace

  • Wie ich gerade lese, erfüllen rund 50 Prozent der Schüler der dritten Klassen in Berlin die Mindestanforderungen im Bereich Rechtschreiben nicht. Das bedeutet doch, die haben alle LRS! Wie kann das sein? Was läuft da falsch?

    Ist doch relativ einfach: Zum einen spricht ein großer Teil der Kinder zu Hause nicht deutsch:
    https://www.bz-berlin.de/berli…rund-oft-in-der-ueberzahl
    https://www.bz-berlin.de/berli…koennen-das-nicht-richten


    Auch wenn die BZ natürlich als Quelle mit Skepsis zu betrachten ist, werden die sich die Zahlen und die Zitate des Rektors hoffentlich nicht völlig ausgedacht haben.


    Zum anderen gibt es in Berlin viel zu wenig qualifizierte Lehrkräfte: Lt. dieses Artikels haben von den zum letzten Schuljahr eingestellten Lehrkräften nur rund ein Drittel eine volle Lehrbefähigung:
    https://www.berliner-zeitung.d…lehramt-studiert-31112440

  • Es ist naiv zu glauben, dass die flächendeckend um sich greifende Bildungsarmut an zu wenigen, zu unqualifizierten, falsch ausgebildeten, falsch eingesetzten, aus Quereinsteigern gewonnenen Lehrkräften liegt.

  • Es ist naiv zu glauben, dass die flächendeckend um sich greifende Bildungsarmut an zu wenigen, zu unqualifizierten, falsch ausgebildeten, falsch eingesetzten, aus Quereinsteigern gewonnenen Lehrkräften liegt.

    OK, ist als persönliche Meinung registriert. Gibt es dazu vielleicht eine Begründung, um deinen Gedankengang nachvollziehbar zu machen? Oder eine alternative These, woran es liegen könnte (oder gar liegt)?

    "Benutzen wir unsere Vernunft, der wir auch diese Medizin verdanken, um das Kostbarste zu erhalten, das wir haben: unser soziales Gewebe, unsere Menschlichkeit. Sollten wir das nicht schaffen, hätte die Pest in der Tat gewonnen. Ich warte auf euch in der Schule." Domenico Squillace

  • Ist zwar schon ein paar Jahre alt, aber trotzdem immer wieder interessant: Kinder großziehen in Finnland.


    https://youtu.be/R68lxcV1hvs


    (Dort kommen Hebammen auch 2 oder 3 Jahre lang zu den Müttern nach Hause las ich mal. Also dann, wenn die Probleme in der Erziehung beginnen und jemand erklären muss, wie man vorliest.)


    Vielleicht müssen unsere Sozialsysteme doch früher eingreifen...?

  • OK, ist als persönliche Meinung registriert. Gibt es dazu vielleicht eine Begründung, um deinen Gedankengang nachvollziehbar zu machen? Oder eine alternative These, woran es liegen könnte (oder gar liegt)?

    Erst einmal ist nur wichtig, dass die Lehrerschaft dies anerkennt und sich nicht den Kopf zerbricht über eventuelle eigene Unzulänglichkeiten oder die der Schullandschaft im Allgemeinen. Noch nie hat sich Pädagogik und Schule so sehr um das goldene Kalb "Kind" gedreht wie heutzutage.

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