Abituranforderungen (ausgelagert)

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    • Stichwort Fachleute (off topic): Bei meiner alten Arbeitsstelle kam vor einigen Jahren ein Mädchen völlig entgeistert mittags aus der Schule (Gymnasium):

      "Mein Lehrer hat heute behauptet, er sei Historiker und Anglist, dabei ist der doch nur Lehrer! Wie kommmt der auf solche Lügen?" (als ich ihr erklärt habe, dass ihr Französischlehrer auch Romanist sei, der GK-Lehrer Politikwissenschaftler etc. war sie wirklich fassungslos, warum die alle so viel studiert haben und dann doch "nur" Lehrer werden. Inzwischen studiert das Mädel selbst auf Lehramt. :P )
    • Bei meinem ersten Praktikum, das ich an meiner alten Schule gemacht habe, habe ich im Lehrerzimmer irgendwas von "Ich als Germanist..." gefaselt. Meine alten Lehrer haben mich ausgelacht und mir erklärt, ich würde auch noch lernen, dass ich kein Germanist/Anglist bin, sondern doch nur Lehrer werde. Und das kam von Lehrern...
    • WillG schrieb:

      Bei meinem ersten Praktikum, das ich an meiner alten Schule gemacht habe, habe ich im Lehrerzimmer irgendwas von "Ich als Germanist..." gefaselt. Meine alten Lehrer haben mich ausgelacht und mir erklärt, ich würde auch noch lernen, dass ich kein Germanist/Anglist bin, sondern doch nur Lehrer werde. Und das kam von Lehrern...
      Also ich bezeichne mich lieber als Lehrer, als als Wirtschaftswissenschaftler. Rein vom Selbstverständnis her :aufgepasst: Allerdings würde ich niemals "Nur" Lehrer sagen.
    • Wollsocken80 schrieb:

      :rofl:

      Ja, ja. Das hat man uns in Bayern auch immer so erzählt. Jetzt mache ich ja selber "Hausprüfungen" und glaub mir, die haben's in sich.
      Der Gerüchte gab's noch mehr, z.B. dass bayerische Oberstufenschüler in Hessen ihr Abi gemacht haben, um es (noch oder besser) zu bestehen.

      Ich weiß nicht, was bei, bundesweit gleichen Abiprüfungen passieren würde, aber wenn ich sehe, welche Panik VERA, PISA und co. auslösen dann wird zentralen Vergleichen doch einiges zugetraut.

      Dass nur der aktuelle Lehrer für die Prüfungsaufgaben zuständig ist finde ich arg ... speziell.
    • Krabappel schrieb:

      Der Gerüchte gab's noch mehr, z.B. dass bayerische Oberstufenschüler in Hessen ihr Abi gemacht haben, um es (noch oder besser) zu bestehen.
      Ich habe mein Ref an dort bayerisch-hessischen Grenze gemacht. An der Schule dort wurde von der Klassenkonferenz als inoffizelle Empfehlung der Wechsel nach Hessen an leistungsschwache Schüler ausgegeben.
      Einige haben das dann gemacht. Ich weiß allerdings nicht, was aus denen geworden ist, also ob es wirklich was gebracht hat oder ob das nur bayersiche Hybris war.
      Außerdem war das lange vor dem hessischen Zentralabitur, deshalb weiß ich auch nicht, ob das immer noch so gehandhabt wird.
    • Das Problem ist das Gleiche wie an allen anderen Stellen, wo strikte Vorgaben der individuellen Entscheidungsgewalt des Lehrers (meist: "pädagogische Freiheit") gegenüber gestellt wird.
      Lehrkräfte mit einem professionellen Selbstverständnis werden diese Freiheiten im positiven Sinne ausnutzen. In diesem Fall werden die Abituraufgaben, die die Lehrkraft stellt, deutlich tiefer gehen, als es zentrale Aufgaben können, da die Lehrkraft eben weiß, was im Unterricht konkret gemacht wurde. Es wird aber eben auch schwarze Schafe geben, die das ausnutzen, um ihre Schäfchen (pun intended) gezielt auf die Aufgaben vorzubereiten, die dann im Abi eben drankommen, auf Kosten der anderen Lehrplaninhalte.
      Diesen Widerspruch kann man ebensowenig auflösen wie in der Diskussion darüber, wie viel päd. Freiheit der Lehrer bei der Ermittlung (vs. Berechnung) von Zeugnisnoten hat.
    • Selbstverständlich wird auch auf zentrale Prüfungen gezielt vorbereitet. Viel mehr noch, als auf Hausprüfungen. Der komplette Soffplan ist auf dieses finale Ergebnis ausgelegt. Ich mache es anders rum. Ich unterrichte, was ich sinnvoll finde und am Ende schaue ich, was ich prüfen kann. Das wird im Grossen und Ganzen immer ähnlich sein, aber je nach Interessenslage der SuS kann es eben auch Unterschiede geben. Wir besprechen die Abschlussprüfungen übrigens in einer interkantonalen Ressortgruppe um sicher zu stellen, dass die Anforderungen (nicht aber die Inhalte!) vergleichbar sind.
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      Früher war mehr Lametta!
    • Wollsocken80 schrieb:

      ... Ich mache es anders rum. Ich unterrichte, was ich sinnvoll finde und am Ende schaue ich, was ich prüfen kann...
      Das öffnet jeder Beliebigkeit Tür und Tor. Es ist ja möglich, dass das viele professionell leisten können, ebenso möglich ist es aber, dass einige das nicht können oder wollen. Zum Beispiel, weil man sich im Laufe der Jahre den Jugendlichen anpasst und die Anforderungen senkt. Oder die Aufgaben so stellt, dass man nur das abfragt, von dem man weiß, dass es alle verstanden haben oder weil man nur diesen Stoff noch geschafft hat.

      Ich finde die Ideen von freien Schulen ohne Lehrpläne ja durchaus interessant, sie bergen aber auch die Gefahr, dass das Potential von Kindern unterschätzt wird oder Lehrende in ihrem eigenen Saft schwimmen.

      Edit: hier beschweren sich öfter KollegInnen über die neue Freiheit (Beliebigkeit?) von kompetenzorientierten Lehrplänen. Worauf sollen wir auch die Entscheidung Gründen, was wichtig ist und was weggelassen werden kann?
    • Krabappel schrieb:

      Wollsocken80 schrieb:

      :rofl:

      Ja, ja. Das hat man uns in Bayern auch immer so erzählt. Jetzt mache ich ja selber "Hausprüfungen" und glaub mir, die haben's in sich.
      Der Gerüchte gab's noch mehr, z.B. dass bayerische Oberstufenschüler in Hessen ihr Abi gemacht haben, um es (noch oder besser) zu bestehen.
      Das ist hier in Hamburg auch absolut üblich. Also, dass die Niedersachsen sich nach Harburg ummelden und dann hier das Abi machen.
    • Krabappel schrieb:

      Das öffnet jeder Beliebigkeit Tür und Tor. Es ist ja möglich, dass das viele professionell leisten können, ebenso möglich ist es aber, dass einige das nicht können oder wollen.
      Denk mal genau drüber nach, was Du Deinen Kollegen da unterstellst, das ist schon recht deftig. Von "können" kann an der Stelle überhaupt keine Rede sein, jeder von uns ist entsprechend ausgebildet. Wer in Deutschland das 2. Staatsexamen ablegt hat mit Sicherheit genug Professionalität bewiesen, dass man ihm dann auch einfach mal vertrauen kann, darüber schrieb ja Philio ja schon sehr trefflich. Wer nicht "will", der hat im Schuldienst nichts verloren. Klar gibt es in jedem Kollegium eine Hand voll Schlümpfe, das war immer schon so und wird immer so sein, aber das verträgt das System und hat es auch immer schon vertragen.

      Abgesehen davon glaube ich, dass Du eine ziemlich falsche Vorstellung davon hast, was bei uns läuft. Wir führen pro Jahrgang 7 - 8 Klassen die alle in den Fächern Deutsch, Französisch und Mathe die gleiche Maturprüfung schreiben. Daraus ergibt sich, dass sicher schon mal 5 - 6 Kollegen pro Fach an der Ausarbeitung dieser Prüfungen beteiligt sind und zudem werden die ja - wie bereits geschrieben - in der interkantonalen Ressortgruppe besprochen. Im Schwerpunkt- und Ergänzungsfach kann es sein, dass nur ein einziger Kollege die Prüfung stellt, aber auch diese wird wiederum mit den anderen Kollegen im Kanton abgeglichen. Ich habe meine Prüfung letztes Jahr zuerst mit den Kollegen in der Fachschaft besprochen bevor ich sie an meinen Tandempartner einer anderen Schule im Kanton geschickt habe. Korrigiert werden die Prüfungen dann auch immer von zwei Lehrpersonen, im Ergänzungsfach gibt es sogar einen externen Experten (häufig pensionierte Kollegen aus dem Kanton).

      Jeder Germanist weiss, wie ein guter Deutschaufsatz auszusehen hat, jeder Mathematiker weiss, was ein Maturand an Grundlagenfachbildung in Mathe abzuliefern hat. In diesen Fächern gibt es gar nicht so viel Varianz wie Du Dir offenbar vorstellst. Die gibt es auch in den Fremdsprachen nicht, denn es ist allgemeiner Konsens, dass ein Maturand mindestens B2-Niveau abliefern muss, für eine gute Note entsprechend C1. Mit welchen Inhalten man in Deutsch und in den Fremdsprachen da hingekommen ist, das spielt wiederum überhaupt keine Rolle und damit wird auch eine zentrale Prüfung obsolet. Ja, es gibt diese Kollegen, bei denen man sich immer fragt, wie die eigentlich ihre Noten auswürfeln. Einer meiner Schwerpunkfachkurse war letztes Jahr bei der Deutsch-Matura dann auch plötzlich im Schnitt eine halbe Note schlechter als die 4 Jahre zuvor. Das zeigt ja nur, dass auch bei uns keiner derart "bescheissen" kann, wie Du Dir das offenbar vorstellst. Andersrum stellt natürlich ein Lehrer an einem deutschen Gymnasium auch 8 - 9 Jahre lang nach eigenem Gutdünken seine Prüfungen und nur ganz am Ende gibt's dann diese eine Zentralprüfung, die dann plötzlich alles an "Vergleichbarkeit" retten soll, was all die Jahre vorher keinen interessiert hat.

      Ein wenig anders sieht es in den Schwerpunktfächern Physik, Chemie und Biologie aus, hier ist die Varianz zum Teil erheblich. Grundsätzlich behaupte ich auch hier, dass ich eigentlich keinen Lehrplan brauche der mir vorschreibt, wie ich mein Fach zu unterrichten habe (ich hab ihn mir auch wirklich noch nie angeschaut, unseren Lehrplan). Es gibt einen gewissen Kanon an Themen, die für das Verständnis des Fachs unverzichtbar sind. Beim Atombau habe ich da wiederum fast keinerlei Variationsmöglichkeiten, das ist so grundlegend, dass im Prinzip jeder das gleiche unterrichtet. Ob ich aber beim chemischen Gleichgewicht nun über die Ammoniak-Synthese erzähle (die meisten Chemiker werden das wohl tun) oder irgendein anderes Beispiel wähle, an dem man den Einfluss von Konzentration, Druck und Temperatur aufzeigen kann, ist vollkommen wurscht. Tatsächlich ist es aber so, dass einige Kollegen immer noch extrem viel Wert auf Stöchiometrie legen und dann leider in der Organischen Chemie einiges unter den Tisch fällt, was ich wiederum spannend finde und gerne unterrichte. So war ich z. B. letztes Jahr die einzige im Kanton, die Fragen zur Molekülorbitaltheorie und zu Farbstoffen gestellt hat. Ich bin auch sicher die einzige im Kanton, die im Schwerpunktfach "Nanomaterialien" als Unterrichtsreihe etabliert hat. Ich finde es wichtig, auch mal "moderne" Themen aufzugreifen und dann muss halt irgendwo was vom ewig alten Schmu in Form der hundertdrölfzigsten pH-Wert-Berechnung sterben. Da herrscht nun also kein Konsens, das ist richtig. Ist das in einem Fach wie Chemie aber wirklich so schlimm? Ich meine nein. Mathe, Deutsch und eine Fremdsprache, das ist das, was am Ende alle zuverlässig können müssen. Chemie ist eine Nebensächlichkeit die nur für diejenigen nützlich ist, die irgendwas aus dem Phil-II-Bereich studieren und selbst dann kann man einem einigermassen intelligenten Maturanden noch zutrauen, dass er an der Uni selbständig aufarbeitet, was er am Gymnasium verpasst hat, weil er die Matura vielleicht mit Schwerpunkt Spanisch gemacht hat. Mit mir hat jemand studiert, der an der Schule nicht eine einzige Stunde Chemie hatte, der hat am Ende das beste Diplom gemacht.
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    • Wenn man jetzt mal alle pampigen "wie du dir das offenbar so vorstellst" rausnimmt bleibt übrig: du hast keinen Lehrplan, an den du dich halten musst und kommst super damit klar. Herzlichen Glückwunsch dazu. Es ging mir aber um die Frage, ob ein Zentralabitur in Deutschland Qualität von Schule in Deutschland verbessern könnte, oder ob das Gegenteil der Fall wäre. Von der Vergleichbarkeit der Abschlüsse in Bremen, Chemnitz oder Frankfurt mal ganz zu schweigen.
    • Krabappel schrieb:

      Wenn man jetzt mal alle pampigen "wie du dir das offenbar so vorstellst"
      Was Du nicht immer pampig findest. Aber gut, das hatten wir häufiger schon.


      Krabappel schrieb:

      Es ging mir aber um die Frage, ob ein Zentralabitur in Deutschland Qualität von Schule in Deutschland verbessern könnte, oder ob das Gegenteil der Fall wäre.
      1. Wie willst Du das rausfinden? 2. ist eigentlich hinlänglich belegt, dass das deutsche Schulsystem an einer Noteninflation leidet. Trotz oder vielleicht sogar wegen der Umstellung auf zentrale Prüfungen in (fast) allen Bundesländern? Wer weiss das schon. Ich denke, es wäre besser, man würde in Deutschland mehr auf die Professionalität der Lehrpersonen vertrauen. Aber wenn deutsche Lehrpersonen darauf selbst schon nicht vertrauen ... ja nun. 3. habe ich Dir recht ausführlich erklärt (Du nennst es pampig), welche Mechanismen der Qualitätskontrolle es bei uns gibt. Das Sinnvollste ist eigentlich eine gute Ausbildung der Lehrpersonen sowie entsprechend gute Arbeitsbedingungen derselbigen.


      Krabappel schrieb:

      Von der Vergleichbarkeit der Abschlüsse in Bremen, Chemnitz oder Frankfurt mal ganz zu schweigen.
      Sinnvoll wäre wohl rauszufinden, wie gut die Erfolgschancen der Abiturienten an den Unis sind. Ich nehme an, es gibt solche Statistiken, bin aber gerade zu faul danach zu suchen. Bei uns hat die ETH Zürich mal so eine Statistik rausgegeben. Oh Wunder, es stehen vor allem die Kantone besonders gut da, in denen die Übertrittsquoten ans Gymnasium besonders niedrig sind. Die grossen Abschiffer sind Basel-Stadt, Genf und das Tessin mit besonders hohen Übertrittsquoten. Im internationalen Vergleich stehen wir laut PISA eher mittelmässig da, die ETH Zürich ist aber eine der besten 10 Hochschulen der Welt. Ich wüsste jetzt, worauf ich persönlich mehr gebe. Ich kenne ja meine Jugendlichen, die sind nun mal nicht auf solche Vergleichstests dressiert sondern eher aufs selber Denken.

      Edit:


      Krabappel schrieb:

      du hast keinen Lehrplan, an den du dich halten musst und kommst super damit klar.
      Nicht *ich*, *wir*. Läuft im ganzen Land ganz wunderbar so.
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      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Wollsocken80 ()

    • Krabappel schrieb:

      Es ging mir aber um die Frage, ob ein Zentralabitur in Deutschland Qualität von Schule in Deutschland verbessern könnte, oder ob das Gegenteil der Fall wäre.
      Keine Ahnung, aber dagegen spricht vor allem, dass sich die Anforderungen aus politischen Gründen sehr wahrscheinlich am kleinsten gemeinsamen Nenner orientieren würden.

      Was aber meiner Meinung nach – und ich gebe zu, die hat sich durch meinen Blick von "draussen" entwickelt – vor allem der Qualität von Schule in Deutschland abträglich ist, ist die Tatsache, dass Bildung nicht in den Händen von Experten ist, sondern in den Händen eines Bürokratiemolochs. Noch ein böser Seitenhieb: so wie eigentlich fast alles in Deutschland. Gesetze, Verordnungen, Behörden, Ämter und haste nicht gesehen … in Kombination mit Politikern, die gerne sowas einen "Digital-Pakt" auf den Weg bringen würden, der erstens etwa 10 Jahre zu spät kommt und zweitens mit seinen lächerlichen 5 Milliarden nur die allerschlimmsten Symptome kurieren würde (von den Problemen der "nicht-digitalen" Infrastruktur ganz zu schweigen).
      Aber auch das ist sehr typisch für Deutschland: Bildungspolitik = Strukturpolitik. Die Philosophie, dass es für die digitale Bildung nur schnelles Internet + Tablet für jeden Schüler braucht und sich auf magische Weise der Rest von selbst ergibt, ist scheinbar unter Politkern weit verbreitet. Dabei müssten zuerst Konzepte her. Ich weiss, ich predige zu den Bekehrten, aber ich musste das mal loswerden …
    • Philio schrieb:

      Wollsocken80 schrieb:

      Dann würde hier zumindest für die Sek II keiner mehr Lehrer werden (ich würde ehrlich den Job hinschmeissen). Zentrale Prüfungen sind nichts weiter als der kleinste gemeinsame Nenner und sicher nicht das Qualitätsmerkmal als das sie gerne verkauft werden.
      Den Punkt kann ich nicht genug unterstreichen – vor allem, seit ich im "schweizer System" zuhause bin. ...– in der Schweiz wird schlicht und einfach dem Lehrer am Gymnasium vertraut, dass er als Profi seinen Lernenden das beibringt, was er als Allgemeinbildung in seinem Fach für wichtig hält. Das kann etwas anderes sein, als sein Kollege denkt. Das macht aber auch nichts – das Wichtigste ist doch, dass die Lernenden die Grundlagen verstehen und später mal – so sie es denn möchten oder müssen – diese Grundlagen reaktivieren und darauf aufbauen können. Das verstehe ich unter Bildung – und nicht eine durch Zetralprüfungen abgesicherte nebulöse "Vergleichbarkeit".
      Klingt in der Theorie nett. Ich frag mich halt, ob das auf ein entsprechend größeres System wie Deutschland übertragbar wäre. In der Schweiz scheint es ja so zu sein, dass nur sehr begabte und leistungsbereite Kids aufs Gymnasium kommen. Entsprechend wenige dürften das dann sein in einem so kleinen Land. Dass diese paar in jedem Falle klarkommen, egal welche Anforderungen die Schule stellt, glaub ich ja gern. (auch wenn die Schweiz, also alle Schüler zusammen, ebenso wie Deutschland nicht besonders überragend in Vergleichsstudien abschneidet, wenn ich recht erinnere...)

      Ach und was war nun eigentlich mit dem schlechten Ruf hessischen (=dezentralen) Abiturs? So richtig überzeugen kann mich das nicht und das hat m.E. auch nichts mit „Vertrauen“ in die Lehrer zu tun, sondern mit Gerechtigkeit ggü. Schülern, die nicht von der Willkür Einzelner abhängig sein sollten. Schule ist nunmal ein Staatsapparat und kein System von privaten Bildungsträgern.
    • Krabappel schrieb:

      Klingt in der Theorie nett. Ich frag mich halt, ob das auf ein entsprechend größeres System wie Deutschland übertragbar wäre. In der Schweiz scheint es ja so zu sein, dass nur sehr begabte und leistungsbereite Kids aufs Gymnasium kommen. Entsprechend wenige dürften das dann sein in einem so kleinen Land.
      Ja, eben die begabten und leistungsbereiten. Das sollte in Deutschland auch so sein. Es ist ja auch nicht schlimm, wenn man die Voraussetzungen nicht erfüllt. Bildung ist keine Sackgasse, weder in Deutschland noch in der Schweiz. Wer ein Spätentwickler ist oder auch erst später weiss, was er möchte, hat immer noch genug Chancen.
      Ich war auch ein Spätzünder, dazu noch aus einem "bildungsfernen Umfeld" wie man heute sagen würde, mit 10 Jahren hätte ich nie am Gymnasium mithalten können und auch in den unteren Klassen der Realschule war ich ein eher mittelmässiger Schüler. Aber in der 9./10. und in der Ausbildung war es dann anders und als ich mit Anfang 20 wusste, dass ich eine Uni von innen sehen möchte, habe ich das Abitur nachgeholt, danach studiert und promoviert. Das einfach mal als Argument gegen die Schicksalsgläubigen auch unter den Politikern und Eltern, die meinen, dass der Lebensweg schon im Kindesalter festgelegt wird. Ja, es gibt Bildungsungerechtigkeit – aber ein Schicksal ist das noch lange nicht. Wenn man erwachsen ist, kann man seine eigenen Entscheidungen treffen. Dass man auch eine gewisse Begabung mitbringen muss, logisch… aber man muss vor allem eines: wollen!


      Krabappel schrieb:

      Ach und was war nun eigentlich mit dem schlechten Ruf hessischen (=dezentralen) Abiturs? So richtig überzeugen kann mich das nicht und das hat m.E. auch nichts mit „Vertrauen“ in die Lehrer zu tun, sondern mit Gerechtigkeit ggü. Schülern, die nicht von der Willkür Einzelner abhängig sein sollten. Schule ist nunmal ein Staatsapparat und kein System von privaten Bildungsträgern.
      In der Schweiz sind die meisten Schulen auch öffentlich, aber weit unbürokratischer. Für mich hat es übrigens sehr wohl etwas mit Vertrauen zu tun – Vertrauen, dass ein Lehrer ein Profi in seinem Fach und seiner Vermittlung ist und seine Entscheidungen fachlich und pädagogisch-didaktisch begründen kann. Das ist für mich das Gegenteil von Willkür. Dass Schüler A bei Lehrer X nicht genau das Gleiche lernt wie Schüler B bei Lehrer Y empfinde ich nicht als ungerecht – denn wenn man sich mit Kollegen vergleicht, stellt man fest, dass die meisten sowohl was den fachlichen Kanon als auch das Niveau angeht, sehr ähnliche Vorstellungen haben. Klar, wie schon @Wollsocken80 schrieb, schwarze Schafe gibt es in jedem System, aber davon geht die Welt doch auch nicht unter.
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