Team Teaching - Wer macht was?

  • Inklusion.


    Häufig sieht das bei uns so aus:
    Der Sonderpädagoge kommt herein, nimmt die Inklusionskinder mit in den Differenzierungsraum und bringt sie nach der Stunde wieder zurück.
    Dabei sieht das gemeinsame Lernen eigentlich vorrangig Team Teaching vor. Regelschullehrer und Sonderpädagoge - beide kooperieren im Klassenraum.


    Doch wie sieht das in der Realität aus?
    Wer übernimmt welche Aufgaben?


    Ich würde mich sehr über Erfahrungsberichte freuen. :)

  • Ich nehme die Schüler/innen auch meistens mit, es sei denn der/die Regelschullehrer/in bittet mich, mit in der Klasse zu bleiben, z.B.bei einem Unterrichtsbesuch oder Kunst/ Hauswirtschaft mit etwas aufwendigerem Vorhaben etc. Weiß ich das vorher, bringe ich auch Arbeitsblätter etc. mit.


    Teamteaching ist aufgrund der wenigen Stunden pro Kind bzw. Klasse nicht machbar. 20 Förderschüler/innen verteilt auf 12 Klassen und 20 Förderstunden, einen Teil davon gibt ein anderer Sonderpädagoge in Abordnung. Aufgrund des Stundenplans wäre ich dann immer nur in einer Einzelstunde in völlig verschiedenen Fächern in unterschiedlichen Jahrgangsstufen dabei.


    Dazu kommt, dass ich mich natürlich nicht mit allen Fächern auskenne. Physik oder Chemie Klasse 6 muss ich schon passen ;) Für Technik fehlt mir der entsprechende Schein, ebenso fürs Schwimmen. Religion darf man ebenfalls nur mit der Vocatio geben.


    Absprechen müsste man sich ja auch, wenn man gemeinsam unterrichten möchte, aber unter den gegebenen Bedingungen:Wie soll da Teamteaching funktionieren? Und was hätten die Förderschüler/innen unter diesen Umständen davon?


    So nehmen wir sie gruppenweise raus und sie sehen uns Sonderpädagogen wenigstens mehr als eine Einzelstunde pro Woche. Wir machen Leseförderung, üben z.B. in Mathe, genau das , was sie nicht verstanden haben, besprechen Probleme, die aufgelaufen sind, ab Klasse 8 machen wir eine Stunde Berufsvorbereitung, wir räumen auch mal die Schulrucksäcke auf und sortieren die Sachen ein...


    Sprechen mich Kollegen an, bringe ich auch Material für die Förderkinder mit, das sie in Stunden ohne Unterstützung bearbeiten können, die meisten...Allerdings beschränkt sich das Material auf die Hauptfächer, ich habe keinen unendlichen Fundus. Sonst kann ich nur gemeinsam mit den Kollegen überlegen, wie man z.B. deren Material vereinfachen und abändern könnte. Oft klappt es in den Nebenfächern aber ganz gut.

  • Ich finde teamteaching furchtbar. Es kommt hin und wieder vor, dass ich mit Kollegen zusammen im Unterricht bin und das geht selten gut. Und zwar egal, wie gern wir uns mögen, einer quatscht dem anderen (unabsichtlich) immer rein. Man gewöhnt sich so an seine Rolle und wie man auf die Kinder reagiert, dass eine zweite Person eher stört als hilft. Das ist zwar schade aber ich erlebe es so. Am besten übernimmt einer das Ruder und der andere hilft den Kindern.


    Daher würde ich an deiner Stelle, wenn du im Team arbeiten möchtest, das vorher ganz genau kommunizieren und absprechen, wer wann welche Aufgaben übernimmt, damit es nicht zu Missverständnissen kommt.

  • Ich hatte für ein Halbjahr mal unsere Förderschul-Kollegin für 2h bei mir im Matheunterricht.
    Lief immer super. 2-3 Tage vorher kurze Absprache, was ich geplant habe und sie hat überlegt, wie wird das für den Förderschüler evtl. aufbereitet. Oft saß sie dann neben ihm und hat Hilfen gegeben (Förderschwerpunkt Lernen).
    Wenn ich (wie in Mathe häufiger) Lernpläne oder Stationenarbeit gemacht habe, hat sie manchmal 2-3 Stationen beigetragen aber vor allem ist sie mit rumgegangen und hat allen Kindern Unterstützung angeboten.


    Den Schüler mit rausgenommen hat sie selten. Manchmal für 30 Minuten um noch mal Grundlagen zu wiederholen.


    Mittlerweile bin ich komplett alleine aber ich spreche oft mit ihr und zeige ihr auch die Klassenarbeiten für den Schüler um das Niveau noch mal abzustimmen.
    Ich wünsche sie mir oft in meinen Unterricht aber sie hat eben nur 2h für jeden L-Schüler pro Woche. Im Moment ist sie eben im Englischunterricht.

    • Offizieller Beitrag

    Ich habe verschiedene Versionen durch:


    Klassenleiterin mit mobiler Sonderpädagogin. Diese setzten sich (im Schnitt so alle zwei Wochen eine Stunde) in den Unterricht, guckten herum und waren entweder freundlich und gaben Tipps oder kritisierten mich.


    Klassenleiterin mit Sonderpädagoginnen an der Schule: Kinder wurden (wegen gedeckelter Förderstunden) in klassenübergreifende Gruppen zusammengefasst, um ihnen die gesetzliche Anzahl an Förderstunden zukommen zu lassen.


    Klassenleiterin mit Förderung durch "Lehrerin mit sonderpädagogischen Aufgaben" (= keine Sonderpädagogin, schlechter bezahlt, muss den Job aber machen). Nahm die Kinder raus, wollte von mir extra für die Kinder zieldifferent vorbereitete Aufgaben (aber nur bestimmte) und wollte, dass ich ihren Förderplan schreibe. Anderer Kollege saß im Raum, trank bestenfalls keinen Kaffee und unterhielt sich mit den Kindern, die das vom Lernen ablenkte.


    "Lehrerin mit sonderpädagogischen Aufgaben", die einer Klasse zugeteilt ist: Ich nehme die Kinder im Normalfall raus, je nach Wunsch der Kollegin. Manchmal bleibe ich mit im Klassenraum und helfe. Aber selbst da, ist das manchmal störend, weil es für Kinder mit auditiven und Konzentrationsschwierigkeiten schwierig ist, zu arbeiten, während ein (oder zwei) Erwachsene etwas erklären (=sprechen).

    SCHOKOEIS!


    Ich lese und schreibe nach dem Paretoprinzip.


  • Dabei sieht das gemeinsame Lernen eigentlich vorrangig Team Teaching vor. Regelschullehrer und Sonderpädagoge - beide kooperieren im Klassenraum.

    Je nach Fach, Thema, jeweiligem Bildungsplan findet es hauptsächlich kooperativ im Klassenraum statt, wird aber bei Bedarf für Einzelstunden oder Stundenteile räumlich getrennt. Oft nehmen SuS die bereits mit ihrer Freiarbeitsaufgabe fertig sind dann noch am Unterricht im Differenzierungsraum teil und unterstützen die Klassenkameraden die gerade dort sind. Ist allerdings den enorm engagierten Lehrern zu verdanken die in dieser Klasse unterrichten, dass sich das so gut und reibungsarm verzahnen lasst. Im Klassenraum gilt wenn zwei Lehrer da sind, dass beide für die gesamte Klasse zuständig sind (und nicht nur für "ihre" jeweilige Zielgruppe). Das ist gut organisiert und wird von den SuS akzeptiert.

    "Benutzen wir unsere Vernunft, der wir auch diese Medizin verdanken, um das Kostbarste zu erhalten, das wir haben: unser soziales Gewebe, unsere Menschlichkeit. Sollten wir das nicht schaffen, hätte die Pest in der Tat gewonnen. Ich warte auf euch in der Schule." Domenico Squillace

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