Vertieftes Fachwissen bei Gym.Lehrern

  • Ich hätte eigentlich alles gewettet, dass dieses "grundlegende Verständnis des Systems" oder dessen, "wie das Fach funktioniert" oder was ich auch sonst so an Formulierungen verwendet habe, in den Naturwissenschaften nochmal deutlich wichtiger ist als in den Geisteswissenschaften.

    Ich glaube dass wir unter "grundlegendes Verständnis des Systems" was anderes meinen, als ihr. Zum grundlegenden Verständnis der Chemie als reine Fachwissenschaft gehört z. B. die Erkenntnis, dass sich im Prinzip jede Erklärung eines experimentell beobachtbaren Phänomens auf den Atombau und die Thermodynamik zurückführen lässt. Das ist im Grunde genommen eine sehr lineare, puristische Denkweise, die keine Interpretationen zulässt. Ich nehme an, dass Du viel mehr links und rechts denken musst, als ich. Wenn ich über die ethische Verantwortung des Chemikers spreche, bin ich definitiv raus aus der Fachwissenschaft. Das ist auch im Studium kein Thema (war es zumindest vor 15 - 20 Jahren nicht). Ich hatte im 2. Semester eine Vorlesung zum Gefahrstoffrecht, da ging es aber mehr drum, was wir dürfen und was nicht und welches Vergehen welche Konsequenzen nach sich zieht. Ne ganz rationale Angelegenheit also.



    Und dann gibt es eine Reihe von Naturwissenschaftlern, die offenbar nicht so genau verstanden haben, was ich meine und mit dem "Stoff" argumentieren, den sie an der Uni lernen und in der Schule nicht brauchen.

    Vielleicht sind das aber genau die, die's selber nicht so richtig verstanden haben, worum es eigentlich geht? Frag die doch mal, was sie denken, wie ihr Fach die Jugendlichen im Leben weiterbringt, die das hinterher nicht studieren wollen. Ich traue mich fast zu wetten, dass da nichts Sinnvolles kommt. Solche Leute habe ich im Schuldienst natürlich auch schon erlebt.


    Jetzt ist es natürlich schade, dass von "meiner Seite" mal wieder keiner mitdiskutieren will und wir vor allem niemanden in der Diskussion haben, der eine klassische Naturwissenschaft an einem deutschen Gymnasium unterrichtet und die auch auf Lehramt studiert hat.

  • Das überrascht mich jetzt. Du hast jeden Tag bei verschiedenen Kollegen Einblick in den den fachfremd erteilten Unterricht und kannst die Qualität desselben auch noch beurteilen?


    Hallo Krabappel,


    davon habe ich nichts geschrieben. Ich habe durchaus bei verschiedensten (fertigen) Kollegen hospitiert, die fachfremd unterrichten (z.B. in Chemie und in Geschichte) und die Schüler wussten davon nichts, das hätte man auch niemals erahnt, denn diese Kollegen wirkten sehr kompetent.


    Dann habe ich mehrere Klassen von Kollegen übernommen, die fachfremd waren und Themen/Hefte/Arbeiten sowie die Aussagen der Schüler zeigen, dass hier tadellose Vorarbeit geleistet wurde.


    der Buntflieger

  • Ich habe durchaus bei verschiedensten (fertigen) Kollegen hospitiert, die fachfremd unterrichten (z.B. in Chemie und in Geschichte) und die Schüler wussten davon nichts, das hätte man auch niemals erahnt, denn diese Kollegen wirkten sehr kompetent.

    Da muss ich jetzt doch mal einhaken. Wie willst Du denn beurteilen können, ob jemand der fachfremd Chemie unterrichtet, darin kompetent ist? Ich sag mal so ... ich musste mal die Zweitkorrektur einer Maturprüfung für einen Kollegen übernehmen, der als Biologe jahrzehntelang Chemie unterrichtet hat. Die Schulleitung fand den offenbar auch "kompetent". Ich hab bei der Korrektur das Kotzen bekommen und zwar nicht wegen der Schülerantworten.

  • Zumindest für mein Studium kann ich sagen: Ich war verpflichtet das große Latinum nachzuholen OBWOHL ich es in keinster Weise für das unterrichten meines Faches brauche.
    Hätte ich die Latinumsprüfung nicht bestanden, wäre ich geext worden. Das große latinum bräuchte man für mein Fach übrigens nur im fachmaster noch um den Master zu erlangen. Einem Freund ging es schlimmer: Graecum, Latinum, Hebraeicum im Hauptfach nachweisen obwohl er kein Sprachenlehrer werden wollte.


    Mein Studium berechtigt mich auch zur Promotion und die hab ich auch in der Tasche. Defizite hierfür waren nicht auffindbar von Seiten der fremden Prüfungskommission. War fachwissenschaftlich genug ECTS für das Äquivalent Master.

    • Nicht, wer zuerst die Waffen ergreift, ist Anstifter des Unheils, sondern wer dazu nötigt. -Machiavelli-
    • Zwei Mächte gehen durch die Welt, Geist und Degen, aber der Geist ist der mächtigere. -Napoleon-
    • In dir muss brennen, was du in anderen entzünden willst! -Augustinus-
  • Da es Wirtschaft als Schulfach in der Sek. I erst im 2.Schuljahr in BW gibt, wird das Fach meist fachfremd unterrichtet (an meiner Schule bin ich die Einzige, die das Fach studiert hat). Einigen Unterricht der Kollegen konnte ich in Hospitationen sehen, zum Halbjahr habe ich auch Klassen von Kollegen übernommen.


    Diese Kollegen spielen ihre teilweise jahrzehntelange Unterrichtserfahrung aus und machen pädagogisch und (teilweise) didaktisch mit Sicherheit besseren Unterricht, als ich es bereits vermag. Fachlich merken die Schüler auch nicht, dass etwas fehlen könnte - ich schon. An vielen Stellen wird das Schulbuch z. B.sauber abgearbeitet, aber größere Bezüge, Verbindungen zu aktuell relevanten oder auch zukunftsweisenden Diskussionen fehlen im Regelfall. Nicht, weil die Kollegen diese Diskussionen nicht kennen würden, aber weil ihnen an manchen Stellen tieferes Fachwissen über die Unterrichts Themen hinaus fehlt, so dass Diskussionen nicht eingeordnet werden. Ich könnte einige Beispiele nennen, wo ich konstant sehen kann, dass meine Kollegen das Fach fachfremd unterrichten.


    Der Unterricht ist nicht schlecht, aber rein fachwissenschaftlich betrachtet halt auch nicht so gut und anspruchsvoll, wie er es in den Fächern ist, die die Kollegen studiert haben.

    "Benutzen wir unsere Vernunft, der wir auch diese Medizin verdanken, um das Kostbarste zu erhalten, das wir haben: unser soziales Gewebe, unsere Menschlichkeit. Sollten wir das nicht schaffen, hätte die Pest in der Tat gewonnen. Ich warte auf euch in der Schule." Domenico Squillace

  • Ich spreche jetzt mal für Mathematik (gehe dabei weitgehend konform mit @Avantasia ).


    Es hat sich offenbar einiges geändert bei den Studieninhalten. Als ich studiert habe (Studienbeginn war vor ca. 25 Jahren) gab es aber auch schon deutliche Unterschiede zwischen den Unis.


    Ich habe praktisch alle Vorlesungen und Übungen mit den Diplomern gemeinsam gehabt. Ich habe im Hauptstudium ein paar mehr Scheine gemacht, als ich gemusst hätte. Für das Mathe-Diplom hätte mir nur noch die Diplomarbeit und ein Nebenfach gefehlt (Musik war kein anerkanntes Nebenfach für Diplom-Mathe). An den Unis, wo ich studiert habe, war aber Mathe Gym-Lehramt in weiten Teilen gleich zu Mathe Diplom. Einschränkung: Es gab im Hauptstudium durchaus ein paar Vorlesungen, die bei Lehrämtlern besonders beliebt waren.


    Aber: Schon das (damalige) Grundstudium geht sehr weit über das hinaus, was man in der Schule (und sei es im Leistungskurs) macht. Deswegen muss jemand, der "nur" Mathe Bachelor (oder ein erfolgreich abgeschlossenes Grundstudium im früheren Sinne) hat, nicht zwingend "fachliche" Probleme bekommen an der Schule.


    Dennoch fand ich es schon früher gut, dass das Mathe-Gym-Lehramt Studium dem Diplom so ähnlich ist:


    1. Erst im Studium kann man erkennen, was Mathematik als Wissenschaft überhaupt ist. Das sollte man schon auch als Lehrer wissen, wie kann man sonst Schüler fördern und beraten, die vielleicht mal Mathe studieren wollen?
    2. Wenn man Mathelehrer werden will, dann sollte es doch eigentlich selbstverständlich sein, dass man sich für Mathe interessiert! Dann wird man diese interessanten Vorlesungen doch verstehen wollen, ganz egal, ob man das konkret an der Schule braucht oder nicht!


    Im Vergleich mit Musik will ich aber deutlich sagen, dass der Unterschied zwischen dem, was man in der Schule und an der Uni macht, zumindest vom "Musikwissenschaftlichen Teil" her deutlich geringer ist. Viele musikwissenschaftliche Fachbücher könenn auch von Oberstufenschülern (aus dem Musik Leistungskurs etwa) gelesen und verstanden werden. Es gibt sicher auch Aspekte, die selbst ein guter Schüler nicht verstehen würde, aber hier hätte man als Lehrer dennoch eine sehr gute Chance, dem Schüler zu erklären, worum es in dem betreffenden Buch geht.


    Bei Mathematik ist das nicht so. Wenn ich etwa an das Thema meines Mathe-Hauptseminars denke: Ich hätte nicht den Hauch einer Chance, jemandem zu erklären, worum das ging, der nicht mindestens ein Mathe Grundstudium erfolgreich abgeschlossen hat.


    Ich finde eine sehr gute Beherrschung des eigenen Faches sehr wichtig. Aber ein Mathe-Bachelor, bei dem man die Inhalte auch tatsächlich verstanden hat, ist dafür mehr als ausreichend!

  • Bei Mathematik ist das nicht so. Wenn ich etwa an das Thema meines Mathe-Hauptseminars denke: Ich hätte nicht den Hauch einer Chance, jemandem zu erklären, worum das ging, der nicht mindestens ein Mathe Grundstudium erfolgreich abgeschlossen hat.

    Das sehe ich auch ganz extrem bei Chemie. Das ist irgendwann so kompliziert, dass man das niemandem ohne Grundstudium auch nur annähernd erklären könnte. Wenn man sich als guter Chemieschüler in ein Hauptseminar physikalische Chemie setzt, versteht man nichts. Eine Mitbewohnerin hatte die Kombination Englisch / Geo und ich war in beiden Fächern (einmal, bzw. bei Englisch mehrmals) mit in einer Vorlesung. Ich muss sagen ich konnte den Inhalten erstaunlich gut folgen, auch, wenn ich natürlich jetzt von Literatur keine Ahnung habe. Aber mir war schon klar, worum es da ging. Nun war betreffende Mitbewohnerin leider nicht bei mir mit, aber ich schätze, dass sie von Chemie gar nichts verstanden hätte. In Bio wäre es sehr auf das Seminar angekommen, in manchen wäre es ähnlich wie in Chemie, in anderen eher wie bei Englisch.

  • Das sehe ich auch ganz extrem bei Chemie. Das ist irgendwann so kompliziert, dass man das niemandem ohne Grundstudium auch nur annähernd erklären könnte...

    Das beantwortet aber noch nicht die Frage, ob...


    ... das in den MINT-Fächern wirklich so viel anders ist. Brauche ich da denn kein vertieftes Verständnis für die Systematik des Fachs - auf einer abstrakten Ebene, die ich niemals im Unterricht verbalisieren werde - um meinen Unterricht angemessen planen und durchführen zu können?

  • Ich schreib jetzt mal hier weiter, wo's auch eigentlich hingehört. Ich weiss schlussendlich nicht so genau, was ich von der Sache mit dem verkürzten fachwissenschaftlichen Teil im deutschen Lehramtsstudium halten soll, ich kenne niemanden, der in Deutschland Chemie unterrichtet. Ich habe bis hierhin erst mal nur versucht zu erklären, wie man überhaupt auf die Idee kommen kann, da Fachinhalte wegzustreichen und dass das möglicherweise auch funktionieren kann.


    Aber wie soll deiner Meinung dann ein Lehrer studieren mit 2 Fächern? Zwei volle Bachelor machen kann ja auch keine Lösung sein?
    Aber ich schrieb ja, in ET habe ich gewaltig ein Problem, eben weil es gekürzt ist. Und in ET war es so eine Wahl, 2 von 4 musst du machen. Dadurch hatte ich keine Regelungstechnik und keine Steuerungstechnik. Beides brauche ich aber natürlich.
    Das ist was anderes wenn man Große berufliche Fachrichtung ET macht mit einer Vertiefung.


    Nie wieder meine Kombi! :(


    zu Chemie (auch da bin ich kein gutes Beispiel, habe eine Laboranten-Ausbildung und freiwillig mehr gemacht, bzw Bachelor- und Master--Thesis fachwissenschaftlich in der PC geschrieben):


    Die Grundlagen habe ich alle gemacht, gestrichen wurden die Vertiefungen. Bzw eigene Veranstaltungen angeboten.


    Ich hatte zum Beispiel AC I und II, aber nicht III und IV. Analytik hatte ich, aber keine Instrumentelle Vertiefung.
    In den Praktika haben wir statt 10 Versuchen nur 5 gemacht (als Beispiel). Also Grundlagenbereich ist da einfach gut abgedeckt, auch wenn Inhalte weggestrichen wurden.
    Gerade fürs Gymnasium sollte es reichen.
    Am BK mit den Vertiefungen ist es was anderes. OC will ich nicht unterrichten, PC hingegen sehr gerne.


    Am BK gilt eh wieder was anderes, da muss man sich schon sehr speziell einarbeiten.


    @DePaelzerBu Ein Grund warum ich in ET nicht in Technikerschule wollen würde, ich wäre definitiv überfordert. Bin ich ja nun schon in bestimmten Bereichen am Limit. In ET liegt es definitiv am Studium. Zu wenig Grundlagen, zu wenig spezielle Vertiefungen.
    In Chemie werde ich demnächst zu den Technikern gehen, aber nur in dem Bereich, wo ich mich wohl fühle.


    An die Hand bekommt man im Studium meiner Meinung nach also vorwiegend an die Hand, wie man sich etwas erarbeitet. Grundlagen natürlich auch.

  • @Kiggie leicht offtopic, aber am Rande: Du bist ja noch recht frisch. Gerade das Nicht-Uni-Zeug aus der praktischen Elektroinstallation kann man da noch nicht drauf haben. Mach mal zwei, drei Durchläufe, dann weißt du langsam,was so die Standardfragen sind und wo's hängt. Dann wird's deutlich besser.


    Und nutze aus, dass die Jungs aus der Praxis kommen. Von denen kann man auch lernen :)

  • @Kiggie leicht offtopic, aber am Rande: Du bist ja noch recht frisch. Gerade das Nicht-Uni-Zeug aus der praktischen Elektroinstallation kann man da noch nicht drauf haben. Mach mal zwei, drei Durchläufe, dann weißt du langsam,was so die Standardfragen sind und wo's hängt. Dann wird's deutlich besser.


    Und nutze aus, dass die Jungs aus der Praxis kommen. Von denen kann man auch lernen :)

    Mache ich :) Und das funktioniert auch gut, wenn man mit offenen Karten spielt. Dadurch habe ich in Steuerungstechnik sehr viel gelernt.
    Aber es dauert halt. Und nun habe ich wieder komplett den Bildungsgang gewechselt. Hoffe aber hier nun zu bleiben um so eben in ein paar Jahren den Überblick erreicht habe und auch etwas Kompetenz :D

  • @Kiggie Die Lösung hier ist, dass Chemiker und Biologen meistens nur ein Fach unterrichten, nämlich das, in dem sie eben den MSc abgeschlossen haben. Die Physiker unterrichten häufig noch Mathe, aber auch längst nicht alle.

  • Was ich an der ganzen Diskussion besonders spannend finde ist, dass sie sich bereits an der Frage des im Lehramtsstudiums Gym vermittelten Fachwissens entzündet. Nachdem ich Abschlüsse in meinen Fächern von Uni und PH habe, sehe ich - aus der Perspektive der Geisteswissenschaften- die entscheidenden Unterschiede vor allem zwischen den verschiedenen Hochschularten und damit einhergehend dem, was an Fachwissenschaftlichkeit in den verschiedenen Lehrämtern vorausgesetzt wird:


    Uni: Lehramtsstudium Gym in BW = fachwissenschaftlich mindestens so viele Scheine in meinen Fachbereichen wie im Diplombereich


    PH: alle anderen Lehrämtler in BW = in meinen Fächern Sek.I selbst im Hauptfach nur die Hälfte der fachwissenschaftlichen Scheine wie an der Uni, in den diversen Nebenfächern noch weniger


    Spätestens an der Realschule (wo Fachlichkeit stärker im Mittelpunkt stehen kann, als z.B. an Haupt- und Werkrealschulen) merkt man das einzelnen Anwärtern (nicht den fertigen Kollegen, die entsprechend fit in den schulischen Themen sind) durchaus auch an, wie groß manche fachlichen Lücken (noch) sind im Referendariat. Mit Geschichte als Nebenfach an der Uni habe ich ebensoviele Geschichtsscheine gemacht wie die Hauptfachleute Geschichte von der PH, die in Diskussionen deshalb auch meist denken ich sei Historikerin (bin ich nichtmal annähernd natürlich).

    "Benutzen wir unsere Vernunft, der wir auch diese Medizin verdanken, um das Kostbarste zu erhalten, das wir haben: unser soziales Gewebe, unsere Menschlichkeit. Sollten wir das nicht schaffen, hätte die Pest in der Tat gewonnen. Ich warte auf euch in der Schule." Domenico Squillace

  • Die Sek-I-er studieren bei uns ja nur an der PH, egal in welchem Fach. Die Fachdidaktikerin für Biologie arbeitet bei uns an der Schule und beschwert sich in schöner Regelmässigkeit darüber, dass die Aspiranten für den NaWi-Unterricht fachlich gar nicht geeignet sind. Bei den Stories, die die mir erzählt, denke ich mir aber reglmässig ... äh ... das könnten meine Maturanden im Schwerpunktfach jetzt aber schon. Da frage ich mich ja schon auch, wer sich überhaupt für diesen Studiengang einschreibt.

  • Ach übrigens... Eurer (die anwesenden GeWis) Theorie nach müssten im Phil II Bereich Seiteneinsteiger die besseren Lehrer sein. ;)

  • Die Sek-I-er studieren bei uns ja nur an der PH, egal in welchem Fach. Die Fachdidaktikerin für Biologie arbeitet bei uns an der Schule und beschwert sich in schöner Regelmässigkeit darüber, dass die Aspiranten für den NaWi-Unterricht fachlich gar nicht geeignet sind. Bei den Stories, die die mir erzählt, denke ich mir aber reglmässig ... äh ... das könnten meine Maturanden im Schwerpunktfach jetzt aber schon. Da frage ich mich ja schon auch, wer sich überhaupt für diesen Studiengang einschreibt.


    Deswegen heißt PH auch korrekt übersetzt "PonyHof". Die können nix, wir PH-Fuzzies sind so eine Art Lehrer auf Halbmast. Muss es ja auch geben für diejenigen, die zu dumm sind, um an der richtigen Uni zu studieren.


    PH kann auch wahlweise für "Pedantische Halblehrer" oder "Plöde Homies" stehen. Wies beliebt. :P


    der Buntflieger

  • Ach Gottchen Buntflieger, das haben doch weder Wollsocken noch ich mit unseren Ausführungen zu PHs gesagt. Es geht um Fachlichkeit, Anteile von Fachwissenschaft im jeweiligen Studiengang und die Frage, inwieweit ein bestimmtes Maß gerade auch im Schuldienst relevant bzw.unablässlich sein könnte, nicht darum Leute die an der PH studiert haben generalisierend abzuwerten.

    "Benutzen wir unsere Vernunft, der wir auch diese Medizin verdanken, um das Kostbarste zu erhalten, das wir haben: unser soziales Gewebe, unsere Menschlichkeit. Sollten wir das nicht schaffen, hätte die Pest in der Tat gewonnen. Ich warte auf euch in der Schule." Domenico Squillace

  • Ach übrigens... Eurer (die anwesenden GeWis) Theorie nach müssten im Phil II Bereich Seiteneinsteiger die besseren Lehrer sein.

    Na ja, ich zumindest habe nur der Aussage widersprochen, dass Fachwissen nicht so wichtig sei bzw. dass das Fachwissen von ein paar Semestern ausreicht - das, was halt zum Teil zu Beginn des ursprünglichen Threads gesagt wurde, weil der TE seinen Mathe-Master nicht schafft. Ich habe nie gesagt, dass Fachwissen wichter sei als Didaktik oder Pädagogik.
    Tatsächlich weiß ich gar nicht, wie "Seiteneinsteiger" konkret definiert ist. Zwischen jemandem, der mit Master/Magister/Diplom kommt und ins Ref geht und einem grundständigen Lehrämtler kann ich tatsächlich keinen Unterschied sehen. Aber das Ref sollte schon sein, um das "Unterrichtshandwerk" mal gelernt zu haben.
    In jedem Fall besser als ein Lehrämtler, der gar nicht so recht Ahnung von seinem Fach hat, sich dafür auch nicht interessiert. Gibt es leider gerade im Fach Deutsch gar nicht so selten. :daumenrunter:

  • Natürlich muss ein Lehrer eine fachdidaktische Ausbildung haben und auch mal irgendwas über Erziehungswissenschaften gehört haben, dem stimme ich absolut zu. Ich denke, es ist kein Zufall, dass es gerade in den Phil-II-Fächern in Deutschland so viele Seiteneinsteiger gibt. Wie wir jetzt ja festgestellt haben, muss man sich im Fach Chemie z. B. schon im ersten Semester entscheiden, ob man jetzt Lehrer werden will oder nicht. Man verliert doch einiges an Zeit, wenn man auf Lehramt anfängt zu studieren und dann feststellt ... ne ich will's doch "richtig" machen. Hier bei uns ist es fürs Lehramt Sek II eben egal, da die pädagogische Ausbildung entkoppelt ist vom Fachstudium.



    Ich habe nie gesagt, dass Fachwissen wichter sei als Didaktik oder Pädagogik.

    Wenn man den Gedanken konsequent zu Ende denkt, ist es schon so, doch. So wurde mir es in der Ausbildung gesagt und so gebe ich es auch jetzt an meine Studierenden weiter: Das mit der Didaktik ist Übungssache, das kommt durchs Machen und sich selbst reflektieren. Fachliche Fehler sind aber absolut tabu. Mal was nicht direkt wissen ist OK, aber falsch ist absolut bäh. In der Diskussion im anderen Thread ging's ja mehr darum, *wie viel* Fachwissen nötig ist und da kann man nun die Hypothese aufstellen, dass zumindest in einigen Fächern der Bachelor ausreichend ist.


    Soweit ich das überblicken kann, haben unsere Sek-I-er sogar noch weniger als Bachelor-Wissen, weil sie eben wirklich alles konkret aufs Lehramt zugeschnitten an der PH machen. Ich kenne die Ausbildung nicht und ich kenne auch niemanden, der z. B. mein Fach auf der Sek I unterrichtet. Ich höre halt, was die Fachdidaktikerin Biologie erzählt und ich beobachte, mit welchem Wissen unsere Jugendlichen zu uns ans Gymnasium kommen. Manches wird in der Mittelstufe schlicht und ergreifend *falsch* unterrichtet und von irgendeiner Art von Verständnis jenseits des Auswendiglernens merke ich bei den Wenigsten was. Das kann aber auch damit zu tun haben, dass das Abstraktionsvermögen eines 14jährigen noch nicht hinreichend ausgereift ist um ein Fach wie Chemie wirklich zu verstehen. Darüber habe ich hier auch schon öfter sinniert.


    Was ich bei uns an der Schule noch Spannendes beobachte: Als ich 2014 dort angefangen habe zu unterrichten, waren viele Kollegen aus dem Phil-I-Bereich ausgesprochen skeptisch vor allem gegenüber uns Chemikern. Ich habe zusammen mit einem weiteren, jungen Kollegen zwei wirklich "alte Hasen" ersetzt, die jahrzehntelang ihr Unwesen an unserer Schule getrieben haben. Es hat eine ganze Weile gedauert, bis die Kollegen registriert hatten, dass die Jugendlichen nicht mehr über Chemie klagen sondern sich im Gegenteil sogar noch dafür interessieren. Mindestens ebenso lange hat es gedauert, bis auf der Phil-I-Seite mal angekommen ist, dass man mit den "Neuen" aus der Chemie tatsächlich ganz normal reden kann. Dass die sogar die ein oder andere Fremdsprache beherrschen, interessante Hobbies haben und sich für Geschichte interessieren. Bisweilen schiebt der ein oder andere immer noch irgendwelche komischen Minderwertigkeitskomplexe, die man versucht mit pseudo-lustigen Kommentaren à la "ich habe vollstes Verständnis für die Jugendlichen, Mathe und Chemie habe ich selber in der Schule nie gekonnt" zu überspielen. Ich ignoriere das einfach nur noch und stelle zufrieden fest, dass die alten Feindseligkeiten mit jedem neuen Kollegen der kommt, immer mehr aussterben. Dabei glaube ich aber durchaus, dass wir in der Vergangenheit erheblich mehr zu diesen Animositäten beigetragen haben als die Gegenseite.

  • Ich komme ja am Ende meines letzten Posts letztlich auch zu dem Schluss, dass aus meiner Sicht das Fachwissen doch wichtiger ist, sofern Didaktik und Pädagogik dann noch irgendwo grundlegend nachgeholt werden, also im Ref. Das, was ich vorher in den Bereichen gemacht habe, ist zu vernachlässigen. Ist aber anekdotisch.
    Ebenfalls anekdotisch ist meine Erfahrung, dass zwar Grüppchenbildung im Lehrerzimmer irgendwie normal bzw. unvermeidlich ist, dass ich aber in der Realität noch nie eine Front zwischen Geistes- und Naturwissenschaftlern wahrgenommen habe. Da verliefen die Gräben immer irgendwie anders - aber sowas ist natürlich auch stark von der individuellen Schule abhängig.
    So eine Front habe ich in dieser Form eigentlich bislang nur bei einigen Usern hier im Forum wahrgenommen - allerdings nicht bei dir.

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