Programmieren von Mikro-Computern unterrichten

    Diese Seite verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Seite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Weitere Informationen

    • Sorry, ich bin heute abend in undiplomatischer Stimmung.

      M.E. hängst Du das deutlich zu hoch. Am Gymnasium (!) fände ich es aus allgemeinbildenden Gründen sehr gut, wenn jeder Schüler mal sehen (!) würde, was Programmierung überhaupt ist.

      An der Grundschule halte ich wirkliches Programmieren für äußerst ambitioniert und, bedenkt man, dass man dafür andere wichtige Inhalte kürzen müsste, i.d.R. für verfehlt.

      Es gab hier einen anderen User, der das sehr überzeugend darstellte, dass man das an geeigneten Stellen im Unterricht mit einbauen kann - von mir aus. Aber richtiges Programmieren überfordert schon sehr viele Gymnasialschüler. Das hat, nebenbei bemerkt, auch sehr viele meiner Studienkollegen im Aufbaustudiengang Informatik überfordert (und die hatten immerhin ein Hochschulstudium + Abitur).

      Vieles kann man auch mit Rollenspielen ohne Computer darstellen, um zu verdeutlichen, was so ein Computer eigentlich (ungefähr) macht. Aber richtig Programmieren sehe ich kritisch (an der Grundschule, und später für mehr als zum "reinschnuppern" auch).
    • goeba schrieb:

      Sorry, ich bin heute abend in undiplomatischer Stimmung.

      M.E. hängst Du das deutlich zu hoch. Am Gymnasium (!) fände ich es aus allgemeinbildenden Gründen sehr gut, wenn jeder Schüler mal sehen (!) würde, was Programmierung überhaupt ist.

      An der Grundschule halte ich wirkliches Programmieren für äußerst ambitioniert und, bedenkt man, dass man dafür andere wichtige Inhalte kürzen müsste, i.d.R. für verfehlt
      Ich weiß jetzt nicht, worauf genau du dich beziehst? Drei Beiträge weiter oben mache ich ja gerade ein Fragezeichen hinter das «Programmieren für Alle».

      Andere machen dieses Fragezeichen aber nicht: Auch die Grundschulen werden für zehntausende € mit Geräten ausgestattet. Es gibt einen Medienkompetenzrahmen, der in einem Teilbereich auch Modellieren und Programmieren vorsieht. Meines Wissens wird dabei nicht vorgegeben, bestimmte Kompetenzen erst ab bestimmten Jahrgängen oder in bestimmten Schulformen zu vermitteln. Es gibt also entsprechende Erwartungen und Vorgaben, die von aussen an die Schulen herangetragen werden. Dass man auch in der GS ans Programmieren heranführen kann, haben die Beiträge oben ja gezeigt. Falls du mich so verstanden hast, dass die Kinder in der GS eine Programmiersprache erschöpfend lernen sollen: Das habe ich nicht gemeint.
    • Programmieren lernen in der Schule würde ich als Beitrag zur Allgemeinbildung sehen, nicht als Jobskill. Aber diese Allgemeinbildung halte ich für wichtig, denn das Verständnis der Technologien, die unser heutiges Leben bestimmen, ist in der Bevölkerung leider gering ausgeprägt ...
    • Ich halte das Verständnis von Algorithmen für extrem wichtig in unserer Gesellschaft, die immer mehr von Algorithmen beeinflusst wird. Dabei geht es nicht um ein geisteswissenschaftliches Verständnis, das sich mit wünschenswert, nicht wünschenswert, gut, schlecht, ethisch, verwerflich befasst sondern um ein tatsächliches Verständnis, wie maschinelle Entscheidungsprozesse im Prinzip laufen. Dann kann man sich nämlich auch vorstellen, wozu welche Daten gesammelt werden und welche Folgen das haben kann.

      Ich habe gerade wieder im Englischunterricht die Rolle moderner Medien in der globalisierten Welt behandelt - in einem ganzen Kurs junger Erwachsener wusste nur ein ca. ein Viertel, was Algorithmen eigentlich sind und wie Computer prinzipiell funktionieren.

      Es geht nicht um Jobskills, weswegen Word-Bedienung im Informatikunterricht purer Quatsch ist. Es geht um technische Bildung. Und ein bisschen Programmieren zu lernen, ist ein guter, handlungsorientierter Ansatz dazu.
    • Th0r5ten schrieb:

      @Meeresluft

      Weißt du denn von irgendwelchen Anlaufstellen, an die eine Grundschule in NRW sich wenden könnte, wenn sie Computer (und damit auch deren Nutzung, von den Grundlagen der Bedienung bis zum Programmieren, Erstellen von einfachen Webseiten etc.) in den Unterricht einführen möchte? Eben, um nicht selbst das Rad neu erfinden zu müssen?
      Versuch es mal imBildungsportal des Schulministeriums NRW.
    • Meerschwein Nele schrieb:

      goeba schrieb:

      Am Gymnasium (!) fände ich es aus allgemeinbildenden Gründen sehr gut, wenn jeder Schüler mal sehen (!) würde, was Programmierung überhaupt ist.
      Warum nicht Haupt-, Real-, Gemeinschafts-, Gesamtschulen?
      Weil ich aus der "ich"-Perspektive schreibe und mich mit diesen Schulformen nicht auskenne. Was meinst Du denn? Ich würde sagen: Ja, aber der "verpflichtende" Teil müsste noch geringer ausfallen als am Gymnasium, für interessierte Schüler müssten Wahlangebote / AGs verfügbar sein.
    • Weil, wie ich oben schon schrieb, das Programmieren von Algorithmen ein sehr hohes Frustpotential bietet. Ich erlebe im Informatikunterricht (und das sind in meinem Fall ja Leute, die das freiwillig gewählt haben, wir haben hier ja kein Pflichtfach Informatik) häufig, dass Schüler daran vollständig scheitern. Ich vermute also, dass der Anteil an Schülern, die das überfordert, an anderen Schulformen höher sein müsste.
    • Vermutlich weil der reguläre Fachunterricht in der H/R-Schule fachlich abgespeckter ist als am Gymnasium, z.B. curricularer Anspruch Mathematik (Hauptschule) vs. Mathematik (Gymnasium/Sek I).
      So oder so muss bedacht werden, dass zusätzlicher Unterricht im Programmieren bedeutet, dass ein anderer Inhalt aus dem Curriculum fliegt... Und am Ende würde es vermutlich wieder so aussehen, dass die Schüler noch schlechter rechnen und schreiben können.
      I am vulnerable, I am raw;
      I am human, I have flaws.
    • goeba schrieb:

      Weil, wie ich oben schon schrieb, das Programmieren von Algorithmen ein sehr hohes Frustpotential bietet. Ich erlebe im Informatikunterricht (und das sind in meinem Fall ja Leute, die das freiwillig gewählt haben, wir haben hier ja kein Pflichtfach Informatik) häufig, dass Schüler daran vollständig scheitern. Ich vermute also, dass der Anteil an Schülern, die das überfordert, an anderen Schulformen höher sein müsste.
      Ich finde ja nun nicht, dass Programmieren eine allzu komplexe Tätigkeit ist und man muss ja nun auch nicht unbedingt rekursive Routinen machen. Was ist an linearen Entscheidungsfolgen falsch? Das sind ganz wunderbare Fingerübungen.

      Dass Algorithmen Schülern Schwierigkeiten machen, heißt ja eigentlich nichts anderes, als dass ihnen dieses Denken sehr fremd ist. In anderen Worten, dass sie um so mehr Bildung brauchen, wo doch schon der Begriff "Algorithmus" in die Alltagspresse gefunden hat und besorgten Pädagogen Angst macht.

      "Zu schwierig" ist keine Kategorie. Schülern fällt genau so die Analyse eines Satzes oder der Unterschied zwischen Sprachmodie als Konzept schwierig. Kein Mensch würde darauf kommen, dass das dann doch einfach nicht mehr zu unterrichten.
    • Ich sagte ja nicht "nicht", sondern "der verpflichtende Anteil soll geringer sein".

      Eine lineare Entscheidungsfolge Algorithmus zu nennen ist schon sehr optimistisch, ehrlich gesagt.

      Ein typisches Beispiel für die Mittelstufe wäre z.B. das gute alte "Zahlenraten".

      Der Computer wählt eine Zufallszahl, der Nutzer muss diese Zahl erraten, und bekommt Hinweise "zu groß" , "zu klein". Der Computer zählt mit, wie oft der Nutzer geraten hat. Das bekommt schon nicht jeder Schüler ohne Hilfe hin (aber die meisten mit wenig Hilfe).

      Oder, etwas ambitionierter (eher in Scratch gut zu programmieren als in einer Schriftsprache ,das wäre zu schwer für die Mittelstufe): 4 Formen (Kreis, Quadrat, Dreieck, Rechteck) sind gegeben. Das Programm muss diese erkennen (die konkreten Grafiken sind dabei immer die gleichen, keine beliebigen Kreise).

      Nenn mir doch auch mal ein paar Beispiele.
    • Meerschwein Nele schrieb:

      "Zu schwierig" ist keine Kategorie.

      goeba schrieb:

      Nenn mir doch auch mal ein paar Beispiele.
      Vielleicht sind eure Vorstellungen völlig konträr, weil ihr unter den genannten Schlagworten etwas anderes versteht? Das hatte ich neulich bei einem solchen Beitrag schon einmal.
      Es ist ein Unterschied, ob man "Programmieren" als Sache an sich erläutert oder ob man eine genaue Vorstellung hat, weil ein Informatik-Studium dahinter steckt.
      Musik hören, Musik machen und Musik studiert haben können auch sehr unterschiedliche Sichtweisen bedingen: Alle _reden" über Musik, meinen aber womöglich doch etwas anderes.

      Ein Beispiel aus einem anderen Bereich:
      Ich gehe mit den SuS auf eine Wiese, zeige ihnen Pflanzen und Tiere, lasse diese beobachten und auch "bestimmen", unter anderem in der Form, dass sie bestimmte Pflanzen _kennen_ UND dass sie Pflanzen/Tiere auf Tafeln/ in Büchern suchen und eine Ahnung davon bekommen, wie man sowas macht und worauf man achtet. Deshalb können sie dann trotzdem eine Ackerhummel noch nicht von einer Erdhummel unterscheiden, sie sind keine Biologen, aber sie lernen darüber, dass man diese Unterscheidungen treffen kann. Bei manchen weckt es Interesse, sich näher damit zu beschäftigen, bei anderen erreicht man ggf., das nicht alles, was fliegt "Biene" heißt. Es ist aber eben auch exemplarisch für das Benennen von Anhaltspunkten, genaues Beobachten und Beschreiben, Bilden und Darstellen von Kategorien ...

      Meine Vorstellung von "Programmieren" in der Grundschule ist sehr niederschwellig. Vielleicht hat es viel mehr mit Handlungsplanung zu tun, mit Modellieren, Symbolen uvm., Fähigkeiten, die man auch in anderen Bereichen benötigt.

      Natürlich kann man immer sagen, dass es zu früh sei, dass es nicht wichtig sei, aber das Interesse an diesen Themen wird eben in der Grundschule geweckt und ich finde, dass man gerade dann noch Jungen UND Mädchen erreicht, weil sie in dem Alter noch nicht so festgelegt sind.
      Ähnlich anderer Fächer geht es darum, ein grundlegendes Verständnis zu entwickeln, worum es geht und wie es geht.
    • ^^ Ich bin mir sicher, dass eine Programmier-AG an Grundschulen von einem Hobbybastler ganz gut von den Kids aufgenommen wird. Ob es aber dafür ein offizielles Lehramtsstudium mit Curriculum etc. braucht? Da fände ich die persönliche Herangehensweise ausreichend (= H/R-Bereich Wahlpflichtfach, Gymnasium Wahlpflicht mit Möglichkeit, in dem Fach das Abitur ablegen zu können). Wer etwas in die Richtung vertieft machen will, kann ja eine einschlägige Ausbildung wählen ;) .
      I am vulnerable, I am raw;
      I am human, I have flaws.
    • Th0r5ten schrieb:

      @Meeresluft

      Weißt du denn von irgendwelchen Anlaufstellen, an die eine Grundschule in NRW sich wenden könnte, wenn sie Computer (und damit auch deren Nutzung, von den Grundlagen der Bedienung bis zum Programmieren, Erstellen von einfachen Webseiten etc.) in den Unterricht einführen möchte? Eben, um nicht selbst das Rad neu erfinden zu müssen?
      Ja kann ich,

      die Informatikdidaktiken an den Universitäten Paderborn, Münster, Wuppertal und Aachen. Das Projekt Nawitas der Uni Köln, die Materialien auf der Webseite iag.nrw.de, ggf. Stellen der Stiftung Haus der kleinen Forscher, Haba Digitalwerkstätten, sowie ggf. auch die Medienberater
    • zum Thema programmieren in der Grundschule und ob jeder programmieren muss, ich bin der Meinung, dass zumindest jeder mal kleine Programmiererfahrungen gemacht haben sollte. Z.B. mit einer visuellen Blocksprache. Damit man ein Verständnis davon bekommt was programmieren ist, wie die Systeme funktionieren etc.

      Warum man das ganze auch schon in der Grundschule machen sollte, hat zum einen damit zu tun, dass auch die Kleinen schon mit den Systemen umgehen, sie benutzen und nicht zu letzt auch Gender Aspekte die nicht zu vernachlässigen sind. Außerdem interessiert es die Kids auch.
      (das alles gerade ist eine Mini Kurzfassung)