Ich weiß gerade nicht mehr, wohin die Reise eigentlich gehen soll...

  • Wenn es aber soweit geht, dass du wirklich nicht anders kannst, weil du eine Form von Angststörung entwickelt hast, dann könnte eine Therapie oder Beratungsstelle hilfreich sein. Denk drüber nach oder sei sauer, das ist deine Entscheidung, ich melde dir einfach zurück, was ich wahrnehme. Viel Erfolg, wie auch immer du dich entscheidest :gruss:

    Auch dies höre ich nun zum ersten Mal. Wieso sollte ich eine Angststörung haben? Vor was sollte ich Angst haben? Dass viele Lehramtsstudenten hinsichtlich ihres Studium bzw. hinsichtlich ihrer Fächer unsicher sind, da werde ich sicher nicht der erste und letzte sein. Allein unter meinen Kommilitonen kann ich dir 10 auf Anhieb nennen, die auch hardern. Aber womöglich sollten wir eventuell alle eine Selbsthilfegruppe eröffnen? :rolleyes:

  • Das erklärt einiges :rolleyes:

    Ich hatte beim Lesen dieser Zitate erst mal an mein eigenes Studium gedacht. In den letzten Semestern ließen sich meine finanziellen
    Ressourcen ganz klar aufteilen: (1) Miete bezahlen. (2) Krankenversicherung bezahlen. (3) Es blieben 30 DM für den Rest des Monats. Semesterbeiträge und andere größere Ausgaben waren eigentlich nicht drin. Das war dann immer ein Riesenproblem (man will ja nicht aufgrund fehlender Beiträge im Examenssemester exmatrikuliert werden...). Also habe ich dann immer geschaut, was man noch so zu Geld machen kann.
    An meinem Studium, meiner Fächerwahl, der Wahl des Lehramts an sich habe ich durchaus auch mal gezweifelt. Aber es konnte nie eine wirkliche Frage sein, ob ich nochmal ein Fach wechsle und gefühlt von vorne anfange. Die Frage, um die es hier (auch) geht - nämlich, ob man weitere sechs Jahre studieren sollte, um ein Lieblingsfach zu studieren - kann je nach eigener Biografie als Luxusproblem verstanden werden. (Aber selbst wenn sie ein Luxusproblem ist, kann man sie ja mal stellen :) )

  • Da in dem Semester, als ich angefangen habe, in meinem Bundesland die verpflichtenden Studiengebühren weggefallen sind, bleiben somit also "nur" noch der jeweilige Semesterbeitrag von ca 150€ pro Semester übrig und dann eben die privaten Kosten: Unterkunft, Verpflegung etc.


    Zumindest den Semesterbeitrag und Verpflegung lässt sich dank meines erwähnten Nebenjobs ganz gut selbst beraffen. Die Miete allerdings nicht, da müssen mich leider meine Eltern dabei unterstützen. Mieten sind heutzutage leider weitaus teurer als 450€ geworden.


    Ich weiß jetzt allerdings auch nicht wirklich, wieso ich hier meine finanziellen Aspekte rechtfertigen bzw. darlegen muss. Auch (und das sollte ja hoffentlich nun mehrfach angeklungen sein), ziehe ich ein zusätzliches 6-Jähriges Studium nicht in Erwägung, sondern suche gerade DESHALB nach Möglichkeiten, um das eventuell verkürzend via Weiterbildung o.Ä. Wege zu lösen.


    Ich hoffe, es sind jetzt alle von @Krabappel aufgewühlten Missverständnisse beseitigt...

  • Ich persönlich würde das jetzige Studium an deiner Stelle zu Ende machen und ins Ref gehen.


    Die Qualifikationserweiterung DAZ/DAF würde ich nur machen, wenn du sie "quasi ohne Arbeit" mitnehmen kannst.
    DAF/DAZ-Stellen sind im Vergleich zu einer regulären Lehrerstelle sehr schlecht bezahlt, sodass sich meiner Meinung nach eine größe Zusatzinvestition dafür nicht lohnt, wenn du eh bereits Germanistik studiert hast.
    Vermutlicher ist es sogar lohnender, an einer Schule eine Vertretungsstelle in Teilzeit anzunehmen, als auf eine DAZ/DAF-Stelle von BAMF/VHS zu setzen. Der ganz große DAZ-Bedarf scheint mir auch etwas zurück zu gehen.


    Wenn du ins Ref gehst und dann hinterher Lehrer bist, kannst du immernoch eine Qualifikationserweiterung machen. Entweder über Z-Kurse oder indem du dann nachstudierst. Letzteres ist zugegebenermaßen zeitlich nicht einfach.
    Wenn es nur darum geht, die Korrekturlast zu senken, dann kannst du gucken, ob du nicht AG-Stunden, Ganztagsstunden oder entlastete Zusatzaufgaben bekommen kannst.

  • Danke für deine hilfreiche Antwort!!


    Der eigentliche Hintergedanke bei Daf/Daz war unter anderem auch der, dass ich eventuell nach dem Studium und vor Beginn des Refs mal noch versuche, im Ausland als Daf/Daz-Lehrer zu arbeiten. Ich war 1 Jahr lang als Austauschstudent in Amerika an einer Uni und war dort während meiner Zeit dem dortigen Deutschen Seminar an der Uni eine Hilfe. Die sind natürlich immer froh, wenn sie Muttersprachler haben.


    Ebenso habe ich von einer Kommilitonin gehört, dass sie nach Beendigung des Studiums (also nur mit 1. Staatsexamen) nach England gegangen und dort nun Leiterin des Deutschen Seminars einer Uni ist.


    Ich dachte mir, dass sich mit einem Master Daf/Daz eventuell auch noch solche Wege eröffnen ließen. Auf Dauer und für immer soll sowas natürlich auch nicht sein, ich habe ja nicht vor auszuwandern, aber es wäre etwas, was ich mir durchaus für eine Weile nach Uniabschluss und VOR Ref-Beginn vorstellen könnte.


    Zudem lechzen sie ja, wie man mir im Praktikum gesagt hat, immer nach Lehramtsanwärter, die mal noch was anderes gemacht haben, außer Schule-Studium-Schule.

  • @ Kallisto, ich verstehe dich, ich fand den Kommentar auch etwas bissig, der sich dahinter versteckt, man würde ja nur die Wahrheit sagen, also die angenommene natürlich.


    Nach einer (fast?) beendeten Berufsausbildung noch einmal neu 6 Jahre zu studieren, fände ich auch sehr happig und vor allem ein finanzielles Problem. Ich meine auch, mach erstmal fertig und dann schau, wofür du dich noch nebenbei qualifizieren kannst. Ich unterrichte ständig auch fachfremd und meistens sogar gerne und meistens ohne zusätzliche Ausbildung. Das ist auf Grundschulniveau natürlich auch etwas einfacher zu bewerkstelligen.

  • Zudem lässt mein Bundesland es gar nicht zu, noch ein Drittfach nachzustudieren, sobald man einmal das Ref gemacht hat.
    Das LLPA BaWü hat zu mir gesagt, sobald ich mich fürs Ref anmelde, sind die Fächer, die ich anmelde im Ref, fix. Das Land habe irgendwann auch mal genug in meine Ausbildung investiert, da könne ich nicht einfach noch nach Belieben nachstudieren und nochmal ein Ref im nachstudierten Fach absolvieren.

    Ja, das Ref kannst du nicht 2x machen (warum auch?), das heißt aber nicht, dass du nicht noch weitere Fächer nachstudieren oder dich auch - je nach Fach und aktuellen Bedarfen- im Rahmen berufsbegleitender 2jähriger Nachqualifikationen entsprechend qualifizieren könntest. Ein Kollege von mir hat sich vom Schuldienst beurlauben lassen, Biologie in Vollzeit nachstudiert und ist nach dem Abschluss an die Schule zurückgekommen. Natürlich wird er jetzt auch als Biologie-Lehrer eingesetzt. Zu Beginn meines Refs gab es Aushänge im Lehrerzimmer die sich explizit auch an Nicht-Relilehrer richteten, um die Vocatio in einer 2jährigen Qualifikation nachzuholen und danach evangelischen Religionsunterricht erteilen zu dürfen. Da ist in der Schulpraxis dann sehr vieles möglich..
    Eventuell ist das in der Sek.II etwas strenger, mit deiner Fächerkombi solltest du in BaWü aber sowieso bei den späteren Bewerbungen örtlich völlig flexibel sein (Ländlicher Raum!) und auch die GMS mit im Blick haben. Spätestens an der GMS wirst du in der Sek.I auch problemlos fachfremd in diversen Fächern eingesetzt werden können, wenn du dich dazu bereit erklärst und ausgebildete Fachkollegen Mangelware sind.

    In Bayern kannst du nachträglich mit so vielen Fächern erweitern wie du lustig bist und hast dadurch die selbe Fakultas und Rechte wie welche die das grundständig gemacht haben. Finde es sehr schade das es anscheinend in BW sehr streng ist.

    Ist es nicht (s.o.).

    Entschuldige mal bitte, ich habe seit Beginn meines Studiums einen 450€-Job nebenher, der schmeißt aber leider bei Weitem nicht genug ab, um davon mein komplettes Studium selbst finanzieren zu können - das sollte sogar dir einleuchten, hoffe ich doch.

    Du studierst seit 2011 und hast in 8 Jahren noch nicht einmal den Bachelor abgeschlossen. Dafür kann es viele Gründe geben: Pflege naher Angehöriger (hast du nicht genannt), Kindererziehungszeiten (nicht erwähnt), Schwangerschaft (biologisch unwahrscheinlich), Schwerbehinderung/schwere eigene Erkrankung (kein Hinweis darauf zu lesen- muss aber ja nichts heißen), mangelnde Leistung (passt nicht zu deinen Noten), keine anderweitige finanzielle Absicherung und deshalb existenzsichernde Arbeitstätigkeiten mit entsprechdem Zeitaufwand (ein 450€-Job reicht wie du schreibst nicht zum Leben, deine Eltern sichern deine Existenz und der Zeitaufwand bei einem 450€-Job ist- wenn keine weiteren Faktoren dazukommen- auch überschaubar genug, dass man in 8 Jahren ein auf 6 Jahre angelegtes Studium- =Master!- komplett abschließen könnte). Nachdem keiner dieser Standardgründe auf dich zuzutreffen scheint (kann natürlich täuschen- manches möchtest du vielleicht ja hier nicht preisgeben), bleibt als letzter möglicher Standardgrund noch Angst. Prüfungsangst ist ein Klassiker, aber auch Ängste vor dem beruflichen Umbruch sind etwas außerordentlich Häufiges und können einen unglaublich hemmen, wenn es darum geht stringent einen Prüfungsplan durchzuziehen. Wenn das für dich nicht zutrifft ist das schön. Krabappels Vermutung war aber durchaus naheliegend, weshalb es nicht nötig ist, sie dafür anzuranzen. Immerhin ist sie hier recht aktiv dabei und versucht dir mit Denkanstößen zu helfen (mehr kann so ein Forum ja nicht leisten).


    Ganz gleich, was die Gründe waren für die bisherige Studienzeit: Zieh es jetzt durch, schließ den Bachelor ab, schreib dich für einen Master ein, der dich motiviert, interessiert und dir hilft, dass es dann tatsächlich maximal bei den 2 Jahren bleibt, auf die ein Master angelegt ist (mit deinen Anrechnungen vielleicht ja sogar tatsächlich weniger, das hängt aber dann ja nicht nur von Anrechnungen ab). Wenn es etwas gibt, was dich begeistert und was deine Studienzeit nicht verlängert, dann nimm es mit, ansonsten mach das jetzt flott fertig oder such dir alternativ einen existenzsichernden, studienbegleitenden Job, der dein Gewissen deinen Eltern gegenüber erleichtert und studier gemütlich weiter, was auch immer du gerne noch wissen und lernen möchtest (dann sind auch nochmal 6 Jahre Musik kein Thema n´est-ce pas). Am Ende geht es vor allem darum, dass du für dich selbst eine klare Entscheidung wirst treffen müssen, welchen Weg du gehen willst. Das scheint dir sehr schwer zu fallen. Unterschwellige Ängste könnten ein Grund sein, also versuch für dich selbst klären, was dich hemmt, was dich aufhält, was sind äußere Bedingungen, was ist dein konkreter und konstanter Anteil daran dich selbst aufzuhalten und dir selbst Steine in den Weg zu legen (keine Entscheidungen zu treffen ist sogar ein ganzes Gebirge). Klär für dich, ob du das ändern willst und wenn ja mach das.

    "Benutzen wir unsere Vernunft, der wir auch diese Medizin verdanken, um das Kostbarste zu erhalten, das wir haben: unser soziales Gewebe, unsere Menschlichkeit. Sollten wir das nicht schaffen, hätte die Pest in der Tat gewonnen. Ich warte auf euch in der Schule." Domenico Squillace

  • Du studierst seit 2011 und hast in 8 Jahren noch nicht einmal den Bachelor abgeschlossen. Dafür kann es viele Gründe geben: [...]

    Das hier möchte ich noch ein wenig spezifizieren, da es sich nun so anhört, als hätte ich mein Studium bewusst so in die Länge gezogen mit eventuell bloß 1 Veranstaltung pro Semester:


    • Ich stand vor 1 Jahr so gut wie vor dem Staatsexamen in beiden meiner Fächer. Deutsch habe ich 2013 erst begonnen, 5 Jahre Regelstudienzeit ergibt 2018. Englisch habe ich 2011 begonnen, 5 Jahre Regelstudienzeit ergibt 2016, zu dem Zeitpunkt hatte ich in Englisch auch schon alle Inhalte erledigt.
    • 2015 auf 2016 war ich 1 Jahr lang im US-amerikanischen Studienaustausch - sowas frisst Zeit, das ist klar, aber es ist andererseits auch eine Erfahrung, die ich gerne mitgenommen habe. Fürs Fach Englisch war der Auslandsaufenthalt natürlich eine Bereicherung und es ging aufgrund vieler Anrechnungen quasi keine Studienzeit drauf. Beim Fach Deutsch - und das sollte wohl jedem hier einleuchten - sieht es mit einer inhaltlichen Anrechnung bei amerikanischen Deutschkursen, wo "Die unendliche Geschichte" gelesen wird und wo Arbeitsaufgaben zu "Der-Die-Das" gemacht werden, eher etwas schwieriger aus, folglich war das quasi 1 Jahr Deutschpause.
    • Ich war also mit beiden Fächern soweit, ins Staatsexamen zu gehen vor 1 Jahr, habe aber dann wie schon beschrieben in die neue Studienordnung (Bachelor & Master) gewechselt. Es ist logisch, dass mich dieser Schritt zurückgeworfen hat, allein schon deshalb, da ich jetzt erst noch einmal eine Bachelorarbeit schreiben muss, bevor ich in den Master kann, von dem die Hälfte inhaltlich aber auch schon erledigt ist, da ich dies alles bereits im alten Staatsexamen-Studiengang erledigt habe. Der Master of Education hat im Vergleich zum alten Staatsexamen mehr Pädagogik und Fachdidaktikinhalte - logisch, dass ich diese neuen Inhalte nun nachstudieren muss im Vergleich zum Staatsexamen.
    • Letztes Jahr habe ich ein Schulhalbjahr freiwillig als Vertretungslehrer an einer privaten Schule ausgeholfen, da die aufgrund von Lehrerausfall dringend Personal gebraucht haben - da habe ich dann halt auch mal 1 Vorlesung aus dem Semester zurückgeschraubt, um jeden Tag vor der Klasse stehen zu können.


    Es also nun so darzustellen, dass ich seit 2011 für einen Bachelor gebraucht hätte, wäre ziemlich falsch, da ich erst seit 2018 überhaupt in den Bachelor eingeschrieben war. Wenn man es so will, habe ich den Bachelor also innerhalb von 2 Semestern erledigt, dank der ganzen inhaltlichen Anrechnungen von den Jahren zuvor und auch den Master werde ich dank der ganzen Anrechnungen nur in der Hälfte der ursprünglichen Zeit erledigt haben...


    Die restlichen Aspekte, die du nennst, will ich gar nicht abstreiten oder anzweifeln, nur sollte man jetzt die bisherige Studiendauer nicht verzerrt darstellen, sondern es verhält sich eben so, wie hier beschrieben. Im Grunde war ich mehr oder weniger in Regelstudienzeit durch (am Fach Germanistik bemessen, Englisch hatte ich bereits 2016 alle Inhalte fertig, aber das studiere ich ja auch schon seit 2011).


    Wenn man es nämlich so auslegt, wie du es im obigen Zitat machst, dann erweckt das ganz schnell ein ganz falsches Bild...

  • Das war nicht als Vorwurf gemeint. Sondern fasst ganz unabhängig von den Gründen- die ja vielfältig sind- nur das faktische Ergebnis aus bislang 8 Jahren Studium zusammen.
    Ich habe auch nicht nur 10 Semester Regelstudienzeit studiert. Mit dem Zweitstudium war das- trotz aller Anrechnungen aus dem Erststudium- dann doch deutlich länger. Im Ref interessiert das letztlich keinen, welche Gründe es für individuelle Studienzeiten gab. Da zählt die Leistung, die du dann tatsächlich während des Referendariats zu erbringen vermagst und die Vorleistungen sind nur insofern relevant, als sie gewisse Aussagen über deine deinen Unterrichtsplanungen zugrundeliegende Fachkompetenz erlauben.
    DaZ-DaF ist übrigens eine Qualifikation die man häufig auch im Rahmen des Erweiterungsbereichs während des Refs nachweisen kann. Das ist dann oft nur ein ganztägiger Kurs mit entsprechendem Zertifikat, das man einer Bewerbung später beilegt. Als Deutsch-Lehrer wird dir mit einem solchen ergänzenden Zertifikat zumindest im Schuldienst niemand absprechen, dass du DaZ/DaF leisten wirst können. Außerhalb des Schuldienstes wird an vielen Stellen ja noch nicht einmal ein abgeschlossenes Fachstudium vorausgesetzt, um Kurse halten zu können. Ich habe schon vor Abschluss meines Erststudiums fachfremden Unterricht an einer privaten Schule gehalten. Offiziell nicht unproblematisch, will man offizielle Schulabschlüsse abnehmen dürfen, schulintern ging das dann dennoch. Die VHS erwartet in letzter Instanz nur ein vernünftiges Konzept und dass du überzeugend darlegst, dass du halten wirst können, was du versprichst. DaZ-DaF-Kurse privater Träger werden zwar am allerliebsten natürlich von entsprechenden Lehrkräften gehalten, wo es diese nicht gibt, werden aber auch einfach nur massenhaft Deutsch-Lehrkräfte eingesetzt (zumindest, wenn ich von meinem ehemaligen Arbeitgeber und den dort angebotenen Daz-/DaF-/Alpha-Kursen ausgehe.

    "Benutzen wir unsere Vernunft, der wir auch diese Medizin verdanken, um das Kostbarste zu erhalten, das wir haben: unser soziales Gewebe, unsere Menschlichkeit. Sollten wir das nicht schaffen, hätte die Pest in der Tat gewonnen. Ich warte auf euch in der Schule." Domenico Squillace

    Einmal editiert, zuletzt von CDL () aus folgendem Grund: Da fehlte ein -un vor dem "problematisch" mit geringfügiger Sinnverzerrung..

  • Ich hoffe, es sind jetzt alle von @Krabappel aufgewühlten Missverständnisse beseitigt...

    Du startest mit einem reichlich verworrenen Beitrag mit vielem Hin und Her, deinen Gedanken, die aller Anschein nach wenig strukturiert sind, die viele Eventualitäten und Unsicherheiten und Überlegungen aufgreifen, um deine Situation zu beschreiben.
    Das ist ok.
    Wenn darüber ein chaotisches Bild erzeugt wird, ist es doch aber nicht weiter verwunderlich.


    Nachfragen sind gestattet und man überlegt, wie die Situation ist und wie sie zu Stande kommt.
    Meine Überlegungen gleichen denen von Krabappel, CDL hat ähnliches geschrieben. Es geht also mehreren so, dass sie versuchen, die Situation genauer einzuschätzen, um dir einen Rat zu geben.
    Da hat CDL erheblich weiter ausgeholt, um zu erläutern, welche Gedanken das gegebene, unvollstständige Bild erzeugt: langes Studium, den Bachelor noch nicht abgeschlossen, Überlegungen, komplett zu wechseln etc.


    Ich frage mich inzwischen, welche Antwort du denn hören willst, wenn du dich bei einigen Antworten nicht richtig wahrgenommen fühlst, bei anderen aber dann doch.


    1. Frage aus deinem Eingangsbeitrag:

    Ich bin gerade ziemlich unsicher, ob Lehramt der richtige Weg war/ist.


    Welche Alternativen siehst du denn danach?
    Kannst du dir vorstellen, in einen anderen Beruf zu wechseln? Welche Optionen hast du?


    Warst du deshalb bei einer Studien- oder Berufsberatung?

    Oder: Was kannst du? Was möchtest du? Was suchst du?



    Die Qualifikationserweiterung DAZ/DAF würde ich nur machen, wenn du sie "quasi ohne Arbeit" mitnehmen kannst.
    DAF/DAZ-Stellen sind im Vergleich zu einer regulären Lehrerstelle sehr schlecht bezahlt, sodass sich meiner Meinung nach eine größe Zusatzinvestition dafür nicht lohnt, wenn du eh bereits Germanistik studiert hast.
    Vermutlicher ist es sogar lohnender, an einer Schule eine Vertretungsstelle in Teilzeit anzunehmen, als auf eine DAZ/DAF-Stelle von BAMF/VHS zu setzen. Der ganz große DAZ-Bedarf scheint mir auch etwas zurück zu gehen.

    Ja, das ist lohnender (im Sinne von "höhrerer Lohn" am Monatsende), aber auch mit erheblich mehr zusätzlichen Aufgaben verbunden, da dort erwartet wird, dass man eine Lehrkraft ersetzt, mit allen Aufgaben hinsichtlich Konferenzen, Konzepten, Aufsichten, Zeugnissen etc.
    Der ganz große DaZ-Bedarf geht etwas zurück, die Kurse sind stärker am Beruflichem orientiert.
    DaZ-Stellen bleiben zumeist Honorarstellen. Dabei gehen zwar 35€ pro Stunde durch die Medien, das ist aber nicht generell der Regelsatz für alle Kurse. Es gibt genug Möglichkeiten, dieses Geld nicht pro Stunde zahlen zu müssen. Zudem steckt man das Geld nicht in die Tasche, sondern muss davon die Absicherung selbst bezahlen.
    Man kann so arbeiten, aber man muss das mögen, damit rechnen, dass man im Sommer 3 Monate ohne Gehalt bleibt, sich von Kurs zu Kurs hangelt, andere die Kurse bekommen, die ggf. gar nicht auf das Geld als Lebensunterhalt angewiesen sind ...


    Wenn es nur darum geht, die Korrekturlast zu senken, dann kannst du gucken, ob du nicht AG-Stunden, Ganztagsstunden oder entlastete Zusatzaufgaben bekommen kannst.


    Das ist ein Tipp, den ich NIE unterschreiben und NIE äußern würde.
    Ja, wir brauchen Lehrkräfte. WIR an UNSERER Schule wirklich dringend.
    Aber wir brauchen Klassenlehrkräfte, die Fächer übernehmen, Fachleitungen, Konzeptarbeit, Zusatzaufgaben ... damit wir diese endlich auf mehr Schultern verteilen können und von der anstrengenden in jeder Stunde notwenigen Vertretung abkommen.
    Dafür bewerben sich als Vertretunglehrkräfte und auf unbefristete Stellen oder als Versetzung Menschen, die sagen: Ich möchte täglich zur 3. Std. kommen und nach der 4. gehen, dabei Geld für 28 Stunden verdienen, nur meine studierten Fächer unterrichten, keine Klassenleitung machen und hätte gerne eine AG in diesem oder jenem, weil das so schön ist.
    Das funktioniert aber nicht, weil man darüber eine Schule nicht laufen lassen kann.
    Jeder dieser Wünsche mag für einen persönlich gut sein, aber immer läuft die Umsetzung zum Nachteil eines anderen.
    Habe ich keine Klassenleitung, hat dafür die Kollegin 2 Klassenleitungen. Habe ich keine Fachleitung, hat dafür die Kollegin das 3. oder 4. Fach.
    Das mag in großen Systemen nicht so extrem sein, aber auch da wird es genug Aufgaben geben und man kann sich nicht immer die einfache, kleine Klasse, den Kurs ohne Korrekturen, die Wunsch-AG zur Wunsch-Zeit wählen.
    Zusatzaufgaben werden nicht an allen Schulen entlastet und vor allem sind auch diese in der Regel ARBEIT und nicht Freizeit oder Vergnügen. Zumeist deckt die Entlastungsstunde den Aufwand nicht ab, selbst wenn man dagegen stellt, dass eine Unterrichtsstunde auch Vor- und Nachbereitung braucht.


    Dass ich zwei ungewollte Fächer mit extrem hohem Korrekturaufwand habe, ist mir bewusst. Und genau das schreckt mich eigentlich noch weiter ab. Wenn ich Kommilitonen sehe, die Sport und Mathe als Fach haben und die später erstens garantiert keine Einstellungsprobleme haben und zweitens zudem auch nur wenig Korrekturaufwand, bin ich immer ein wenig neidisch.

    Neidisch? Worauf? Auf das Organisieren, Vorbereiten und Durchführen der Sport-Events und Wettbewerbe, das Aufräumen der Turnhalle, den Unterricht in der Schwimmhalle, die verpflichtenden zusätzlichen Fortbildungen... oder auf das Organisieren, Vorbereiten und Durchführen von Konzerten, von Zusatzproben und Orchester-WE? Das ist auch zeitintensiv und nicht immer nur Spaß.
    Wenn du daran mehr Freude hättest, als am Vermitteln von D und E, wäre ggf. das Fach Musik doch sinnvoll und kann, wie manche inzwischen erläutert haben, später unterrichtet werden.


    Die Vorstellung, dass ich Lehramt mit diesen momentanen Fächern ein Leben lang machen müsste, kann ich mir manchmal irgendwie vorstellen, manchmal aber eher weniger, vor allem mit Hinsicht auf den großen Zeitaufwand, den die Fächer mitbringen.

    Die Vorstellung, dass jemand im Studium schon keine Lust auf den eigentlichen Beruf hat, finde ich erschreckend - für diese Person, für die SuS, für die KollegInnen.
    Offenbar hat das Praktikum bei dir keine Begeisterung entfacht.


    Und wenn du jetzt schon Sorge um den großen Zeitumfang hast, dann sieh dir bitte aktuelle Arbeitszeitstudien zum Lehramt an: an egal welcher Schulform mit egal welchen Fächern hast du gerne 50-60 Stunden Arbeit in der Woche, durchgängig oder mit Spitzenzeiten, Aufgaben in den Ferien und auch am WE nicht generell "frei". Dies liegt nicht unbedingt an den Klassenarbeits-Korrekturen, sondern auch an unzähligen anderen Aufgaben, die zu erledigen sind.


    Allerdings kann ich keinen anderen Beruf vorschlagen, in dem man eine geregelte 20-Std.-Woche mit hohem Gehalt sowie mehrmonatigen Urlaubszeiten hat und die Arbeit liegen bleiben darf, wenn man gerade lieber das Hobby pflegen möchte.


    Wenn du nun einwendest, dass das alles nur Behauptungen und Missverständnisse seien und dir durchaus die Arbeitsbelastung im Lehramt bewusst ist, die du gerne auf dich nimmst, weil die Freude an der Aufgabe überwiegt, dann hast du dir damit selbst deine Antwort gegeben: Zieh es durch und geh in die Schule! Überall werden Lehrkräfte gesucht, bist du flexibel, bekommst du in jedem Fall eine Stelle.


    Wenn du feststellst, dass dich das alles abschreckt, dann zieh es auch durch - gemeint ist dann der Master - und nutze die Zwischenzeit, dich professionell beraten zu lassen und Alternativen zu finden und die dortigen Bedingungen zu ergründen. Dann wird der Master der Grundstock für eine andere Tätigkeit sein, was auch immer es dann wird.

  • @Palim


    Dein Beitrag ist sehr hilfreich und auch dafür sei dir gedankt!


    Ich möchte es mal so sagen: es ist keinesfalls so, dass ich mir Lehramt überhaupt gar nicht vorstellen könnte - sonst hätte ich ja das Studium auch in erster Linie nicht begonnen. Es ist aber so, dass ich mit meiner Fächerwahl (insbesondere mit dem später aus "Zwang" (da man halt mindestens 2 Fächer braucht) dazugenommenen Zweitfach Deutsch) immer ein wenig unglücklich war, bzw. aufgrund der Tatsache, dass Deutsch nie meine erste Wahl war, deswegen erhebliche Selbstzweifel bezüglich meiner fachlichen Kompetenz in dem Fach entwickelt habe.


    Nun schaue ich mir meinen derzeitigen Notenschnitt in Deutsch von 1,3 an, der um 0,5 höher liegt als der von Englisch und frage mich hin und wieder: sind meine fachlichen Kompetenz-Selbstzweifel dann berechtigt? Vermag die Leistung im Studium tatsächlich etwas über die fachliche Kompetenz auszusagen?


    Im Praxissemester lief alles gut - wie ich schon erwähnt habe, ich hatte von beiden Mentorinnen super Rückmeldungen, selbst im Fach Deutsch.


    Dass der Alltag im Lehramt mit Arbeit verbunden ist, das bestreitet hier ja gar keiner und ich am allerwenigsten. Nur sage ich mir halt: wenn ich schon den Berg an Arbeit aufnehmen will bzw MUSS, um meine Brötchen zu backen, dann wenigstens bitte auch mit Arbeit, die mir Spaß macht, sprich die Fächer, die ich gerne hätte.


    Dass es in Sport dann zwar weniger zu korrigieren gibt als in Deutsch, dafür aber andere Arbeiten (z.B. die von dir genannten) anfallen, das ist schön und gut. Aber es sind dann eben Arbeiten, die da dazugehören und wenn man von vorneherein hinter dem Fach steht, dann wird einem das vielleicht mitunter weniger schwer- oder missfallen.


    In Short, nochmal für alle:
    Ich kenne die Arbeit als Lehrer bisher nur von einem 13-wöchigen Schulpraxissemester und von einem Schulhalbjahr freiwilligen Unterrichtens an einer Privatschule. Ich fühle mich allerdings bislang durch die Uni super schlecht (um nicht zu sagen überhaupt nicht) vorbereitet auf den Beruf. Die Studieninhalte - das habe ich im Praxissemester und auch an der Privatschule gemerkt - bringen mir kaum etwas. Keiner der Schüler muss wissen, was ein Phonem oder ein Allophon ist, oder wie man über Analogieausgleich von ursprünglich "buk" zu "backte" gelangte.


    Das betrifft nicht nur Deutsch, das betrifft auch Englisch. Da Englisch aber schon immer ein Wunschfach war, habe ich da komischerweise weniger Sorgen um die fachliche Kompetenz. Das liegt eventuell auch daran, dass im Vergleich zu Deutsch der Literaturanteil weitaus niedriger ist und man insbesondere noch weit in die Mittelstufe hinein eigentlich nur Linguistik macht - mein besonderes Interessensgebiet.


    Aus diesem Interessensgebiet erfolgte dann auch der Wunsch, jetzt parallel zum Lehramtsmaster noch den DaF/DaZ-Master mit dazuzunehmen, um eventuell vor Beginn des Refs erstmal in diesem Bereich etwas tätig zu sein - sozusagen als "Warm-Up"-Phase fürs Lehren, gerne auch im Ausland, etwa an einem deutschen Seminar einer ausländischen Uni.


    Dies soll zeitgleich auch ein verzweifelter aber meinerseits gutgemeinter Versuch sein, mir parallel zum Lehramt noch ein anderes Standbein aufzubauen (gemäß meiner mir jetzt studierten Möglichkeiten), einfach für den schieren Fall, dass ich eventuell nicht durchs Ref komme (was eine Angst bzw. Sorge von mir darstellt), oder aber für den Fall, dass ich später irgendwann mal weg vom Lehramt will.


    Nur weil man sich jetzt noch nicht vorstellen kann, sein Leben lang in einem Beruf zu bleiben, muss das doch nicht gleich "erschreckend" für dich klingen und eine "0-Bock-Haltung" signalisieren?! Wie viele Lehrer sind nach einer Weile zurück an die Uni, arbeiten jetzt in einem Zentrum für Lehrerbildung an der Uni, geben Fachdidaktikkurse an der Uni oder machen sogar ganz was anderes...


    Vielleicht hat mich das Jahr Amerika etwas amerikanisch geprägt, aber dieses "man fängt nach der Schule einen Beruf an, in dem man dann bis zum letzten Atemzug bleibt" ist so etwas Urdeutsch-Konservatives, was vielleicht mitunter nicht mehr ganz zeitgemäß ist. Ich kann einfach jetzt noch nicht sagen, ob ich die restlichen Arbeitsjahre bis ich tot umfalle für immer im Lehramt bleiben werde - aber: könnt ihr das?

  • Spannend, dass du das Gefühl hast, dich rechtfertigen zu müssen. Warum du so lange studierst wie du studierst, ob du Geld verdienst und wie viel... das ist doch für alle hier Anwesenden völlig irrelevant und entsprechend egal, es betrifft nur dich.


    ...Wie viele Lehrer sind nach einer Weile zurück an die Uni, arbeiten jetzt in einem Zentrum für Lehrerbildung an der Uni, geben Fachdidaktikkurse an der Uni oder machen sogar ganz was anderes...

    Dagegen spricht auch nichts, aber wie willst du an einem Zentrum für Lehrerbildung arbeiten, ohne selbst je Lehrer geworden zu sein? Wie etwas "ganz anderes" machen, wenn du das eine noch nicht mal probiert hast?

  • @Palim


    (...) Es ist aber so, dass ich mit meiner Fächerwahl (insbesondere mit dem später aus "Zwang" (da man halt mindestens 2 Fächer braucht) dazugenommenen Zweitfach Deutsch) immer ein wenig unglücklich war, bzw. aufgrund der Tatsache, dass Deutsch nie meine erste Wahl war, deswegen erhebliche Selbstzweifel bezüglich meiner fachlichen Kompetenz in dem Fach entwickelt habe.
    Nun schaue ich mir meinen derzeitigen Notenschnitt in Deutsch von 1,3 an, der um 0,5 höher liegt als der von Englisch und frage mich hin und wieder: sind meine fachlichen Kompetenz-Selbstzweifel dann berechtigt? Vermag die Leistung im Studium tatsächlich etwas über die fachliche Kompetenz auszusagen? (...)

    Dein Notenschnitt bedeutet nicht mehr und nicht weniger, als dass du imstande bist auf den Punkt die geforderte Fachleistung zu erbringen. Das ist nicht jedem Studenten in diesem Ausmaß möglich, ist also auch eine Kompetenz. Über deine generelle Fachkompetenz sagt es dennoch nur begrenzt etwas aus: Du schriebst selbst, dass du mit Literaturwiss. fremdelst, es dir schwer fällt da den Kanon durchzulesen und du ungern zusätzliche Literatur liest in diesem Bereich. Daraus ergeben sich natürlich im Vergleich zu Anderen Lücken mit dem Ergebnis, dass du mehr wirst arbeiten müssen um literarische Zusammenhänge darstellen zu können oder auch Anspielungen auf ältere Texte, kleine Referenzen oder auch Kritiken die sich in einem Satz auszudrücken vermögen oder auch im Gesamtkonzept eines Buchs/Stücks/Gedichts voraussichtlich weniger häufig spontan einordnen wirst können als jemand, der in der Literaturwissenschaft seinen Schwerpukt hat. Mit dem Studienabschluss weist du nach, dass du imstande bist dich zielgerichtet in neue Fragestellungen, Themen und fachliche Aspekte einzuarbeiten. Das wendest du dein Berufsleben über an und schließt damit mit dem Studienabschluss bestehende Lücken, die letztlich jeder hat, nur eben in verschiedenen Bereichen.
    Fachkompetenz ist bedeutend mehr, als nur Studienleistungen und - noten. Solange dir das bewusst ist und du an dir arbeitest ist das aber kein Problem. Sich darüber selbst zu täuschen wäre problematischer.


    Zitat von Kallisto

    Im Praxissemester lief alles gut - wie ich schon erwähnt habe, ich hatte von beiden Mentorinnen super Rückmeldungen, selbst im Fach Deutsch.Dass der Alltag im Lehramt mit Arbeit verbunden ist, das bestreitet hier ja gar keiner und ich am allerwenigsten. Nur sage ich mir halt: wenn ich schon den Berg an Arbeit aufnehmen will bzw MUSS, um meine Brötchen zu backen, dann wenigstens bitte auch mit Arbeit, die mir Spaß macht, sprich die Fächer, die ich gerne hätte.

    Wie gesagt: Triff eine Entscheidung für dich, was du willst und mach das dann, ganz gleich was es bedeutet. Einen Berg an Arbeit zu stemmen, der nicht immer nur Spaß macht müssen die meisten Arbeitnehmer. Mit anderen Worten ist das ein Luxusproblem, welches du beschreibst, vor allem, weil niemand dich gezwungen hat Deutsch zu studieren, dich nicht für Musik zu bewerben, dich auf Bachelor/Master umzuschreiben ehe deine alte Prüfungsordnung ausläuft die du vielleicht hättest abschließen können...- Entscheidungen haben Konsequenzen. Lern damit zu leben. Überleg dir, welche Konsequenzen du daraus für dich ziehen willst und pass dein Verhalten entsprechend an und dann: MACH ES!!!


    Zitat von Kallisto

    (...)Ich kenne die Arbeit als Lehrer bisher nur von einem 13-wöchigen Schulpraxissemester und von einem Schulhalbjahr freiwilligen Unterrichtens an einer Privatschule. Ich fühle mich allerdings bislang durch die Uni super schlecht (um nicht zu sagen überhaupt nicht) vorbereitet auf den Beruf. Die Studieninhalte - das habe ich im Praxissemester und auch an der Privatschule gemerkt - bringen mir kaum etwas. Keiner der Schüler muss wissen, was ein Phonem oder ein Allophon ist, oder wie man über Analogieausgleich von ursprünglich "buk" zu "backte" gelangte.(...)

    Joah, willkommen in der beruflichen Realität würde ich sagen. Geht allen so im Ref, geht die Welt nicht unter von. Am Ende ist eine hohe fachliche Kompetenz die Basis um im Zusammenspiel mit Pädagogik und Didaktik guten Unterricht gestalten zu lernen. Du wärst ganz nebenbei überrascht, was Schüler einen völlig unerwartet mittendrin fragen zum Thema, wo man von derartigen Kenntnissen dann doch noch profitieren kann und sei es auch nur, weil man die eine neugierige Frage kompetent zu beantworten wusste, die mit dem Bildungsplan gar nichts zu tun hat.


    Zitat von Kallisto

    (...)
    Aus diesem Interessensgebiet erfolgte dann auch der Wunsch, jetzt parallel zum Lehramtsmaster noch den DaF/DaZ-Master mit dazuzunehmen, um eventuell vor Beginn des Refs erstmal in diesem Bereich etwas tätig zu sein - sozusagen als "Warm-Up"-Phase fürs Lehren, gerne auch im Ausland, etwa an einem deutschen Seminar einer ausländischen Uni.
    Dies soll zeitgleich auch ein verzweifelter aber meinerseits gutgemeinter Versuch sein, mir parallel zum Lehramt noch ein anderes Standbein aufzubauen (gemäß meiner mir jetzt studierten Möglichkeiten), einfach für den schieren Fall, dass ich eventuell nicht durchs Ref komme (was eine Angst bzw. Sorge von mir darstellt), oder aber für den Fall, dass ich später irgendwann mal weg vom Lehramt will.
    Nur weil man sich jetzt noch nicht vorstellen kann, sein Leben lang in einem Beruf zu bleiben, muss das doch nicht gleich "erschreckend" für dich klingen und eine "0-Bock-Haltung" signalisieren?! Wie viele Lehrer sind nach einer Weile zurück an die Uni, arbeiten jetzt in einem Zentrum für Lehrerbildung an der Uni, geben Fachdidaktikkurse an der Uni oder machen sogar ganz was anderes...
    Vielleicht hat mich das Jahr Amerika etwas amerikanisch geprägt, aber dieses "man fängt nach der Schule einen Beruf an, indem man dann bis zum letzten Atemzug bleibt" ist so etwas Urdeutsch-Konservatives, was vielleicht mitunter nicht mehr ganz zeitgemäß ist. Ich kann einfach jetzt noch nicht sagen, ob ich die restlichen Arbeitsjahre bis ich tot umfalle für immer im Lehramt bleiben werde - aber: könnt ihr das?

    Als Warm-Up fürs schulische Lehramt und alternative Berufserfahrung wirst du was- Lehrer? Deutschunterricht (schulisch wie außerschulisch) darfst du an vielen Stellen im Ausland auf Basis deines Germanistik-Studiums erteilen. DaZ/DaF kann helfen, wird aber eben nicht überall verlangt. Ist also kein "must have" für deine Pläne (wenn es denn tatsächlich reale Pläne gibt). Wenn du verzweifelt bist, dann such dir wie bereits mehrfach geschrieben eine Zusatzqualifikation aus, die dir den Weg in einen alternativen Markt eröffnet als reines Lehramt und geh um Himmels willen zu einer Berufsberatung.


    Niemand hier im Thread hat übrigens geschrieben, du sollest dich jetzt festlegen für dein gesamtes restliches Berufsleben. Nur, dass du für dich Entscheidungen treffen solltest. Wenn diese dich nach dem Studium direkt ins Ref führen weil sich das richtig für dich anfühlt und du die berufliche Sicherheit möchtest: Fein, mach das! Wenn du nach deinem Master erst noch für andere Arbeitgeber zu schlechteren Konditionen tätig sein willst (aka DaZ/DaF-Kurs): Fein, mach das! Auch solche Erfahrungen sind am Ende interessant und lehrreich. Ein Job im Ausland sei es als Deutschlehrkraft oder etwas ganz anderes macht dich glücklich? Fein, mach das! Entscheide dich einfach nur, was du willst. Das kann niemand hier für dich machen. Und wenn du nach ein paar Jahren merkst, dass du noch etwas anderes willst, kannst du auch das machen. Der Schuldienst ist diesbezüglich ganz außerordentlich flexibel und bietet unglaublich viele Möglichkeiten. Wenn du aber den Eindruck hast es ist nicht dein Weg, dann bieg rechtzeitig vorher ab.


    Ein offener Blick, was du sonst noch machen könntest oder wo, schadet bei deiner Fächerkombi + Gym+ BaWü keinesfalls. Willst du wirklich Lehrer werden, wirst du aber sei es in BaWü, sei es in einem anderen BL auch mit dieser Fächerkombi fündig werden. Wenn es das sein soll: Mach es!

    "Benutzen wir unsere Vernunft, der wir auch diese Medizin verdanken, um das Kostbarste zu erhalten, das wir haben: unser soziales Gewebe, unsere Menschlichkeit. Sollten wir das nicht schaffen, hätte die Pest in der Tat gewonnen. Ich warte auf euch in der Schule." Domenico Squillace

  • Das Leben nach dem Ref ist nicht in Stein gemeißelt und man kann als Lehrer Spaß und Abwechslung haben. Klar kannst Du bis zum Ruhestand Vollzeit unterrichten und jedes Jahr das mehr oder weniger Gleiche machen. Aber Du musst nicht und es wäre auch für alle Beteiligten nicht gut. Jede Lerngruppe ist anders, jede Diskussion zu einem Thema ist anders und Du kannst Dinge ausprobieren und Deinen Unterricht immer wieder anders gestalten, weil Du im Ref das Handwerkzeug dafür lernst. Du wirst Variabilität lernen und die richtigen didaktischen Entscheidungen zu treffen - hoffentlich.
    Du kannst Dir wenn Du dann im Schuldienst bist, Nischen schaffen, Spezialisierung auf bestimmte Förderungen vorantreiben, eine AG gründen, Musik fachfremd unterrichten, an der Schulentwicklung mitarbeiten oder was auch immer. Vielleicht stellst Du fest, dass Du an einer alternativen Schule arbeiten möchtest und bildest Dich in diese Richtung weiter. Auch eine Tätigkeit im Auslandsschuldienst ist möglich.
    Aber damit Du das machen kannst, musst Du erst Dein Studium fertig machen und dann Dein Ref.

  • Ich bin grundsätzlich deiner Meinung, dass Unterricht von Lehrern und nicht von Vertretungskräften erteilt werden soll und dies vorrang hat.
    Das heißt für Leute mit Mangelfach, dass da weniger Spielraum ist. Bei einer gängigen Kombination gehe ich jetzt aber mal nicht von Fachlehrermangel aus.


    Wenn jetzt eine Schule, z.B. 20% Ganztagsstunden hat, dann ist systemisch bereits eingepreist, dass 20% der gehaltenen Stunden im Schnitt im Ganztagsbereich liegen. Da ist das völlig ok, wenn ein hoch belasteter Doppelkorrekturkollege nicht ausschließlich in E/D eingesetzt wird, sondern auch in den Ganztags/AG-Stunden. Das ist sogar vorgesehen. Im Durschschnitt sind das 20% seiner Stunden.


    Bezüglich entlasteter Zusatzarbeiten gilt das selbe. Ob da jetzt jemand lieber eine weitere Korrekturklasse hat oder dafür eine (natürlich nicht vollständig/adäquat entlastete) Zusatzarbeit vorzieht, kann ja jeder selbst entscheiden.


    Ich finde das auch legitim sich entsprechendes zu wünschen. Entscheiden tut es in NRW die Schulleitung. Eine kluge SL wird auch die Belastungen angelehnt an die Wünsche der Kollegen ausgleichen, wenn es die Rahmenbedingungen zulassen.

  • Bei einer gängigen Kombination gehe ich jetzt aber mal nicht von Fachlehrermangel aus.

    Wenn Stellen an der Grundschule mit Deutsch-beliebig oder Mathe-beliebig ausgeschrieben werden, wobei Deutsch oder Mathe ein verpflichtendes FAch im Studium sind, und diese Stellen nicht besetzt werden, ist der Lehrermangel so groß, dass auch in gängigen Fächern nicht ausreichend Lehrkräfte vorhanden sind.


    Hinzu kommt, dass man sich auf solche Überlegungen, dass die Ganztagsstunden als willkommene Entlastung zu sehen sind, nicht verlassen kann.
    Ist der Lehrkräftemangel so extrem, könnte die Ganztagsbetreuung (ist das gemeint?) auch von anderen Kräften übernommen werden, um Lehrerstunden für den Unterricht zu erhalten. Gleiches könnte in der aktuellen Mangelsituation für vieles andere, das momentan von Lehrkräften mit Entlastungsstunden übernommen wird.
    Überlegt sich das BL, dass es die Lehrkräfte im Unterricht braucht, kann es andere (günstigere) Kräfte für diese Aufgaben einsetzen und die Lehrer in den Unterricht setzen.


    Auf solchen Überlegungen kann man doch nicht sein Lehramt aufbauen.
    Genau das führt dann dazu, dass jeder, der neu kommt, meint, Schule sei ein Wunschkonzert und man könne sich die Rosinen herauspicken.
    Wie du sagst: Die SL entscheidet. Sie muss überlegen, ob sie in der Mangelsituation dem neuen Kollegen gegenüber Zugeständnisse macht und Rosinen verteilt. Dies geht aber zu Lasten der anderen Kollegen.


    Jeder schützt mit diesen Wünschen sich selbst, das ist mir klar.
    Der Mangel im Schulsystem und die extreme Belastung schüren solche Wünsche und Ansprüche.
    Sinnvoller, als den Schwarzen Peter im Kollegium herumzureichen, wäre eine gemeinsame Aktion über alle Schulformen hinweg, die Entlastungen vehement einfordert.

    • Ich habe (bzw hatte schon immer) Selbstzweifel und Selbstunsicherheiten bezüglich meines eigenen Könnens und meiner eigenen Fähigkeiten.

    Ich habe mein Ref erfolgreich beendet, sitze auf meiner Planstelle und habe trotzdem (oder sogar noch größere) Selbstzweifel. Da ich aktuell Dinge unterrichte, wo ich mich ganz und gar nicht fit fühle. Kollegen bestätigen mich darin und sagen, das gibt sich mit der Erfahrung.
    Also aus dem Gesichtspunkt (wenn ich deine Aussage richtig gedeutet habe) würde ich abwarten. Manche Dinge erlernt man erst im täglichen Berufsleben. Und ob der Job 40 Jahre machbar ist, kann man auch nicht vorhersagen. Ich behaupte mal mit D/E gibt es durchaus auch noch andere Türen für dich.
    Ich habe sogar in meinen dualen Klassen Leute mit über 40 sitzen, die eine Umschulung machen, möglich ist alles.



    Den Daf/Daz-Master würdest du nicht empfehlen? Die Studienberatung zu diesem Studiengang meinte, das würde sich mit Lehramt sehr gut erweitern lassen. Und werden zurzeit nicht Daf/Daz-Lehrer überall händeringend beim BAMF oder ähnlichen Einrichtungen gesucht?

    Also in NRW geht der Bedarf bei Daz/Daf aktuell zurück. Ich würde auch sagen mit einem DaZ Schein (ist in NRW mittlerweile sogar Pflicht für Jeden) und Deutsch bist du da breit genug aufgestellt. So etwas würde ich eher über Zusatzqualifikation machen.



    Ich weiß jetzt allerdings auch nicht wirklich, wieso ich hier meine finanziellen Aspekte rechtfertigen bzw. darlegen muss. Auch (und das sollte ja hoffentlich nun mehrfach angeklungen sein), ziehe ich ein zusätzliches 6-Jähriges Studium nicht in Erwägung, sondern suche gerade DESHALB nach Möglichkeiten, um das eventuell verkürzend via Weiterbildung o.Ä. Wege zu lösen.


    Rechtfertigen nicht, aber ich hatte deutlich mehr Jobs und hatte deswegen auch das Ziel möglichst schnell fertig werden um endlich auch richtig Geld zu verdienen.
    Bafög bekam ich auch keines, aber ein so langes Studium hätten mir meine Eltern nicht finanziert (Unterstützt wurde ich aber auch).
    Es klingt schon lang bei dir. Da kann man schon hinterfragen woran es so lag. Das musst du ja nicht uns beantworten, aber dir selber. Sind das Ausreden oder einfach doofe Zusammenhänge.
    Du musst dich nicht vor einer Forengemeinschaft rechtfertigen, nur vor dir selber, bzw dir selber klar werden.


    Ich würde das Studium fertig machen, denn dann hast du einen Abschluss und eine gewisse Sicherheit. Und wenn dein Traum dann an Musik hängt, dann arbeite reduziert und studiere es noch.
    Ich studiere aktuell auch noch ein Drittfach, dieses gab es zu meinem Studienbeginn nicht und ich liebe es. Es ist mir auch wichtiger als eines meiner Fächer (siehe Selbstzweifel). Ich hege die Hoffnung, dass ich ET entweder lieben lerne oder mehr und mehr streichen kann mit der Zeit.

  • Ich habe mein Ref erfolgreich beendet, sitze auf meiner Planstelle und habe trotzdem (oder sogar noch größere) Selbstzweifel. Da ich aktuell Dinge unterrichte, wo ich mich ganz und gar nicht fit fühle. Kollegen bestätigen mich darin und sagen, das gibt sich mit der Erfahrung.Also aus dem Gesichtspunkt (wenn ich deine Aussage richtig gedeutet habe) würde ich abwarten. Manche Dinge erlernt man erst im täglichen Berufsleben. Und ob der Job 40 Jahre machbar ist, kann man auch nicht vorhersagen. Ich behaupte mal mit D/E gibt es durchaus auch noch andere Türen für dich.
    Ich habe sogar in meinen dualen Klassen Leute mit über 40 sitzen, die eine Umschulung machen, möglich ist alles.

    Und du hast dennoch das Ref überlebt, trotz deiner Unsicherheit und Selbstzweifel bei einem deiner Fächer?? Das lässt ja dann zumindest hoffen, dass das per se kein Ref-Killer ist.


    Bezüglich der Studienlänge: das habe ich ja nun bereits ausführlich aufgedröselt, wie so der Werdegang war und dass ich eigentlich im alten Studiengang unter Staatsexamen mehr oder weniger in Regelstudienzeit durch war. Durch den Wechsel wurde ich etwas zurückgeworfen, aber ich finde das neue System besser, alleine schon aufgrund der grundsätzlich neu aufgestellten lehramtsspezifischen Inhalte im Master. Und wie gesagt: ursprünglich war der Wechsel aufgrund der Hinzunahme eines Drittfachs. Da führt kein Weg mehr daran vorbei.

  • Ich kenne ehrlich gesagt niemanden im Ref, der nicht an der einen oder anderen Stelle mit Selbstzweifeln und Unsicherheiten zu kämpfen hätte. Solche Menschen mag es geben, ich wage aber zu behaupten, dass die kritische Rückmeldung und Beratung im Ref bei halbwegs selbstkritischen Menschen - und ein solcher sollte man als Lehrer sein- typischerweise den Effekt hat, dass man sich immer mal wieder auch selbst anzweifelt. Wichtig ist es, sich immer auch die im Regelfall ebenfalls vorhandenen Stärken vor Augen zu halten und an sich selbst und dem eigenen Unterricht weiterzuarbeiten. Diejenigen, die das ausreichend machen und schnell genug lernen dabei sind auch erfolgreich in meinem Kurs.

    "Benutzen wir unsere Vernunft, der wir auch diese Medizin verdanken, um das Kostbarste zu erhalten, das wir haben: unser soziales Gewebe, unsere Menschlichkeit. Sollten wir das nicht schaffen, hätte die Pest in der Tat gewonnen. Ich warte auf euch in der Schule." Domenico Squillace

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