Lehrerarbeitszeit - jetzt wird es vielleicht spannend

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    • Seph schrieb:

      Es ist doch kein großes Geheimnis, dass wir oft so oder so ein Zimmer als Arbeitszimmer unterhalten würden und gerne die Möglichkeit der steuerlichen Absetzung mitnehmen.
      Moin in die Gemeinde! Nein, wir brauchen unser häusliches AZ. Denn dort erledige ich 60-65% meiner Arbeitszeit und nur dort habe ich die Mittel und Materialien, um mich vorzubereiten. In unserer Schule gibt es einen Lehrerarbeitsraum mit 5 PC für 89 Kollegen auf 20 m2. Das wars. Zudem sind diese Arbeitsplätze nicht ergonomisch ausgestattet, wie von der Behörde eigentlich gefordert! Nebenbei, einem Kollegen wurde nach einer OP vom Arzt attestiert, dass er entsprechende ergonomische Möbel für seinen Arbeitsplatz benötigt. Die Sachbearbeiterin meinte dann zu ihm, dass er doch gar kein häusliches Arbeitszimmer habe und damit auch keinen Anspruch für solche Möbel. Als er dann einwarf, dass er aber auch in der Schule keinen Arbeitsplatz habe, wusste die Sachbearbeiterin auch nicht weiter und verwies an den Dezernenten. Dabei ist die Sache doch recht klar, oder ? Das FA erkennt unser AZ teilweise an, also müssen wir doch auch dort eines haben? Die Frau des Kollegen arbeitet in einer Behörde und muss diese ergonomischen Möbel für alle Angestellten und Beamte anschaffen. Warum gilt das nicht auch für Lehrer? Sind wir bezüglich der Arbeitszeit (40 Stunden) und bezüglich der Ausstattung Beamte zweiter Klasse?? Es geht nur mit Klagen!! :victory:
    • Also ich unterhalte in einer nicht unbedingt günstigen Wohnung auch ein häusliches Arbeitszimmer, welches ich nicht missen möchte. Es ist zwar im Endeffekt zu groß, da ich eigentlich nur noch digital arbeite, aber ich möchte trotz Laptop NICHT auf dem Küchentisch oder der Couch arbeiten, allein für die Psychohygiene und das Feierabendgefühl, womit wir wieder beim Ausgangsthema wären.
    • yestoerty schrieb:

      Meine Mutter fragte ob mein AZ wohl in dem Jahr EZ von der Steuer abgesetzt werden kann.
      Wenn nicht werde ich aber sauer, sollte ich das ein Jahr untervermieten oder was?
      lohnsteuer-kompakt.de/steuerwi…eit-steuerlich-absetzbar/

      hab letztens auch mal für mich gesucht und obigen Link gefunden. Hilft dir vielleicht weiter.
    • Seph schrieb:

      Niemand zwingt uns wirklich dazu, Arbeitsmittel selbst anzuschaffen. Wir könnten uns auch stur stellen und auf Anschaffung der benötigten Arbeitsmittel bestehen. Nur muss man das halt auch mal durchziehen und nicht selbst vorschnell anschaffen. Zumindest Kopierpapier, Stifte, Kreide usw. werden hier bei uns gestellt, wenn man energisch genug fragt, auch Schulbücher usw.

      Plattenspieler schrieb:

      Kleinere Sachen kaufe ich mir gelegentlich auch privat, wenn ich sie exklusiv für mich haben will und/oder keine Lust habe, bis zur Genehmigung bei der nächsten Konferenz zu warten.

      Schon ein interessanter Standpunkt.
      Ihr müsst in einer Kommune arbeiten, die die Schulen mit Geld überschüttet. Andernfalls kommt ihr in eurem Unterricht mit Buch, Tafel und Stift aus und setzt genau da die Grenze: Man hat ja keine Arbeitsmittel, deshalb kann man eben nur mit Buch und Stift arbeiten.
      Wenn ich auf Anschaffungen bis zur nächsten Konferenz warten müsste, hätte ich die Materialien sicherlich im Ablauf von allerspätestens 2 Wochen auf dem Tisch.
      Tatsächlich wird der Haushalt Ende Mai oder Anfang Juni an die Schulen geschickt, vorher ist offiziell kein Geld da. Haushaltsstopp ist spätestens im November.
      Also führt man Listen bis Juni und versucht, gleich nach den Sommerferien die Anschaffungen zu verteilen.

      Und nein, ich plädiere nicht dafür, dass man als Lehrkraft die Arbeitsmittel anschaffen sollte, aber es ist eben gerade nicht so, dass man alles mögliche gestellt bekäme, wenn man nur darum bittet.

      Plattenspieler schrieb:

      Einen 'Arbeitsplatz' zu Hause brauche ich nicht; ich habe in der Schule genug Möglichkeiten zu arbeiten und falls ich mal etwas zu Hause fertig mache, reicht mein Computer, der sowieso hier steht.
      Es ist schön, wenn deine Schule so großräumig ausgestattet ist. Wir stapeln uns ins Schulhaus und haben so schon nicht genug Platz für alle Klassen, vom kleinen Lehrerzimmer abgesehen keine zusätzlichen Räume, da würe ich nicht davon sprechen, dass es genug Möglichkeiten seien.

      Seph schrieb:

      Es ist doch kein großes Geheimnis, dass wir oft so oder so ein Zimmer als Arbeitszimmer unterhalten würden und gerne die Möglichkeit der steuerlichen Absetzung mitnehmen.
      Wir haben 2 Arbeitszimmer. Hätte ich eine andere Arbeit, wäre mein Raum sicherlich für anderes gut: ein tolles Gästezimmer, ein Raum für eine Menge Freizeitaktivitäten, Kreatives oder anderes. Vielleicht wäre auch einfach der Wohnraum kleiner ausgefallen.
      Bestimmt könnte man mit heutigen Möglichkeiten vieles aus den Ordnern digitalisieren. Das kostet aber eine Menge Zeit, die ich gerade nicht habe.
      Auch gilt es nicht für Karteien, für eine Menge Differenzierungsmaterial in Kästen und Schachteln, nicht für vorgestaltete Kunstwerke, nicht für Fachliteratur... mir fällt noch vieles ein.

      Die Vorstellung, dass man das alles nicht zu Hause, sondern an der Schule lagern müsste, ist schön. Dann müsste die Schule aber dafür entsprechende Räumlichkeiten vorhalten. Bei uns gibt es zwar eine Menge Material der Schule, aber eben keine Räumlichkeiten zum Lagern. Ein Lehrmittelraum, der größer als eine Telefonzelle ist, scheint für eine Schule nicht so wichtig zu sein. Von Arbeitsplätzen oder Lagerraum für Materialien der Lehrkräfte ist dabei noch gar nicht die Rede.
      Und offenbar geht es sehr vielen Lehrkräften so, da sie alle ein Arbeitszimmer vorhalten und dort Arbeitsmaterialien, Unterlagen für die Planung sowie auch Material für den Unterricht lagern.
      Das scheint auch anderen Lehrkräften so zu gehen...

      Frapper schrieb:

      Meine ganzen Ordner könnte ich nirgendwo lagern, außer ich verfrachte das alles in mein Klassenzimmer.

      ... aber bestimmt lagern sie nur leere Ordner und Kartons, weil sie den Sinn nach einem eigenen Arbeitszimmer haben, eine entsprechend größere Wohnung suchen, nur um dies dann in Teilen von der Steuer absetzen zu können:

      Seph schrieb:

      Es ist doch kein großes Geheimnis, dass wir oft so oder so ein Zimmer als Arbeitszimmer unterhalten würden und gerne die Möglichkeit der steuerlichen Absetzung mitnehmen.

      Meiner Meinung nach ist es so, dass viele Lehrkräfte gewillt sind, für ihre Arbeit auch bestimmte Sachen in Kauf zu nehmen, der eigenen Arbeit oder der Schulkinder wegen, mehr als womöglich andere Arbeitnehmer, die nicht ihr eigenes Werkzeug, ihre eigenen Arbeitsmittel selbst anschaffen und in unbezahlter Mehrarbeit Leistungen erbringen bzw. auf Feiertage und Urlaub verzichten.
      Das sehen einige als dumm an und grenzen sich selbst gut dagegen ab, arrangieren sich mit schlechten Umständen und bewerten ihre Arbeit in dem gesetzten Rahmen.

      Andere bewerten ihr Arbeit eher nach den Notwendigkeiten, die gesetzt werden, und die Möglichkeiten, die gegeben sein sollten.
      Aus dieser Überlegung heraus finden sie es in Ordnung, in Teilen mehr als zwingend notwendig zu geben, sofern es sich insgesamt die Waage hält mit den Vorzügen des Berufs, z.B. ein Stück weit freier Zeiteinteilung oder ein Stück weit freier Arbeitsplatzwahl...
      Auf dieser Grundlage sind aber in den letzten 20 Jahren über Gebühr zusätzliche Aufgaben und Anforderungen hinzu gekommen, von denen viele hingenommen wurden,ggf. unter Protest.
      Da es aber immer mehr wurden, wurde dies deutlicher angesprochen, aber dennoch keine Entlastungen gewährt.
      Nun ist es in eine so große Schieflage gekommen, dass die Freiheiten die zusätzlichen Belastungen und Anforderungen nicht mehr aufwiegen. Viele Lehrkräfte fühlen sich nicht nur ausgenutzt, sondern sind zudem der Meinung, dass sie ihre Aufgabe nicht angemessen erfüllen können, gerade weil die Bedingungen nicht stimmen.
      Und genau deshalb sind die Proteste größer, nicht nur hinsichtlich der Arbeitszeit, sondern auch hinsichtlich des Arbeitsplatzes. Es kommt auf den Prüfstand, was jahre- bzw. jahrzehntelang selbstverständlich war.

      Ob nun das Arbeitszimmer zu Hause anerkannt wird, weil es viele Lehrkräfte gibt, die darüber Beruf und Familie besser vereinen können, oder ob es einen angemessenen Arbeitsplatz im Schulgebäude gibt: Es ist die Aufgabe des Arbeitsgebers, das eine oder andere angemessen zu bezahlen, und nicht die Aufgabe der Lehrkraft, dafür Sorge und Finanzierung zu tragen.

      Ob es um Kopierpapier in der Schule oder Druckerpatronen im häuslichen Arbeitszimmer, um Fachliteratur oder Fortbildungen geht, die über die Schule oder von der Lehrkraft angeschafft werden: Es ist die Aufgabe des Arbeitsgebers auch das angemessen zu bezahlen und nicht die Aufgabe der Lehrkraft, dafür Sorge und Finanzierung zu tragen.

      Ob es um Unterricht oder zusätzliche Aufgaben geht, weil der Arbeitgeber meint, darüber die Qualität zu steigern: Es ist die Aufgabe des Arbeitgebers, alle Aufgaben angemessen zu entlohnen UND dafür auch die notwendige Zeit zur Verfügung zu stellen, damit die Arbeiten erledigt werden können, UND die Arbeitszeit zu erfassen, damit es eine Kontrolle gibt UND die Arbeitnehmer entsprechend geschützt werden... und nicht die Aufgabe der Lehrkraft, dafür Sorge und Finanzierung zu tragen.

      Es wird niemand gezwungen, ein persönliches Arbeitszimmer zu Hause vorzuhalten, aber Lehrkräften in der heutigen SItuation vorzuhalten, sie würden sich am persönlichen häuslichen Arbeitszimmer bereichern, ist hanebüchen.
    • WillG schrieb:

      Plattenspieler schrieb:

      Muss man als Lehrer [...]
      Alsich habe ja schon vieles hier gelesen, aber dass ein Lehrer einen Arbeitsplatz braucht, hat wirklich noch keiner in Frage gestellt. Ich wäre natürlich sehr froh, wenn ich so einen angemessenen Arbeitsplatz hätte...
      Oh, unser lieber Kollege Plattenspieler ist ein großer Infragesteller, wie man leicht feststellt, wenn man hier eine Weile mitliest. Evolutionstheorie, Klimawandel, Selbstbestimmung / Gleichberechtigung der Frau, you name it...
      Ein Blick ins Gesetz erspart viel Geschwätz.
    • Palim schrieb:

      Ihr müsst in einer Kommune arbeiten, die die Schulen mit Geld überschüttet. Andernfalls kommt ihr in eurem Unterricht mit Buch, Tafel und Stift aus und setzt genau da die Grenze: Man hat ja keine Arbeitsmittel, deshalb kann man eben nur mit Buch und Stift arbeiten.
      [...]

      Es ist schön, wenn deine Schule so großräumig ausgestattet ist.
      Bei uns ist nicht die Kommune der Schulträger, sondern der Landkreis, und als sonderpädagogische Einrichtung haben wir natürlich auch gewisse Vorteile.

      Dass nicht alle Schulen diese Vorteile haben, ist mir natürlich bewusst.

      Dass deine Schilderungen hier dem Regelfall entsprechen, kann ich mir jedoch auch nicht vorstellen. Zumal ich auch immer wieder Einblicke in andere Schulen haben.

      fossi74 schrieb:

      Oh, unser lieber Kollege Plattenspieler ist ein großer Infragesteller, wie man leicht feststellt, wenn man hier eine Weile mitliest. Evolutionstheorie, Klimawandel, Selbstbestimmung / Gleichberechtigung der Frau, you name it...
      Jetzt bitte Butter bei die Fische: Wo habe ich die Evolutionstheorie infrage gestellt? Wo habe ich den Klimawandel infrage gestellt?

      Auch die Selbstbestimmung oder Gleichberechtigung der Frau habe ich natürlich nie infrage gestellt, aber hier ist mir klar, worauf du hinaus willst, nämlich dass ich mich für den Schutz des menschlichen, auch des ungeborenen Lebens einsetze.
    • Milk&Sugar schrieb:

      lohnsteuer-kompakt.de/steuerwi…eit-steuerlich-absetzbar/

      hab letztens auch mal für mich gesucht und obigen Link gefunden. Hilft dir vielleicht weiter.
      Interessanter Link. Weshalb ist bei einer Bankangestellten das Arbeitszimmer in unbegrenzter Höhe absetzbar - bei uns Lehrern jedoch nur bis 1250 €?
      Aus dieser Ungleichbehandlung müsste eigentlich eine Musterklage entstehen.
    • Thamiel schrieb:

      Warum ist der Bankangestellte kündbar, der verbeamtete Lehrer aber nicht? Aus dieser Ungleichbehandung müsste eigentlich eine Musterklage entstehen.
      Irgendwie hält sich das Narrativ der Unkündbarkeit - und manche wägen sich in Sicherheit, bis sie die Entlassung (oder Zwangsversetzung nach Kleinhintertupfingsten) trifft - genauso wie angestellte Bankangestellte, die nach 15 Jahren ebenfalls einen beamtenähnlichen Status erreichen. Ohne Studium. Mit Abgang nach Klasse 10 Realschule. ;)
    • Wolfgang Autenrieth schrieb:

      Milk&Sugar schrieb:

      lohnsteuer-kompakt.de/steuerwi…eit-steuerlich-absetzbar/

      hab letztens auch mal für mich gesucht und obigen Link gefunden. Hilft dir vielleicht weiter.
      Interessanter Link. Weshalb ist bei einer Bankangestellten das Arbeitszimmer in unbegrenzter Höhe absetzbar - bei uns Lehrern jedoch nur bis 1250 €?
      Weil die betreffende Bankangestellte zu 100% im Homeoffice arbeitet und keinen Arbeitsplatz in der Bank hat. Steht doch im Artikel.
      Ein Blick ins Gesetz erspart viel Geschwätz.
    • Neu

      fossi74 schrieb:

      Weil die betreffende Bankangestellte zu 100% im Homeoffice arbeitet und keinen Arbeitsplatz in der Bank hat. Steht doch im Artikel.
      Nun - ich habe auch keinen "Arbeitsplatz" in der Schule. Ich habe ein paar Quadratmeter, die ich mir mit einer Horde Schüler bzw. Lehrer teile. Dort kann ich vortragen, beobachten, unterstützen. Zudem erklärt das nicht die Begrenzung auf 1250 €.
    • Neu

      Doch. Weil Du für Deine Haupttätigkeit - und das ist auf dem Papier immer noch das Unterrichten - durchaus einen Arbeitsplatz in der Schule hast. Oder unterrichtest Du im Arbeitszimmer?
      Ein Blick ins Gesetz erspart viel Geschwätz.
    • Neu

      Seph schrieb:

      oder für die Korrekturen nicht auch der Esstisch ausreicht, sei mal dahingestellt
      In BW gab es vor einigen Jahren mal ziemliches Aufsehen, weil die Lösungen des Matheabis im Internet waren und zu Beginn nicht klar war, ab wann. Ein Lehrer hatte die Lösungen daheim und sein Sohn hat sie abfotografiert. Danach ging es darum, ob Abiklausuren sicher (abschließbar) verwahrt werden müssen.
      An einem Esstisch ist dies wohl kaum möglich.
    • Neu

      Ich kann mich nur wiederholen:

      Die wahre Belastung ergibt sich aus der Kombination aus Arbeitszeit und Arbeitsintensität. Würde man diese Messlatte an alle diejenigen anlegen, die so gut und gerne über LehrerInnen herziehen und die üblichen Stammtischsprüche raushauen, würden die ganz schnell ganz alt aussehen - aber im Zeitalter (a)sozialer Netzwerke immer noch nicht die Fresse halten...
      Gruß
      Bolzbold



      Ich bin ein Ar***, und deswegen konnte ich nur Lehrer werden.