Quereinstieg in Berlin – Chancen bei weiterführenden Schulen gering?

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    • Quereinstieg in Berlin – Chancen bei weiterführenden Schulen gering?

      Hallo zusammen,


      ich habe mich jetzt zwei Halbjahre hintereinander für den Quereinstieg in Berlin beworben. Obwohl mir gleich zwei Mangelfächer für weiterführende Schulen (ISS und Gymnasien) anerkannt worden sind und ich somit den berufsbegleitenden Vorbereitungsdienst direkt beginnen könnte, hatte ich keinen Erfolg.

      Jetzt frage ich mich, ob Berlins weiterführende Schulen überhaupt einen nennenswerten Bedarf an Quereinsteigern haben. Grundschulen, die wohl am meisten suchen, kommen für mich nicht infrage, da ich dafür zwei Fächer nachstudieren müsste (zwei Naturwissenschaften gelten hier als ein einziges Fach).

      Beide Male wurde ich zum fünfminütigen „Casting“ eingeladen. Und beide Male habe ich sämtliche von der Personalstelle vorgeschlagenen Themenpunkte – wie ich denke gut – abgehandelt. Beim ersten Mal habe ich’s etwas amüsanter gestaltet, um die Schulleiter zu Wortmeldungen anzuregen – auch um zu demonstrieren, dass ich das kann. Augenscheinlich fanden sie es tatsächlich unterhaltsam, aber Fragen gab es keine. Beim zweiten Casting habe ich es mal auf die nüchterne Art versucht – da kamen gar keine Reaktionen. Ansonsten war es ähnlich: Von den jeweils rund 15 Schulleitern haben ein oder zwei eifrig Notizen gemacht, während die anderen gar nicht erst Schreibutensilien oder Unterlagen auf dem Tisch hatten. Vielleicht will man die Bewerber ja auf den Alltag im Klassenzimmer einstimmen :whistling:

      Sicherlich ist meine fehlende Lehrerfahrung an Schulen eine Hürde. Ich bin berufstätig und könnte allenfalls in sehr geringem Umfang Vertretungsunterricht leisten. Für bis zu 6 Wochenstunden ist der Bedarf in Berlin aber gleich null. Wenn es so ist, dass der Quereinstieg in weiterführende Schulen praktisch nur über vorherigen Vertretungsunterricht möglich ist – und damit faktisch nur über die Arbeitslosigkeit – dann bin ich außen vor. Denn das ist mir zu riskant, so gern ich auch Lehrer werden würde.

      Weiß jemand, wie es aussieht in Berlin? Muss man einfach Schwein haben, dass jemand im Raum die richtige Fächerkombination sucht und den Mut hat, einen Schulunerfahrenen zu wählen?
    • Ich weiß natürlich nicht, wie die Situation in Berlin ist. Ich weiß aber auch von NRW, dass es schwierig für Quereinsteiger ist an eine Gesamtschule bzw. an ein Gymnasium zu kommen. Sicher kann man natürlich auch das Glück haben. Einfacher ist es da schon an eine Realschule oder an eine Hauptschule zu kommen. Du musst überlegen, dass du raus bist, sobald sich ein ausgebildeter Lehrer auf die Stelle bewirbt (was auch vollkommen richtig ist), zumindest ist es in NRW so. Natürlich können aber auch noch andere Dinge eine Rolle spielen. Vielleicht haben die Schulleiter durch das Gespräch das Vertrauen gewonnen, dass du es schaffst mit den Schülern oder bzw. mit einer Klasse klar zu kommen.
      Vielleicht gehen deine Vorstellungen von Schule und Realität einfach zu sehr auseinander, was die Schulleiter im Gespräch merken. Ich weiß es nicht, da ich dich nicht kenne, aber die Möglichkeiten sind da sehr vielfältig. Wenn du an einer Schule arbeiten möchtest, dann wäre es evtl. besser, sich nicht auf die Gesamtschulen und Gymnasien festzulegen, sondern auch andere Schulformen in betracht zu ziehen. Sonst....nur nicht aufgeben, wenn du wirklich an einer Schule arbeiten möchtest. Die Voraussetzungen für Quereinsteiger können in ein paar Jahren schon wieder ganz anders aussehen.
    • Vielleicht hast du ka eine Möglichkeit dich mal mit einem dieser SLs auszutauschen über deren Gründe dich nicht zu nehmen als kleine Rückmeldung zu deinem Auftreten. Eventuell gibt es eine Diskrepanz zwischen Selbst- und Fremdwahrnehmung, derer du dir nicht bewusst bist und an der du arbeiten könntest, um dein Auftreten zu verbessern. Oder es gibt Fehlvorstellungen über Schule und Unterricht, die den Profis direkt auffallen, dir aber mabgels Erfahrung (noch) nicht. Hol dir ein Feedback ein, dass dich weiterbringt und kläre mit deiner Bezirksregierung/Schulamt, ob deine Vorstellungen für den Quereinstieg (Schulart/Fächer) realistisch sind oder du an einer anderen Schulart vielleicht bessere Chancen hättest.
    • Vielen Dank, dass ihr euch die Mühe gemacht habt, mir zu antworten. Der Sitzungsleiter beim Casting – ich glaube ein Lehrer-Ausbilder – wertete das Ausbleiben von Fragen als „gutes Zeichen“. Das ist der einzige Anhaltspunkt, den ich habe, und der spricht wohl eher gegen ein unpassendes Auftreten oder Fehlvorstellungen.

      Möglich ist, dass meine zusätzlichen Qualifikationen – die soll man im Casting nennen – dazu geführt haben, dass sie mich in die Schublade „Gymnasien“ gesteckt haben, denn vor allem dort dürften sie ihrem Wesen nach von Nutzen sein. Beispielsweise bin ich zweisprachig aufgewachsen und könnte auch in Englisch unterrichten, was in Berlin tatsächlich an manchen Schulen praktiziert wird, aber vor allem an Gymnasien. Und die Schublade „Gymnasium“ wird noch seltener als die Schublade „ISS“ für Quereinsteiger geöffnet.

      Aber letztlich ist das alles Spekulation.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Aromat ()

    • Danke @Kiggie im Namen aller Fremdsprachenlehrer und -schüler!

      @Aromat : Ich finde es großartig, dass du bilingual aufgewachsen bist. Für Schuluntericht ist das aber keine Qualifikation die einen einschlägigen Studienabschluss ersetzen kann. Sprachschulen und Volkshochschulen haben diesbezüglich einen anderen Standard, dort reicht das durchaus bereits aus; Englischlehrerin im System Schule solltest du damit jedoch nicht werden dürfen (ob´s in der Realität stimmt sei dahingestellt- Lehrermangel macht (zu) vieles möglich, was streng genommen untragbar ist). Ich wünsche dir, dass du eine Stelle in deinen studierten Fächern erhältst.
    • Ich glaube da bin ich gründlich missverstanden worden. Was ich meinte ist, dass ich meine Fächer auf Englisch unterrichten könnte, nicht Englisch als Fremdsprache. Das wird hier von einigen bilingualen Schulen angeboten. Mir ist schon klar, dass Englisch als Fremdsprache ein anderes Ding ist und würde das schon deshalb nicht unterrichten können und wollen, weil ich nie wirklich englische Grammatik gelernt habe, so wie man sie in der Schule in Deutschland lehrt.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Aromat ()

    • In BW zumindest wird BiLi-Unterricht im Regelfall von Fremdsprachenlehrern die auch Fachlehrer im Bili-Fach sind unterrichtet. Idealiter sogar in derselben Klasse Fremdsprache + Bili-Fach vom selben Fachlehrer. Bili-Unterricht bedarf neben der reinen Fachkompetenz und eigener Fremdsprachenkenntnisse auch dem Wissen über notwendige Entlastungsplanungen für SuS wie z.B. Scaffolding, um die letztlich zweisprachig anzulegenden Fachbegriffe und Fachkonzepte gut erarbeiten und lernen zu können. Als Zweisprachler mit Fachstudium kannst du das Fachliche gut leisten, die notwendige Entlastung für zielführenden bilingualen Fachunterricht aber nicht und meines Erachtens auch im Regelfall nicht so effektiv einsetzen wie ein Fremdsprachenlehrer, der/die um die besonderen Herausforderungen der Lerner sowohl in der Fachsprache/den Fachkonzepten des Bili-Fachs, als auch beim reinen Spracherwerb in der Fremdsprache weiß und Lösungsansätze bereits kennt.
    • Vielen Dank, CDL, das klingt plausibel. Ich weiß nicht, wie es in Berlin ist, aber solange ich es nicht besser weiß, nehme ich mal an so ähnlich. Aufschlussreich für mich ist, dass gleich zwei Foristen mich falsch verstanden und daraus womöglich falsche Rückschlüsse gezogen haben - vielleicht weil öfter Muttersprachler auftauchen und ihre Sprache als Fremdsprache lehren wollen. Da spielt sicher die Erwartungshaltung Streiche mit Einem.

      Daraus werde ich beim nächsten Mal Konsequenzen ziehen. Damit bin ich jetzt (hoffentlich) schon mal ein Stückchen weiter ... :thumbsup: