Diagnosetests

  • Hallo, keine, wir dürfen keine Dyskalkulie diagnostizieren.


    Für welchen Zweck brauchst du das denn? Den Hamburger Rechentest HRT gibt's z.B. für verschiedene Klassenstufen, um einen Überblick über problematische Bereiche und altersvergleich im Rechnen zu bekommen. Ansonsten verschiedene Aufgaben lösen und erklären lassen, was das Kind denkt/wie es beim Rechnen vorgeht. (Je nach Lernstand auch Pränumerik abchecken...).

  • Meine Schulleitung möchte, dass ich die Diabnose künftig an der Schule durchführe. Ich möge mich um entsprechende Fortbildung bemühen.... Hmmm

    • Offizieller Beitrag

    Volle Zustimmung an Krabapple.


    Dyskalkuliediagnose: Psychologen, Fachärzte für Kinder- und Jugendpsychiatrie
    Rechenschwäche (und vielleicht Rechenstörung): Lehrer mit Fortbildung, Beratungslehrer
    Ich vermute, dass dein Chef letzteres meint. Diagnose wird bei uns mit HRT gestellt. Wobei ich das oft nicht so eindeutig fand, wie uns das in der Fortbildung vermittelt wurde.

  • Würde dir den HRT (Heidelberger Rechentest) empfehlen - der differenziert recht gut; möglich auch ein ERT - den gäbe es für jede Klassenstufe


    lg shopi

    ach stimmt, Heidelberg, nicht Hamburg ;)


    Kannst du zum ERT ein paar Worte sagen?

  • Den ERT gibt es für jede Klassenstufe - er hat auch dafür spez. Aufgaben; ist sehr gut im unteren Leistungsniveau differenziert und eignet sich auch wunderbar für die Lehrperson als "einfaches" Klassenscreening". Er unterscheidet zwischen den Grundfähigkeiten der Mathematik, Ordnungsstrukturen, algebraische Strukturen und angewandter Mathematik mg shopi

  • Ich möchte an dieser Stelle nur mal vorsichtig anmerken, dass man mit den Tests als Lehrer (da sind ja die Ausbildungen und Berechtigungen je nach BL sehr vielseitig) vorsichtig sein soll.
    In der Regel enthalten solche Tests eben z.B. auch Vorgaben, wie oft bzw. in welchen Zeitabständen sie angewendet werden dürfen. Gegebenenfalls kann man damit auch die Arbeit eines gut ausgebildeten Psychologen verhindern, da dieser den für dieses Kind passendsten Test dann nicht mehr anwenden darf.
    War mir bisher nicht so klar, ich stieß kürzlich bei der Hamburger Schreibprobe im Gespräch mit dem Psychologen auf solch ein Problem.

  • Ich finde die Testerei durch Lehrer auch schwierig. Hier wurde das erst eingeführt, dass Förderschullehrer IQ-Tests machen müssen. Ziel: weniger Förderschulempfehlungen. Konsequenz: weniger Psychologenmeinungen und (Spekulation) weniger objektive Testung?

  • Wenn ihr als Sonderpädagogen dafür ausgebildet seid, dann ist er genauso aussagekräftig.


    Hier in Hessen ist z.B. eine Lehrkraft alleine "Kraft ihres Amtes" dazu befähigt, eine Legasthenie zu diagnostizieren..........

  • Ich finde es auch schwierig, wenn versch. Tests von Lehrpersonen durchgeführt werden - ohne genaues Wissen zum Test selber und auch deren Nutzen. Das Testmanual durchlesen ist leider immer zu wenig Hintergrundinfo zum Test selber.....div. Mathe (HRT, ERT...) und auch Deutschtests (SLS, BISC,...) sind ohne IQ Info auch oft nutzlos und eine genaue Dyskalkulie oder Legasthenie unmöglich.
    IQ Tests sind in Ö sind gotteseidank nur für Psychologen erlaubt - Schuster bleib bei deinen Leisten...alles können und sollen wir Lehrer nun auch nicht leisten.

  • Warum sollte ein IQ-Test weniger objektiv sein, wenn ein Sonderpädagoge ihn durchführt, als wenn ein Psychologe ihn durchführt?

    rein theoretisch nicht, aber Lehrer sind nur bedingt ausgebildet, für IQ-Tests (Durchführung und Auswertung) brauchts schon jeweils eine gute Fortbildung und Übung.
    Und es ist auch ein Unterschied, ob es zwei Gutachten gibt (vom Psychologen und vom Förderschullehrer) oder wenn du alleine alles machst und eine Entscheidung triffst. Ich fand die Lösung gut, dass Psychologen ihre Einschätzung schreiben und wir unsere schulischen Förderempfehlungen erstellen. Die Diagnostik deckt sich zwar in 99% der Fälle aber auch das ist gut so in der Begründung.

  • rein theoretisch nicht, aber Lehrer sind nur bedingt ausgebildet, für IQ-Tests (Durchführung und Auswertung) brauchts schon jeweils eine gute Fortbildung und Übung.

    In meinem Bundesland ist Diagnostik wesentlicher Teil der Ausildung in Studium und Referendariat. Fortbildungsangebote zu neuen Testverfahren werden regelmäßig angeboten. Die Auswertung ist dank Computer heute bei den meisten Tests kein Aufwand mehr. Eher die Interpretation, aber auch da sollte man, wenn die wissenschaftliche Diskussion halbwegs verfolgt, auf dem Stand sein. Dass man für die Durchführung einigermaßen Praxis haben sollte, sehe ich ein. Ich habe aber genug Gutachten zu schreiben, so dass ich mich damit regelmäßig befasse, keine Sorge. Ich bezweifle, dass der durchschnittliche Psychologe die einzelnen Testverfahren häufiger durchführt.

    Und es ist auch ein Unterschied, ob es zwei Gutachten gibt (vom Psychologen und vom Förderschullehrer) oder wenn du alleine alles machst und eine Entscheidung triffst. Ich fand die Lösung gut, dass Psychologen ihre Einschätzung schreiben und wir unsere schulischen Förderempfehlungen erstellen. Die Diagnostik deckt sich zwar in 99% der Fälle aber auch das ist gut so in der Begründung.

    Heißt das, bei euch gibt es zu jedem sonderpädagogischen Gutachten auch eine psychologische Begutachtung?!


    Da kann ich nur sagen:

    Schuster bleib bei deinen Leisten...

    Denn für die Feststellung sonderpädagogischen Förderbedarfs bin ich ausgebildet, und nicht ein Psychologe.


    Die Entscheidung treffe bei uns trotzdem nicht ich (allein), sondern die Entscheidung trifft das Schulamt auf der Grundlage meines Gutachtens.


    Früher sagte man ja, Diagnostik ist das, was den Sonderpädagogen vom Regelschullehrer unterscheidet. Auf das reduzieren würde man das heute vermutlich nicht mehr. Aber ein wesentlicher Aspekt ist die diagnostische Kompetenz nach wie vor, und dazu gehört nun einmal auch Intelligenzdiagnostik.

    div. Mathe (HRT, ERT...) und auch Deutschtests (SLS, BISC,...) sind ohne IQ Info auch oft nutzlos

    Sie sind dann nicht ausreichend, wenn es rein um eine Diagnose "Legasthenie/LRS" oder "Dyskalkulie" geht.


    Sie sind nicht nutzlos, wenn es um eine Feststellung des Lern- und Entwicklungsstandes und mögliche Förder- und Therapiemaßnahmen geht, wenngleich je nach Fragestellung, Profil etc. auch hier weitere Überprüfungen erforderlich sind. Aber wenn wir wieder im Kontext sonderpädagogisches Gutachten sind - da führt doch niemand rein Schulleistungstests durch, da gehört doch sowieso viel mehr dazu. In der Beratung im mobilen Dienst ebenso.

  • Heißt das, bei euch gibt es zu jedem sonderpädagogischen Gutachten auch eine psychologische Begutachtung?!

    Nein, eben leider nicht. Aber gerade im Vorschulbereich L werden nur die gemeldet, die bereits im Kindergarten massiv auffällig waren und da gibts oft schon Gutachten verschiedener Frühförderstellen und von Psychologen.



    Die Entscheidung treffe bei uns trotzdem nicht ich (allein), sondern die Entscheidung trifft das Schulamt auf der Grundlage meines Gutachtens.

    Das ist bei uns auch so, was aber nicht bedeutet, dass keine große Panik beim Chef ausbräche, wenn Eltern gegen Entscheidungen klagen und wir unsere Gutachten dem Richter erläutern sollen. Eigentlich bricht die Panik schon aus, sobald das Schuljahr losgeht. Da wird schon im Amt vorsortiert, was wir zu diagnostizieren haben- laut Aktenlage.



    IQ Tests sind in Ö sind gotteseidank nur für Psychologen erlaubt - Schuster bleib bei deinen Leisten...alles können und sollen wir Lehrer nun auch nicht leisten.

    War bei uns bisher auch so und fand ich auch gut. Ich hatte mal recherchiert, ob Lehrer überhaupt testen dürfen weil das in vielen Bundesländern Usus zu sein scheint aber nichts weiter dazu gefunden. Auf den Tests selbst steht irgendwas Schwammiges, wenn ich recht erinnere. Darf eigentlich auch die Erzieherin im Kindergarten einen Test durchführen und welche Aussagekraft hätte der? Hätte gern mal was Konkretes schwarz auf weiß.


    Edit: Thema Objektivität, ich könnte mir vorstellen, dass Lehrer*innen eher dazu neigen, Kindern zu helfen, um durch den Test zu kommen. Vielleicht ist das aber Mumpitz.

  • Denn für die Feststellung sonderpädagogischen Förderbedarfs bin ich ausgebildet, und nicht ein Psychologe.

    Ganz ehrlich, habt ihr nicht viel zu viel zu tun, um euch in die gängigen IQ-Tests, deren Auswahl, korrekte Durchführung und Auswertung hineinzuarbeiten?
    Und kann ein Sonderpädagoge die IQ- Leistung an beiden Enden der Kurve richtig einschätzen? Theoretisch sicherlich, aber praktisch macht das auf mich den Eindruck als würde ein Allgemeinmediziner eine Blinddarmop durchführen, das theoretische Können ist da sicherlich kein Problem.


    Mein Sohn sollte mal getestet werden, weil die GS ihn auffällig fand. Auf Anraten meiner Psychologin haben wir eine Begabungsdiagnostik durchführen lassen, das hat fast drei Stunden gedauert und wir bekamen ein Gespräch, eine mehrseitige Auswertung etc.

  • ...Auf Anraten meiner Psychologin haben wir eine Begabungsdiagnostik durchführen lassen, das hat fast drei Stunden gedauert und wir bekamen ein Gespräch, eine mehrseitige Auswertung etc.

    Also für unsere Gutachten sind wir 15 Stunden am Kind und schreiben rund 10 Seiten "Auswertung", ganz so ist es ja nun nicht. Aber das meine ich, dem Psychologen wird im Zweifel mehr geglaubt ;)

  • Psychologische Tests darf man als Lehrer ohne Einwilligung der Eltern gar nicht machen. Eigentlich darf man noch nicht mal einen "Selbsttest" aus einer Frauenzeitschrift machen, wenn diese ansatzweise psychologische Themen anspricht (z.B. "Sind Sie glücklich").
    Selbst den studienfeldbezogenen Beratungstest des Arbeitsamtes/ Jobcenter darf man ohne schriftliche Genehmigung der Eltern nicht in der Schule durchführen.

Werbung