Mogelpackung Ganztag

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    • @Krabappel
      Warum muss man immer etwas "mit seinen Kindern machen"? Sollten Kinder am Nachmittag nicht einfach auch mal NICHTS tun dürfen? Rausgehen, Freunde treffen, spielen, lesen, basteln, abhängen, Kind sein... sich auch mal langweilen... Warum muss man sein Kind immer "qualitativ" bespaßen? Das Schlimme an Ganztagsschule ist für mich neben der Enge, dem Lärm und all dem Durchgetaktet-Sein vor allem auch, dass jede Minute unter Aufsicht und mit dem "pädagogischen Auge beobachtet" stattfindet.
      Ich bin Lehrerin an einer Ganztagsschule und kann über Mittag zum Glück nach Hause, weil ich in der Nähe wohne. Könnte ich mir diese Auszeit nicht nehmen, würde ich durchdrehen! Und wenn ich selbst an meiner Schule unter diesen Bedingungen Ganztagskind wäre, würde ich leiden und wäre unglücklich.
    • Ist doch klar, warum insbesondere der gebundene Ganztag so propagiert wird:

      Mutti und Papi sollen der Wirtschaft vollumfänglich als Arbeitskräfte und dem Staat als Steuerzahler zur Verfügung stehen. Immerhin wurden sie dafür teuer ausgebildet.

      Pädagogische Gründe, um das angemessen zu verpacken, wird man bei Bedarf schon finden, wozu hat man denn tausende pädagogische "Forscher", die auf universitäre Pfründe, ich meine natürlich eine universitäte Karriere, hoffen..

      Gruß !
      Mikael - Experte für das Lehren und Lernen
    • Ich habe einen Sohn, 4. Klasse Grundschule. Was ich mit dem zwischen 13 und 16 Uhr mache? Die Frage ist doch, was mein Sohn in der Zeit macht... Also: Er isst zu Mittag, quatscht währenddessen mit Oma oder Eltern ( je nachdem, wo er isst), dann sind ab 14 Uhr Hausaufgaben dran. Danach hat er FREI. Je nach Wetterlage geht er los, mit dem Fahrrad Freunde treffen. Ball auf den Gepäckträger und los zum Bolzplatz. Er ist immer noch ein begeisterter Legobauer und baut große Szenerien mit seinen Steinen auf. Er malt auch sehr gerne und setzt sich dafür nachmittags hin. Eine Zeitlang ist er einmal die Woche dienstags zum Kunstverein zum Malkurs. Er lernt Trompete und geht da einmal die Woche hin. Dann haben sie einmal die Woche über die Grundschule musikalische Grundbildung nachmittags. Er hört auch gerne Hörspiele an, liest Comics. Darf begrenzt auf dem Tablet spielen. Manchmal geht er auch einfach in den Garten und schlägert mit seinem Bruder.
      Wäre er in der Mittagsbetreuung müsste er dort bis 16 Uhr bleiben. Ist Pflicht, immer an den gebuchten Tagen. Da kannst du Garten, Bolzplatz, Trompete und Malkurs vergessen. Und die Hausaufgaben wären unter 20 lärmenden Kindern garantiert nicht gut erledigt worden.
    • Krabappel schrieb:

      Sommertraum schrieb:

      Ich könnte mir nicht vorstellen, Vollzeit zu arbeiten und damit weite Teile der Erziehung in fremde Hände zu geben.
      Okay und wie machst du das mit der Betreuung/Beschäftigung genau? Ich meine, erziehen tut man seine Kinder sowieso. Frühstück machen, Brote schmieren, Freunde einladen, zu Freunden bringen, Hausaufgaben überwachen, Vokabeln lernen, Dummheiten verbieten, Hobbies ermöglichen (oder ggf. erzwingen), abends was zusammen spielen, Wochenende gestalten, Essen kochen, gesellschaftsrelevante und persönliche Gespräche inszenieren, trösten, aufmuntern, anmeckern, zum Aufräumen anhalten, bei größeren Problemen verzweifeln, Pubertät verstehen, Streit schlichten, vorlesen, in die Bücherei bringen, Ferien planen... neben der (Vollzeit)Arbeit bin ich permanent mit Kindererziehung beschäftigt.
      Müsste ich auch noch von 13-16 Uhr mit meinen Kindern basteln, experimentieren, werkeln, chinesisch lernen und eine Fußballmannschaft ersetzen, fühlte ich außer Erschöpfung wohl nicht viel anderes. Und sicher würde ich all das nicht besser machen als die ausgebildeten Erzieher und die anwesende Kindergruppe im Hort. Zur Erinnerung: wir reden hier nicht von Wochenkrippen ;)

      Daher mein ehrliches Interesse: was machst du mit deinen Kindern den ganzen Tag, was sie woanders nicht hätten?
      Ich mache nichts anderes als du, nur in wesentlich entspannterer Laune. Dadurch, dass ich weniger arbeite, brauche ich weniger Erholungszeit für mich, was das häusliche Miteinander durchaus positiv beeinflusst. Darüber hinaus sind die Kinder wesentlich besser drauf, wenn sie mittags heimkommen statt um 17 Uhr ohne eine echte Rückzugsphase gehabt zu haben. Wir haben weniger Zeitdruck und gehen Vieles mit mehr Ruhe an. Das tut allen Beteiligten gut.

      Außerdem halte ich es für enorm wichtig, dass Kinder Freiräume haben, innerhalb derer sie selbst entscheiden dürfen, was sie gerade tun wollen und was nicht. Dieser Freiraum fehlt mir in der Ganztagsbetreuung. Gleichzeitig fehlt auch die Rückzugsmöglichkeit. Für mich ist es extrem anstrengend, dauerhaft in der gleichen Gruppe von Leuten zu sein, ohne dass ich mich mal alleine absondern und abschalten kann. Den Kindern geht es nicht anders.
    • Für mich wäre es auch der Horror gewesen, hätte ich jeden Nachmittag zusammen mit den anderen in der Schule verbringen müssen. Ich wollte meine Ruhe haben und auch in Ruhe und alleine die Hausaufgaben erledigen. Selbst als Student war es für mich undenkbar, in der Bibliothek der Universität zu lernen. Das ging nur dahein in meinem Zimmer, wo ich alleine war. Ansonsten mit Freunden am Nachmittag spielen oder auch gerne alleine für mich Bücher lesen. Bedingt durch die Berufstätigkeit meiner Eltern waren wir Kinder abends in der Regel alleine, aber das hatte auch funktioniert. Hatte mein Bruder mich zu sehr geärgert, stand ich mit Telefon in der Hand da und drohte, die Eltern im Geschäft anzurufen.
      Unsere Schule hat eine offene Ganztagesschule, wo die Erzieher und Betreuer mit den Kindern gemeinsam in der Schulmensa essen, dann Hausaufgabenbetreuung und Freizeitgestaltung bis 16 Uhr. Bei manchen Schülern bin ich froh, dass sie da einen geregelten Ablauf kennen lernen, bei anderen denke ich auch, dass dies an ihren Bedürfnissen vorbei geht, aber die Eltern keine andere Betreuungsmöglichkeit haben.

      Sarek
    • fraumitklasse schrieb:

      @Krabappel
      Warum muss man immer etwas "mit seinen Kindern machen"? Sollten Kinder am Nachmittag nicht einfach auch mal NICHTS tun dürfen? Rausgehen, Freunde treffen, spielen, lesen, basteln, abhängen, Kind sein... sich auch mal langweilen... Warum muss man sein Kind immer "qualitativ" bespaßen? Das Schlimme an Ganztagsschule ist für mich neben der Enge, dem Lärm und all dem Durchgetaktet-Sein vor allem auch, dass jede Minute unter Aufsicht und mit dem "pädagogischen Auge beobachtet" stattfindet.
      Ich bin Lehrerin an einer Ganztagsschule und kann über Mittag zum Glück nach Hause, weil ich in der Nähe wohne. Könnte ich mir diese Auszeit nicht nehmen, würde ich durchdrehen! Und wenn ich selbst an meiner Schule unter diesen Bedingungen Ganztagskind wäre, würde ich leiden und wäre unglücklich.
      volle Zustimmung! Als ich Kind war kam ich um 13 Uhr aus der schule, habe Hausaufgaben gemacht und dann hatte ich freizeit. Und das bedeutet nicht Exkursion mit Eltern, malen mit Mutti oder Schach mit Vati. Dann hab ich mein Rad genommen und habe Freunde getroffen, habe ferngesehen, gelesen, gemalt etc. Ich hätte gar keine Lust auf permanente pädagogisch wertvolle Bespassung durch meine Eltern gehabt.