Bewertungsschlüssel

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    • plattyplus schrieb:

      Daher ist für mich die Diskussion um etwaige Bewertungsschlüssel eine reine Nebelkerze. Durch die Bepunktung der einzelnen Aufgaben hebelt das jeder von uns gewollt oder ungewollt wieder aus.
      Genau aus diesem Grund verwende ich einen streng linearen Notenschlüssel. Durch die Punktevergabe und die Variation im Anforderungsniveau der Aufgaben ergibt sich die Spreizung von selbst und ist für alle durchschaubar. Der lineare Notenschlüssel hat zudem einen gewaltigen Vorteil:
      Ich kann meine Gesamtpunktzahl beliebig variieren und die Note ohne Tabelle mit dem Taschenrechner schnell abändern, falls ich mich mal beim Addieren vertan haben sollte.

      Wer einem Schüler, der (nur) die Hälfte wusste, eine 5 gibt - und dem Schüler, der gar nichts geschrieben hat, gerade noch eine Notenstufe schlechter, legt das "Leistungsprinzip" schon sehr seltsam aus. Ob sich daraus ein Leistungsanreiz ergibt, wage ich zu bezweifeln. Nun mag ja jemand argumentieren, dass ein Fliesenleger, der die Hälfte des Bades falsch gefliest hat, durchaus ungenügend gearbeitet hat. Wir beurteilen jedoch keine Wandfliesen, sondern Kinder.
      Wenn in einer Fabrik eine Maschine 50% Ausschuss produziert, wird ja auch nicht die gesamte Produktion weggeworfen. Die gute Hälfte wird verkauft - und dann wird geschaut, wie man die Maschine wieder so justiert, dass sie weniger Ausschuss produziert und der Rest kommt ins Recycling. Rohstoff ist nämlich wertvoll.
      Vorurteilsfrei zu sein bedeutet nicht "urteilsfrei" zu sein.
      Heinrich Böll
    • alias schrieb:

      Genau aus diesem Grund verwende ich einen streng linearen Notenschlüssel.
      Und ich verwende eben aus diesem Grund den logarithmischen Notenschlüssel der IHK. Insb. wenn ich Klassenarbeiten baue, bei dem es heißt: "Von den 7 Aufgaben sind 5 zu lösen" und die Schüler können sich aussuchen welche 5 Aufgaben sie lösen wollen, ist der sehr hilfreich, weil ich da einfach allen 5 Aufgaben jeweils 20 Punkte gebe und so am Ende bei 100 Punkten lande. Taschenrechner brauche ich da auch keinen, denn 100 Punkte = 100% und das IHK-Schema habe ich im Kopf, so häufig wie ich es anwende.

      • Sehr gut (1): 100-92%
      • Gut (2): 91-81%
      • Befriedigend (3): 80-67%
      • Ausreichend (4): 66-50%
      • Mangelhaft (5): 49-30%
      • Ungenügend (6): 29-0%
      Um dem von Dir geforderten Leistungsprinzip gerecht zu werden, addiere ich am Ende des Schuljahrs dann auch nicht die Noten zusammen sondern die Punkte. Schreibt jemand also eine Sechs mit 0 Punkten und eine Vier mit 50 Punkten, hat er im Schnitt 25 Punkte erzielt und ist damit immer noch bei einer Sechs rein schriftlich. Die sonstige Mitarbeit kommt dann noch. Da ist dann die eine Notenstufe, die von Dir als zu kleiner Abstand bezeichnet wurde, schon extrem maßgebend.

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    • Entschuldigung, aber ich verstehe nicht, was ein linearer und was ein logarithmischer Notenschlüssel sind. In Berlin durfte bis vor Kurzem jede Schule, ja jede Fachkonferenz ihren eigenen Notenschlüssel/Notenmaßstab festlegen. Jetzt gibt es einen einheitlichen, der normalerweise gelten soll.

      Danach gibt es z.B. die 4 ab 45 Prozent.
    • Iossif Ritter schrieb:

      Entschuldigung, aber ich verstehe nicht, was ein linearer und was ein logarithmischer Notenschlüssel sind.
      Bei uns in NRW steht für manche Bildungsgänge in den Richtlinien "linearer Notenschlüssel, der bei den Noten 1 und 6 abweichen darf". Konkret heißt das, daß der Abstand zwischen den Noten gleich groß sein muß mit Ausnahme der Noten 1 und 6.

      Ein Beispiel dafür:
      • Sehr gut (1): 100-90% --> Spanne 10%
      • Gut (2): 89-75% --> Spanne 14%
      • Befriedigend (3): 74-60% --> Spanne 14%
      • Ausreichend (4): 59-45% --> Spanne 14%
      • Mangelhaft (5): 44-30% --> Spanne 14%
      • Ungenügend (6): 29-0% --> Spanne 29%
      Der Abstand zwischen den Noten beträgt in dem Beispiel immer 15%.

      Logarthimisch ist z.B. der IHK-Schlüssel, weil die Abstände zwischen den Noten nach oben hin immer kleiner werden:
      • sehr gut (1): 100-92% --> Spanne 8%
      • gut (2): 91-81% --> Spanne 10%
      • befriedigend (3): 80-67% --> Spanne 13%
      • ausreichend (4): 66-50% --> Spanne 16%
      • mangelhaft (5): 49-30% --> Spanne 19%
      • ungenügend (6): 29-0% --> Spanne 29%
    • Nö, mit den Eltern habe ich in der Regel gar nichts zu tun. Meine Schüler wüssten einfach nur gerne, wie die Note berechnet wird und das ist auch ihr gutes Recht. Ich erkläre den Jugendlichen aber auch, wie ich die Prüfungsaufgaben gewichte und dass die Notengebung selbstverständlich niemals ganz objektiv geschieht. Tatsächlich ist es aber so, dass wir immer ungefähr zum gleichen Ergebnis kommen, wenn ich mit Kollegen gemeinsam Prüfungen bewerte (Matura z. B.). Ganz so subjektiv, wie hier gerne mal getan wird, ist es dann schon auch wieder nicht. In einem Fach wie Chemie gibt es in der Regel nur "richtig" oder "falsch" und wie viel Gewicht man welchen Aufgaben gibt, da ist man sich als Chemiker eigentlich auch einig, wir unterrichten im Grunde genommen ja alle das gleiche wenn auch die Herangehensweise eine unterschiedliche sein mag.
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      Früher war mehr Lametta!
    • plattyplus schrieb:

      Um dem von Dir geforderten Leistungsprinzip gerecht zu werden, addiere ich am Ende des Schuljahrs dann auch nicht die Noten zusammen sondern die Punkte. Schreibt jemand also eine Sechs mit 0 Punkten und eine Vier mit 50 Punkten, hat er im Schnitt 25 Punkte erzielt und ist damit immer noch bei einer Sechs rein schriftlich.
      Es ist zwar löblich, dass du den statistisch-mathematischen Irrsinn dieser Notenskala erkennst und für die Endnote eine "gerechtere" Lösung anstrebst - zeigt jedoch den Irrsinn auf schönste Art.
      Hatte der Schüler einmal einen schlechten Tag, kann er den Schulbesuch eigentlich einstellen, weil er sich nicht mehr verbessern kann - selbst wenn er 50% der Antwort richtig hatte.

      BTW:
      Kleiner Geschichtstest. 7 Fragen zu Napoleon. Ohne Spickeln bei Wikipedia. Sonst gibt's sofort die 6
      a) An welchem Fluss begann der Russlandfeldzug?
      b) Wie viele Prozent der Soldaten in Napoleons Armee waren Franzosen, wie viele Söldner?
      c) Wie viele Tote forderte der Russlandfeldzug?
      d) Aus welchem Grund blieb das Fürstentum Hohenzollern selbstständig und wurde keinem Königshaus zugeschlagen?
      e) Was hatte Napoleon mit dem Verbot der Turnvereine im Jahr 1820 zu tun?
      f) Auf welcher Insel starb Napoleon - und weshalb? ;)

      Denke daran: 49% richtige Antworten sind nur noch eine mangelhafte Leistung und die Versetzung ist gefährdet!
      Vorurteilsfrei zu sein bedeutet nicht "urteilsfrei" zu sein.
      Heinrich Böll
    • alias schrieb:

      Es ist zwar löblich, dass du den statistisch-mathematischen Irrsinn dieser Notenskala erkennst und für die Endnote eine "gerechtere" Lösung anstrebst - zeigt jedoch den Irrsinn auf schönste Art.
      Der Irrsinn geht noch viel besser, wenn ich an den IHK-Schlüssel denke:
      • Ein Schüler schreibt eine 2 mit 81 und eine 4 mit 50 Punkten. Jede Arbeit hat 100 Punkte. Er hat gesamt 131 Punkte gesammelt. Was würdest Du jemandem geben, der eine 2 und eine 4 geschrieben hat? Vermutlich eine 3?
      • Ein anderer Schüler schreibt zweimal die Note 4, jedesmal mit 66 Punkten. Was würdest Du einem Schüler geben, der zwei 4er geschrieben hat? Wahrcheinlich eine 4? Aber in Summe hat er doch 132 und damit sogar noch einen Punkt mehr gesammelt als der erste Schüler.
      Und genau aus diesem Grund ist bei uns in NRW ja das reine Aufsummieren der Noten verboten. Ich summiere zuerst die Punkte auf und danach bilde ich dann wie gesetzlich gefordert pädagogisch eine Note. Eben damit genau der Fall wie oben beschrieben mit der 3 und 4 vermieden wird.
    • Dieses Beispiel ist vergleichbar mit dem Tennis. Da kann jemand ein ganzes Match gewinnen, obwohl er weniger Gesamtpunkte erzielt hat, weil nach jedem Spiel bzw Satz neu gezählt wird.
      Alles ok, weil die Regeln so sind.
      Genauso in den Schulen. Wenn die Regeln eingehalten werden und sie bekannt und den Schülern transparent sind, haben die unterschiedlichen Schlüssel ihre Berechtigung.
    • alias schrieb:

      BTW:
      Kleiner Geschichtstest. 7 Fragen zu Napoleon. Ohne Spickeln bei Wikipedia. Sonst gibt's sofort die 6
      a) An welchem Fluss begann der Russlandfeldzug?
      b) Wie viele Prozent der Soldaten in Napoleons Armee waren Franzosen, wie viele Söldner?
      c) Wie viele Tote forderte der Russlandfeldzug?
      d) Aus welchem Grund blieb das Fürstentum Hohenzollern selbstständig und wurde keinem Königshaus zugeschlagen?
      e) Was hatte Napoleon mit dem Verbot der Turnvereine im Jahr 1820 zu tun?
      f) Auf welcher Insel starb Napoleon - und weshalb?
      erkenne ich den gedachten Scherzbutton nicht?

      Wer lässt denn solch einen Geschichtstest schreiben??
      pingo, ergo sum
    • Friesin schrieb:

      erkenne ich den gedachten Scherzbutton nicht?

      Wer lässt denn solch einen Geschichtstest schreiben??
      Einfache Antwort:
      Derjenige, der die Themen zuvor im Unterricht behandelt hatte und die Antwort auf diese Fragen als existentiell notwendig für das zukünftige Leben der Schüler erachtet.
      <scherzbutton leuchtet>

      Im Ernst. Bei der Notenvergabe kommt es zuvorderst auf die Fragen, den Sinn der Fragen und die Wertung dieser Antworten an.
      Im genannten Beispiel könnte ich für Frage f) 20 Punkte ansetzen und für die anderen Fragen jeweils nur 1.
      Wenn ich das transparent bereits im Test so vermerke, haben alle ihren Spaß.

      Das Problem mit der nicht linearen Punkteskala hat Plattyplus ja bereits dargelegt. Wenn ich - wie wir in Ba-Wü nicht mit 6, sondern mit 21 Notenstufen agiere und die lineare Skala verwende, ist die Notengebung imho transparenter und gerechter und besser vermittelbar. Wir kommen auf 21 Stufen durch die Verwendung von "plus, minus und bis": 1, 1- 1/2, 2+, 2 ..... 5/6, 6+, 6

      Auflösung des Tests:
      a) an der Memel (siehe erste Strophe der Nationalhymne)
      b) ca. 40% : 60% (nett zu wissen, dass die Herrschaften schon damals andere für sich die Drecksarbeit erledigen ließen)
      c) mehr als 1 Million - nur im Russlandfeldzug, der Großteil erfror. Wie die deutsche Armee vor Stalingrad.
      d) die Fürstin Amalie-Zephyrine war die Kusine von Napoleons Frau und hatte ihre Beziehungen spielen lassen (nett zu wissen, dass bereits damals die Vetterleswirtschaft geschichtliche Bedingungen festgelegt hatten, die bis heute nachwirken. Die Hohenzollern (allerdings nicht aus der schwäbischen Linie) stellten den ersten deutschen Kaiser und zählen noch heute zum finanzstarken deutschen Hochadel und wären - sollte Deutschland wieder Monarchie werden - in der Auswahlliste ganz oben.
      e) Turnvater Jahn hatte seine Turnvereine 1806 aus abgrundtiefem Hass auf Napoleon und die Franzosenherrschaft in Deutschland gegründet, um eine wehrhafte Jugend für den Aufstand heranzubilden. 1817 war Jahn beim Wartburgfest an der ersten neuzeitlichen Bücherverbrennung beteiligt - dabei hatte er auch den "Code Cicil" auf die Liste gesetzt. Nachdem einer seiner Jünger den russischen Generalkonsul ermordet hatte, wurde der Turnverband durch die Karlsbader Beschlüsse verboten. (eigentlich durchaus ein "Nice-to-know)
      f) das weiß man oder guggt Wikipedia.

      ;)
      Vorurteilsfrei zu sein bedeutet nicht "urteilsfrei" zu sein.
      Heinrich Böll

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