B-W-Eisenfrau will Teilzeit von Lehrkräften beschränken

  • In meinem Jahrgang war das ganz anders; man sollte zeigen, dass man alle möglichen technischen Hilfsmittel beherrscht und den Sprechanteil des Lehrers grundsätzlich so gering wie möglich halten.
    Ich würde gerne wissen was damals und auch heute übliche Anforderungen sind und was eher die Ausnahme hinsichtlich der "Show-Stunden" und "Alltagsunterricht".

    Das war auch explizit nur einer der geforderten 5 UBs. Sonst haben wir auch mal den Beamer, OHP... genutzt.


    Und ich glaube die Anforderungen sind von Fachleiterin zu Fachleiter so unterschiedlich... Als ich jetzt Revision für meine Beförderung hatte, hab ich mir noch mal Pläne von anderen angeguckt, als Beispiel und das war echt interessant wie unterschiedlich der Aufbau und die Anforderungen waren.

    Only Robinson Crusoe had everything done by Friday.

  • Auch in meinem Ref. wurde explizit Unterricht gefordert, der nicht "Alltagsunterricht" ist. (Die Ref. sollten unter Beweis stellen, dass sie auf der ganzen Klaviatur spielen können.)

    So war es bei mir vor vielen Jahren auch und was ich von den heutigen LAAs mitbekomme, ist es immer noch so. Materialschlacht mit Einsatz aller zu Verfügung stehenden Medien und Methoden, wenig Sprechanteil des Lehrers. Manchmal hat(te) man den Eindruck, all das zählt in diesen Stunden mehr als der Lernzuwachs.

  • An der beruflichen Schule steht in den meisten Schularten die Handlungsorientierung im Vordergrund.
    Wir mussten unbedingt eine berufliche Handlung im Unterricht einbinden.


    --> berufliche Problemstellung
    --> SuS informieren sich über das Themenfeld, um Problem lösen zu können
    --> Problem wird gelöst (Schüleraktivität!!!) --> Zeichnungen, Arbeitspläne, Berechnungen etc.


    Wenn man sich daran gehalten hat und auch mit den Schülern konnte, kam man schon ziemlich weit.
    Kein Hexenwerk, wenn man berücksichtigt das bei manchen Fachleitern unbedingt eine Gruppenarbeit im Unterricht eingebunden werden sollte.


    In vielen Klassen gibt es bei uns Großprojekte bei denen der Unterricht mehr oder weniger schon steht und an diesen man sich auch halten sollte, da das Projekt parallel zur Schule in den Betrieben gefertigt wird.

    • Offizieller Beitrag

    Von meinem Bäcker/Konditor erwarte ich gute Brötchen (die Definition mag variieren, aber Variationen aller gängigen Brötchen in großer Stückzahl täglich), sowie viele ‚langweilige‘ Nussecken und Blätterteigtaschen, ich bin aber froh zu wissen, dass er in einer vorgegebenen Zeit eine Hochzeitstorte inklusive passenden petits fours zaubern kann.
    DAS erwarte ich von meinem Ref: beides zu können und zwar beides mindestens ausreichend.

  • Von meinem Bäcker/Konditor erwarte ich gute Brötchen (die Definition mag variieren, aber Variationen aller gängigen Brötchen in großer Stückzahl täglich), sowie viele ‚langweilige‘ Nussecken und Blätterteigtaschen, ich bin aber froh zu wissen, dass er in einer vorgegebenen Zeit eine Hochzeitstorte inklusive passenden petits fours zaubern kann.
    DAS erwarte ich von meinem Ref: beides zu können und zwar beides mindestens ausreichend.


    Hallo chilipaprika,


    na ja, ob ich jetzt für meine Hochzeitsfeier eine "ausreichende" Hochzeitstorte von einem Anfänger-Konditor wählen würde... aber klar, ist nur ein Vergleich. Vielleicht aber nicht unbedingt der allerbeste. ;)


    @yestoerty
    Für die tadellos entworfene UB-Stunde benötigt man eben entsprechend ausgefeiltes selbst konzipiertes (in Idealfall) Material und ein - am besten mehrfach vorher schon geprobtes - methodisch reibungslos geplantes Gerüst mit diversen Sollbruchstellen.


    Der Aufwand dafür beträgt bei uns wenigstens drei Tage im Schnitt pro Stunde! Das wird auch implizit erwartet. Das schwebt mir vor, wenn ich von "Show-Stunden" spreche.


    der Buntflieger

  • Der Aufwand dafür beträgt bei uns wenigstens drei Tage im Schnitt pro Stunde! Das wird auch implizit erwartet. Das schwebt mir vor, wenn ich von "Show-Stunden" spreche.

    Womit wir halt wieder bei der notwendigen Übung wären, damit man solche Stunden auch schnell planen und vorbereiten kann (oder aber Abspecken beim persönlichen Perfektionismus). Ich bin weit weg von der Erfahrung meiner Mentoren (oder vieler erfahrender Berufskollegen hier im Forum), aber habe ja doch schon ein paar Jährchen Berufserfahrung im Bildungsbereich vor dem Ref gesammelt samt Unterichtsplanungen, insofern habe ich jetzt im Ref exakt meine ersten vier selbst gehaltenen Stunden geradezu absurd lange geplant (11 Stunden- ohne Worte), um dann rigoros effizienter zu werden ohne dass die Qualität leidet. Meine UBs habe ich dann im 2.Halbjahr in 2-3 Stunden (plus ggf. die Zeit für die Verfassung des schriftlichen Entwurfs = 5-6h) geplant bei sehr guten Bewertungen (Alltagsstunden natürlich deutlich kürzer). Ist immer noch nicht wenig (da geht noch was!!!), aber das sind auch keine drei Tage für eine einzige Vorführstunde (wäre mir nie in den Sinn gekommen, so absurd lange daran rumzudoktern und zu planen, dafür ist mir meine Lebenszeit zu schade. Da lerne ich lieber, wie man nicht nur guten Untericht plant, sondern auch effektiv planen lernt- mein Mentor hat mir diesbezüglich viel beigebracht- und verfeinere das künftig bis hin zur Expertise meines Mentors, der solche "schönen" Stunden mit maximal 30min Aufwand plant heutzutage.). Effektiver planen lerne ich aber nur, wenn ich mir die Mühe mache eben nicht nur Ratzfatz-Alltagsstunden zu planen, für die ich maximal 1-2 Arbeitsblätter erstelle, eine Folie als Einstieg und/oder zur Vertiefung und ansonsten das Buch einbaue, sondern auch immer wieder diese aufwendigeren Planungen angehe. Mit zunehmender Unterrichtserfahrung geht das auch auch deutlich schneller.


    Ja, ich hatte auch Mitanwärter, die bereits für UB-Stunden 3 Wochen vorher begonnen haben Material zu sichten, zu schnibbeln, zu basteln, den Entwurf zu dichten usw. Besser waren die am Ende deshalb aber auch nicht, sie hatten nur weniger Freizeit.

    "Benutzen wir unsere Vernunft, der wir auch diese Medizin verdanken, um das Kostbarste zu erhalten, das wir haben: unser soziales Gewebe, unsere Menschlichkeit. Sollten wir das nicht schaffen, hätte die Pest in der Tat gewonnen. Ich warte auf euch in der Schule." Domenico Squillace

  • @Hochzeitstorte: Wenn ich mir anschaue, was die Konditoren der Gewerbeschule im 3. Lehrjahr an Prachtstücken basteln (gibt immer ne öffentliche Ausstellung, wirklich sehr toll).... Doch, die würde ich jederzeit vom Fleck weg engagieren.


    Ich habe nicht mal meine Probelektion für die Festanstellung an meiner jetzigen Schule 6 h geplant. Das war eine Standartlektion zum Thema "Erdalkalimetalle". Ich hab vorher das Experiment ausprobiert, die Einstellung der Kamera optimiert und ne hübsche ppt gebastelt. Könnten vllt 2 h gewesen sein. Manchmal muss ich schon drüber lachen, was ich hier so lese.


    Ich kann gar nicht recht sagen, wie lange ich zur Vorbereitung brauche, da das bei mir sehr zeitversetzt passiert. Ich habe für meine neue 1. Klasse das komplette Semesterskript jetzt schon geschrieben, das waren etwa 3 volle Arbeitstage wobei ich aber auf viel altes Material zurückgreifen konnte. In den Unterricht gehe ich dann wahrlich ohne explizite Vorbereitung, ich krame maximal ne viertel Stunde vorher mal die Chemikalien zusammen.

  • insofern habe ich jetzt im Ref exakt meine ersten vier selbst gehaltenen Stunden geradezu absurd lange geplant ... Meine UBs habe ich dann im 2.Halbjahr in 2-3 Stunden (plus ggf. die Zeit für die Verfassung des schriftlichen Entwurfs = 5-6h) geplant .... auch effektiv planen lernt-


    Hallo CDL,


    da reden wir evtl. aneinander vorbei: Ich meinte nicht nur die Planung, sondern das Komplettpaket: Also Planung nebst Sichtung von Material, didaktischer Reduktion u. Aufbereitung sowie Materialerstellung nebst methodischer Konzeption und theoretischer Fundierung (Entwurf, Verlaufsskizze, ggf. Vorbereitung des mündlichen Vortrags etc.). Wenn du das alles in 2-3 Stunden schaffst: Hut ab! Ich kenne keinen, der das kann.


    Für meinen schnellsten UB habe ich inkl. schriftlichem Entwurf ca. 12 Stunden benötigt (ohne Pausen), aber das war schon am Limit und nicht unbedingt ein Beispiel für gelungenes Zeitmanagement - der Drucker lief heiß, während ich unter der Dusche stand. ;)


    der Buntflieger

  • sie jetzt mit der Familienplanung starten wollen,

    Ich weiß, deine Aussage ist schon zwei Seiten her, aber hier muss ich doch mal nachfragen.
    Deine Kollegen wollen Teilzeit arbeiten, weil sie planen eine Familie zu gründen? Welchen Sinn hat das?
    Ich verstehe ja, dass man Teilzeit arbeitet, wenn man eine Familie hat, aber vor der Schwangerschaft schon kürzer zu treten, finde ich jetzt unsinnig. Das wirkt sich doch nur negativ auf das Elterngeld aus.

    Gerade in Elternzeit, deshalb fast nur stille Mitleserin :essen:

  • Es ist doch völlig irrelevant, ob man eine Stunde in zehn Minuten oder in zwei Stunden vorbereiten kann.
    Wenn jemand der Meinung ist, seine Stundenanzahl zu reduzieren, um qualitativ guten Unterricht machen zu können, ist das doch im Sinne der Schüler.
    Klar ist es finanziell eine schlechte Idee, aber das steht auf einem anderen Blatt.


    Soviel allgemein gesagt. Für mich persönlich:
    Ich habe mein erstes Jahr nach dem Ref 25 Stunden gearbeitet und habe dann für ein Jahr auf 20 Stunden reduziert, bevor ich wieder auf 25 hoch bin.
    Ich habe das erste Jahr durchaus geschafft - nur nicht nachhaltig.
    Die Stunden, die ich gehalten habe, waren schnell zusammengeschustert, die Aufschriebe dazu so knapp, dass ich später nichts mehr mit ihnen anfangen konnte.
    Deshalb wollte ich ein Jahr - und nicht länger - noch einmal weniger unterrichten, um die Stunden so vorzubereiten, dass ich langfristig was davon habe.
    Meine hastigen Kritzeleien zu den Stunden im ersten Jahr habe ich alle weggeschmissen, die Stunden des zweiten Jahres verwende ich heute noch. Insofern hat sich das Reduzieren für mich gelohnt.

  • IG-Metall-Angestellter: Wenn der Arbeitgeber will, dass wir im Sinne der Kunden ein hochwertiges Produkt in der zur Verfügung stehenden Zeit herstellen, dann muss er entweder mehr Leute einstellen oder den Aufgabenumfang pro Mitarbeiter reduzieren.


    GEW-Lehrer: Wenn der Dienstherr will, dass ich im Sinne der Schüler hochwertigen Unterricht mache, dann muss ich entweder unbezahlte Überstunden machen oder mein Stundendeputat reduzieren.


    Gruß !

  • Mikael und ich sind nicht oft einer Meinung, aber hier sehe ich es genauso. Wenn der Dienstherr zusammengeschusterte Stunden durch die Fülle der Aufgaben und das hohe Deputat bekommen will, kann er sie gern haben.

  • Um den IG-Metall-Vergleich auf die Problemstellung anzupassen:
    Nehmen wir an, dass der Metall-Arbeiter am Anfang jeden Tages zwei Stunden eine neue Gussform herstellen muss, weil sie sich im Laufe des Arbeitstages zu sehr abnutzt.
    Nehmen wir an, ich als cleverer Arbeiter schaffe es, mir (während einiger unbezahlter Überstunden) eine Gussform zu basteln, die sich nicht abnutzt.
    Kann ich dann einfach mein gesamtes Berufsleben lang, bis zur Rente, zwei Stunden pro Tag später auftauchen und genauso viel Geld erhalten wie die anderen Arbeiter, die erst noch ihre Formen herstellen müssen?

  • Nein, aber da unser IG-Metall-Arbeiter clever ist, beruft er sich auf das Gesetz über Arbeitnehmererfindungen und erhält eine angemessene Erfolgsbeteiligung an den zukünftig eingesparten zwei Arbeitsstunden pro Arbeitnehmer, so dass er sich evt. mit 50 Jahren in den Vorruhestand verabschieden kann, während sein GEW-Lehrer-Kollege noch mit 67 Jahren mit Hörgerät und Gehilfe eine pubertierende Klasse bändigen darf...


    Gruß !

    Mikael - Experte für das Lehren und Lernen

  • Ich weiß, deine Aussage ist schon zwei Seiten her, aber hier muss ich doch mal nachfragen.Deine Kollegen wollen Teilzeit arbeiten, weil sie planen eine Familie zu gründen? Welchen Sinn hat das?
    Ich verstehe ja, dass man Teilzeit arbeitet, wenn man eine Familie hat, aber vor der Schwangerschaft schon kürzer zu treten, finde ich jetzt unsinnig. Das wirkt sich doch nur negativ auf das Elterngeld aus.

    Wenn ich das nur wüsste, leider kann ich nur das Ergebnis der Überlegung wiedergeben, welches lautete "ich will schnell Kinder, habe schon das gesamte Studium und Ref über damit gewartet, deshalb fange ich lieber direkt in TZ an". Vielleicht um den persönlichen Stress niedriger zu halten? Meiner Erfahrung nach ist das kein Gesprächsansatz, bei dem man mit rationalen Überlegungen zum Elterngeld punkten kann, weil in solchen Gesprächen anderes im Vordergrund steht (mit dem ich wenig bis nix anfangen kann, insofern ist mit mir dann so ein Gespräch auch recht schnell am Ende; ich habe nunmal keinen sehnsüchtigen Uterus, der seit Jahren auf Aktivierung wartet und bin eine eher undankbare Gesprächspartnerin in solchen Momenten.)

    "Benutzen wir unsere Vernunft, der wir auch diese Medizin verdanken, um das Kostbarste zu erhalten, das wir haben: unser soziales Gewebe, unsere Menschlichkeit. Sollten wir das nicht schaffen, hätte die Pest in der Tat gewonnen. Ich warte auf euch in der Schule." Domenico Squillace

  • Ja ja, das typische Ablauf, nach der Festanstellung aber bitte sofort schwanger werden und danach höchstens noch hobbymäßig ein paar Stunden halten. Der Mann hat ja den "richtigen Job".

  • Ja ja, das typische Ablauf, nach der Festanstellung aber bitte sofort schwanger werden und danach höchstens noch hobbymäßig ein paar Stunden halten. Der Mann hat ja den "richtigen Job".

    Als typischen Ablauf würde ich es jetzt insofern nicht bezeichnen wollen, da einerseits nicht alle Frauen so ticken (sei es in der Kinderfrage oder wenn es um Voll- und Teilzeit geht) und andererseits ich gerade als Frau durchaus Verständnis dafür habe, dass man, wenn man denn Kinder möchte (und womöglich mehr als eins) eben rein biologisch bedingt auch nicht so lange Zeit hat wie Männer (auch wenn man natürlich, bis es soweit ist, durchaus in Vollzeit arbeiten könnte, aber das ist am Ende ja nicht mein Lebensentwurf, geht mich also auch nichts an). Da haben die männlichen Kollegen die nach dem Ref neu einsteigen und vielleicht auch schon Ende 20 sind einfach nochmal mehr Zeit für die Familienplanung und können sich- gesellschaftlicher Stereotype sei Dank- am Ende auch in unserem Beruf einfach viel zu oft noch darauf verlassen. dass ihre Frau/Freundin/Lebensgefährtin den Hauptteil der Kindererziehung schultert und dafür auch beruflich zurückzustecken bereit ist.

    "Benutzen wir unsere Vernunft, der wir auch diese Medizin verdanken, um das Kostbarste zu erhalten, das wir haben: unser soziales Gewebe, unsere Menschlichkeit. Sollten wir das nicht schaffen, hätte die Pest in der Tat gewonnen. Ich warte auf euch in der Schule." Domenico Squillace

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