NRW: Bald mehr Geld für Brennpunktlehrer?

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    • Karl-Dieter schrieb:

      "Brennpunktlehrer" heißt nicht zwangsläufig oder ausschließlich, dass das nur Kinder sind, die Schaufenster einschlagen, andere auf Bahnanlagen kaputt treten oder mit Drogen dealen. Das sind größtenteils ganz normale Kinder, die halt aus bildungsfernen Haushalten kommen und wo die Eltern sich einen Scheiß für Schule interessieren.

      Meine Frau arbeitet als Grundschullehrerin an einer Brennpunktschule (in Essen), die hat in der Klasse keine Disziplinprobleme o.ä., die Kinder sind das kleinste Problem. Da gibt es ja auch viele, die später gut ihren Weg gehen.

      Die Arbeit jedoch deutlich erleichtern würden schon die o.g. Vorschläge (Verringerung des Deputats, mehr Sekretariatsstunden etc)). Problematisch sehe ich auch, dass an diesen Schulen gehäufig Seiteneinsteiger sind, da sich ausgebildete Lehrer eher selten direkt auf diese Schulen bewerben.
      ...nicht nur "einen Scheiß für die Schule", sondern oft leider auch "einen Scheiß für ihre Kinder".
      Was läuft denn an der Schule deiner Frau bspw. "anders"? Das wäre mal interessant, wie sie mit der "üblichen" Brennpunktproblematik umgeht.

      Ansonsten - kleinere Klassen wünschen wir uns wohl alle, nur ist der Staat ja nicht bereit, die dafür erforderlichen Geldmittel lockerzumachen.
      Der Zyniker ist ein Schuft, dessen mangelhafte Wahrnehmung ihn Dinge sehen lässt wie sie sind, nicht wie sie sein sollten. (Ambrose Bierce)
      Die Grundlage des Glücks ist die Freiheit, die Grundlage der Freiheit aber ist der Mut. (Perikles)
      Wer mit beiden Füßen immer felsenfest auf dem Boden der Tatsachen steht, kommt keinen Schritt weiter. (Miss Jones)
      Wenn der Klügere immer nachgibt, haben die Dummen das Sagen - das Schlamassel nennt sich dann Politik (auch Miss Jones)
    • Es hängt von der Region ab. Auf dem Land hast du diese kleinen Klassen. Aber dort hast du in der Regel auch nicht so viel Brennpunkt. Man muss sich also entscheiden: Will man lieber Brennpunkt, teure Mieten und Lärm oder kein Brennpunkt, niedrige Mieten und Ruhe...
      Ich glaube, die Hoffnung bei Lehrern in Brennpunkten ist immer wieder, dass sie vereinzelt doch auf Rohdiamanten stoßen, die es zum gegebenen Zeitpunkt schaffen, sich von ihrem asozialen Umfeld zu lösen und ihr kognitives Potential zu nutzen. Geht aber nur, wenn sie den schlechten Einfluss ihres Umfeldes nicht auch befürworten :/ .
      I am vulnerable, I am raw;
      I am human, I have flaws.
    • Wie geil. Als könnte man sich das groß aussuchen.
      Warum nochmal arbeiten viel mehr Lehrer in der Großstadt als auf dem Land? Wegen der Rohdiamanten, die man dort aufspüren kann, oder vielleicht doch eher weil es in der Großstadt mehr Lehrerstellen gibt als auf dem Land?
    • Insgesamt gibt es sicherlich in den Städten mehr Lehrkräfte, aber nicht überall dort sind die Schulen auch Brennpunktschulen.
      Auf dem Land sind dagegen nicht nur Schulen mit heiler Welt. An unserer Schule waren mehrfach Leute, die gedacht haben, hier sei Bullerbü, und eines anderen überzeugt wurden.

      Davon abgesehen ist der Lehrkräftemangel im Moment groß und jeder Bewerber kann sich aussuchen, an welche Schule er gehen möchte.
      Tatsächlich sind die ländlichen Regionen die, die verzweifelt nach Lehrkräften suchen, die Schulen in den Städten und im Speckgürtel sind in der Regel besser versorgt.
      Es gibt doch recht viele Lehrkräfte, die lieber in der Stadt wohnen möchten und nur wenige davon sind auf längere Fahrzeiten aus.

      Ist das in NRW oder BY anders?

      Letztlich führt der Lehrkräftemangel dazu, dass sich die Bewerber aussuchen können, wo sie unterrichten wollen.
      Abgelegenere Schulen gehören nicht dazu, deshalb ist eine Buschzulage im Gespräch.
      Brennpunktschulen gehören nicht dazu, deshalb ist eine Brennpunkt-Zulage im Gespräch.
      Ob das hilft? Vielleicht ein bisschen.

      Dass an diesen Schulen der Lehrkräftemangel die Lage zusätzlich verschärft, ist nachvollziehbar.
      Der stete Wechsel im Team macht es nicht einfacher.
      Helfen würde den Kollegien auch, wenn sie besser als an anderen Schulen versorgt würden. Das verbessert die allgemeine Versorgung, arbeitet dem steten Wechsel entgegen und hilft allen, die dort arbeiten, zu gleichen Teilen.
      Aber auch das würde ja bedeuten, dass man Geld ausgeben muss, für etwas, bei dem man herrlich sparen kann.
    • Kathie schrieb:

      Also in Bayern (Grundschule) ist es eher so, dass jeder nach dem Ref erstmal nach München versetzt wird. Aufs Land kommt man nicht so leicht.
      Warum ist das so?

      In Nds. sind die Stellen inzwischen fast alle schulscharf, die Junglehrkräfte bewerben sich AUF die Stelle AN der Schule, die Schule hat das Auswahlverfahren, an dessen Ende es eine Rangfolge gibt, die an die Landesschulbehörde gegeben werden.
      Die Bewerber erhalten in der 1. Runde eine Liste aller Schulen, die sie gerne hätten, und wählen dann daraus ihre Stelle aus.

      Ich bin mir ganz, ganz sicher, dass es vor wenigen Jahren so war, dass die Einigung zwischen Schule und Bewerber ausreichten, um den Vertrag zu erhalten und zu unterschreiben. So waren bestimmte Stellen gleich am ersten Tag des Bewerbungszeitraumes besetzt.
      Zurzeit wird die Frist abgewartet, sodass sich alle Schulen äußern können und die Bewerber 7-10 Tage Zeit haben, sich an diversen Schulen vorzustellen und sich selbst ein Bild zu machen.
    • auch in NRW wird sich oft schulscharf beworben, ist sogar eher die Regel.
      Und - also ich kann ja nur für mich sprechen, wieso ich mir den Ruhrpott ausgesucht habe...
      weil mir "das Land" um da zu leben viel zu spießig, piefig und stinklangweilig ist. Und wer meint, im Pott gäbe es dafür keine Natur, war noch nie da.
      Und ja, natürlich ist es hier alles "bunter", "gemischter", meinetwegen auch "Multikulti" - aber das alleine macht keine Brennpunkte. Wobei die sicher in Großstädten in höherer Frequenz vorkommen. Und auch bei mancher Schulform häufiger als bei einer anderen.
      Und wieso ist das so?
      Das sind nicht die Schulen "schuld", denn das "Material" - SuS - kommen ja "von außen", und deren Qualität wird worüber bestimmt? Zumindest größtenteils über Erziehung. Gut, Potential haben sie sicher unterschiedlich, aber gerade was Sozialverhalten und Gesellschaftsfähigkeit angeht, ist das familiäre Umfeld prägend, und wenn da Unfähigkeit/Unwillen/Desinteresse das einzige ist was kommt, entsteht gewissermaßen Sprengstoff. Vor allem, wenn mehrere solcher dann auch noch aneinander geraten...

      Also... Lösungsansätze?
      Mal abgesehen von "deutlich mehr Geld investieren"?
      Der Zyniker ist ein Schuft, dessen mangelhafte Wahrnehmung ihn Dinge sehen lässt wie sie sind, nicht wie sie sein sollten. (Ambrose Bierce)
      Die Grundlage des Glücks ist die Freiheit, die Grundlage der Freiheit aber ist der Mut. (Perikles)
      Wer mit beiden Füßen immer felsenfest auf dem Boden der Tatsachen steht, kommt keinen Schritt weiter. (Miss Jones)
      Wenn der Klügere immer nachgibt, haben die Dummen das Sagen - das Schlamassel nennt sich dann Politik (auch Miss Jones)
    • Also hier bewirbt man sich nicht schulscharf, sondern bekommt eine Schule zugewiesen, erst im Ref und dann auch, sobald man eine Planstelle hat.
      Man darf zwei Wünsche für Schulamtsbezirke angeben, soweit ich mich richtig erinnere. Aber die Stadt hat eben mehr Bedarf und die Lehrer werden dahin verteilt, wo sie gebraucht werden.
      Es werden oft Junglehrer aus Franken nach München versetzt, viele von denen unfreiwillig.
    • München ist sicherlich recht unbeliebt wegen der hohen Mieten. Mit unserem Verdienst kann man gut auskommen, aber in München wird schon sehr viel von der Miete aufgefressen. Das schwierige Klientel kommt noch erschwerend hinzu.
      Ich wohne in der Stadt und fahre raus aufs Land zum Arbeiten. Ist für mich definitiv angenehmer als andersherum: die Straße ist frei und die Kinder vermutlich etwas angenehmer.

      So eine Brennpunktzulage würde mich definitiv nicht motivieren, ein reduziertes Deputat und eine bessere Ausstattung hingegen schon eher. Das bedeutet ja auch, dass man wahrhaftig eine Möglichkeit hat, an der Situation in der Schule etwas zu verändern. Die Brennpunktzulage klingt nach Schmerzensgeld.
    • Kathie schrieb:

      Also in Bayern (Grundschule) ist es eher so, dass jeder nach dem Ref erstmal nach München versetzt wird. Aufs Land kommt man nicht so leicht.
      Kommt auf den Regierungsbezirk an. Deiner ist Oberbayern. Da ist es sicher so, da das Land um München sehr begehrt ist. Ich bin in einem anderen Regierungsbezirk. Alle Referendare, die ich kenne, sind bisher im Regierungsbezirk geblieben. Wharscheinlich gibt es hier hohen Bedarf. Bei uns kamen die Referendare an Schulen, wohin keiner will. Einerseits an Brennpunktschulen in den Städten bzw. im Dunstkreis der Städte und andererseits an Schulen am A... der Welt, also tiefstes Land, nicht selten 50 - 100 km vom jetzigen Lebensmittelpunkt entfernt.
    • Letztlich wird darüber in BY der Lehrermangel ausgeglichen und über die Zuweisung der Stellen werden die Schulen bedient, die freiwillig weniger häufig ausgesucht würden.

      In Nds. gibt es das Korrektiv nicht mehr, weshalb eben diese Schulen über Jahre nur über Abordnungen zusätzliche ausgebildete Lehrkräfte erhalten und ständigen Wechsel haben,
      der Rest wird über nicht ausgebildete Vertretungskräfte ergänzt, die noch häufiger wechseln.