Umgang mit Flüchtlingskindern

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    • Hallo!

      Nachdem ich mich etwas mit entsprechender Literatur beschäftigt habe, habe ich jetzt nochmal eine Frage. Ich habe gelesen, dass Beziehungsarbeit mit traumatisierten Kindern einen besonderen Stellenwert einnimmt. Außerdem, dass es wichtig sei zu sehen, was hinter dem Verhalten des Kindes (lebensgeschichtlicher Hintergrund, …) steckt und sich auch innerlich auf die Beziehung einzulassen, eigene Emotionen zuzulassen…

      Wie seht ihr das?
      Welche "Art" von LehrerInnen-SchülerInnen-Beziehung haltet ihr für angemessen mit traumatisierten Kindern?
      Wie kann man sich die Beziehungsarbeit genau vorstellen / wie am besten vorgehen? (So konkret wurde die Quelle leider nicht)
      Haltet ihr es evtl. für gefährlich /unprofessionell, emotional in solch einer Beziehung zu sein? Wird dadurch nicht auch u.U. eine Grenze als Lehrperson überschritten?
    • Ich halte es für gefährlich und unprofessionell, wenn jemand nicht seine Aufgaben kennt und nicht gelernt hat, wie diese zu bewerkstelligen sind. Dafür hast du ein Studium, Referendariat, Schulgesetz, Schulordnung und Lehrpläne. Niemand kann all das Wissen durch einen Forumspost ersetzen.
    • Heißt ich soll meine Ausbildung abwarten. ^^ Ja, da könntest du schon Recht haben aber es ist sicherlich nicht verkehrt sich schon während dieser Ausbildung, und außerhalb der dort thematisierten Bereiche, vertiefend mit berufsbezogenen Themen und auch Erfahrungen von LehrerInnen auseinanderzusetzen.
      Viele Lehrpersonen kennen ihre Aufgaben vermutlich tatsächlich und wissen, wie sie sie zu bewerkstelligen haben. Ich bin mir aber ziemlich sicher, dass es auch andere gibt - und zwar nicht unbedingt welche, die unprofessionell sind. Es gibt schließlich auch Grauzonen von Aufgaben oder Situationen, die nicht in Uni, Lehrplänen oder Referendariat behandelt werden.
      Außerdem denke ich, dass es insbesondere bei Themen wie "Beziehungsgestaltung", sehr auf die jeweilige Haltung einer Lehrkraft ankommt und für eben diese interessiere ich mich in diesem Zusammenhang, weil es schwer sein kann einzuschätzen oder v.a. zu beurteilen, was tatsächlich angemessen ist. Was bspw. Emotionen von Lehrkräften in Unterricht / Beziehungen zu SuS betrifft, gibt es doch recht ambivalente Aussagen dazu. Und die Beziehung zu einem traumatisierten Kind stellt meines Erachtens eine besondere Form von LehrerInnen-SchülerInnen-Beziehung dar... Ihr habt Erfahrungen damit und deshalb hätte ich mich gefreut eure Einschätzung darüber zu hören.
    • Caroli schrieb:

      Welche "Art" von LehrerInnen-SchülerInnen-Beziehung haltet ihr für angemessen mit traumatisierten Kindern?

      Mikael schrieb:

      Die ganz normale, wie zu allen anderen Schülerinnen und Schülern auch.
      Sehe ich auch so.
      Es sind ja schon einige Beiträge, die darauf verweisen, dass es nicht das eine traumatisierte Kind gibt, dass man es dem Kind nicht generell ansieht, dass es viele unterschiedliche Gründe geben kann, warum ein Kind traumatisiert sein könnte ... oder eben auch nicht.

      Kinder brauchen verlässliche Partner, die aufrichtig mit ihnen sind.
      Als Lehrkraft ist man nicht "die Tante", keine Familie, sonderen nimmt eine besondere Rolle ein.

      Sicher ist man bei jüngeren Kindern in anderer Form zugewandt, als bei jugendlichen oder erwachsenen SuS, die an uns abgeordneten LuL der weiterführenden Schulen bemerken: "Die Kinder beziehen dich in ihr Leben ein, da kann man als Lehrkraft gar nichts gegen machen."

      Aber letztlich stellt man in der Schule verbindliche Regeln für das Zusammenleben auf, an die sich alle halten sollten und nach denen sich alle verhalten.
    • Grauzonen gibt es in der Arbeit mit Menschen meines Erachtens immer, weil eben nicht alles vorhersehbar ist und auch LehrerInnen nicht alles wissen, bzw. umsetzen können, was sie wissen und auch Lehrpläne und die Uni nicht alles abdecken können... Es gibt Dinge, die man in der Auseinandersetzung mit einer Situation lernen muss, sich aber dennoch stückweit vorbereiten kann, wenn man absehen kann, was die Knackpunkte sein könnten (das versuche ich gerade). Zudem sind Grenzen häufig fließend und wenn man auf einem Gebiet Neuland betritt, könnte es passieren, dass man z.B. die Grenzen der eigenen Zuständigkeit über- oder unterschreitet --> beispielsweise in Überforderungssituationen von LehrerInnen…

      Was ist denn z.B., wenn ein traumatisiertes Kind immer wieder in Wutphasen gerät, in denen es z.B. Gegenstände zerstört und andere Kinder oder sich selbst gefährdet, obwohl es die Regeln kennt? Holt ihr euch da immer wieder die Sozialarbeiterin oder Kollegen zur Hilfe? Wie versucht ihr, abgesehen von interdisziplinären Maßnahmen, Regeln und Strukturen zu intervenieren? Und wie verändert ihr die Situation langfristig (insbesondere, wenn ergriffene Maßnahmen nicht fruchten)?
      Ist es da nicht besonders schwer das Gleichgewicht zwischen Distanz und Empathie, zwischen Überforderung und Selbstschutz zu wahren? Und dem betroffenen Kind weiterhin so gegenüberzutreten, wie den anderen Kindern?
    • Caroli schrieb:

      Grauzonen gibt es in der Arbeit mit Menschen meines Erachtens immer,
      Du hast aber immer noch keine benannt.

      Caroli schrieb:

      Ist es da nicht besonders schwer das Gleichgewicht zwischen Distanz und Empathie, zwischen Überforderung und Selbstschutz zu wahren? Und dem betroffenen Kind weiterhin so gegenüberzutreten, wie den anderen Kindern?
      Es ist natürlich anstrengend, verhaltendauffällige Kinder zu unterrichten, keine Frage. Meist ändert sich das Verhalten, wenn Kinder länger anwesend sind und Beziehung da ist. Wenn es sich nicht ändert, laufen zu Hause Dinge massiv schief und andere Lösungen müssen her. Schulartwechsel z.B. oder
      Heimunterbringung. Das liegt aber nicht in unserer Hand, wir können Kontakt zum Jugendamt aufnehmen, im Rahmen des Kinderschutzes. Was dann wer entscheidet beeinflusse ich nicht. Und ja, Schicksale gehen einem auch nahe, wenn sie dich aber in den Schlaf verfolgen, arbeitest du eben nicht mehr professionell (siehe Gelerntes aus Uni, Ref. usw.) dann brauchst du selbst Hilfe. Also im "Normalfall" schafft man es schon, Kinder zu unterrichten, ihnen zuzuhören, sie zu mögen, auch wenn sie ausflippen, ohne dass man sie gleichzeitig retten und adoptieren will.
    • Caroli schrieb:

      Grauzonen gibt es in der Arbeit mit Menschen meines Erachtens immer, weil eben nicht alles vorhersehbar ist und auch LehrerInnen nicht alles wissen, bzw. umsetzen können, was sie wissen und auch Lehrpläne und die Uni nicht alles abdecken können... Es gibt Dinge, die man in der Auseinandersetzung mit einer Situation lernen muss, sich aber dennoch stückweit vorbereiten kann, wenn man absehen kann, was die Knackpunkte sein könnten (das versuche ich gerade). Zudem sind Grenzen häufig fließend und wenn man auf einem Gebiet Neuland betritt, könnte es passieren, dass man z.B. die Grenzen der eigenen Zuständigkeit über- oder unterschreitet --> beispielsweise in Überforderungssituationen von LehrerInnen…
      Ob du es glaubst oder nicht, aber das kann man erst in der Praxis lernen. Bei einer konkreten Frage wendet man sich dann an das Seminar, erfahrene Kollege, Sozialpädagogen, Leute im Forum oder andere Personen mit Fachwissen.

      Caroli schrieb:


      Was ist denn z.B., wenn ein traumatisiertes Kind immer wieder in Wutphasen gerät, in denen es z.B. Gegenstände zerstört und andere Kinder oder sich selbst gefährdet, obwohl es die Regeln kennt? Holt ihr euch da immer wieder die Sozialarbeiterin oder Kollegen zur Hilfe? Wie versucht ihr, abgesehen von interdisziplinären Maßnahmen, Regeln und Strukturen zu intervenieren? Und wie verändert ihr die Situation langfristig (insbesondere, wenn ergriffene Maßnahmen nicht fruchten)?
      Ist es da nicht besonders schwer das Gleichgewicht zwischen Distanz und Empathie, zwischen Überforderung und Selbstschutz zu wahren? Und dem betroffenen Kind weiterhin so gegenüberzutreten, wie den anderen Kindern?
      Was bringt es dir, wenn wir dir 100 verschiedene Fälle schildern, bei deinem Kind aber erst die 101. Maßnahme helfen würde.
      Ja, es ist wichtig Grenzen zu ziehen aber auch die muss man persönlich setzen und kann dir (außerhalb der gesetzlichen Regelungen) keiner vorgeben.

      Deshalb, beende dein Studium, geh ins Ref und schau dann konkret, welche Situationen auf dich zukommen.
    • Caroli schrieb:

      Grauzonen gibt es in der Arbeit mit Menschen meines Erachtens immer, weil eben nicht alles vorhersehbar ist und auch LehrerInnen nicht alles wissen, bzw. umsetzen können, was sie wissen und auch Lehrpläne und die Uni nicht alles abdecken können... Es gibt Dinge, die man in der Auseinandersetzung mit einer Situation lernen muss, sich aber dennoch stückweit vorbereiten kann, wenn man absehen kann, was die Knackpunkte sein könnten (das versuche ich gerade). Zudem sind Grenzen häufig fließend und wenn man auf einem Gebiet Neuland betritt, könnte es passieren, dass man z.B. die Grenzen der eigenen Zuständigkeit über- oder unterschreitet --> beispielsweise in Überforderungssituationen von LehrerInnen…

      Was ist denn z.B., wenn ein traumatisiertes Kind immer wieder in Wutphasen gerät, in denen es z.B. Gegenstände zerstört und andere Kinder oder sich selbst gefährdet, obwohl es die Regeln kennt? Holt ihr euch da immer wieder die Sozialarbeiterin oder Kollegen zur Hilfe? Wie versucht ihr, abgesehen von interdisziplinären Maßnahmen, Regeln und Strukturen zu intervenieren? Und wie verändert ihr die Situation langfristig (insbesondere, wenn ergriffene Maßnahmen nicht fruchten)?
      Ist es da nicht besonders schwer das Gleichgewicht zwischen Distanz und Empathie, zwischen Überforderung und Selbstschutz zu wahren? Und dem betroffenen Kind weiterhin so gegenüberzutreten, wie den anderen Kindern?
      Dein Interesse ist großartig Caroli, aber die Fragen die du stellst sind viel zu hypothetisch, um am Ende konkrete Lösungen für Situationen finden zu können die dir sagen wir in 5 Jahren einmal begegenen könnten. Dir fehlt völlig nachvollziehbarerweise noch einiges an Wissen aus dem Studium und Ref, aber vor allem auch die praktische Berufserfahrung ab dem Ref, die über ein Praktikum hinausgeht. Das macht es nachvollziehbar, warum du selbst noch keine Lösungen für solche Situationen kennst, warum es dir so schwer zu fallen scheint zu akzeptieren, dass am Ende der Umgang mit geflüchteten Kindern weder per se eine besondere Herausforderung sein muss, noch eine größere Herausforderung sein müsste, als der Umgang mit anderen Kindern der eigenen Klasse, von denen eben auch manche verhaltensauffällig sind, manche traumtisiert sein könnten, manche zuhause vernachlässigt werden, manche liebevolle und aufmerksame Eltern haben, manche Deutsch als Fremdsprache lernen oder als Zweitsprache haben und und und.

      So schwer dir das fällt momentan: Akzeptier, dass du erst noch eine Wissens-und Erfahrungsbasis sammeln musst, um zunächst mal von der Idee wegkommen zu können Flüchtlingskinder hätten per se riesige Probleme in der Schule, wären per se eine andere Herausforderung, als der Umgang mit anderen verhaltensauffälligen oder belasteten Kindern deiner Klassen, wären per se traumatisiert und vor allem von dem Aktionismus, den ich deinen Nachfragen ein Stück weit entnehme, die immer wieder deutlich machen, dass dir noch das Bewusstsein fehlt für gesunde Grenzen, die man als Lehrer im Umgang finden muss um selbst gesund bleiben zu können, um tatsächlich helfen zu können, um Mitleid nicht mit Mitgefühl und Empathie zu verwechseln. Wenn du dir sowohl diese Haltung erarbeitet hast, als auch durch Studium und Referendariat notwendiges Wissen in Theorie und Praxis erarbeitet hast (inklusive rechtlicher Regelungen deines Bundeslandes), dann wirst du sehen gibt es erheblich weniger "Grauzonen" (die ich weniger als Grauzonen bezeichnen würde, als als Bereiche, mit einem gewissen Entscheidungsspielraum, um nach einer möglichst professionellen Abwägung eine adäquate Lösung für das betroffene Kind, die Mitschüler, den eigenen Unterricht zu finden- eine Lösung passt niemals für alle Varianten einer Situation) als dir das gerade erscheint mangels Wissen und professioneller Haltung.

      Wenn du in einem folgenden Praktikum oder im Ref konkreten Situationen begegnest für die du vom Erfahrungsschatz des Forums profitieren willst, wirst du nicht nur hilfreiche Antworten bekommen, sondern mit diesen auch etwas anfangen können. Bis dahin sind deine Nachfragen zu hypothetisch um für dich irgendwann einmal zielführend sein zu können oder auch um jetzt die Fragezeichen auflösen zu können die du mangels Berufspraxis noch nicht auflösen kannst in dir und zu denen du auch noch keine professionellen Haltungen entwickeln kannst, die erforderlich wären, um deine Fragen tatsächlich aufzulösen.
    • Milk&Sugar schrieb:

      Was bringt es dir, wenn wir dir 100 verschiedene Fälle schildern, bei deinem Kind aber erst die 101. Maßnahme helfen würde.

      CDL schrieb:

      Dein Interesse ist großartig Caroli, aber die Fragen die du stellst sind viel zu hypothetisch, um am Ende konkrete Lösungen für Situationen finden zu können die dir sagen wir in 5 Jahren einmal begegenen könnten.
      Die Fragen sind hypothetisch, dem kann man nur mit ebensolchen Antworten begegnen.

      Wenn man eine gemischte Schulklasse hat, begegnet man den Kindern gleich und doch auch unterschiedlich.
      Man ist darum bemüht, niemanden vorzuziehen oder zu benachteiligen, sieht sie als Gruppe, sodass sie in diesem Sinne gleiche Forderungen und Anforderungen, Ansagen, Bitten, Aufträge erhalten,
      ebenso sieht man sie alle als Individuum und weiß, dass man jedem Kind einzeln auf unterschiedliche Weise begegnen muss und möchte. Das ist z.B. zu Beginn der 1. Klasse sehr spannend, weil man ja noch nicht weiß, wie die einzelnen Kinder sind und was sie mitbringen, im positiven und im negativen Sinne.
      Da brauchen viele Kinder eine eigene Ansprache, einen Blick, ein Wort, ein Lächeln, mehr oder weniger Unterstützung, Aufmunterung in die eine oder andere Richtung, auch mal Ermahnung, eine deutliche Ansage oder ein ruhiges, reflektierendes Gespräch,
      zudem entwickelt sich auch einiges durch das Zusammenleben in der Klasse, neue SchülerInnen können das Gefüge in der Klasse durchaus durchmischen.

      Bei extrem verhaltensauffälligen Kinder gibt es in der Regel in den Schulen Absprachen
      und man eigenet sich über die Jahre ein breiteres Repertoire an, dessen Register man nach und nach zieht.
      Immer hat es mit Kommunikation zu tun
      und immer mit dem Setzen von Grenzen.
      Da ist die Kommunikation ggf. mit manchen Kindern schwieriger, weil sie deine Sprache nicht verstehen, da sie
      a) eine andere Herkunftssprache haben oder
      b) einen anderen Sprachstil, sodass du als Lehrkraft verständlicher formulieren musst oder
      c) nicht gewohnt sind, dass überhaupt mit ihnen gesprochen wird und diese Worte Sinn haben und die Bedeutung Realität werden kann oder
      d) ihr Sprach-/ Hör- / Wahrnehmungs- und Verarbeitungsvermögen so gering ist, dass sie dir nicht folgen können.
      Dann muss man sich bei der Kommunikation viel Mühe geben.

      Das Setzen von Grenzen ist eigentlich immer gleich,
      es gibt Abstufungen oder Eskalationsstufen, es gibt vielfältige Möglichkeiten der Reaktion oder Sanktion,
      von denen man klassenintern einige nutzen kann oder schulintern bestimmte Verfahren nutzt.

      Zudem gibt es in jedem Bundesland Vorgaben zu Erziehungsmaßnahmen und Ordnungsmaßnahmen, von denen man welche wählen kann
      und in der Regel ist jede Schule in ein Netz eingebunden, innerhalb dessen Außenstehende mit einbezogen werden können - das ist regional sehr unterschiedlich, wie verfügbar SchulpsychologInnen sind, ob es Beratungsstellen gibt oder welche Hilfen man zusätzlich in Anspruch nehmen kann. Auch ändert sich manches recht häufig.

      Milk&Sugar schrieb:

      Ja, es ist wichtig Grenzen zu ziehen aber auch die muss man persönlich setzen und kann dir (außerhalb der gesetzlichen Regelungen) keiner vorgeben.
      Der erste Aspekt ist also, ein breites Repertoire zu erleren, sodass man selbst auf vielen Möglichkeiten wählen kann und sein Handwerkszeug beherrscht,
      der zweite sind Absprachen in der Schule sowie länderspezifische Vorgaben,

      der dritte ist, eigene Vorlieben zu entwickeln, Grenzen auszuloten und über Erleben, Gespräche oder Auseinandersetzung mit dem Handwerkszeug Erfahrungen zu gewinnen und im Alltag dieselben zu reflektieren. Ganz persönlich würde ich sagen, dass sich auch dies über die Jahre als Lehrkräfte entwickelt oder verändert, in Abhängigkeit der eigenen Person, des Erlebens und der Erfahrungen in der Schule.
      Zum Prozess finde ich, dass es unterschiedliche Möglichkeiten gibt, Supervision wird im schulischen Bereich meines Wissens nirgendwo flächendeckend angeboten, "kollegiale Beratung" (als feststehendes Verfahren) ist ein System, das hilfreich sein kann, ebenso wie der Austausch mit KollegInnen im Umfeld oder auch darüber hinaus.
    • Eure "hypothetischen" Antworten sind gut und ich denke, dass es idealerweise auch so laufen kann. ABER seht ihr keine Schwellenbereiche? Woran können solche professionellen Wege scheitern ?? Oder sie zumindest erschweren? (Zusammenarbeit? Haltungen? strukturelle Herausforderungen? Klassengrößen? Inklusion?...?)
      Z.B. mit KuK über SuS-Fälle kommunizieren zu können, klappt das tatsächlich in der Regel? Oder ist man nicht doch meistens sich selbst überlassen?

      Stark verhaltensauffällige Kinder können eine fortwährende Herausforderung bedeuten und ich habe analog (zu dieser Diskussion) teilweise schon den Eindruck gewonnen, dass damit nicht jede Lehrperson und / oder Schule so gut zurecht kommt, sodass deshalb diese Probleme in manchen Fällen auch verlagert werden --> zunächst auf interdisziplinäre Fachkräfte (die die vermeintliche Verantwortung tragen) oder (später) durch Wechsel auf "andere Schulformen". Das kann meines Erachtens nicht die Lösung sein...
      Habt ihr von solchen Problemen auch schon gehört? Wie steht ihr dazu?

      Seht ihr das von euch genannte "Handwerkszeug" auch bei den meisten LUL?

      :pirat:
    • Caroli schrieb:




      Stark verhaltensauffällige Kinder können eine fortwährende Herausforderung bedeuten und ich habe analog (zu dieser Diskussion) teilweise schon den Eindruck gewonnen, dass damit nicht jede Lehrperson und / oder Schule so gut zurecht kommt, sodass deshalb diese Probleme in manchen Fällen auch verlagert werden --> zunächst auf interdisziplinäre Fachkräfte (die die vermeintliche Verantwortung tragen) oder (später) durch Wechsel auf "andere Schulformen". Das kann meines Erachtens nicht die Lösung sein...
      Habt ihr von solchen Problemen auch schon gehört? Wie steht ihr dazu?

      Seht ihr das von euch genannte "Handwerkszeug" auch bei den meisten LUL?

      :pirat:

      ...ja stark verhaltensauffällige Kinder empfinde ich teilweise als Belastung und ich hatte jetzt 2 Jahre ein paar extreme Fälle. Aber es waren immer auch tolle Kinder, kein Kind hat nur schlechte Seiten/Schwächen. Mit der Zeit lernt man damit umzugehen, baut eine Beziehung auf usw. Ich hab dann immer mal wieder was neues ausprobiert und vor allem auch mir Rat bei erfahrenen Kolleginnen geholt. Man wächst an seinen Aufgaben. Ausserdem ist es ja kein "ich such mir die braven Kinder raus". Ich arbeite mit den Kinder, die da sind, so wie sie sind. Da habe ich dann gottseidank die Freiheit meine Methoden und teilweise auch die Themen entsprechend anzupassen

      Und klar geht jeder mit Belastungen anders um.
    • Ich habe jetzt mal alles gelesen. Caroli, schreibst du eine Arbeit darüber oder warum feuerst du hier eine Frage nach der anderen raus?


      Was ich bei LuL sehe, tut ja eigentlich nichts zur Sache, aber zumindest bei uns an der Schule gehen wir mit verhaltensauffälligen Kindern so um, wie es hier lang und breit beschrieben wurde. Das war:

      Beziehungsarbeit leisten, Struktur bieten, Konsequenzen transparent machen und durchsetzen

      weder in Mitleid versinken, noch denken, dass man der einzige Mensch ist, der dieses Kind retten kann; im anderen Worten: gesunden emotionalen Abstand einhalten

      wenn nötig, mit Einverständnis der Eltern Experten hinzuziehen (Dolmetscher, Sozialarbeiter, Psychologe, Psychiater)
    • Das Dilemma dieser ganzen Thematik ist - du kannst da nicht pauschalisieren. Traumata sind etwas sehr individuelles, was daraus "wird" erst recht, und wie verschiedene Leute da reagieren ebenfalls. Wir sind alle keine Psychologen, und wie gut wer jetzt mit welchen SuS umgehen kann, merkst du nur konkret im Einzelfall. Es gibt Fälle, wo du sofort einen "Zugang" findest, aber auch das krasse Gegenteil, und vielleicht sieht es für Kollege A genau andersherum aus.

      Wenn überhaupt irgendetwas "pauschal" gesagt werden kann, dann das: Probiere - vorsichtig - aus, ob und wie du Zugang zu traumatisierten Kindern findest (Traumata haben übrigens nicht nur Flüchtlinge). Wenn das klappt, freu dich und nutze es. Wenn nicht, suche dir dann nach Absprache professionelle Hilfe.

      Worauf du hier hinauswillst, wird mir allerdings nach wie vor nicht klar. Du machst dir mMn zu viel "Sorgen im voraus". Wenn du konkrete Fälle und Fraen dazu hast - da könnten wir vielleicht was zu sagen (wobei auch da nicht garantiert ist, dass dich das dann weiterbringt). Ob jemand gut mit bestimmten Kindern kann, kannst du nicht voraussagen. Das merkst du erst, wenn es soweit ist.
      Der Zyniker ist ein Schuft, dessen mangelhafte Wahrnehmung ihn Dinge sehen lässt wie sie sind, nicht wie sie sein sollten. (Ambrose Bierce)
      Die Grundlage des Glücks ist die Freiheit, die Grundlage der Freiheit aber ist der Mut. (Perikles)
      Wer mit beiden Füßen immer felsenfest auf dem Boden der Tatsachen steht, kommt keinen Schritt weiter. (Miss Jones)
      Wenn der Klügere immer nachgibt, haben die Dummen das Sagen - das Schlamassel nennt sich dann Politik (auch Miss Jones)
    • Caroli schrieb:

      Oder sie zumindest erschweren? (Zusammenarbeit? Haltungen? strukturelle Herausforderungen? Klassengrößen? Inklusion?...?)
      genau, können alle erschweren


      Caroli schrieb:



      Z.B. mit KuK über SuS-Fälle kommunizieren zu können, klappt das tatsächlich in der Regel? Oder ist man nicht doch meistens sich selbst überlassen?
      Ja, klappt bei uns. Und nun?

      Caroli schrieb:

      ...sodass deshalb diese Probleme in manchen Fällen auch verlagert werden --> zunächst auf interdisziplinäre Fachkräfte (die die vermeintliche Verantwortung tragen) oder (später) durch Wechsel auf "andere Schulformen". Das kann meines Erachtens nicht die Lösung sein...
      Was soll das heißen, das kann deines Ersachtens nicht die Lösung sein? Wenn du meinst, Psychiater spielen zu müssen hast du deinen angestrebten Beruf gründlich missverstanden. Es ist nicht deine Aufgabe, zu therapieren und du kannst es auch nicht. Also Finger weg von dieser Idee, du kannst mehr Schaden anrichten als wenn du gar nichts tust. Und Fachkräfte einzuschalten ist NICHT Nichtstun.

      "Vermeintliche Verantwortung" ist im Übrigen eine seltsame Umschreibung für deine Nichtakzeptanz von Zuständigkeiten. Ein*e Sozialarbeiter*in ist nicht verantwortlich für die Verhaltensauffälligkeit, sondern für sein/ihr berufliches Handeln. Auch Schulsozialarbeiter*innen haben einen festgelegten Aufgabenbereich.

      Interdisziplinäres Arbeiten ist Teil unseres Berufes. Zuständigkeiten erkennen ebenso. Dass das nicht immer konfliktfrei ist- geschenkt. Dass Kinder nicht von heute auf morgen geheilt werden- ist so. Damit müssen wir leben lernen.
    • ^^ wohl beides klassische Lehrerattribute: Das Fragen und das Hinterfragen....


      Ich wollte ursprünglich eure Einschätzung zu den konkreten "Fällen" / Situationen wissen, die ich beobachtet hatte und die mich eben anhaltend beschäftigen. Nachdem ich keine pauschale Antwort aber viele interessante Einwürfe von euch erhalten habe, war ich dankbar für euer Fachwissen und habe mir weitere Gedanken gemacht, die wieder Fragen aufgeworfen haben...
      Zuletzt hatte ich in erster Linie das Bedürfnis etwas von den Sollzuständen und Lehrbuchlösungen weg und hin zu dem zu kommen, wie es sich im realen Schulalltag tatsächlich gestaltet. Ich finde es großartig, wie viel pädagogisches Wissen und inhaltliche Kenntnisse ihr habt und konnte davon lernen, nach außen hin kann die Diskussion aber den Eindruck erwecken, als wäre das, was LuL da täglich leisten für jeden zu meistern, der irgendwann eine professionelle Haltung gewonnen und Erfahrungen gesammelt hat. Ich wollte herausgestellt sehen, dass das eine Menge fortlaufender Arbeit bedeutet - so kommt es mir zumindest bisher vor. Außerdem, was ja grundsätzlich gut ist, scheinen hier die meisten durchgängig der gleichen Meinung zu sein. Ich habe allerdings außerhalb dieses Forums auch schon ganz andere Eindrücke gewonnen, nicht zuletzt aus den Medien...

      Es geht mir also letztlich darum herauszustellen (für mich und andere), wie es wirklich ist und wo die Möglichkeiten (die habt ihr ja zur genüge beschrieben) aber auch Herausforderungen und Hindernisse für LuL liegen.

      Es ist richtig, dass da zunächst auch Zukunftssorge eine Rolle gespielt hat. Die Praktikumszeit war toll und erfahrungsreich, hat aber auch viele Fragen aufgeworfen und in Bezug auf das Thema "Umgang mit Traumata" einiges in mir ausgelöst, sodass ich nicht einfach abwarten wollte bis ich im Berufsleben stehe...
    • Krabappel schrieb:



      Krabappel schrieb:

      Was soll das heißen, das kann deines Ersachtens nicht die Lösung sein? Wenn du meinst, Psychiater spielen zu müssen hast du deinen angestrebten Beruf gründlich missverstanden. Es ist nicht deine Aufgabe, zu therapieren und du kannst es auch nicht. Also Finger weg von dieser Idee, du kannst mehr Schaden anrichten als wenn du gar nichts tust. Und Fachkräfte einzuschalten ist NICHT Nichtst
      Soll heißen, dass wir als LehrerInnen selbstverständlich NICHT psychische Erkrankungen diagnostizieren oder Kinder therapieren ABER eben Kinder, mit denen wir aufgrund von solchen Erkrankungen / Verhaltensauffälligkeiten Schwierigkeiten haben (die sich nicht durch die üblichen Erziehungsmaßnahmen oder das gegenwärtig erarbeitete Handwerkszeug beheben lassen) NICHT als unbeschulbar (oder was auch immer) betrachten und weiterreichen oder uns von unserer Verantwortung für Bildung / Erziehung / Entwicklung loslösen, bzw. sie abschieben (seien es andere Fachkräfte, wie z.B. die Sozialarbeiter, oder Förderschulen...). Schon klar, dass interdisziplinäre Zusammenarbeit, Reflexionen und kollegialer Austausch im Zusammenhang mit verhaltensauffälligen (insbesondere traumatisierten) Kindern wichtig sind. Und dass man sich Hilfe suchen können muss, wenn man selbst nicht weiter weiß....
    • Caroli schrieb:

      (...)
      Zuletzt hatte ich in erster Linie das Bedürfnis etwas von den Sollzuständen und Lehrbuchlösungen weg und hin zu dem zu kommen, wie es sich im realen Schulalltag tatsächlich gestaltet. Ich finde es großartig, wie viel pädagogisches Wissen und inhaltliche Kenntnisse ihr habt und konnte davon lernen, nach außen hin kann die Diskussion aber den Eindruck erwecken, als wäre das, was LuL da täglich leisten für jeden zu meistern, der irgendwann eine professionelle Haltung gewonnen und Erfahrungen gesammelt hat.
      Das ist ein Forum von Lehrkräften für Lehrkräfte (und angehende Lehrkräfte), kein Forum, um Außenstehenden ohne Schreibberechtigung die die professionellen Erfordernisse und Belange des Schuldienstes weder kennen noch einschätzen können über unser Berufsprofil und unsere beruflichen Herausforderungen aufzuklären. Wer den Eindruck haben möchte, "jeder kann Lehrer"- den die Einstellungspolitik der Länder durchaus an der einen oder anderne Stelle ungünstig fördert- den wird auch solch ein Thread nicht eines Besseren belehren. Wer jetzt schon wissen will, welchen Herausforderungen Lehrkräfte sich tatsächlich stellen müssen, kann das wissen, nachlesen oder auch einfach erfragen. Einen Thread zur "Imagepflege" braucht es nun wirklich nicht. (P.S.: Fang erstmal damit an die Lehrbuchlösungen zu lernen und pass diese dann anhand der Realität deiner Berufspraxis an wo nötig. Ohne echtes Wissen als Basis wird es schwer etwas im Alltag anzupassen, denn dann musst du anfangen Lösungen zu erraten oder auch konstant das Rad neu zu erfinden, statt sinnvolles Fachwissen praxistauglich umsetzen zu lernen und für deine Zielgruppe/berufliche Herausforderungen nicht Hilfreiches bewusst auszusortieren.)

      Caroli schrieb:


      Ich wollte herausgestellt sehen, dass das eine Menge fortlaufender Arbeit bedeutet - so kommt es mir zumindest bisher vor. Außerdem, was ja grundsätzlich gut ist, scheinen hier die meisten durchgängig der gleichen Meinung zu sein. Ich habe allerdings außerhalb dieses Forums auch schon ganz andere Eindrücke gewonnen, nicht zuletzt aus den
      Medien...
      "Die Medien" ist eine recht schwammige Angabe, denn da gibt es eine große Spanne an mehr oder minder seriösen Artikeln und Journalisten die sich mal mehr, mal weniger Mühe bei ihren Artikeln machen die Vielfalt die der Bildungsföderalismus mit sich bringt adäquat darzustellen. Lehrer_in ist ein Beruf, der natürlich eine Menge fortlaufender Arbeit bedeutet. Wenn du später mal im Beruf das Gefühl hast das gehe in deinem Umfeld unter kannst du das herausstellen und vielleicht etwas bewirken- zumindest in deinem Nahbereich. Abgesehen davon muss man sich da auch ein dickes Fell zulegen. Du weißt was du machst (und kennst hoffentlich künftig auch deine Grenzen) also ein gesundes Selbstwertgefühl und gesundes Selbstvertrauen zulegen und weniger das Bedürfnis haben, der Rest der Welt müsste das doch genauso sehen und verstehen wie du.

      "Ich wollte herausgestellt sehen" liest sich für mich nach akademischer Diskussion im Elfenbeintürmchen. Stell heraus was dich glücklich macht, aber erwarte nicht, dass Lehrkräfte in einem professionellen Forum konstant dasselbe Bedürfnis haben; wir wissen auch ohne uns dessen gegenseitig konstant zu versichern nämlich sehr genau voneinander welcher Art unsere fortlaufende Arbeit ist, trotz aller Unterschiede von SuS, Schularten, Bundesländern und ihrer Bildungssysteme.
      Als Lehrkraft versteht man sehr früh, dass man seine Arbeit nicht besser macht, wenn man Grenzen der Zuständigkeit negiert und auch den eigenen SuS damit nicht besser hilft, sondern es ein zentraler Baustein unserer Berufes ist mit anderen Professionen eng zusammenzuarbeiten. Dabei geht es nicht darum Verantwortung abzuschieben, sondern Kindern und Jugendlichen mit entsprechenden gesundheitlichen, familiären oder anderen Problemen die über den Unterricht hinausreichen und sich in diesem lediglich mit auswirken zu helfen. Die Verantwortung für den eigenen Unterricht lässt sich nicht abgeben. Lehrkräften muss man das nicht erklären, ebensowenig, wie das ein Punkt ist, an dem wir uns ernsthaft untereinander uneins sein könnten, insofern ist es wenig überraschend, dass die Art deiner Nachfragen an vielen Stellen zu sehr einheitlichen Antworten führen, da es eben simple gemeinsame Basis ist, die du mangels entsprechenden Wissens abfragst. Uneins sind wir uns auch in diesem Forum oft genug und auch im alltäglichen Handlen gibt es natürlich auch bei allen die sich hier im Thread ähnlich äußern größte Unterschiede, weil jeder von uns anders tickt, weil Klassen, Schüler, Situationen, Schulen... unterschiedliche Nuancen von Handlungen erfordern, die doch auf dasselbe hinauslaufen können.

      Caroli schrieb:


      Es geht mir also letztlich darum herauszustellen (für mich und andere), wie es wirklich ist und wo die Möglichkeiten (die habt ihr ja zur genüge beschrieben) aber auch Herausforderungen und Hindernisse für LuL liegen.
      Es ist richtig, dass da zunächst auch Zukunftssorge eine Rolle gespielt hat. Die Praktikumszeit war toll und erfahrungsreich, hat aber auch viele Fragen aufgeworfen und in Bezug auf das Thema "Umgang mit Traumata" einiges in mir ausgelöst, sodass ich nicht einfach abwarten wollte bis ich im Berufsleben stehe...
      Nochmal: Schaff dir erstmal die Basis heran durch Studium, Praktika, Ref, ehe du aus der Retorte heraus und ohne das erforderliche Fachwissen oder die praktische Erfahrung Scheinlösungen suchst, die dich jetzt vielleicht zu beruhigen vermögen, am Ende aber in den konkreten Situationen denen du begegnen könntest wirkungslos bleiben könnten, weil sie eben nicht zu deinen künftigen SuS, deren Bedürfnissen, der tatsächlichen Problemlage, dir selbst als Lehrkraft passen. Wenn du dich jetzt mit etwas beschäftigen möchtest abgesehen von deinem Studium, dann arbeite daran dich von dem Bedürfnis frei zu machen in einem Internetthread der nur von Interessierten gelesen wird, nicht von Menschen, die sich mit einer Fehlwahrnehmung des Berufs begnügen möchten, Herausforderungen und Hindernisse von Lehrkräften im Beruf herauszustellen zur Korrektur der öffentliche Wahrnehmung des Berufsbilds.