Haben es Frauen im Beruf ggf. schwerer?

  • Guten Tag,


    seit einigen Tagen treibt mich, nach einem Gespräch mit einer Kollegin, ein Thema um, zu dem ich gerne eure Meinung hören würde. Ich habe gelegentlich den Eindruck, dass es Lehrerinnen im Umgang mit Klassen schwerer haben als Männer. Desöfteren beobachte ich, dass bestimmte Verhaltensweisen bei männlichen und weiblichen Kollegen von den Schülerinnen und Schülern unterschiedlich bewertet werden.


    Ich denke mal in Schubladen, um meinen Punkt zu verdeutlichen: Es gibt ja Kollegen, die eher so der Kumpeltyp sind, dafür von den Schülern gemocht werden, weil es bei ihnen auch authentisch ist, und die dementsprechend disziplinarisch wenige bis keine Probleme mit den Klassen haben. Ich habe den Eindruck, dass dies bei Kollegen eher toleriert wird, während ein solches Verhalten bei Kolleginnen eher als Anlass genommen wird, ihre Autorität zu untergraben, usw.
    Es geht mir nicht darum, dass es natürlich auch diesen besagten Kumpeltyp bei Kollegen gibt, denen das gleiche passiert. Ich habe lediglich den Eindruck gewonnen, dass Lehrerinnen eher davon "bedroht" sind (mir fehlt ein besseres Wort), dass ihre Autorität infrage gestellt wird. Wenn dem so ist, liegt das wohl an bestimmten Rollenbildern, die die Schülerinnen und Schüler von zuhause mitbringen.


    Mich würde lediglich interessieren, ob das ein Eindruck ist, den auch andere hier gewonnen haben oder ob das Zufall ist, dass mir das schon öfter begegnet ist.

  • Ja und deshalb bin ich für das Fach Ökonomie, Geschlecht und Berufswahl.


    In der Schule erzählt den Mädchen nämlich niemand, dass sie später mal viel weniger verdienen und meist in schlechten Berufen wie Pflege, Erziehungsdienst oder ähnlichem landen.
    Das hat etwas mit der Sozialisation zu tun und der mangelnden Förderung bestimmter Fähigkeiten.


    Es ist ja kein Eindruck, sondern eine Tatsache, dass Frauen in bestimmten Berufen viel weniger verdienen.


    Da kann man jetzt den Lehrerberuf nicht unbedingt als Beispiel nehmen.

    • Offizieller Beitrag

    Um auf die gestellte Frage zu antworten:


    Ich würde sagen nö, ist nicht meine Wahrnehmung in meinen bisherigen Schulen in den vergangenen 15 Jahren.


    Ob jemand davon bedroht ist, dass seine / ihre Autorität in Frage gestellt wird, hängt nicht vom Geschlecht sondern von der Persönlichkeit ab (gleich kommt hier wieder "Aber meine Lieblingsstudie sagt, dass es keine Lehrerpersönlichkeit gibt, und alle anderen aus der echten Schulwelt, die anderes behaupten, haben Unrecht!").
    Rollenbilder von zuhause kann man auch gerne austreiben.


    Falls jemand dazu eine Studie hat, gerne her damit.

    Bolzbold #5

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  • Es ist ja kein Eindruck, sondern eine Tatsache, dass Frauen in bestimmten Berufen viel weniger verdienen.

    Willst du sagen, dass bestimmte Berufe schlecht bezahlt werden, oder meinst du, dass Männer und Frauen in denselben Berufen unterschiedlich bezahlt werden?

  • @tabularasa
    Ich glaube, deine Antwort passt nicht so ganz zur Frage. Denn dort ging es doch um ein Autortätsproblem bei Lehrerinnen und nicht um generelle Benachteiligung im Job.


    Zur Ausgangsfrage:
    Meine Erfahrung ist, dass Lehrerinnen nicht anders vom Nicht-Ernst-Nehmen betroffen sind als männliche Kollegen. Eher haben Leute, die nicht authentisch sind, ein Problem. Ob sich Frauen eher meinen, irgendwie geben zu müssen und damit nicht zu sich selbst stehen, kann ich nicht wirklich beurteilen. Dazu ist meine Erfahrung statistisch nicht aussagekräftig genug.

    Die Weisheit des Alters kann uns nicht ersetzen, was wir an Jugendtorheiten versäumt haben. (Bertrand Russell)

  • Wieso sollten Mädchen später automatisch weniger verdienen, als die Jungen in der Klasse? Die könne aich auch dazu entscheiden, Mathe als LK zu wählen, dann Informatik studieren und, bei entsprechender Persönlichkeit, die Karriereleiter raufklettern.
    Auch in gleichen Berufen verdienen Frauen nicht automatisch weniger. Manche verdienen mehr als ihre männlichen Kollegen, andere weniger.
    Du machst, wie so viele Menschen, den Fehler, aus Statistik auf das Individuum zu schließen und daraus eine allgemeine, unumstößliche Regel abzuleiten.



    Um die eigentliche Frage zu beantworten: nein, das liegt nicht am Geschlecht, sondern an der Persönlichkeit. Ich habe weibliche Kollegen, die sind gefühlte 1.50m groß und haben ihre Klasse fest im Griff; und männliche Kollegen, die am Rudern sind.

  • Meiner Erfahrung nach werden Frauen genauso ernst genommen wie Männer. Nicht ernst genommen werden KollegInnen, die
    - nicht authentisch auftreten (wie MariJ sagte)
    - nicht souverän genug auftreten und sich nicht durchsetzen können / wollen, also alles durchgehen lassen
    - nach dem Motto "Hü und Hott" arbeiten (erst Bestrafen, dann wenn Tränen kommen wieder zurück nehmen)

  • Ich habe Kolleginnen, die sich einbilden speziell von den Männern weniger ernst genommen zu werden. Die merken allerdings nicht, dass 1. ich mit exakt den gleichen Männern, die in der Regel zwei Köpfe grösser sind als ich, gar kein Problem habe und 2. sie selbst mit den Frauen auch Probleme haben. Frauen beziehen Disziplinarprobleme häufiger auf ihr Frausein was ich als Frau wiederum furchtbar mühsam finde. Zumindest in meinem Kollegium werden effektiv die Frauen aber genauso ernst genommen wie die Männer.

  • Genau, so (wie Flipper) sehe ich es eigentlich auch. Es gibt bei Lehrern wie Lehrerinnen solche und solche Typen.


    Ich spreche vom Gymnasium. Ich weiß nicht, ob es in anderen Schularten vielleicht anders ist?

    Nö, an anderen Schularten arbeiten auch nur Menschen, ist somit als keine Frage der Schulform. :)

    "Benutzen wir unsere Vernunft, der wir auch diese Medizin verdanken, um das Kostbarste zu erhalten, das wir haben: unser soziales Gewebe, unsere Menschlichkeit. Sollten wir das nicht schaffen, hätte die Pest in der Tat gewonnen. Ich warte auf euch in der Schule." Domenico Squillace

  • Ich habe nicht den Eindruck, dass die Disziplin vom Geschlecht der Lehrendem abhängt.
    Ich hatte auch noch nie den Eindruck, dass bei den „Kumpeltypen“ Disziplin herrscht. Ich kenne da nur die, die mit den Schülern abhängen und keine Anforderungen stellen.

  • Entschuldigt, ich bin verrutscht.


    Worauf es meiner Meinung nach ankommt:


    - Größe (ein nicht zu unterschätzender Faktor). Es ist ein Unterschied, ob ein 2 Metermensch in den Raum kommt oder eine Frau von 1,58


    -Tonlage und Darstellung (man kann mit Stimme und Körperhaltung ganz viel machen


    - Durchsetzungskraft (Nicht: Antonia, hol doch bitte mal die Kreide). Stattdessen: Antonia, du holst die Kreide!

  • Wieso sollten Mädchen später automatisch weniger verdienen, als die Jungen in der Klasse? Die könne aich auch dazu entscheiden, Mathe als LK zu wählen, dann Informatik studieren und, bei entsprechender Persönlichkeit, die Karriereleiter raufklettern.Auch in gleichen Berufen verdienen Frauen nicht automatisch weniger. Manche verdienen mehr als ihre männlichen Kollegen, andere weniger.
    Du machst, wie so viele Menschen, den Fehler, aus Statistik auf das Individuum zu schließen und daraus eine allgemeine, unumstößliche Regel abzuleiten.



    Um die eigentliche Frage zu beantworten: nein, das liegt nicht am Geschlecht, sondern an der Persönlichkeit. Ich habe weibliche Kollegen, die sind gefühlte 1.50m groß und haben ihre Klasse fest im Griff; und männliche Kollegen, die am Rudern sind.

    Weil Frauen erstmal „am Schwanz des Chefs“ vorbei müssen.
    https://www.zeit.de/2019/34/di…22%3A%22Facebook%22%7D%7D

  • CLD: Seh ich anders: An Grund- und Hauptschulen/Mittelschulen braucht ein/e Lehrer/in andere Fähigkeiten (abgesehen vom Fachwissen), es steht zB noch mehr die pädagogische Arbeit im Vordergrund als am Gymnasium.
    Daher könnte ich mir schon vorstellen, dass das eine Rolle spielt.
    Warum sind an den Grundschulen überwiegend Lehrerinnen, an den Gymnasien ist es glaube ich relativ ausgeglichen. Wie ist es an Haupt-/Mittelschulen?

  • Ja, an die Körpergröße und Stimme hab ich auch schon gedacht. Ich habe mit beidem kein „Problem“, aber stelle es mir schwierig vor, wenn ich einen Kopf kleiner wäre und eine dünne Stimme hätte.

  • Diese Meinung ist umabhängig von Erfahrung, oder?


    Ich bin 1,60 m „groß“. Untergangen ist bei uns ein Kollege, der etwa 2 m groß ist.
    Auf Höflichkeit zu verzichten, hat nichts mit Durchsetzungskraft zu tun.
    Respekt ist eine gegenseitige Sache. Meine Schüler bringen mit Respekt entgegen, weil ich ihnen mit Respekt begegne.
    Mit solchen Befehlen würde man bei meinen Schülern voll vor die Wand rennen.
    Allerdings hole ich meine Kreide lieber selbst. Bis die Schüler sich geeinigt haben wer das machen darf, bin ich dreimal zurück

  • Also mit Größe hat das gar nichts zu tun. Vor meiner Mathelehrerin in der 5.-7. hatten wir alle Respekt, vielleicht sogar Angst. Die war ca. 1,50.
    Das hat was mit Ausstrahlung zu tun.
    Ausstrahlung hat wiederum mit Authentizität zu tun. Und dann ist es egal wie groß man ist, welches Geschlecht man hat und ob man autoritär oder kumpelhaft ist. Entweder man strahlt es aus, oder halt nicht.
    Wir haben genug Kollegen (gerade Sportlehrer), die sehr kumpelhaft sein können und trotzdem Respekt erhalten und Autorität haben. (Obwohl Sport LK von vielen Schülern echt unterschätzt wird und es da einige Defizite gibt. Hat also auch nichts mit Spaßfaktor und Noten zu tun.)

    Only Robinson Crusoe had everything done by Friday.

  • Das erlebe ich auch nicht so. Schüler*innen mögen meiner Erfahrung und Beobachtung nach (muss aufgabenbedingt öfter bei fremden Kollegen hospitieren) und nach der Erzählung meines älteren Kindes
    - Humor
    - Selbstbewusstsein/Gegenteil von Allespersönlichnehmen
    - Konsequenz/Durchsetzungsvermögen ohne Aggression
    - Ahnung vom Fach
    - Souveränität
    - Warmherzigkeit/Verständnis für Spleens und emotionale Ausnahmesituationen
    - Gerechtigkeit


    Diese Fähigkeiten und Eigenschaften erkenne ich bei manchen Menschen mehr als bei anderen, diese haben ihre Klassen auch "im Griff".


    Ich habe weder den Eindruck, als wären Männer da begnadeter, noch habe ich den Eindruck, als ob diese Attribute bei Frauen dazu führen würden, dass sie sich gerade deswegen nicht durchsetzen könnten.


    "Kumpeltyp" kenne ich nur vom Hörensagen. Was macht den genau aus?

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