Ich bin die Lehrerin meines Sohnes

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    • Susannea schrieb:

      In Berlin schon, sonst ginge das ja gar nicht mit verlässlicher Halbtagsgrundschule!
      In Nds. läuft es seit 2000 ohne,
      5 Zeitstunden werden gewährleistet.
      Damals wurde der Stundenplan entsprechend gestreckt, sodass die Lehrkräfte über offenen Anfang und Pausen die meiste Zeit abdecken,
      mittags gibt es für Klasse 1 und an drei Tagen für Klasse 2 eine Stunde Betreuung von zusätzlichen Kräften.

      Lehramtsstudent schrieb:

      Konkretes Personal, das ich meine:
      - Schulleitung (an vielen Schulen nur noch im administrativen Bereich tätig)
      - FSJler
      - Referendare
      - Vertretungslehrkräfte (inzwischen arbeiten einige Lehramtsstudenten bereits stundenweise an Schulen)
      - sozialpädagogische Fachkräfte, Erzieher und UBUS
      - Schulbegleiter und Förderschullehrer
      Ja. So kann man sich das vorstellen, wenn man vom Hörensagen meint, man wisse, wie es läuft, und alle günstigen Optionen, die man je aufgeschnappt hat, zusammenschreibt.

      Die Realität?
      • Die SL an einer kleinen GS hat 16-18 Unterrichtsstunden.
      • FSJler gibt es nur an Ganztagesschulen, etwa die Hälfte aller Grundschulen.
      • Referendare haben 2 Seminartage und an den verbleibenden Tagen 4-10 Std. eigenverantwortlich, wenn es eng wird, wird die Mentorin woanders unterrichten und die Referendarin allein in der bekannten Klasse lassen.
      • Vertretungslehrkräfte kann man beantragen, wenn eine Lehrkraft mehr als 6 Wochen ausfällt ... und wartet viele Wochen, bis man einen Teil dieser Stunden durch Vertretungen ersetzt bekommt, wenn man eine Vertretungskraft findet UND diese auch an dieser Schule bleiben darf und nicht abgeordnet wird - bis dahin müssen die Lehrkräfte und die pädagogischen MitarbeiterInnen einspringen. Fern einer Uni ist es nicht leicht, überhaupt jemanden zu finden, der bereit ist, für weniger Geld von Oktober - Anfang Januar und von März - Ende Mai zu arbeiten, dazwischen beim Arbeitsamt zu bitten
      • Sozialpädagogien und Erzieher gibt es hier nicht an Grundschulen - was sind UBUS?
      • Förderschullehrkräfte kommen stundenweise, sie gehen in den Unterricht, wenn es eng wird
      • Schulbegleiter gehen NICHT in den Unterricht, schon gar nicht in fremden Klassen, in der Regel haben sie genug mit dem Kind zu tun, das ihnen anvertraut wird - gerade darum heißt es "Einzelfallhilfe".


      Nachtrag: Ich finde schon erstaunlich, dass @Susannea zeitgleich das Gleiche aus einem anderen BL schreibt.
    • Ob ihr das glaubt oder nicht, aber es gab all das in einer (zweizügigen) Schule in viertelstündiger Entfernung von meinem Wohnort. Also nicht ausgedacht... Ob das repräsentativ ist, weiß ich nicht, ob es aber Schulen gibt, bei denen all diese Optionen entfallen? Mmm... Dann sähe es in der Tat schwierig aus.
      I am vulnerable, I am raw;
      I am human, I have flaws.
    • Lehramtsstudent schrieb:

      Konkretes Personal, das ich meine:
      - Schulleitung (an vielen Schulen nur noch im administrativen Bereich tätig)
      - FSJler
      - Referendare
      - Vertretungslehrkräfte (inzwischen arbeiten einige Lehramtsstudenten bereits stundenweise an Schulen)
      - sozialpädagogische Fachkräfte, Erzieher und UBUS
      - Schulbegleiter und Förderschullehrer

      Wenn die alle krank sind und noch die Hälfte des Stammlehrerpersonals, dann können wir Panik kriegen - sonst wäre es ein bisschen verfrüht...
      Die inhaltliche Abarbeitung hat Susannea schon geleistet, der ich mich nur anschließen kann. Ergänzend möchte ich hinzufügen, dass bei uns seit diesem Schuljahr noch nicht einmal die Hausaufgabenbetreuung im Ganztag von Personen geleistet werden darf ohne volle Lehrbefähigung. Die Ergebnisse waren derart ernüchternd und die Beschwerden der Eltern so umfassend, dass dafür bei uns jetzt Lehrkräfte eingesetzt werden (wird voll aufs Deputat angerechnet). Die Leute die das vorher gemacht haben jetzt plötztlich zu Feuerwehrlehrkräften erklären zu wollen, wäre selbst dann absurd, wenn das rechtlich möglich wäre, was zumindest in BW nicht der Fall ist.
    • Palim schrieb:

      In Nds. läuft es seit 2000 ohne,
      5 Zeitstunden werden gewährleistet.
      Damals wurde der Stundenplan entsprechend gestreckt, sodass die Lehrkräfte über offenen Anfang und Pausen die meiste Zeit abdecken,
      mittags gibt es für Klasse 1 und an drei Tagen für Klasse 2 eine Stunde Betreuung von zusätzlichen Kräften.
      Aber was heißt denn dann verlässliche Halbtagsgrundschule bei euch? Bei uns heißt das Betreuung von 7:30 Uhr bis 13:30 Uhr für alle Kinder der Klasse 1-6. Zusätzlich haben die Kinder noch Anspruch auf Unterrichtsbegleitung der Erzieher, ich glaube 4-5 Stunden je Klasse. Somit ginge es gar nicht ohne Hort, der ganztägig da ist, denn jedes Kind hat ja in Klasse 1 mindestens 10 Stunden, in Klasse 2 mindestens 9 Stunden, in Klasse 3 mindestens 6 Stunden und in Klasse 4 mindestens 3 Stunden, die es betreut werden muss außerhalb des Unterrichts. Erst in 5 und 6 ginge das bei idealem Stundenplan (jeden Tag 6 Stunden) ohne Betreuung.

      Das kann doch gar nicht klappen ohne Hort!
    • Also, zum Ausgangsthema: An meinem Förderzentrum sind wir dieses Jahr so gut aufgestellt, dass zB beim einem Nachmittagsunterricht 2 Sonderschullehrkräfte und 2 Teamleiter da sind - für eine Klasse! Ich selbst habe in meiner Klasse von 18 Unterrichtstunden 10 doppelt besetzt. Ich führe ein gutes und schönes Lehrerleben. Aber!
      An einem andren Förderzentrum, keine 10km weiter, sind dieses Jahr so wenige Lehrerstunden, dass sie sogar den Nachmittagsunterricht der Ganztagesklasse an einem Tag kürzen mussten. Und sie haben dieses Jahr KEINE EINZIGE Stunde doppelt besetzt, nicht eine einzige im ganzen Schulhaus.
      Beide Schulen staatlich, beide gleicher Regierungsbezirk.
      So viel dazu, dass es zu wenige Lehrer gibt. Also, ist generell sicher so, aber es wird auch ganz bescheuert ungerecht verteilt.
      In der Schule meines Kindes giibt es Jahrgangsmischung und sie haben KEINE EINZIGE Stunde doppelt besetzt.
    • Ist es wirklich "üblich", dass Stunden doppelt besetzt sind? Sowas kenne ich hier überhaupt nicht. Bei uns gibt es sowas nicht, auch keine AGs (keine einzige Stunde dafür), bei uns sind die Lehrerstunden genau auf die Schülerzahl bzw. auf den Pflichtunterricht berechnet. Sowas wie Förderlehrer oder Sozialarbeiter kennen wir auch nciht... Daher bin ich etwas überrascht darüber, was ihr so alles schreibt - also manche. Ist das wirklich so unterschiedlich je nach Bundesland?
    • Susannea schrieb:

      Aber was heißt denn dann verlässliche Halbtagsgrundschule bei euch?
      Die Kinder werden in der Verlässlichen Grundschule 5 Zeitstunden betreut.
      Das erstreckt sich in Klasse 3+4 auf die Zeit von 7.30 - 12. 30 Uhr, davon 5x 45 min Unterricht, der Rest ist Pause.
      Klasse 1 hat 4 Stunden Unterricht, Klasse 2 an zwei Tagen 5 Stunden, die restliche Zeit kommen zusätzliche MitarbeiterInnen, die keine Erzieherinnen sind, und betreuen die Kinder. Hausaufgaben werden in dieser Zeit nicht gemacht.
      Diese Kräfte arbeiten also an 5 oder an 3 Tagen ca. 1 Stunde in der Schule.
      Die Betreuung selbst in ein Angebot, das gewählt werden kann.

      Man kann zur Not eine 3. oder 4. Klasse in dieser EINEN Stunde mittags mit in die Betreuung schicken, aber die Betreuerinnen gehen nicht in den Unterricht.
    • Ketfesem schrieb:

      Ist es wirklich "üblich", dass Stunden doppelt besetzt sind?
      In einem Förderzentrum - also einer Förderschule in BY - offenbar schon.
      In anderen Förderschulen eher nicht.

      Wenn unsere Unterrichtsversorgung gen 100% geht, kommt sofort die Aufforderung zur Abordnung, die Stunden werden an anderen Schulen benötigt. Eigentlich ist man immer zwischen den Polen "wir odnen ab" und "wir benötigen dringend jemanden".

      Es gibt in meinem BL (Nds) Zusatzbedarfe, die man beantragen muss und die dann eine Doppelbesetzung oder Förderunterricht ermöglichen. Diese Zusatzbedarfe sind für soziale Brennpunkte (genaue Quoten), für DaZ-Kinder, also aktuelle Migranten, die alphabetisiert werden.

      Innerhalb der Inklusion, die alle Grundschulen umsetzen, da es keine FöS-Grundschule mehr gibt, eine Grundversorgung 2 Std. pro Klasse pro Woche laut Erlass, pauschal, für alle Kinder präventiv, für alle Überprüfungen und für Unterstützung bei der Beschulung von Kindern mit Förderbedarf in den Bereichen Lernen, Emotional-Soziale-Entwicklung und Sprache, egal wie viele SuS einen dieser Unterstützungsbedarfe haben,
      und zusätzliche Stunden pro Kopf für Kinder mit festgestelltem Unterstützungsbedarf Hören, Sehen, Körperlich-Motorische Entwicklung (bis zu 3 Std.) und Geistige Entwicklung (bis zu 5 Std.).
      Die genannten Stunden der Förderschulkräfte kommen aber nicht in den Grundschulen an, weil die Förderschule auch Lehrkräftemangel hat, wir bekommen als Grundversorgung etwas mehr als die Hälfte der üblichen Stunden.

      Ketfesem schrieb:

      auch keine AGs
      Es gibt 1 Std. für AG in der regulären Stundentafel für Klasse 3 und 4, alle Kinder nehmen daran teil, die AGs laufen zeitgleich. Somit eine Art Wahlpflichtunterricht.
    • Zur Doppelbesetzung: Ich hatte jahre ohne, mit nur 1-2 Stunden und mit viel (dieses Jahr so viel wie noch nie). Aber dass es das gibt, ist an Förderschulen L und E sowieso durchaus üblich. In L oft nur 1-2 Stunden, aber generell ist das nicht ungewöhnlich.
    • In Hamburg ist die Grundschule überall verlässlich, d.h. dass keine Kinder zwischen 8 und 13 Uhr nach Hause geschickt werden. Unterricht wird vertreten, ggf. werden die Kinder in Patenklassen aufgeteilt. Ab Klasse 5 ist das bei uns auch anders.

      Gibt es im Ernst in D noch Schulen wo das nicht so ist.
    • Anja82 schrieb:

      Meine Tochter hat in Niedersachsen auch nur 1-4 Stunde Unterricht. Und trotzdem ist die Schule 5 Stunden verlässlich.
      Nein, sowas gibt es in Brandenburg gar nicht. Die Diskussion hatten wir jetzt bereits mehrfach, was denn bei Stundenausfall passiert und da nur noch 4 Kinder der Klasse im Hort sind (und der auch maximal früh die 1. Stunde noch betreut), sind dann die Eltern selber dafür verantwortlich, was mit den Kindern passiert bzw. werden sie sonst aufgeteilt. Brandenburg ist offiziell eben nur genau die Stundenzahl zuständig, lediglich bei kurzfristigem Ausfall müssen die Klassen noch bis zur 4. Stunde (1.-4. Klasse) und bis zur 5. Stunde 5./6. Klasse betreut werden, wenn die Eltern nichts anderes vermerkt haben.
    • Karl-Dieter schrieb:

      tabularasa schrieb:

      Beispiel: Eine andere Freundin hat Anglistik und Germanistik studiert. Bachelor und Master. Sie ist nicht ins Ref gegangen und wird jetzt mit E9 abgespeist.
      Was erwartet sie denn? A13?
      Warum nicht? Ich habe anglistische Literaturwissenschaft und mittelalterliche und neuere Geschichte studiert und als Abschluss einen Magister Artium mit zwei Hauptfächern gemacht. Nach Anerkennung der Fächer, Referendariat und einem albernen, wertlosen Crashkurs in Pädagogik bin ich jetzt Studienrat.

      Wieso ich und wieso nicht sie? Für E9 für ich den ganzen Scheiß nicht machen.
    • Wenn Eltern in der Verlässlichen Grundschule für Klasse 1+2 die Betreuung nicht wählen bzw. wünschen, hat das Kind nach den regulären 4 Unterrichtsstunden frei und geht dann nach Hause.

      Das ist aber frei gewählt und es fällt gar kein Unterricht aus, weil die Stundentafel nur 20 bzw. 22 Stunden vorsieht.
      Die freiwillige Wahl der Betreuungszeit verlängert den Unterricht nicht und bietet auch keine Hausaufgabenzeit.

      Dass es darüber hinaus noch kein flächendeckendes Angebot für längere Betreuungszeiten gibt, steht auf einem anderen Blatt und ist eben auch kein Unterrichtsausfall.
    • Wenn ich das hier so lese, weiß ich meine Schule umso mehr zu schätzen. Durch den Bustransport können SuS nicht später kommen oder früher gehen. Also haben wir einen entsprechenden Stab an Erziehern, die entweder Vertretung im jeweiligen Klassenraum haben und dort die SuS bei Aufgaben (bereitliegend oder aus dem Vertretungsordner) betreuen/beaufsichtigen oder die SuS gehen in den Schülertreff, wo dann mehrere Klassen betreut werden. Dort gibt es einen ruhigen Lernraum für lernwillige SuS, eine große Küche, einen Kicker und ein Krankenzimmer mit Schlafsofa für spontane Erkrankungen.
      Theoretisch wäre die Trennung zwischen Erziehern und Lehrern recht klar, aber Erzieher bieten bei uns auch Nachmittags-AGs an. Bei zwei weiß ich, dass sie auch über einen Lehrauftrag im Unterricht (Lehrküche und PC-Unterricht) eingesetzt sind, wo sie sich das zutrauen. Eine unserer Frühförderinnen hatte auch immer mal wieder kleinere Lehraufträge.


      Palim schrieb:

      was sind UBUS?
      Das ist die neueste Erfindung des hessischen KuMis. Was genau das Profil des jeweiligen Mitarbeiters ist, legt auch die Schule fest. Vertretung fällt aber eigentlich nicht darunter. Ich sehe sehr große Ähnlichkeiten zu Sozialpädagogen. In einem Beratungsgespräch hatte ich mal eine dabei, damit sie einen Überblick zu meiner Beratungstätigkeit bekommt. Die Förderschullehrer des regionalen Beratungs- und Förderzentrums sind ja nicht jeden Tag an GS da. Diese UBUS-Kraft hatte auch einen Vertrag an zwei Schulen, so dass sich das für sie überhaupt rechnet. Das sind ja keine hohen Stundenkontingente.


      HKM schrieb:

      UBUS (Unterrichtsbegleitende Unterstützung durch sozialpädagogische Fachkräfte)
      Die sozialpädagogischen Fachkräfte unterstützen die Schülerinnen und Schüler in ihrer allgemeinen und schulischen Entwicklung, in der Stärkung ihrer sozialen Kompetenzen und fördern sie individuell. Weiterhin unterstützen sie Lehrkräfte im Unterricht und sind bei der Koordination mit außerschulischen Einrichtungen behilflich. Den multiprofessionellen Teams aus Lehrkräften und sozialpädagogischen Fachkräften ist es so möglich, Schülerinnen und Schüler zu fördern und auf ihre unterschiedlichen Ausgangsbedingungen einzugehen. Zusätzlich können schulische Teamarbeit und unterrichtsbegleitende Prozesse unterstützt oder gefördert werden.


      [...]


      "Wie sind die Aufgaben der sozialpädagogischen Fachkräfte (UBUS) gegenüber den Aufgaben der bereits an den Schulen vorhandenen Fachkräfte abgegrenzt?"
      Der UBUS-Erlass erweitert die nachUSF-Richtlinie vorgesehenen Aufgabenbereiche. Die Fachkräfte können sich gegenseitig vertreten, falls ihre Aufgaben deckungsgleich sind. Die Sozialpädagogischen Fachkräfte erteilen nicht selbständig Unterricht, sondern unterstützen Lehrkräfte und assistieren. Die Aufgaben der sozialpädagogischen Fachkräfte sollen sich aus dem Schulprogramm ergeben und werden dort dargestellt.

      [...]