Mehr Eigenständigkeit im Referendariat

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    • Kathie schrieb:

      Da magst du Recht haben. In den Vorführstunden sollte man allerdings eine gewisse Methodenvielfalt zur Schau stellen, damit die Seminarleiter / Schulräte oder andere Noten vergebende Personen sehen, dass man es kann. Ist ja auch logisch.

      Hallo Kathie,

      das ist leider so. Bei meinem Bekannten (Sek. II) war das nicht der Fall, bei uns wird es aber in Vorführstunden erwartet, dass man die SuS in 45 Min. durch verschiedene Methoden-Settings bugsieren kann. Dazu werden auch Trockenübungen empfohlen im Vorfeld, da man sonst unweigerlich scheitert. Das gehört alles zum "Belastungstest" Referendariat: Sich selbst und die SuS so organisieren, dass man allen Anforderungen am Ende annähernd gerecht zu werden vermag.

      Inwieweit das nun aber Leute hervorbringt, die am Ende leidenschaftlich und effektiv ihren SuS etwas beibringen können, ist wohl fraglich. Eine Prüfungsstunde, die sich im Grunde nicht für den tatsächlich stattfindenden Lernprozess interessiert und ob empirisch tragfähige Merkmale guten Unterrichts vorliegen, sondern primär die eigens gesetzten Vorgaben und das Organisationstalent des Prüflings unter Beweis gestellt sehen will, zielt an der eigenen (eigentlichen) Profession im Grunde vorbei.

      der Buntflieger
    • Buntflieger schrieb:

      nzwischen weiß man ja, dass die pädagogisch jeweils passende Methode zum Einsatz kommen und Methoden nicht vordergründig als Bespaßung der Schülerschaft fungieren sollten, was leider aus dem Merkmal "Methodenvielfalt" unweigerlich hervorgeht.
      Auch das ist trivial. Dass man die Methoden wählt die sinnvoll sind und nicht irgendwas, weiß auch schon jeder seit immer, der tatsächlich im Klassenraum unterrichtet. Also, der nicht Hilbert Meyer ist.
    • Buntflieger schrieb:

      Fragen, die ich mir bezogen auf den Unterricht stelle: Wie bringe ich meine SuS dazu, die Inhalte aktiv nachzuvollziehen, die ich darbiete? Wie reagiere ich auf Lernschwierigkeiten/Fehler auf Schülerseite am besten? Wie gestalte ich die Lernumgebung so, dass möglichst viel Zeit für das Lernen verwendet werden kann? ("Big Three")
      Versteht sich natürlich von selbst. Ich schätze mal, das machen 99% der Lehrer so. ;)

      Das Studium biete eine wissenschaftliche, sehr theoretische Grundlage; im Referendariat beginnt man, die Praxis zu lernen. Natürlich liest man auch als fertiger Lehrer weiter Studien und Untersuchungen, und besucht Fortbildungen. Aber einen Großteil des täglichen Arbeitens erledigt man intuitiv - das theoretische Wissen hat man sich ja angeeignet und vieles läuft dann automatisiert ab.

      Du reitest aber immer auf Vergleichbarkeit und Wissenschaftlichkeit herum. Manches ist nicht vergleichbar.
      Da schwingen im Hintergrund einfach zu viele Dinge mit. Die gleiche Stunde, gezeigt von zwei Referendaren, wird selten die gleiche Note ergeben. Weil die beteiligten Menschen (Lehrer - Schüler - Beurteiler) verschieden sind.
      Weißt du, was ich meine? Ich glaube übrigens, das ist genau das, was dich so aufregt und was das Referendariat tatsächlich ein bisschen wie ein Glücksspiel aussehen lässt.
    • Buntflieger schrieb:

      Kathie schrieb:

      Da magst du Recht haben. In den Vorführstunden sollte man allerdings eine gewisse Methodenvielfalt zur Schau stellen, damit die Seminarleiter / Schulräte oder andere Noten vergebende Personen sehen, dass man es kann. Ist ja auch logisch.
      Hallo Kathie,

      das ist leider so. Bei meinem Bekannten (Sek. II) war das nicht der Fall, bei uns wird es aber in Vorführstunden erwartet, dass man die SuS in 45 Min. durch verschiedene Methoden-Settings bugsieren kann. Dazu werden auch Trockenübungen empfohlen im Vorfeld, da man sonst unweigerlich scheitert. Das gehört alles zum "Belastungstest" Referendariat: Sich selbst und die SuS so organisieren, dass man allen Anforderungen am Ende annähernd gerecht zu werden vermag.

      Inwieweit das nun aber Leute hervorbringt, die am Ende leidenschaftlich und effektiv ihren SuS etwas beibringen können, ist wohl fraglich. Eine Prüfungsstunde, die sich im Grunde nicht für den tatsächlich stattfindenden Lernprozess interessiert und ob empirisch tragfähige Merkmale guten Unterrichts vorliegen, sondern primär die eigens gesetzten Vorgaben und das Organisationstalent des Prüflings unter Beweis gestellt sehen will, zielt an der eigenen (eigentlichen) Profession im Grunde vorbei.

      der Buntflieger
      Vor einigen Jahren hätte ich dir zugestimmt, mittlerweile bin ich anderer Meinung.
    • Meerschwein Nele schrieb:

      Auch das ist trivial. Dass man die Methoden wählt die sinnvoll sind und nicht irgendwas, weiß auch schon jeder seit immer, der tatsächlich im Klassenraum unterrichtet. Also, der nicht Hilbert Meyer ist.

      Hallo Meerschwein Nele,

      völlig richtig. Die Praktiker wissen natürlich, dass die Unterrichtsrealität nicht so aussieht, wie man es Referendaren abverlangt. Deshalb entschuldigen sich ja alle Lehrer auch im Vorfeld, wenn man bei ihnen hospitieren möchte. Das Phänomen kennt wohl jeder.

      Was ist das aber für eine Profession, die sich von Elfenbeintürmlern (nichts anderes ist ein H. Meyer nämlich, der hat selbst nur kurz und erfolglos an einer Grundschule unterrichtet, bevor er sich an die Uni flüchtete) sagen lassen, was sie zu tun und zu lassen haben, um guten Unterricht zu zeitigen?

      der Buntflieger
    • Caro07 schrieb:

      Buntflieger schrieb:

      Dass H. Meyer schon vor 20 Jahren Studiengrundlage war, ist mir bekannt. Vor 20-30 Jahren war hierzulande auch von Empirie in Pädagogik-Kreisen noch keine Rede.
      Stimmt nicht, ich habe vor über 30 Jahren in Baden-Württemberg studiert und da war sehr wohl von einer Empirie in Pädagogik-Kreisen die Rede!!!
      Die Rede vielleicht. Aber war die Empirie diskursbestimmend in dem Sinne, dass mit empirischen Ergebnissen tatsächlich qualitativ ideologische Aussagen widerlegt werden konnten? Das war in den 1990ern eigentlich in noch keiner einzigen Geisteswissenschaft (außer der Geschichtswissenschaft) möglich.
    • Das Problem ist doch, dass das System die falschen Anreize setzt.

      Ein Beispiel: Referendar Rigorosus versieht seinen Dienst stets pflichtbewusst, fehlt nur bei unabweisbarer Dienstunfähigkeit, nimmt jeden Elternabend mit und ist nach Wahrnehmung des Kollegiums permanent an der Belastungsgrenze. Es gelingt Rigorosus aus Zeitmangel kaum, die Besuche der Studienleiter angemessen vorzubereiten, fehlerfreies und ansprechendes Material zu erstellen usw. Dies führt zu objektiven Mängeln und wird auch als mangelndes Engagement wahrgenommen, was z.B. über den Transmissionsriemen "Gutachten" die Examensnote verschlechtert.

      Referendar Trickus fehlt in der Woche vor der Lehrprobe 2 Tage und arbeitet eine perfekte Stunde aus. Einen Tag vor der Lehrprobe erscheint er (Vorstunde zum Unterrichtsbesuch), hält in Anwesenheit des Studienleiters eine perfekte Stunde und nimmt sich Ende der Woche zur Entlastung wieder 2 Tage "Freizeitausgleich". Da alle Unterrichtsbesuche, bei denen der Studienleiter kommt, wesentlich besser laufen als bei Rigorosus, und da der Schulleiter den Krankenstand kaum zum Gegenstand seines Gutachtens macht bzw. machen kann, macht Trickus ein sehr gutes Examen und hat bei der Bewerbung um eine Planstelle wesentlich bessere Chancen als Rigorosus.
    • Kathie schrieb:


      Du reitest aber immer auf Vergleichbarkeit und Wissenschaftlichkeit herum. Manches ist nicht vergleichbar.
      Da schwingen im Hintergrund einfach zu viele Dinge mit. Die gleiche Stunde, gezeigt von zwei Referendaren, wird selten die gleiche Note ergeben. Weil die beteiligten Menschen (Lehrer - Schüler - Beurteiler) verschieden sind.
      Weißt du, was ich meine? Ich glaube übrigens, das ist genau das, was dich so aufregt und was das Referendariat tatsächlich ein bisschen wie ein Glücksspiel aussehen lässt.

      Hallo Kathie,

      stimmt, das regt mich ungemein auf. Mich regt auf, dass in der Regel so getan wird, als könne man Unterricht annähernd objektiv beurteilen, obwohl jeder weiß, dass dem nicht so ist. Gute Prüfer/Ausbilder berücksichtigen das; wenn man Glück hat, hat man gute Ausbilder/Prüfer.

      Zu wenig wird bisher unternommen, eine bessere Vergleichbarkeit herzustellen. Was helfen würde, wäre eine Verteilung der Bewertung auf mehrere Schultern.

      Ein paar Ideen: Keine zugeknöpften Prüfungskommissionen mehr, die an Einzelstunden u.U. ganze Karrieren festmachen. Da muss mehr der Alltag (die Praxis eben) bei der Beurteilung im Vordergrund stehen. Wenn ich als Referendar an einer Schule gelandet bin, wo ich nicht hineinpasse, muss ich wechseln dürfen. Nötigenfalls auch mehrmals. Wenn ich Mentoren erwische, mit denen ich nicht klarkomme oder sie nicht mit mir, muss ein unkompliziertes Wechseln vonstatten gehen können. Mentoren sollten nicht als Vorgesetzte agieren, sondern als Kollegen, die bei Bedarf Hilfestellungen leisten und wenn der Bedarf nicht angezeigt wird, diese unterlassen. Ein Referendar ist ein studierter und erwachsener Mensch. Punkt.

      In die Beurteilung sollte der Lernerfolg von Klassen über einen ausreichend langen Zeitraum hinweg einfließen, natürlich bezogen auf die konkrete Schule und ihr Umfeld. Das geht/ginge nur, wenn regelmäßigere Evaluationen stattfänden. Das steckt alles noch in den Kinderschuhen. Das ist es doch, was die Fähigkeiten eines Lehrers am ehesten unter Beweis stellt: Ob die SuS am Ende was bei ihm/ihr gelernt haben.

      Ich habe da so viel konfusen Mist in meinem Referendariat erlebt. Nie war von Interesse, ob oder was die SuS bei mir gelernt haben und wie sie mich sehen und bewerten (natürlich evaluiere ich regelmäßig meinen Unterricht). Die Ausbilder huschen in die Schule hinein und huschen ebenso flüchtig wieder hinaus. Gesehen haben sie oft eine Stunde, nach der die SuS überrascht feststellen: "Herr XY, heute waren sie ganz anders als sonst!"

      der Buntflieger
    • Caro07 schrieb:

      Damals ging es um den Gedanken, dass die Pädagogik eine empirische Wissenschaft ist, die durch empirische Forschungen ihre Legitimation hat. Schon damals gab es empirische Forschungen, mit denen wir uns befasst haben. Ich kann weiß leider nicht mehr genau, um welche Themen es ging, das ist zu lange her.

      Hallo Caro07,

      ich weiß, dass es ein kurzes Aufbäumen der Empirie in der Pädagogik gab, was aber schnell wieder eingeschlafen ist, bzw. von den dominanten Geisteswissenschaften verdrängt wurde. Beispielsweise wurden die Erziehungswissenschaften eigentlich nicht als neue Geisteswissenschaft geplant, aber da es zu wenige passende Kandidaten gab, nachdem man sie als neue Disziplin schuf, fanden dort viele arbeitslose Philosophen Unterschlupf. Vielleicht hast du just diese Phase an der passenden Uni erlebt?

      der Buntflieger

      Beitrag von Kathie ()

      Dieser Beitrag wurde vom Autor aus folgendem Grund gelöscht: Führt vom Thema weg ().
    • <Mod-Modus>

      Juliette Schmidt gesperrt. Bevor sich jemand wundert - sie ist der übliche User, der alte Beiträge aus anderen Foren recycelt und hier reinstellt.

      Dieses Mal aber mit einer neuen Masche - sie erstellt mal keinen neuen Thread, sondern schreibt in einem bestehenden.

      Kl.gr.Frosch, Moderator
      Man sollte darauf achten, seinen Kindern den richtigen Glauben zu vermitteln. ... Den an sich selbst.
      ----
      Merke: wer auf dem Rad friert, fährt zu langsam. (By O.Meier ;) )
      ---
      Die meisten meiner Beiträge entstehen auf einer tablet-Tastatur. Da es dort kein haptisches Feedback gibt, schleichen sich schneller Tippfehler ein. Sorry.
    • Palim schrieb:

      Es werden sehr unterschiedliche Systeme verglichen aus verschiedenen BL,
      dabei gibt es zudem Unterschiede von Uni zu Uni und von Schule zu Schule,
      alte Systeme (mit 3-monatiger Hospitationsphase, gab es früher in Nds auch) und neue Systeme (mit sofortigem eigenständigem Unterrichtseinsatz),
      Mentoren, die Anrechnungen erhalten, doppelt gesteckt sind und bleiben oder ganz ohne dies auskommen sollen,
      Referendare, die vorab Seminare haben, Blockmodelle fahren, Seminartage haben ...

      Da fällt es schwer zu vergleichen, mir fällt es auch schwer, nachzuvollziehen, in welche Richtung die Kritik geht, wenn die Bedingungen doch so extrem verschieden sind.
      Früher waren die Ausbildungen etwas einheitlicher. Heute kochen so viele ihre ganz eigenes Süppchen - teilweise nicht einmal in einem Bundesland einheitlich. Das ist doch Mist für alle, die mal wechseln (wollen/müssen). Außerdem wird auch ständig irgendetwas verändert. Es kehrt nirgendwo Ruhe ein, um mal einen klaren Kopf zu bekommen. Ich finde des alles nicht hilfreich.
    • Hallo Buntflieger,

      ich würde gerne antworten, einiges wurde schon von anderen gesagt, anderes fällt unter den Tisch, weil sich die Diskussion dreht.

      Jede einzelne Äußerung zu zitieren wäre möglich, aber wird dann schnell zum Klein-Klein.

      Ich verstehe nicht, warum das Gymnasium "leistungsbezogene Schulart" sein soll. Was sind denn die anderen Schulen? Ist das, was dort erfolgt, keine Leistung?
      Offenbar kommen wir zwei nicht auf einen Zweig, wenn schon bei Grundzügen von Schule und Unterricht ganz unterschiedliche Vorstellungen und Einschätzungen und offenbar auch Begrifflichkeiten vorherrschen.

      Auf der Suche nach eindeutigen Kriterien für die Bewertung im Ref bist du zu der Meinung gekommen, dass Pädagogik empirisch sein soll.
      Andererseits stellst du selbst fest, dass nur so getan würde, als sei Unterricht objektiv zu beurteilen:

      Buntflieger schrieb:

      Mich regt auf, dass in der Regel so getan wird, als könne man Unterricht annähernd objektiv beurteilen, obwohl jeder weiß, dass dem nicht so ist. Gute Prüfer/Ausbilder berücksichtigen das; wenn man Glück hat, hat man gute Ausbilder/Prüfer.

      Buntflieger schrieb:

      Die Kriterien sind nicht greifbar/eindeutig genug.

      Wir sind im Lehrerberuf in einem sehr praktischen Beruf (zum Glück), der angewiesen ist auf Klarheit und greifbare Kriterien. Diese können wir am effektivsten/zuverlässigsten durch eine empirische Vorgehensweise der Bildungsforschung gewährleisten.

      Meiner Meinung nach ist es eher so, dass es eine derzeitige Mode ist, das alles empirisch und valide geprüft sein soll, damit man von Erfolg sprechen darf,
      parallel zur Finanzierung von Forschungsvorhaben. Darüber verändert sich Wissenschaft, sie wird aber nicht "wissenschaftlicher " oder "professioneller" dadurch.

      Zum einen wird dann nach Studien gerufen, zum anderen müssten diese aber vergleichbar sein und können nur das vergleichen, was messbar ist, was auch Einfluss auf Forschungsrichtungen nimmt.
      Die Studien sind so aufwändig, dass es Menschen braucht, die sich allein damit beschäftigen, weil sie forschen und veröffentlichen. Das ist in anderen Wissenschaften auch so.
      Gleichzeitig wird kritisiert, dass diese Forscher keine Ahnung von Unterricht haben und im Elfenbeinturm sitzen, weil sie selbst nie in den Klassen unterrichtet haben.
      Während also Forscher anderer Fachbereiche sich ihrer Arbeit widmen sollen, werden Forschungen und Ergebnisse in der Pädagogik einerseits gefordert und andererseits in Abrede gestellt.

      Sind dann die Studien abgeschlossen und Ergebnisse formuliert, werden sie verallgemeinert und auf alle Lerngruppen aller Altersstufen übertragen,
      weil das Ergebnis ja "empirisch" ist.
      DAS wird dann zudem als "professionelle" Arbeit dargestellt.
      Ist es das?

      Für mich ist es das nicht.
      Wenn ich meine Lerngruppe nicht im Blick habe, helfen mir irgendwelche Studien nicht. Da ist das Beispiel Methodenvielfalt exemplarisch.
      Wenn man "Methodenvielfalt" nur noch als isoliertes Stichwort betrachtet und nicht kommuniziert, was darunter zu verstehen ist, bleibt der Erfolg aus, der sich bei wechselnden Methoden einstellen kann.
      Es ging nie darum, möglichst viele Methoden zu zeigen, allein um ihrer selbst willen.
      Es geht aber eben auch nicht darum, genau 3 oder 7 zu zeigen, weil deren Erfolg in einer Studie empirisch belegt wurden.

      Und so wenig eindeutig, wie es für Methoden ist, die dann auch noch entsprechend der Fächer, der Klassen, der Altersstufe anders sind,
      ist es für die anderen Belange der Ausbildung eben auch.

      Empirie kann Pädagogik Anhaltspunkte liefern, man sollte sich aber als Pädagoge nicht hinter der Empirie verstecken und sich dabei einreden, dass dies dann professionellere Arbeit sei.

      Und gerade weil das schwierig und wenig greifbar ist, gilt dies auch für die Beurteilung von Unterricht und auch für die Beurteilung von Lehrkräften.
      Dennoch erlebe ich nicht, dass dies der Willkür Tür und Tor öffnet.
      Anforderungen und Kriterien ändern sich in Studienseminaren, im Kern ist aber vieles gleich geblieben, allerdings bemüht man sich meiner Meinung nach zunehmend um Transparenz in der Beurteilung.

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    • Frapper schrieb:

      Früher waren die Ausbildungen etwas einheitlicher. Heute kochen so viele ihre ganz eigenes Süppchen - teilweise nicht einmal in einem Bundesland einheitlich. Das ist doch Mist für alle, die mal wechseln (wollen/müssen). Außerdem wird auch ständig irgendetwas verändert. Es kehrt nirgendwo Ruhe ein, um mal einen klaren Kopf zu bekommen. Ich finde des alles nicht hilfreich.
      Den Überblick habe ich nicht, aber die Seminarorte haben auch früher schon ihre eigene Ausprägung vorgenommen und SeminarleiterInnen spezielle Wünsche vorgebracht.
      Das hat sich nicht geändert.

      Mir fällt zum einen auf, dass manches aus den Anforderungen genommen oder zumindest eingeschränkt wurde, z.B. der Umfang der 2. Examensarbeit,
      andererseits werden neue Vorgaben gesetzt
      und die Heterogenität in den Klassen schafft zusätzliche Herausforderungen, die zwar den Alltag bedeuten, aber eine extreme Zusatzbelastung darstellen.
    • Buntflieger schrieb:

      Nie war von Interesse, ob oder was die SuS bei mir gelernt haben und wie sie mich sehen und bewerten (natürlich evaluiere ich regelmäßig meinen Unterricht).
      Das ist so schade, dass es dir so doof ergangen ist.
      Da kann ich deine Wut auf die Dinge total nachvollziehen. Es sind richtig viele Sachen völlig schief gelaufen bei dir. Mein Ref war aus ähnlichen Gründen, wie du sie beschrieben hast, die absolute Oberhölle. Nie in meinem Leben hatte ich solche Selbstzweifel und war so desorientiert ob der unklaren Anforderungen in den UBs. Noch nie musste ich so viel Dreck fressen wie im Vorbereitungsdienst! Jetzt bin ich fertig und denke: oh man, noch nie bin ich so über mich hinausgewachsen!

      Auch du hast es geschafft! Du bist Lehrer geworden und zwar einer, der sich wünscht, dass es fair und transparent abläuft. Das kannst du so toll in der Schule weitergeben und somit ein ganz großartiger Lehrer sein.
      Sei klug und biete dich, sobald du kannst, als Mentor an und hilf den Referendaren, die nach dir kommen und genauso wie du vor einiger Zeit im Trüben fischen. Sei ihnen Helfer, Vorbild und Gut-Zureder!

      Sei der Lehrer, der du immer sein wolltest und behalte deine Schäfchen im Blick!
      Schule macht so viel Spaß! Lass dir das nicht verderben mit schlechten Gedanken an dein beschissenes Ref!
    • @ Buntflieger
      Ich war in Ba-Wü an einer PH, die auch einen Diplompädagogik-Studiengang anbot. Ich habe jetzt einmal bei Wikipedia nachgelesen. Mein Studium ist schon sehr lange her, aber ich glaube, in der Richtung, was ich dort gelesen habe, wurden Aspekte vermittelt. Z.B.: Methoden der geisteswissenschaftlichen Pädagogik und Pädagogik als empirische Wissenschaft. Mit Sicherheit ebenso verschiedene Strömungen auf dem pädagogischen Sektor. Heinrich Roth, meine ich, war auch ein Thema. Vielleicht haben wir über den Richtungsstreit etwas gehört, aber ich kann es nicht mehr sicher sagen. Auf jeden Fall sind mir der Aspekt der empirischen Forschung in der Pädagogik und auch die geisteswissenschaftlichen Methoden seit dem Studium bekannt. Ich hatte von meiner PH den Eindruck, dass sie in Richtung Pädagogik Forschungsprojekte laufen hatte, denn ich habe selbst einmal als Studentin an einem Projekt teilgenommen.
    • Meerschwein Nele schrieb:

      CDL schrieb:

      Bei uns am Seminar wurde klar vermittelt, dass die 10 Kriterien nach Meyer sowohl sehr kritisch zu prüfen und zu betrachten sind, als auch nicht grundlos durch modernere Ansätze zu ergänzen sind.
      Nur mal zwischendrin eingeworfen: Hilbert Meyers "10 Kriterien" sind vollkommen trivial und fassen zusammen, was seit Jahrzehnten jeder weiß, der seine Brötchen mit Unterrichten verdient. Ungefähr so, als ob man als Kriterium für "gutes Autofahren" so etwas aufstellt wie "der Fahrer schaut beim Lenken nach vorne".
      Auf den Markt geworfen hat Meyer diese Kriterien anfang der 2000er, als auch er nicht mehr verleugnen konnte, dass seine gedanklichen Loopings angesichts empirischer didaktischer Forschung nicht aufrecht erhalten werden konnten...
      Stimmt, nur sind die Studenten und Anwärter, die sich unter anderem mit den 10 Kriterien (neben so vielen anderen, neueren Ansätzen, die deutlich relevanter sind in der Ausbildung) beschäftigen eben nicht seit Jahrzehnten in der Schulpraxis aktiv, noch nicht einmal seit Jahren, sondern komplette Berufsanfänger. Da gehören Basics mit zur Ausbildung, denn die sind halt auch nicht jedem Studenten oder auch Anwärter einfach so klar aus sich selbst heraus. ;)

      Buntflieger schrieb:


      Dass Seminare z.T. offensichtlich sehr verschieden ausbilden, haben wir - wenn ich mich recht entsinne - woanders schon festgestellt. Es ging hier um die Frage, weshalb - wie du selbst angemerkt hast - Sek. I und Sek. II verschieden ausbilden.
      Das war keine Feststellung von mir, denn ich habe keinerlei Kenntnis darüber, dass Sek.I und Sek.II in BW derart unterschiedlich ausgebildet werden würden, sondern eine Frage, ob das am Ende so ist. Dort, wo ich mit Familienmitgliedern vergleiche, stellen wir vor allem Gemeinsamkeiten der Ausbildung fest oder aber Unterschiede, die z.B. meine Schwester, die in Sachsen ihr Ref gemacht hat sich in ihrem Ref (Sek.II) gewünscht hätte. Ich vermag schlichtweg nicht seriös zu beurteilen, ob es derartige zentrale Unterschiede gibt jenseits von Unterschieden die es ja bereits zwischen Seminaren derselben Schulart im Höchstmaß gibt, wie wir wissen vom Austausch über unsere Ausbiödungsseminare.
    • Caro07 schrieb:

      @ Buntflieger
      Ich war in Ba-Wü an einer PH, die auch einen Diplompädagogik-Studiengang anbot. Ich habe jetzt einmal bei Wikipedia nachgelesen. Mein Studium ist schon sehr lange her, aber ich glaube, in der Richtung, was ich dort gelesen habe, wurden Aspekte vermittelt. Z.B.: Methoden der geisteswissenschaftlichen Pädagogik und Pädagogik als empirische Wissenschaft. Mit Sicherheit ebenso verschiedene Strömungen auf dem pädagogischen Sektor. Heinrich Roth, meine ich, war auch ein Thema. Vielleicht haben wir über den Richtungsstreit etwas gehört, aber ich kann es nicht mehr sicher sagen. Auf jeden Fall sind mir der Aspekt der empirischen Forschung in der Pädagogik und auch die geisteswissenschaftlichen Methoden seit dem Studium bekannt. Ich hatte von meiner PH den Eindruck, dass sie in Richtung Pädagogik Forschungsprojekte laufen hatte, denn ich habe selbst einmal als Studentin an einem Projekt teilgenommen.

      Hallo Caro07,

      ja, Heinrich Roth hat sich für die sogenannte "realistische Wendung" in der Erziehungswissenschaft eingesetzt.

      Bis Mitte der 90er Jahre und dann vor allem ab Anfang des 21. Jahrhunderts war aber weiterhin die traditionelle Pädagogik tonangebend. Natürlich gab es schon früher immer wieder vereinzelte empirische Untersuchungen, aber eben nicht auf breiter Basis. Die "geisteswissenschaftliche Pädagogik" war dafür hierzulande viel zu einflussreich.

      Ein interessanter Aufsatz von Oelkers/Fatke zum Thema: pedocs.de/volltexte/2014/9083/…rziehungswissenschaft.pdf

      Ein kurzer Auszug anbei:

      "Auf dem achten Kongress der Deutschen Gesellschaft für Erziehungswissenschaft 1982 in Regensburg stellte Heinz-Elmar Tenorth die Frage, ob die Erziehungswissen-schaft eine „überflüssige“ oder eine „verkannte“ Disziplin sei. Er registrierte bei seiner Analyse gleichermaßen Betriebsamkeit und Ratlosigkeit in der Erziehungswissenschaft, daneben immer neue Theoriekonjunkturen und verbunden damit Theorieverschleiß, also den raschen Aufbau und das schnelle Ende von grundlegenden Überzeugungen (Tenorth, 1983). Die Frage damals war, wie relevant eine solche Disziplin sein kann und welche Akzeptanz sie innerhalb und außerhalb der Universität findet.Dreißig Jahre später sind die strukturellen Unsicherheiten nicht verschwunden, ohne dass sich Tenorths Frage nunmehr abschließend beantworten ließe."

      der Buntflieger
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