Strategien zum Umgang mit persönlichen Kränkungen

  • Liebe Kollegen und Mitstreiter,


    ich hoffe, ich bin hier richtig. Ich muss mir mal etwas von der Brust schreiben. Der folgende Text könnte ein Roman werden und ich entschuldige mich im Voraus dafür. Zu meiner Situation:

    Ich, 26, habe in Hessen studiert, mein Staatsexamen im Dezember gemacht und absolviere seit März diesen Jahres mein Ref in Sachsen. Zwei Wochen nach Refbeginn kam der Lockdown. In dieser Zeit steckte ich auch noch im Umzug, da ich Anfang März für das Ref nach Sachsen gezogen bin. Soweit, so gut.


    Ich habe vor dem Ref selten an mir gezweifelt - zumindest nicht mehr, als es für jeden von uns gesund wäre. Mittlerweile zerfressen mich aber Selbstzweifel. Ich schiebe Aufgaben auf, da ich mir immer wieder sage, "egal, wie viel Aufwand ich betreibe - meine Mentoren werden nie mit mir zufrieden sein". Ich schlafe kaum. Brauche ewig für meine Vorbereitung. Arbeite von Mo-So. Habe kein Sozialleben mehr, keine Zeit für Mann und Hund. Und kurz vor den Sommerferien ist dann auch noch meine Schwester überraschend verstorben, von der ich mich auch nicht verabschieden konnte, weil ich so weit weg wohne und im Arbeitsstress war. Meine Eltern haben sowieso erst bei mir angerufen, als sie schon gestorben war. Ich will da jetzt nicht so weit ausschweifen, aber das belastet mich auch.


    Mich belastet die katastrophale Ausbildungssituation am meisten. Die Schüler sind für mich (noch) kein Stressfaktor. Ich unterrichte gern - solange ich nicht hospitiert werde. Unser Ausbildungsdurchgang wurde im Schulrecht de facto nicht ausgebildet. Trotzdem mussten wir natürlich die selbe Schulrechtsprüfung wie die Jahrgänge vor uns absolvieren. Ich habe eine 4. Das ist okay bzw. damit habe ich gerechnet. Auch der restliche Teil der Ausbildung läuft am Seminar ähnlich ab. Termine fallen aus und wenn sie stattfinden, sind sie selten für uns produktiv. Ich habe eine Geschichtsausbilderin, die denkt, sie bildet uns gut aus, indem sie uns irgendwelche methodischen Grundlagenartikel aus Praxis Geschichte einscannt und auch keine klaren Ansprüche an uns formuliert. Das fasst die Qualität unserer Ausbildung sehr gut zusammen.


    Die Mentoren sind für mich in dieser Situation ein großes Problem. Wobei ich mittlerweile denke: Ich bin das Problem. Oder anders gesagt: Das Problem ist, dass ich diese Leute persönlich an mich heran lasse und noch immer eine Erwartungshaltung habe, die natürlich ständig enttäuscht wird. Meine Englischmentorin - nennen wir sie Frau A - hasst mich scheinbar seit Tag eins. Sie selbst ist Workaholic und hat keinen anderen Lebensinhalt als die Arbeit. Darin geht sie auf und das ist auch okay. Ich persönlich möchte mir aber ein Leben schaffen, von dem ich keinen Urlaub brauche, ich möchte reinen Gewissens Zeit mit meinem Mann verbringen können, ohne dabei an die Arbeit denken zu müssen. Ich möchte mir diese Freizeit freiarbeiten und ich möchte nicht nachts 20 Uhr noch irgendwelche E-Mails von Mentoren erhalten. Frau A findet, sie macht perfekten Unterricht. Sie ist jung und hat freiwillig viele Zusatzaufgaben im Kollegium übernommen. Die allererste Unterrichtsstunde, die ich in ihrer Gegenwart jemals gehalten habe, hat sie mit "das wäre bei mir nicht gut - das wäre nur eine drei gewesen" kommentiert. Meine erste Stunde überhaupt, nach dem Lockdown, in einem Bundesland und einem Schulsystem, dass ich bis dahin nicht kannte. Natürlich wünscht man sich da einen anderen Umgang. Ich habe auch schon Sätze wie "die Schüler können mehr als Sie" gehört. Sie hat vor allem im ersten Drittel der Ausbildung jede meiner Stunden zerlegt. Ich empfinde sie allgemein als unfreundlich und unsozial. Ihr Unterrichtsstil ist streng und kühl - meiner ist weniger streng, aber dafür habe ich ein enges Vertrauensverhältnis zu meinen Schülern. Sie interessiert sich primär für Noten (und sieht Noten als Motivation oder Strafe an, was ich auch problematisch finde), ich interessiere mich primär für die menschliche Seite. Das überträgt sich auch auf meine Ausbildung unter ihr. Ich habe sie oft explizit nach positivem Feedback zu meinen Stunden gefragt. Einmal war ich sogar so hartknäckig, dass ich ständig die gleiche Bitte wiederholt habe - woraufhin sie mir geantwort hat, sie brauche nichts positives zu sagen, denn dann würde ich mich ja nur auf meinen Lorbeeren ausruhen. Dies und weitere solche Kommentare habe ich monatelang gehört. Igrnedwann habe ich meine Hauptausbildungsleiterin eingeschaltet, die in dieser Sache Gott sei Dank auf meiner Seite steht. Meine HAL hat mich während der Coronazeit in meinem Unterricht besucht und war sehr zufrieden, aber die ständigen Meckereien von Frau A hörten nicht auf. Ich musste meine Mentorin quasi per Protokoll dazu verpflichten, in Zukunft nur noch drei Kritikpunkte an meinen Stunden anzubringen. Eigentlich ist das auch nicht das, was ich wirklich möchte - ich möchte eigentlich, dass wir wertschätzend kommunizieren. Und das weiß Frau A auch. Bevor ich den Schritt zu meiner HAL gegangen bin, habe ich ihr das häufiger gesagt, aber es hat sich nie etwas geändert. Ich wünsche mir eigentlich, dass sie mir auf Augenhöhe begegnet und mich als gleichwertigen Menschen ansieht. Und ihre ständigen Provokationen und Suggestivfragen einstellt.


    Der aktuelle Stand sieht so aus: Wir begrüßen uns noch kollegial, reden sonst aber nur, wenn wir meine Stunden auswerten. Wir sind leider im selben Lehrerzimmer, sodass ich ihr nicht immer ausweichen kann. Sie sitzt mit dem Rücken zu mir und mir ist es sehr unangenehm, mit ihr irgendwo allein zu sein. Ich traue dieser Frau auch keinen Zentimeter. Sie lädt sich selbst zu meinen Stunden ein und hospitiert mehr, als sie soll. Hier in Sachsen sollen die Mentoren 2h pro Monat hospitieren. Sie kam vor den Herbstferien auf 8h. Jetzt ist sie bei 4h. Ich habe für diesen Monat aufgehört zu zählen und lasse es über mich ergehen. Was mich aber am meisten aufregt: Ich habe zugelassen, dass meine Enttäuschung und Verbitterung ihr gegenüber sich auf meine Performance auswirkt. Mir fällt das in meinen Klassen auf. Ich bin unterbewusst ganz anders zu der Klasse, die sie hospitiert als zu der, die ich für mich allein habe. Ich mache Fehler, die ich sonst nicht mache, sobald ich weiß, Frau A sitzt dabei. Ich habe sie deshalb auch schon aus meinem UB ausgeladen - in Absprache mit meiner Hauptausbildungsleiterin, was Frau A aber nicht weiß.
    Frau A und ich kommunizieren allgemein wenig. Wenn es irgendwelche wichtigen Neuigkeiten im Kollegium gibt, dann sagt sie dies auch nicht an mich weiter. Die anderen Kollegen gehen davon aus, dass sie das tut, und sind dann immer überrascht, wenn ich erwähne, dass mir das keiner gesagt hat oder ich es selbst erst im Schreiben xy erfahren habe. Ich habe zu Beginn der Ausbildung noch Fragen an Frau A gestellt, auch nach den Hospitationen - aber nachdem ich so oft dumme Antworten bekommen habe, habe ich das eingestellt. Ich habe mich zurückgezogen und ich fühle mich als Fremdkörper in diesem Lehrerzimmer. Ich will dort nicht sein und ich zähle die Monate bis zum Ende der Ausbildung.

    Ich habe mittlerweile einen richtigen Hass auf Frau A entwickelt. Ich wünsche ihr nichts böses, aber mein Tag ist gelaufen, sobald ich wieder eine Auswertungsstunde mit ihr hatte. Ich spüre richtig, wie sie mir die Energie heraussaugt. Ich denke auch nicht, dass ich unser Verhältnis ändern kann, das ist erstens nicht meine Aufgabe und zweitens glaube ich, dass dafür zu viel geschehen ist.


    Außerdem finde ich es unmöglich, was für eine Narrenfreiheit hier im Ref existiert. Hier werden junge Leute verheizt, gemobbt, zerbrochen. Es gibt nicht einen Standard für alle. Wir sind den Ausbildern quasi schutzlos ausgeliefert. Z.B. hospitiere ich aktuell auch noch ca. 7h die Woche - es sind eigentlich 4h beabsichtigt. Mir wird trotzdem von Frau A immer wieder vorgeworfen, ich täte nicht genug. Ich kenne eine anderen Refi, die auch zur selben Zeit mit mir an dieser Schule angefangen hat, und sie hospitiert gar nicht. Ich muss zusätzlich jede Woche Stundenvorbereitungen an meine Mentorin schicken, die anderen nicht. Ich finde nicht, dass ich schlechter bin als andere und diese Mehrarbeit verdient hätte.

    Ich muss für mich irgendwie eine Strategie finden, mit all dem klar zu kommen und es zuhause irgendwann ablegen zu können. Damit ich wieder schlafen kann und meine Stunden so effektiv vorbereiten kann, wie ich das möchte. Ich hasse dieses Gefühl, einer anderen Person so ausgeliefert zu sein. Ich habe mich auch irgendwie sehr in diesen Eindruck verbissen, dass Frau A mein "Feind" ist, den ich nie zufrieden stellen kann und der mir sowieso nicht helfen möchte. Dass sie sich nur selbst profilieren möchte, denn es kann ja nicht sein, dass ihre eigene Refi keinen perfekten Unterricht abliefert. Ich kann mich irgendwie nicht damit abfinden, dass ich aus ihrem Mund niemals "das war eine gute Stunde" hören werde. Ich verstehe auch selbst nicht, wieso ich das überhaupt möchte. Ich bin ja nicht hier, um anderen Leuten zu gefallen und ich habe mich noch nie zuvor in meinem Leben so sehr dafür interessiert, positives Feedback von einer Person zu erhalten.

    Wenn ihr bis hierhin durchgehalten habt - Hut ab! Ich hoffe, es war verständlich. Ich habe mich jetzt kurz gefasst. Das alles brodelt in mir schon seit März.

    Herzliche Grüße

  • Ich finde es erst einmal total toll zu lesen, wie beharrlich du dich gewehrt hast und auch weitere Schritte eingeleitet hast, um der Alten einen Riegel vorzuschieben.


    Anhand deiner Schilderung wird ja deutlich, dass sie nicht mit dir ein Problem hat, sondern wohl mit sich selbst. Das projiziert sie dann auf dich und macht sich in der Besprechung Luft. Vermutlich regt sie sich damit über sich selbst auf. Vielleicht ist sie auch einfach neidisch, dass du eine gute Beziehung zu den SuS hast, ohne dich völlig zu versklaven so wie sie. Oder sie findet, dass alle 150% geben zu müssen und wer das nicht tut, ist unzulänglich. Aber all das ist ja echt ihr Problem.


    Was würde ich in so einer Situation machen? Mitleid haben. Ist doch schade, dass sie dich als erwachsene Frau so rund macht, obwohl sie das Problem hat. Du wirst sie in dem Punkt wohl nicht ändern können, daher hilft entweder nur ein Mentorenwechsel. Oder du siehst sie distanziert, hörst dir geduldig ihr Geblubber an und denkst dir innerlich ‚schade, dass du mich nicht besser betreuen kannst, das tut mir leid für dich‘.


    Im Übrigen immer wieder ein Schock, was für Menschen in sozialen Berufen rumlaufen.

  • Mein Reli-Seminarleiter war ähnlich ekelig, wenn auch nicht halb so strebsam wie Frau A. Immer dachte ich, der Unterrichtsbesuch war schlecht, am Ende war die Note gar nicht so übel, wie erwartet.


    Wenn sie so sehr an Noten hängt, wird sie dich bis aufs Letzte fordern, weil sie denkt, dass du dadurch besser wirst.

    Selbst wenn sie dich jetzt mit 1 oder 2 bewertet, wird sie es dir nicht sagen und weiter fordern, weil sie dich noch besser machen will. Dass es unfair ist, kann sie nicht sehen. Für sie steht die Verantwortung zur Ausbildung vorne an, die sie gewissenhaft -in ihrem Sinne- wahrnimmt ... zumal das System bei euch offenbar anders ist.


    Hast du über einen Wechsel deiner Mentorin nachgedacht?

    Gibt es Seminarleiterinnen oder sonst deine HAL, mit der du das besprechen und auch sachlich darlegen kannst, z.B. indem du die zusätzlichen Verpflichtungen auflistest, die über die Ausbildungsverordnung hinaus gehen?

    Gibt es einen Personalrat für Referendare, mit dem du sprechen kannst?

  • Ich möchte mir diese Freizeit freiarbeiten und ich möchte nicht nachts 20 Uhr noch irgendwelche E-Mails von Mentoren erhalten.

    Nur, weil um 20 Uhr (das ist nicht nachts) Mails kommen, heißt das nicht, dass du sie dann lesen musst. Am nächsten Morgen, wenn deine "office hours" wieder anfangen reicht.


    Zitat

    Die allererste Unterrichtsstunde, die ich in ihrer Gegenwart jemals gehalten habe, hat sie mit "das wäre bei mir nicht gut - das wäre nur eine drei gewesen" kommentiert.

    Eine drei ist doch bestanden. Dass die allererste Stunde so gelaufen ist, dass du ihrer Meinung nach bestanden hättest, ist doch schon fast als Lob zu verstehen.

    Zitat

    Ich habe auch schon Sätze wie "die Schüler können mehr als Sie" gehört.

    Vielleicht ist das waht, vielleicht nicht. Das kannst du reflektieren und entweder für dich zu dem Schluss kommen, dass es wahr ist oder nicht. Wenn es (punktuell) wahr ist, kannst du dich fragen, warum das so ist. Das Schüler manchmal mehr wissen, als ihre Lehrer ist normal. Ob du mehr wissen müsstest, kannst nur du beantworten.


    Zitat

    Ich habe sie oft explizit nach positivem Feedback zu meinen Stunden gefragt. Einmal war ich sogar so hartknäckig, dass ich ständig die gleiche Bitte wiederholt habe - woraufhin sie mir geantwort hat, sie brauche nichts positives zu sagen, denn dann würde ich mich ja nur auf meinen Lorbeeren ausruhen.

    Das ist eben ein anderer Stil. Es ist schade, dass du so wenig Anerkennung bekommst und es wäre besser, wenn eure Stile zueinander passen würden. Aber deine Mentorin ist nicht deine Mutter um deren Anerkennung du betteln musst. Nimm aus der Kritik mit, was für dich produktiv ist und vergiss den Rest. Anerkennung holst du dir woanders.

    Zitat

    Ich traue dieser Frau auch keinen Zentimeter. Sie lädt sich selbst zu meinen Stunden ein und hospitiert mehr, als sie soll. Hier in Sachsen sollen die Mentoren 2h pro Monat hospitieren. Sie kam vor den Herbstferien auf 8h. Jetzt ist sie bei 4h. Ich habe für diesen Monat aufgehört zu zählen und lasse es über mich ergehen.

    Inwiefern traust du ihr nicht? Sie ist offenbar weniger emotional als du, aber das ist doch kein Grund für Misstrauen. Hat sie dir aktiv geschadet (und damit meine ich nicht, dass sie anders kommuniziert, als du)?

    Gibt es für die Anzahl der Hospitationen eine formale Grundlage? Was sagt deine Hauptausbildungsleiterin dazu?


    Zitat

    Wenn es irgendwelche wichtigen Neuigkeiten im Kollegium gibt, dann sagt sie dies auch nicht an mich weiter. Die anderen Kollegen gehen davon aus, dass sie das tut, und sind dann immer überrascht, wenn ich erwähne, dass mir das keiner gesagt hat oder ich es selbst erst im Schreiben xy erfahren habe.

    Wie erfahren es denn die anderen Kollegen? Wieso redest du nicht einfach mit denen? Nur, weil Frau A deine Mentorin ist, heißt das doch nicht, dass du dich von allen anderen abkapseln musst. Was ist eigentlich mit deinen Mitreferendaren? Gibts welche an deiner Schule und wie läuft da die Vernetzung?


    Zitat

    Ich habe mich zurückgezogen und ich fühle mich als Fremdkörper in diesem Lehrerzimmer. Ich will dort nicht sein und ich zähle die Monate bis zum Ende der Ausbildung.

    Bist du mit ihr alleine im Lehrerzimmer?

    Was ist mit den anderen Fachkollegen?


    Zitat

    Ich denke auch nicht, dass ich unser Verhältnis ändern kann, das ist erstens nicht meine Aufgabe und zweitens glaube ich, dass dafür zu viel geschehen ist.

    Was genau ist denn geschehen? Ihr kommuniziert anders, das passt nicht zusammen. Vielleicht ist sie auch ein Arschloch. Kommt vor. Welche formale "Macht" hat sie denn in Sachsen über dich? Hattest du schon bewertete UBs? Wie sind die gelaufen?


    Zitat

    Z.B. hospitiere ich aktuell auch noch ca. 7h die Woche - es sind eigentlich 4h beabsichtigt. Mir wird trotzdem von Frau A immer wieder vorgeworfen, ich täte nicht genug.

    Warum hospitierst du soviel? Hat sie dich dazu angewiesen? Auf welcher Grundlage?

    Ich kann mich irgendwie nicht damit abfinden, dass ich aus ihrem Mund niemals "das war eine gute Stunde" hören werde. Ich verstehe auch selbst nicht, wieso ich das überhaupt möchte. Ich bin ja nicht hier, um anderen Leuten zu gefallen und ich habe mich noch nie zuvor in meinem Leben so sehr dafür interessiert, positives Feedback von einer Person zu erhalten.

    Das wirt du wahrscheinlich nicht hören. Deine Mentorin ist fehlplaziert und scheint nicht zu verstehen, was einen guten Mentor ausmacht. Du überstehst das. Vernetze dich mit anderen Lehrern und Referendaren und hol dir da berufliche Anerkennung. Von dieser Frau wirst du sie nicht bekommen.

  • Sprich mit deiner Schulleitung. Die soll sich eine Stunde ansehen und dir Feedback geben. Außerdem würde ich für mich aufschreiben, was sachlich schief läuft und dann bitten, ob der SL dir helfen kann, weil du nicht weißt, wie du den Konflikt beilegen sollst. Natürlich erzählst du dann nicht alles, was du hier hingeschrieben hast (was ich nebenbeibemerkt kürzen würde, wg. Wiedererkennbarkeit) aber einen Punkt, der dir besonders wichtig ist in Ruhe. Du steigerst dich zu sehr in die Konfliktsituation mit der Person A rein. Es ist nur eine Kollegin und sie ist dir gegenüber nicht mal weisungsbefugt.

    Du müsstest ja jetzt auch im zweiten Halbjahr sein, dann hat die Mentorin doch kaum noch Stunden zum Hospitieren, oder?


    Und zum Seminar: lass dich ein, nimm das mit, was interessant ist. Frag nach, wenn du was Bestimmtes wissen willst. Auch Fachleiter (mwd) sind abgeordnete Kollegen, die sich alles zusammensuchen müssen, was sie euch erzählen, da kann nicht jede Minute ein spannendes Feuerwerk an Methoden sein. Zudem erzählt sie euch aus diesen Artikeln aus gutem Grund, vermutlich hält sie diese für besonders gehaltvoll. Wenn du das noch nicht auf deine Klassen übertragen kannst, dann frage nach. Vielleicht könnt ihr auch Methoden aus euren Schulen mitbringen und euch gegenseitig bereichern? Man muss sich nicht nur berieseln lassen und kritisieren, man darf auch mitgestalten.

  • Danke. Ich sehe das mittlerweile objektiv gesehen ähnlich. Ich habe es nur noch nicht verinnerlicht.
    Ich habe schon oft über einen Mentorenwechsel nachgedacht. Meine HAL und auch die Supervision würden mich dabei unterstützen. Wahrscheinlich käme es dann aber auch zu einem Schulwechsel. Ich weiß einfach nicht, ob ich das wagen soll. Ich mag meine Schüler. Die Schule ist in Ordnung. Nur diese eine Person ist furchtbar. Ich denke, ich werde mal mit unserer Fachschaftsleiterin in Englisch sprechen und sie fragen, ob es jemanden gäbe, der mich stattdessen betreuen würde. Ansonsten versuche ich es jetzt erstmal mit der Strategie, sie zu bemitleiden.

    Damit wirst du auch Recht haben. Sie hat mir auch öfter gesagt, es geht ihr im die Prüfungslehrprobe.
    Ich könnte das meiner HAL darlegen (sie ist gleichzeitig meine Fachleiterin in Englisch). Meine HAL sagte auch eindeutig, es ist nicht erwünscht, dass die Mentoren jetzt nach den Herbstferien noch immer mehr als die vorgeschriebenen 2h/Monat hospitieren. Es gab nach dem Lockdown einen Ministerbrief, der es den Mentoren gestattete, für kurze Zeit mehr zu hospitieren. Diesen Brief nimmt meine Mentorin als Freischein. Sie begründet ihre Hospitation damit, sie müsse die Corona-Zeit ausgleichen und könne mir ja durch eine bessere Bewertung schreiben. Sie sei weisungsberechtigt und ich habe nicht das Recht, sie abzulehnen.

    Hier in Sachsen schreiben die Mentoren eine Bewertung über dich, die dann an die Schulleitung geht. Auf dieser Basis und eigenen Unterrichtsbesuchen formuliert dann die Schulleitung eine Bewertung. Die Stunden, die sie dafür in Anspruch nimmt, stehen aber meiner Meinung nach nicht im Verhältnis zu den Stunden, die sie angeblich verloren hat. Mal ganz abgesehen davon, dass mir ihre Hospitationen sowieso wenig weiterhelfen.

    Sprich mit deiner Schulleitung. Die soll sich eine Stunde ansehen und dir Feedback geben. Außerdem würde ich für mich aufschreiben, was sachlich schief läuft und dann bitten, ob der SL dir helfen kann, weil du nicht weißt, wie du den Konflikt beilegen sollst. Natürlich erzählst du dann nicht alles, was du hier hingeschrieben hast (was ich nebenbeibemerkt kürzen würde, wg. Wiedererkennbarkeit) aber einen Punkt, der dir besonders wichtig ist in Ruhe. Du steigerst dich zu sehr in die Konfliktsituation mit der Person A rein. Es ist nur eine Kollegin und sie ist dir gegenüber nicht mal weisungsbefugt.

    Du müsstest ja jetzt auch im zweiten Halbjahr sein, dann hat die Mentorin doch kaum noch Stunden zum Hospitieren, oder?


    Und zum Seminar: lass dich ein, nimm das mit, was interessant ist. Frag nach, wenn du was Bestimmtes wissen willst. Auch Fachleiter (mwd) sind abgeordnete Kollegen, die sich alles zusammensuchen müssen, was sie euch erzählen, da kann nicht jede Minute ein spannendes Feuerwerk an Methoden sein. Zudem erzählt sie euch aus diesen Artikeln aus gutem Grund, vermutlich hält sie diese für besonders gehaltvoll. Wenn du das noch nicht auf deine Klassen übertragen kannst, dann frage nach. Vielleicht könnt ihr auch Methoden aus euren Schulen mitbringen und euch gegenseitig bereichern? Man muss sich nicht nur berieseln lassen und kritisieren, man darf auch mitgestalten.

    Der Schulleiter war in einer meiner Geschichtsstunden meines Kurses und hat sich nicht beschwert. Er ist allgemein eher ein "lieber Brummbär". Ich habe mit ihm über Frau A und unsere "Feedbackkultur" gesprochen und er sagte, er würde mit ihr reden. Ich hatte danach das Gefühl, dass Frau A meine Stunden etwas weniger zerfleddert und mir auch nicht mehr oft E-Mails schreibt. Das Problem ist, als meine Mentorin ist sie weisungsberechtigt. Sie hat aber tatsächlich eigentlich kaum noch Stunden, um mich zu hospitieren. Ich weiß nicht, wieso sie unbedingt mehr hospitieren will, als sie muss. Wahrscheinlich liegt das an ihrem Perfektionismus.

    Ich denke einfach immer wieder: Vielleicht bilde ich mir das nur ein und nehme das nur so schwer. Vielleicht ist das alles nicht so schlimm. Vielleicht ist es normal und ich beschwere mich hier über nichts.

  • Ja, du hast Recht. Ich versuche auch, ab einer bestimmten Uhrzeit einfach nichts mehr zu lesen, aber ich habe dabei ein schlechtes Gewissen. Und falls sie etwas "wichtiges" nachts um 8 wollte, dann wird sie mich 100% am nächsten Morgen anpampen, ob ich denn ihre Mail nicht gelesen hätte. Dann werde ich wieder fassungslos vor ihr stehen mich innerlich fragen, was mit dieser Person eigentlich nicht stimmt und irgendetwas diplomatisches antworten. Ich bin vielleicht einfach zu nett zu ihr, weil ich mich ihr ausgeliefert fühle.


    Ich weiß nichts von einem Personalrat für uns Refis. Es gibt einen allgemeinen Personalrat.

    Ich rede mit einigen anderen Kollegen, wir sind nicht alleine im Lehrerzimmer. Ich weiß auch, dass meine Mentorin wegen ihrer perfektionistischen, kühlen Art bei manchen unbeliebt ist und dass einige Kollegen sie nur mögen, weil sie wissen, dass sie gerne Extraarbeit erledigt, die sie dann nicht machen müssen. Ich werde aber einen Teufel tun und über meine Mentorin lästern, das wäre dumm. Ich höre mir diese Standpunkte nur an und sage meist irgendetwas neutrales dazu. In der Regel rede ich dann einfach über Unterricht oder worüber man eben so redet...
    Ich versuche, mehr bei anderen Kollegen zu hospitieren und so wenig wie möglich bei ihr zu sein. Das hat bisher leider nicht so gut geklappt, weil es bei uns stundenplantechnisch schwierig ist. Ich werde das aber ab übernächste Woche nochmal anstoßen. Das sollte mir erstmal ganz gut tun.
    Die anderen Kollegen sind eigentlich auch nett zu mir. Es ist für mich irgendwie so, als würden meine schlechten Erfahrungen mit dieser Mentorin für mich alles andere trüben...das ist genau das, was ich gerne abstellen möchte.

    Sie kann in Sachsen die Bewertung des Schulleiters beeinflussen, das war's. Diese zählt dann zweifach für die Gesamtnote. Ich kann eine schlechte Beurteilung - falls es dazu kommen sollte - durch eine gute Prüfungslehrprobe oder zwei gute mündl. Prüfungen ausgleichen. Ich bin da auch in Englisch ganz guter Dinge, hatte aber keinen bewerteten UB. Man hat in Sachsen einen einzigen bewerteten UB, und das ist die Prüfungslehrprobe. Die ist bei mir aber erst irgendwann ab April.

    Es gibt keine formale Grundlage für meine Mehrstunden - bzw, es ist rechtlich schwammig. Das Ausbildungsseminar geht von der Minimalanzahl aus. In der Prüfungsordnung heißt es: "3) 1Ab dem zweiten Ausbildungsabschnitt hat der Studienreferendar in seinen Unterrichtsfächern oder beruflichen Fachrichtungen mindestens drei Unterrichtsstunden wöchentlich zu hospitieren und in der Regel zwölf Unterrichtsstunden wöchentlich selbstständig zu unterrichten. 2Der selbstständige Unterricht erfolgt im Rahmen eines Lehrauftrages. 3Die Mentoren hospitieren je Unterrichtsfach oder beruflicher Fachrichtung in der Regel zwei Stunden monatlich."

    Ich verstehe mich mit den anderen Refis gut und habe mich auch mit der Kollegin angefreundet, die die anderen Kurse in meiner Jahrgangsstufe hat. Den anderen Refis geht auch nicht gut, wir haben alle so unsere Probleme.

  • Ich sehe vieles auch so, was andere geschrieben haben.


    Ich bin noch über folgenden Satz gestolpert:

    Ich musste meine Mentorin quasi per Protokoll dazu verpflichten, in Zukunft nur noch drei Kritikpunkte an meinen Stunden anzubringen.

    Hast du das wirklich initiiert oder war das deine Hauptmentorin?


    Aus deinen Bemerkungen kommt klar heraus, wie schon jemand geschrieben hat, dass die Kommunikation nicht stimmt.

    Wenn du dies von dir aus gemacht hast (ich werte das als Kompetenzüberschreitung), dann stelle ich mir einmal vor, was dann in deiner Mentorin vorgegangen ist. Versuche dich einmal in die Lage deiner Mentorin hineinzuversetzen.


    Sie ist in ihren Augen eine engagierte Lehrerin, die den Schülern etwas beibringen will. Sie hat offensichtlich eine antiquierte pädagogische Vorstellung. Zudem hat sie sich eine Kommunikation angewöhnt, die den Finger in die Wunde legt mit dem Hintergrundgedanken, den anderen verbessern zu wollen, sowohl bei Schülern als auch bei Referendaren. Du bist ja so etwas wie ein "Lehrerschüler". Nämlich als Mentorin wird man sich auch ein Stück weit an den Leistungen der Referendar messen, wenn man Mentor aus Überzeugung macht.


    Wahrscheinlich kommst du besser mit ihr klar, wenn du versuchst, ihre Beweggründe für dich zu verstehen. Wenn du ihre Aktionen immer nur auf deine Persönlichkeit bezogen fühlst (sie verletzt dich sicher nicht mit Absicht, sie ist einfach zu wenig empathisch oder ihr ist es egal oder sie steht nicht über den "Angriffen" gegen sie, z.B. diesen Zwang zur positiven Rückmeldung), wird es sehr schwer.


    Alles in allem würde ich mir dennoch überlegen, ob du versuchst, die Mentorin zu wechseln, weil das zwischen euch nicht passt und das viel Energie kostet, das in richtige Bahnen zu lenken.

  • Ich sehe vieles auch so, was andere geschrieben haben.


    Ich bin noch über folgenden Satz gestolpert:

    Hast du das wirklich initiiert oder war das deine Hauptmentorin?

    Ich habe mich an meine Hauptausbildungsleiterin gewendet, die dann das Gespräch vereinbart und auch diesen Vorschlag initiiert hat.

  • ... Das Problem ist, als meine Mentorin ist sie weisungsberechtigt.

    Ist sie nicht, die Fachleiter jedoch sehr wohl. Was die Schulen oft nicht wissen, es gibt allgemein keine gute Kommunikation zwischen Schulen und Seminaren. Aber egal, ich erkenne einfach keine Bösartigkeit, sondern eine Überengagiertheit bei Frau A. Vielleicht hilft echt mal ein Perspektivwechsel oder der Versuch, anders zu reagieren als sonst. Z. B. "Danke" zu sagen für ihre Arbeit. Und dann auch mal "Ich lese prinzipiell immer erst nach der Schule dienstliche Mails, ich brauche diese bewusste Arbeits- und Freizeitphasen." oder so, sprich per ich. Aber dass man es als Wessi in Sachsen nicht einfach hat, daran wirst du dich gewöhnen müssen.

  • Ist sie nicht, die Fachleiter jedoch sehr wohl. Was die Schulen oft nicht wissen, es gibt allgemein keine gute Kommunikation zwischen Schulen und Seminaren. Aber egal, ich erkenne einfach keine Bösartigkeit, sondern eine Überengagiertheit bei Frau A. Vielleicht hilft echt mal ein Perspektivwechsel oder der Versuch, anders zu reagieren als sonst. Z. B. "Danke" zu sagen für ihre Arbeit. Und dann auch mal "Ich lese prinzipiell immer erst nach der Schule dienstliche Mails, ich brauche diese bewusste Arbeits- und Freizeitphasen." oder so, sprich per ich. Aber dass man es als Wessi in Sachsen nicht einfach hat, daran wirst du dich gewöhnen müssen.

    Doch, sie ist hier leider weisungsberechtigt:


    § 11 Vorgesetzte, Dienstvorgesetzte(1) 1Der Präsident der Schulaufsichtsbehörde oder der von ihm hierzu beauftragte Bedienstete ist Vorgesetzter des Studienreferendars und als Ausbildungsleiter für die gesamte Ausbildung verantwortlich. 2Die Lehrbeauftragten, der Schulleiter der Ausbildungsschule und die den Studienreferendar betreuenden Lehrkräfte (Mentoren) sind in ihrem jeweiligen Teilbereich der Ausbildung gegenüber dem Studienreferendar weisungsberechtigt.



    Das weiß ich, aber ich muss es nicht gut finden. Ich mag voreingenommene Leute nicht und ich werde niemals verstehen, wieso man in einen Ausbildungsberuf geht, wenn man so denkt. Mir wurde auch in Hessen stark von Sachsen abgeraten, was ich auch nicht fair finde. Ich glaube nicht, dass ein "Danke" für sie reicht, das habe ich auch schon versucht. Ich habe sogar vor allem in der Anfangszeit ihren Unterricht gelobt und mich für ihr Feedback bedankt. Bis ich eben gemerkt habe, dass von ihr sowieso nichts positives zurück kommt. Ich werde jetzt erstmal schauen, ob es mir hilft, wenn ich mich eher auf andere Kollegen fokussiere und im Gespräch mit ihr versuche, nichts persönlich zu nehmen. Das sagt sich aber eben so leicht. Ich muss da einfach eine Resilienz wieder aufbauen und mich komplett von ihrer"Anerkennung" abkapseln. Und dafür muss ich Strategien finden, die für mich gut funktionieren.

  • Doch, sie ist hier leider weisungsberechtigt:


    Okay, wurde uns anders gesagt, aber ist auch nicht der springende Punkt, dann definiere eben "Teilbereich". Ich glaube nicht, dass der Mentor in jeder Stunde zum Hospitieren vorbeikommen darf oder jeden Unterrichtsentwurf schriftlich vorgelegt bekommen muss, wenn das woanders anders geregelt ist. Im Zweifel hat der Schulleiter das Sagen und auch deine Fachleiterinnen können dich unterstützen, was auch beide getan haben.


    ... Ich mag voreingenommene Leute nicht und ich werde niemals verstehen, wieso man in einen Ausbildungsberuf geht, wenn man so denkt. Mir wurde auch in Hessen stark von Sachsen abgeraten, was ich auch nicht fair finde.

    Nu mach ma halblang, ich lebe hier schon ein paar Jährchen und weiß, wovon ich rede. Die Kommunikation IST eine andere.

    .. . Ich glaube nicht, dass ein "Danke" für sie reicht, das habe ich auch schon versucht. Ich habe sogar vor allem in der Anfangszeit ihren Unterricht gelobt und mich für ihr Feedback bedankt.

    Es war nur ein Vorschlag, selbst zu versuchen, die Dinge anders anzugehen. Dass ein Danke reicht, habe ich nicht gesagt. Aber frag dich an dem Punkt "ihren Unterricht gelobt" einfach mal selbst, was du für ein Bild von der Person hast. Wieso meinst du, sie wolle "gelobt" werden?


    Es ist immer schade, wenn ein zwischenmenschliches Verhältnis schief läuft und als Ref bist du natürlich in einer besonders schwierigen Situation. Aber du steigerst dich da meiner Meinung nach auf eine Weise rein, die dir selbst nicht gut tut. Mentor*innen haben nicht die Position und "Macht", die du ihnen zuschreibst. Und weder in einem "das wäre eher eine 3 als eine 2", noch in einer Mail sehe ich rein sachlich einen persönlichen Angriff.

  • Nu mach ma halblang, ich lebe hier schon ein paar Jährchen und weiß, wovon ich rede. Die Kommunikation IST eine andere.

    Es war nur ein Vorschlag, selbst zu versuchen, die Dinge anders anzugehen. Dass ein Danke reicht, habe ich nicht gesagt. Aber frag dich an dem Punkt "ihren Unterricht gelobt" einfach mal selbst, was du für ein Bild von der Person hast. Wieso meinst du, sie wolle "gelobt" werden?


    Es ist immer schade, wenn ein zwischenmenschliches Verhältnis schief läuft und als Ref bist du natürlich in einer besonders schwierigen Situation. Aber du steigerst dich da meiner Meinung nach auf eine Weise rein, die dir selbst nicht gut tut. Mentor*innen haben nicht die Position und "Macht", die du ihnen zuschreibst. Und weder in einem "das wäre eher eine 3 als eine 2", noch in einer Mail sehe ich rein sachlich einen persönlichen Angriff.

    Ich habe nicht von dir gesprochen, du beziehst das gerade nur auf dich. Ich meinte damit grundsätzlich Vorurteile auf "beiden Seiten". Es sollte meiner Meinung nach überhaupt keine Seiten geben, aber das lenkt jetzt vom Thema ab. Ich begegne möglichst jedem unvoreingenommen.


    Ich habe bisher die Erfahrung gemacht, dass niemand gern hospitiert wird und sich die meisten Ausbilder sehr unsicher sind. Deshalb habe ich mir dann am Anfang einzelne Dinge ihrer Stunden herausgepickt, die ich besonders interessant fand und auch probieren würde. So oder so ähnlich habe ich das damals formuliert. Ich habe nicht sowas gesagt wie "oh, du bist ja doch zu was zu gebrauchen". Und ich bin auch nicht hier, um irgendwen zu bewerten. Wenn ihr Ego durch ein positives Feedback angeknackst wird und sie sich für die Perfektion in Person hält, dann ist das schade. Sagt aber schlussendlich mehr über sie aus als über mich. Wenn mir ein Refi unterstünde und er mir sagen würde, dass er eine bestimmte Sache in meiner Stunde inspirierend fand und gerne ausprobieren würde, dann würde ich mich darüber freuen und ihm entgegen kommen. Aber Menschen sind eben unterschiedlich und das ist auch gut so. Sie und ich passen einfach nur nicht zusammen und unsere Kombination ist für uns beide unglücklich.

    Du hast damit wahrscheinlich auch Recht. Ich werde hier natürlich nicht alles darlegen, aber es stimmt schon, dass ich einige Dinge ihrerseits zu persönlich nehme. Ich will an den Punkt kommen, wo ich überhaupt nichts mehr, was sie sagt, persönlich nehme. Aber das ist ein Prozess, der dauern wird.

  • Neulinge in "Führungspositionen" (hier Mentor) sind oft überengagiert und schießen übers Ziel hinaus. Die Leittragenden sind dann immer die Untergebenen. Manche spielen sich auch extra auf, wenn sie zum ersten Mal etwas zu sagen haben (...) Das lässt i.d.R. mit der Zeit nach, kann aber einige Jahre dauern.


    Ich würde die formal regelbaren Dinge wie die Anzahl der Hospitationsstunden etc. mit der SL besprechen und auch klar sagen, dass Du Dich sehr unter (unnötigen) Druck gesetzt fühlst. Wenn Du diese Leiterin im Rücken hast, warum nicht?


    Und überlege Dir, nach einem Mentoren-Wechsel zu fragen. Gerade in Englisch als Hauptfach wird es doch noch andere Kollegen geben, die das machen könnten. Vielleicht kuckst Du Dir jemanden aus und fragst konkret, ob der/die andere das machen könnte.

  • Da zeichnet sich ein roter Faden ab:

    Im Übrigen immer wieder ein Schock, was für Menschen in sozialen Berufen rumlaufen.

    Nicht unbedingt: Es sind eben oftmals die extrem engagierten unter uns, die meinen, durch ihren Einsatz die Welt retten zu müssen und auf diesem Weg ihre Empathie verloren haben:

    Aber egal, ich erkenne einfach keine Bösartigkeit, sondern eine Überengagiertheit bei Frau A. Vielleicht hilft echt mal ein Perspektivwechsel oder der Versuch, anders zu reagieren als sonst.

    Genau!

    Neulinge in "Führungspositionen" (hier Mentor) sind oft überengagiert und schießen übers Ziel hinaus. Die Leittragenden sind dann immer die Untergebenen.

    Genau!

    Aber Menschen sind eben unterschiedlich und das ist auch gut so. Sie und ich passen einfach nur nicht zusammen und unsere Kombination ist für uns beide unglücklich. [...] Ich will an den Punkt kommen, wo ich überhaupt nichts mehr, was sie sagt, persönlich nehme. Aber das ist ein Prozess, der dauern wird.

    Das ist mE eine sehr reflektierte Schlussfolgerung.

    Ansonsten: Durchhalten, ich drück' dir die Daumen!

  • Hey HeraKlion,


    in Vielem, was du hier beschreibst, habe ich mich und meine Zeit im Vorbereitungsdienst wiedererkannt.

    Mir ist es ziemlich ähnlich ergangen:

    Ich war die erste Referendarin, die meine Mentorin betreut hat. Sie war super engagiert im Schulleben und steckte noch mitten in der Fortbildung zur Ausbildungslehrkraft, als ich ins Ref ging. Wir haben zwischenmenschlich überhaupt nicht harmoniert...

    Von Anfang an wollte sie, dass ich examensreife Stunde abliefere, wobei ihre Hilfestellungen mir selten geholfen haben. Auch die Besprechungen meiner Unterrichtsstunden waren eher eine Farce. Ich will hier gar nicht unbedingt ins Detail gehen.


    Hier meine heißen Tipps, um das Ref trotz Horror-Mentoring (vielleicht ist es nicht sie als Person, sondern ihrer Art des Ausbildens):


    1. Versuche ein strukturiertes Meta-Gespräch zu führen, ggf. mit HAL oder der SL zusammen. Dabei dürfen BEIDE von euch sagen, was persönlich von der Ausbildung erwartet, wie die aktuelle Situation gesehen wird und welche Wünsche oder Vorschläge für die zukünftige Zusammenarbeit es gibt.


    2. Wenn es die Möglichkeit gibt, würde ich Supervision oder Coaching vorschlagen. Das wird häufig vom Ministerium oder vom Land vorgeschlagen.

    Mir hat es total geholfen, mich persönlich von der Kritik und der Situation zu distanzieren und zugleich professionell mit meiner Mentorin zusammenzuarbeiten.


    3. Wenn gar nichts mehr geht, bemühe dich um einen Mentorinnenwechsel! Diesen Schritt habe ich immer gescheut, weil ich dachte: "Ach, komm! Ich bin ihre erste LiV... Sie meint es nicht doof..." Im Endeffekt war das aber überhaupt nicht schlau... Es geht schließlich um dein 2. StEx, sie hat ja schon eins!


    Wenn du magst, schreib mir eine Nachricht.


    Gutes Durchhaltevermögen!


    SchmidtsKatze

  • Fortbildung zur Ausbildungslehrkraft

    Sowas gibt es??? Das höre ich heute zum ersten Mal. Bei uns kann jede Lehrkraft Mentor*in / Ausbildungslehrer*in werden; dazu benötigt man keine Fortbildung.


    Ich hatte auch in meinem zweiten Schuljahr nach Ende meines Refs einen Referendaren als Ausbildungslehrerin und es hat super gut geklappt. Wir beide fanden es damals gut, dass ich noch selbst noch so nah am Referendariat war.

  • Sowas gibt es?

    Absolut. In SH gibt es für jeden Furz und Feuerstein ne Fortbildung...

    Ehrlich gesagt, finde ich es nicht superwichtig, ob man da den passenden Schein zu hat.


    Allerdings hatte ich eine andere Mentorin, die diese Fortbildung hatte und dadurch deutlich strukturierter war in ihrer Rückmeldung :D

  • Absolut. In SH gibt es für jeden Furz und Feuerstein ne Fortbildung...

    Ehrlich gesagt, finde ich es nicht superwichtig, ob man da den passenden Schein zu hat.


    Allerdings hatte ich eine andere Mentorin, die diese Fortbildung hatte und dadurch deutlich strukturierter war in ihrer Rückmeldung :D

    Ich habe diese Fortbildung absolviert und sie war sehr hilfreich und aufschlussreich.


    Das, was im Eingangspost geschildert wurde, hatten wir in der Fortbildung als absolute Negativbeispiele besprochen.

  • Von mir nur ein kleiner Tipp, der dir aber hoffentlich auch zukünftig hilft. Du sprachst davon, dass du einem Job haben möchtest, der dir noch ein Privatleben übrig lässt. Schon mal herzlichen Glückwunsch zu der Einstellung. Aber leider kommt so etwas nicht einfach, man muss sich kümmern. Sonst wird man zu leicht in den Strudel von Ansprüchen, Konventionen und falschen Vorbildern gezogen.


    Beispiel:

    ich möchte nicht nachts 20 Uhr noch irgendwelche E-Mails von Mentoren erhalten.

    Ich machte mir nicht die Mühe, darüber zu diskutieren, wer mir wann 'ne E-Mail schicken darf. An eine enstprechende Vorgabe werden sich die üblichen Verdächtigen eh nicht konsequent halten. Bei einem asynchronen Medium wie E-Mail kannst du dir aber aussuchen, wann du reagierst.


    Der erste Fehler ist schon, abends seine dienstlichen E-Mails abzurufen. Der zweite (gröbere) wäre es, da auch noch drauf zu antworten. Setze dir feste "Bürozeiten", innerhalb derer du dienstliche Kommunikation absolvierst. Da kann 20 Uhr nicht dabei sein, ebenso wenig der Sonntag. Den Rest baldowerst du aus. Außerhalb dieser Zeiten wird nicht ans Telefon gegangen und keine E-Mail beantwortet. Mach das konsequent.


    Wenn das klappt, darfst du folgende Übung für Fortsgeschritte machen:


    Ich sitze manchmal auch noch am Sonntag am Computer. Vielleicht nicht gerade dienstlich, aber um sonst etwas wichiges in der allwissenden Müllhalde nachzusehen. Dann lese ich auch schon mal Dienst-E-Mails. Das meiste ist eh uninteressant (Größenordnung: weitergeleite Termine der Bezirksregierung für Sprachprüfung in Urdu). Das, was mich betrifft, setze ich auf "ungelesen". Dann kann ich entspannt Montag Nachmittag nachsehen, ob's wirklich interessant ist.


    Meine Kolleginnen wissen, dass sie mich jederzeot anmailen können und dass es die Antwort gibt, wenn es sie gibt.

    "Ihr sollt nicht wähnen, dass ich gekommen sei, Frieden zu senden auf die Erde. Ich bin nicht gekommen, Frieden zu senden, sondern das Schwert."
    Matthäus 10.34

    Einmal editiert, zuletzt von O. Meier ()

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