Brauche Tipps für Vertretungsstunden

  • Guten Abend zusammen,


    ich brauche dringend Tipps für spontane Vertretungsstunden in unbekannten Klassen!


    Letzte Woche habe ich eine Stelle als Vertretungslehrerin an einer Grundschule angefangen. Nebenbei studiere ich noch im Master, weshalb ich auch nur eine 16 Stunden Stelle angenommen habe. Meine Stelle dient nicht der Vertretung einer anderen Lehrkraft, sondern lediglich als zusätzliche Unterstützung/Entlastung für die Kolleginnen. Daher habe ich, bis auf 3 Stunden Förderunterricht, keinen (geplanten) eigenen Unterricht in den Klassen, sondern "wandere" als Doppelbesetzung durch die Klassen und unterstütze die Kolleginnen "aus dem Hintergrund." Natürlich vertrete ich aber die Kolleginnen, wenn diese krank oder verhindert sind (was anscheinend wohl häufiger passiert).


    Nun aber zur Sache: In meinen bisherigen 6 Tagen, musste ich bereits an 3Tagen (je 4 Unterrichtsstunden) spontan vertreten. Erfahren habe ich es jeweils an dem Tag 10min vor Unterrichtsbegin. Ich kannte leider weder die Klasse, noch konnte ich mich irgendwie thematisch auf die Stunden vorbereiten. Ich bekam lediglich einen Zettel mit beispielsweise "Morgenkreis, Wochenplan, Runden auf 10.000er Stelle einführen MB S.48/49, Lektüre Kapitel 3 gemeinsam lesen, Kunst weitermachen." Ich habe es bisher immer geschafft, alles auf dem Zettel mit den SuS "abzuarbeiten", jedoch muss ich leider zugeben, dass es stellenweise ziemlich chaotisch/unruhig/unorganisiert war. Besonders die Unruhe hat mich gestört, da sie an der Schule immer die Türen offen lassen und uns glaube ich alle anderen Klassen auf dem Flur gehört haben. Von manchen Kolleginnen wurde ich später grinsend im Lehrerzimmer gefragt, wie es mir geht oder ob ich jetzt fertig mit den Nerven bin. Nein, ich bin es nicht :D Aber da ich noch im Studium bin und recht wenig Praxiserfahrung habe, möchte ich gern nach Tipps fragen, wie ich spontanen Vertretungsunterricht strukturieren/koordinieren/durchführen kann, um Chaos und Unruhe so gut es geht zu vermeiden. Ich habe schon ein wenig reflektiert und mir ist aufgefallen, dass viele SuS unruhig waren und durch die Klasse gelaufen sind, weil sie "angeblich" nicht wussten, was sie tun sollten. Man sagte mir nur "Wenn die SuS fertig sind mit den Aufgaben, sollen sie Freiarbeit machen. Die wissen, was sie machen müssen." Nunja,anscheinend wussten sie das nicht oder wollten es nicht wissen. Angeblich fehlten Arbeitshefte oder sie durften in den vorhandenen nicht weiterarbeiten oder es war zu schwer, etc. Wie regelt ihr das? Bringt ihr selber Materialien zur Beschäftigung mit? Habt ihr Regeln, Rituale, Strategien? Was macht ihr, wenn ihr die Namen nicht kennt? (Namensschilder basteln war anscheinend eine zu anspruchsvolle Aufgabe und einen Sitzplan gab es nicht) Wie bereitet ihr euch inhaltlich vor? Neue Themen so aus dem Affekt heraus einzuführen fand ich schon herausfordernd.


    Ich hoffe, ihr könnt mir ein paar Tipps geben. Danke :)

  • Ich versuche es mal möglichst kurz:


    1. Abwesende Lehrer machen volle Pläne, damit die Vertretung genug zu tun hat. Das heißt meistens nicht, dass all das auch geschafft werden soll. Ich würde mich an deiner Stelle davon frei machen. Geh diese Stunden ruhig an, stell dich vor, sei humorvoll, aber zeige auch die Grenzen auf. Was geschafft wird, wird geschafft, und was nicht, bleibt für morgen.

    2. Unruhe ist mies und macht bei dir Stress, wirst du noch merken. Sorge zwischendurch für Ruhe (ja auch das kostet Zeit). Fertige dir für jede Klasse einen Sitzplan an, damit du die Kinder ansprechen kannst - sehr wichtig!

    3. Wenn irgendwer "Freiarbeit" aufschreibt, ist das meist eine große Lüge. Materialien sind nicht dort, wo sie sein sollen. Schüler wissen überhaupt nicht, was "Freiarbeit" sein soll, Materialien sind nicht (mehr) vorhanden, oder es sind irgendwelche Spiele/Aktivitäten aufgeführt, die viel zu laut sind, wenn andere noch arbeiten wollen.


    Das waren jetzt so meine Erfahrungen als "klassenloser Springer". Ich hatte meist meinen eigenen Fachunterricht, aber musste auch oft als Vertretung ran. In den einen Klassen ging das problemlos, weil die gesendeten Pläne super waren und die Klasse gut vorbereitet. In anderen Klassen gab es ein paar Worte als Info für mich und davon war die Hälfte nicht durchführbar. Da heißt es entweder spontan was thematisch passendes einbringen (ohne zuviel vorweg zu nehmen, was die Lehrkraft vlt selbst machen möchte, wenn sie schnell wieder kommt) oder ein Spiel / Film / ... in petto haben ;)

  • Guten Morgen!


    Ich würde mir ein Sammelsurium von Arbeitsblättern zusammenstellen:

    Mandalas/ Ausmalbilder/kl. Bastelarbeiten

    Vis. Wahrnehmung

    Konzentration

    Rechenaufgaben (ZR 20/100/...)

    Lernwörter (Abschreiben, Schleichdiktat,...)

    Das alles im Klassensatz kopiert in einem großen Ordner immer mitschleppen und bei Bedarf austeilen...

    Und eine eigene Struktur einführen. (Ja, die Kids werden sich beschweren "Aber bei LK So-und-so machen wir das anders!", drüber stehen, eigenen Plan durchziehen.). Z.B. Begrüßungsspruch, Kopfrechnen/Wort des Tages, Erklärung, Stillarbeit, Abschluss (Reflexion, HAs).


    Lg Lala

  • Weihnachten naht in großen Schritten ... du kannst auch bestimmte Bastelsachen in sehr vielen Klassen einsetzen, zB. Celina-Sterne, wenn man sie heftet und nicht klebt,

    zudem gibt es viele schöne Sachen zu Weihnachten mit Schüttelwörtern oder Logicals oder anderem.


    Dazu solltest du in Erfahrung bringen, ob es in der Schule einheitliche Regeln zur Reglementierung gibt. Wenn nicht, such dir selbst etwas aus, was zählt und zieht. Die Kinder werden in den Wochen vor Weihnachten noch kribbeliger und je länger es dauert, bis du Grenzen ziehst, desto mehr werden sie ausprobieren, wann du es endlich tust.


    Davon abgesehen finde ich es doof, Vertretungskräfte hängen zu lassen. Es stimmt, dass man lieber mehr auf den Zettel schreibt, damit keine Langeweile aufkommt. Da kann keiner erwarten, dass du alles schaffst und rettest.

  • Puh, das ist ja echt chaotisch. Ich möchte gern Sheldons Kommentar unterstützen, da steht, denke ich, alles Wichtige drin.

    "Morgenkreis, Wochenplan, Runden auf 10.000er Stelle einführen MB S.48/49, Lektüre Kapitel 3 gemeinsam lesen, Kunst weitermachen."

    Z. B. hier: macht den ersten Morgenkreis 45 min lang. Stellt euch vor, macht ein lustiges Spiel. Nimm dir Zeit, den Morgenkreis zu bilden. Nimm dir kurz Zeit, jedem Kind Aufmerksamkeit zu widmen und ihm einen schönen Morgen zu wünschen. Nimm dir Zeit für das Spiel und wenn jemand stört, dann nimm dir auch dafür Zeit. Dann lest ihr das Kapitel, sprecht darüber... Irgendwas einführen würde ich erst mal gar nicht in deiner Position und ohne Vorbereitung. Dann sagst du halt, dass die 10.000 nicht geschafft wurde.


    ... mir ist aufgefallen, dass viele SuS unruhig waren und durch die Klasse gelaufen sind, weil sie "angeblich" nicht wussten, was sie tun sollten....

    Dann setzen sich alle noch mal hin, legen alles hin, gucken nach vorne. Jetzt. Jeder. Tanja, guck bitte zu mir

    ... So, jeder sagt mir jetzt kurz, was er während der Freiarbeitsphase machen wird. Ihr habt noch 20 min. bis zur Auswertung, was tust du... in dieser Zeit? Wo hängt euer Wochenplan whatever?


    Finde die Strukturen in den Klassen raus und lasst euch Zeit :) Und irgendwelche Rechenmalblätter für jeden Zahlenraum und Lesetexte in der Tasche haben schadet natürlich auch nicht.

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