Bedeutung der Durchschnittsnote bei Bewerbung

  • Hallo zusammen,


    ich wollte mich mal erkundigen welche Bedeutung die Durchschnittsnote (1 + 2 StEx) bei der Bewerbung auf Stellen hat (ja mir ist bewusst, dass man diese durch Vertretungsarbeit verbessern kann). Ich vermute, dass ich mich bei einer Abschlussnote von 3,0 herum anordnen werde.


    Allerdings bin ich neben meinen Fächern Mathe und Erdkunde auch bereit folgende Fächer (fachfremd) zu unterrichten:

    - Politik und Geschichte (fachliche Nähe zu Erdkunde)

    - Physik (fachliche Nähe zu Mathe)

    - Sport (habe Trainerschein und alle erforderlichen Kurse/Zertifikate)


    Desweiteren sträube ich mich auch nicht davor eine Klassenleitung zu übernehmen oder eine AG zu führen.


    Ich habe aber leider die Befürchtung, dass meine "fachliche Spannweite" mir aber nichts nützt weil einfach viele Bewerber mit einer Note von 1,X bevorzugt werden (OBWOHL diese dann nur ihre beiden studierten Fächer unterrichten und wenig fachlich flexibel sind).


    Daher meine Frage: Wird nur auf die Abschlussnote geschaut oder achten die Schulen auch darauf wie flexibel der Bewerber ist?


    Land ist NRW oder Niedersachsen


    Liebe Grüße

  • Die Schulform ist hier relevant.

    Und ja, deine Bereitschaft hilft dir wenig. Bzw nur, wenn eine Stelle mit ‚Bereitschaft zum ZK ‚Physik‘ steht, aber bei der OG wirst du nicht unbedingt eingeladen, wenn es kein Fach ‚Mathe‘ gibt. Es gibt ja auch Sport/Geschichte-Leute, die bereit sind.

    Mathe+x ist schon eine gute Sache, wenn du zb in Sport oder einem anderen Fach wirklich so weit bist: studier es nach…

    Und sonst: flexibel sein..

  • Falls die Schulen Dich unbedingt einladen wollen, müssten sie zuvor alle BewerberInnen mit besserer Ordnungsgruppe einladen - das kann bei einer OG von 30 unter Umständen schwierig werden. Andererseits: Wenn Du vom Schulort her flexibel bist, solltest Du mit Mathematik etwas bekommen. Gleichwohl solltest Du Dich auf kritische Rückfragen ob Deiner OG einstellen.

  • Ich wurde noch nie gefragt, ob ich Klassenleitung möchte (bekommt man einfach und bei uns gibt es keinerlei Entlastung dafür). Und AGs wollen bei uns so viele, dass man sich bedankt, wenn man eine leiten darf.


    Auch Bereitschaft wird nicht gefragt. Man bekommt einfach z. B. mit Chemiestudium Physik im Anfängerunterricht oder NwT. Wenn man lange dabei ist, kann man es evtl. erfolgreich ablehnen, aber auch nur, wenn genug andere da sind.

    Meine Beiträge werden auf einer winzigen Tastatur eines Tablets mit Autokorrektur geschrieben. Bitte entschuldigt Tippfehler. :mad:

  • Deine Ordnungsgruppe ist in NRW vor allem entscheidend, dass du überhaupt zum Bewerbungsgespräch eingeladen wirst.

    Am Tag der Auswahlgespräche ist dann alles offen.


    - Physik (fachliche Nähe zu Mathe)

    Wenn ich dir einen Tipp geben darf, dann solltest du das im Auswahlgespräch etwas besser begründen. Da du an der Schule keine theoretische Physik unterrichten wirst, nimmt dir jeder Physiklehrer, der zufällig in der Auswahlkommission sitzt, diese Aussage auseinander.

  • Hmmm, hmmm... Da wär ich vorsichtig, täusche dich da mal nicht.


    EDIT: Sehe gerade, dass kodi auch schon auf diese falsche Vorstellung eingegangen ist.

    Kann ich nur bestätigen. Andersherum wird dann noch eher ein Schuh draus: mit einem Physikstudium ist Mathematikunterricht eher möglich als mit einem Mathematikstudium Physikunterricht. In beiden Fällen fehlt aber die jeweils zugehörige Fachdidaktik, die nicht ganz unwichtig ist.

  • Kann ich nur bestätigen. Andersherum wird dann noch eher ein Schuh draus: mit einem Physikstudium ist Mathematikunterricht eher möglich als mit einem Mathematikstudium Physikunterricht. In beiden Fällen fehlt aber die jeweils zugehörige Fachdidaktik, die nicht ganz unwichtig ist.

    Gilt im Übrigen durchaus auch für die vermutete fachliche Nähe zwischen Geo und Politik oder Geschichte. Trotz aller Schnittstellen, die es natürlich durchaus gibt, ist Geo inhaltlich doch sehr anders angelegt und die Fachdidaktik - die man sich zwischen Politik und Geschichte oder Politik/Geschichte und Ethik deutlich eher erschließen kann- hat deutlich mehr gemeinsam mit dem, was zumindest hier in BW in Wirtschaftslehre erwartet wird.

    "Benutzen wir unsere Vernunft, der wir auch diese Medizin verdanken, um das Kostbarste zu erhalten, das wir haben: unser soziales Gewebe, unsere Menschlichkeit. Sollten wir das nicht schaffen, hätte die Pest in der Tat gewonnen. Ich warte auf euch in der Schule." Domenico Squillace

  • Und wie sieht das in Niedersachsen aus? Habe gehört dort gibt es keine Ordnungsgruppen.

    Können dort die Schulen die Bewerber einladen, welche sie wollen (also auch jene, die einen etwas schlechteren Schnitt aber dafür mehr Fächer haben)?

  • Wenn sich nichts (2012-14) geändert hat: jein.
    Die Schule schreibt eine Kombi aus (angenommen Mathe/EK oder Mathe/beliebig) und darf aus dem Pool an Leuten, die zu DIESER Ausschreibung passen (nicht mit anderen Argumenten, die nicht in der Ausschreibung waren) ein paar Leute einladen. Die Note der Person, die am Ende von der Schule ausgewählt wird, darf nicht zu sehr von der besten Note im Verfahren abweichen (ich glaube, ein Notenpunkt ist das Maximum, was bei normalen Ausschreibungen eh eine Menge Menschen bedeutet).


    Mehrere Fächer erweitern deine Chancen in NDS genauso wie in NRW. Da du dich auf mehr Stellen bewerben darfst (jedes Mal, wenn eines deiner Fächer + beliebig oder beide Fächer abgedeckt sind), hast du automatisch mehr Chancen.
    ABER: du (in der aktuellen Situation) hast nunmal nur zwei Fächer.
    Die "Bereitschaft" ist was Schönes, aber nichts Handfestes und überhaupt gar keine Aussage über deine Fähigkeit, dies zu tun. Wir leben (leider? oder nicht) in einer Leistungsgesellschaft, ein Kriterium muss es geben und für einigermaßen faire Verfahren braucht man eher Zertifikate als Versprechen.
    Einige (absolut sehr wenige!!!) Stellen werden ja auch auf Trainerschein ausgeschrieben, in den Leistungsstützpunkten des Leistungssports, aber ich gehe davon aus, dass dein Trainerschein eine C-Lizenz ist und keine B oder A?

  • Die Schule schreibt eine Kombi aus (angenommen Mathe/EK oder Mathe/beliebig) und darf aus dem Pool an Leuten, die zu DIESER Ausschreibung passen (nicht mit anderen Argumenten, die nicht in der Ausschreibung waren) ein paar Leute einladen. Die Note der Person, die am Ende von der Schule ausgewählt wird, darf nicht zu sehr von der besten Note im Verfahren abweichen (ich glaube, ein Notenpunkt ist das Maximum, was bei normalen Ausschreibungen eh eine Menge Menschen bedeutet).

    Das ist tatsächlich noch so.


    Kort1000 Die Schulen in Niedersachsen sind bei der Einstellung also nicht zwingend auf die Reihenfolge der (hier nicht so genannten) Ordnungsgruppen angewiesen und können innerhalb eines gewissen Rahmens Lehrkräfte passend zur eigenen Schule auswählen. Allerdings darf dieser Rahmen auch nicht überdehnt werden und mit Note 3,x wird es durchaus schwierig, wenn es weitere Bewerber auf eine Stelle gibt.


    Mit Mathe/Erdkunde und der Bereitschaft auch fachfremd zu unterrichten sind die Chancen dennoch nicht so gering, wenn dazu noch Flexibilität beim Einsatzort kommt.

  • Ich weiß, es geht um NRW/ Nds, aber nur um das mal etwas in die Bildungslandschaft einzuordnen:


    Für Hamburg würde auch mit Mathe mit Note 3,0 die Stellensuche schon echt schwer, mit viel Glück kommt man an einer Schule mit enormen Rekrutierungsschwierigkeiten an sehr schwierigem Standort unter ( Selbstverantwortete Schule entscheidet in HH weitgehend autark).


    Ab 3,3 (3-) stellt sich vielmehr sogar die Frage nach Verbeamtung, ab 3,7 (4+) würde sogar die Angestelltenstelle nur befristet vergeben. Bezogen auf Stex.2


    Also, wenn man etwas raten kann, dann: Sieh irgendwie zu, dass die Note nicht allzu schwach wird.



    Zum Aspekt fachfremd : Wenn bei uns ein Bewerber direkt aus dem Ref tönen würde, er/sie könne x, y und z locker fachfremd unterrichten, wäre das im Bewerberfeld ein derart dickes Minus, dass es eigentlich schon aus wäre. Grund: Offensichtliche Fehleinschätzung der Bedeutung von Fachdidaktik, von fachlicher Ausbildung und völlige Überschätzung des eigenen Anfänger-Kompetenzniveaus. Also komm mal zügig von diesem Ross runter! Da hast du dich echt gedanklich verrannt.


    Ansonsten:


    Viel Erfolg

  • Zum Aspekt fachfremd : Wenn bei uns ein Bewerber direkt aus dem Ref tönen würde, er/sie könne x, y und z locker fachfremd unterrichten, wäre das im Bewerberfeld ein derart dickes Minus, dass es eigentlich schon aus wäre. Grund: Offensichtliche Fehleinschätzung der Bedeutung von Fachdidaktik, von fachlicher Ausbildung und völlige Überschätzung des eigenen Anfänger-Kompetenzniveaus. Also komm mal zügig von diesem Ross runter! Da hast du dich echt gedanklich verrannt

    Was für ein Ross sollte das denn bitte sein? Ich habe doch lediglich die Bereitschaft angegeben, mich in ein fremdes Fach einzuarbeiten. Verstehe nicht warum das jetzt so negativ interpretiert wird.

    Und von einem "lockeren fachfremden unterrichten" war auch nie die Rede.

  • In dem Punkt muss ich qamqam zustimmen. Wir können als Ersatzschule ja völlig frei von Noten und Rangliste einstellen, aber wenn jemand unserem alten Dezernenten gesagt hätte, er habe die Bereitschaft fachfremd xyz zu unterrichten, wären Fragen zu xyz gekommen und der Mann war erstaunlich fit in vielen Fächern. Wenn man ein Fach unterrichten möchte, das man nicht studiert hat, dann sollte man eine gewisse Affinität nachweisen können, die rechtfertigt, warum man das macht (in Sport wäre das z.B. langjährige Erfahrung als Übungsleiter, in Informatik vielleicht regelmäßige Freelancer-Projekte im Bereich Coding, etc. - als Grundlage für eine spätere Fortbildung auf deren Basis man das dann unterrichtet). Bereitschaft für ein Fach, okay...für zwei Fächer...vielleicht, aber für vier? Das wirkt so random...

    If you look for the light, you can often find it.
    But if you look for the dark that is all you will ever see.

  • Was für ein Ross sollte das denn bitte sein? Ich habe doch lediglich die Bereitschaft angegeben, mich in ein fremdes Fach einzuarbeiten. Verstehe nicht warum das jetzt so negativ interpretiert wird.

    Und von einem "lockeren fachfremden unterrichten" war auch nie die Rede.

    Also ich sehe die unmittelbare Nähe des Fachs Geschichte zum Fach Erdkunde nicht so wirklich - und bei Mathematik und Physik wurde ja schon etwas gesagt. Nun scheint das ja eine Frage der Wahrnehmung zu sein, ob Du dich aufträgst oder nur die Bereitschaft erklärst. Das würde ich taktisch in einem Auswahlgespräch erst dann ansprechen, wenn die Kommission explizit danach fragt.

    Etwas anderes wäre es natürlich, wenn in der Stellenausschreibung die Erwartung formuliert ist, dass man die Bereitschaft mitbringen soll, einen Zertifikatskurs Physik Sek I zu absolvieren. Da wird das ausdrücklich erwünscht und wäre ein Pluspunkt.

  • In dem Punkt muss ich qamqam zustimmen. Wir können als Ersatzschule ja völlig frei von Noten und Rangliste einstellen, aber wenn jemand unserem alten Dezernenten gesagt hätte, er habe die Bereitschaft fachfremd xyz zu unterrichten, wären Fragen zu xyz gekommen und der Mann war erstaunlich fit in vielen Fächern. Wenn man ein Fach unterrichten möchte, das man nicht studiert hat, dann sollte man eine gewisse Affinität nachweisen können, die rechtfertigt, warum man das macht (in Sport wäre das z.B. langjährige Erfahrung als Übungsleiter, in Informatik vielleicht regelmäßige Freelancer-Projekte im Bereich Coding, etc. - als Grundlage für eine spätere Fortbildung auf deren Basis man das dann unterrichtet). Bereitschaft für ein Fach, okay...für zwei Fächer...vielleicht, aber für vier? Das wirkt so random...

    Also in den Schulen in denen ich bisher war ( ja es waren bisher nur Praktika und die Praxisphase der Hochschulausbildung), war es so, dass der Schulleiter/in fachfremden Unterricht oftmals verlangt hat. Dabei spielte es keine Rolle, ob man die Bereitschaft für das Fach hätte oder nicht.

    Fairerweise muss erwähnt werden, dass es relativ kleine Schulen waren mit einer dünnen Personaldecke

  • Also in den Schulen in denen ich bisher war ( ja es waren bisher nur Praktika und die Praxisphase der Hochschulausbildung), war es so, dass der Schulleiter/in fachfremden Unterricht oftmals verlangt hat. Dabei spielte es keine Rolle, ob man die Bereitschaft für das Fach hätte oder nicht.

    Fairerweise muss erwähnt werden, dass es relativ kleine Schulen waren mit einer dünnen Personaldecke

    Eben, es wird verlangt, Bereitschaft interessiert niemanden.


    Aber jeder, der es mal machen musste, weiß wie viel mehr Vorbereitungszeit man benötigt, um Schmalspur unterrichten zu können (ich denke an meinen Physik-Angangsunterricht in Klasse 6 Gesamtschule, obwohl die Didaktik dank Versuche vermutlich ähnlich zu Chemie sein sollte, die fehlt dir komplett), in Mathematik habe ich erlebt, wie viele fachliche Fehler mein Chemie-/Biokollege in Klasse 5 gemacht hat (das wusste auch die SL und hat mich vorgewarnt, als ich die Klasse in 6 übernommen habe).


    Ein junger Kollege ohne jahrelanger Berufserfahrung benötigt sowieso viel mehr Zeit für die Unterrichtsvorbereitung. Entweder ist er ein Naturtalent (dann hat er auch ein sehr gutes Staatsexamen) oder er wird überfordert (will eine gute Schule auch nicht) oder er merkt noch nicht einmal, was seinem Unterricht im Vergleich zu anderen fehlt. qamqam hat recht.

    Meine Beiträge werden auf einer winzigen Tastatur eines Tablets mit Autokorrektur geschrieben. Bitte entschuldigt Tippfehler. :mad:

  • (...)Bereitschaft für ein Fach, okay...für zwei Fächer...vielleicht, aber für vier? Das wirkt so random...

    Fairerweise sollte man aber sagen, dass es durchaus Schulen gibt, die das erwarten. Ich hatte ja bereits an anderer Stelle geschrieben gehabt, dass eine der Schulen, bei denen ich mich 2020 beworben hatte eine Vielzahl an Fächern (fünf an der Zahl) zusätzlich zu meinen drei studierten Fächern gerne noch fachfremd unterrichtet wissen wollte, darunter einige, die wirklich SEHR weit weg waren von meinen studierten Fächern und auch weit weg von meinen persönlichen Talenten liegen. An anderer Stelle wurde mir schon im Ref- von einem Physiker- erklärt, ich könnte ganz problemlos auch Physik fachfremd unterrichten (auch GANZ WEIT WEG von meinen studierten Fächern), weil ich mich in die FD einarbeiten könnte und fachlich den SuS auch ohne Studium immer um Längen voraus wäre. Ich habe persönlich eine andere Haltung fachfremden Unterricht betreffend, denke aber, wenn dieser im Schulalltag zumindest hier in der Sek.I so schnell jedem der "Hier" ruft übergeben und zugetraut wird ist es kein Wunder, wenn selbst Anwärter, die nicht unbedingt durch Bestnoten glänzen meinen, sie könnten am Ende problemlos einen ganzen Strauß Fächer in erforderlicher Qualität unterrichten.


    Kort1000 : Wenn du im Bewerbungsgespräch gefragt wirst, ob du bereit wärst Fach X oder Y fachfremd zu unterrichten, dann ist es natürlich ein Vorteil, wenn du diese Bereitschaft zeigst. Allerdings solltest du dabei zum einen im Blick haben, dass du als kompletter Berufsanfänger erst einmal auch ein volles Deputat mit vielen neuen Aufgaben stemmen wirst müssen und zum anderen immer (selbst-)kritisch prüfen, was du aufgrund deines Vorwissens in mindestens ausreichender Qualität leisten wirst können. Es ist unrealistisch sich gleich im ersten Jahr in mehrere Fächer fachfremd einarbeiten zu wollen, die womöglich weit weg liegen von den studierten Fächern, sowohl was Fachinhalte anbelangt als auch die Fachdidaktik. Das mögen manche Schulen anders sehen, den Preis zahlst aber nicht nur du, der sich in die Fächer vernünftig einarbeiten muss, sondern auch die SuS, die spürbar schlechteren Unterricht erhalten. Bloß weil man ein Ref geschafft hätte ist man schließlich nicht plötzlich ein Lehrgenie aller Fächer, sondern benötigt noch Jahre für die weitere Professionalisierung- auch ganz ohne fachfremden Unterricht. Ich unterrichte exakt ein Fach fachfremd aktuell (erstes Jahr nach dem Ref gerade abgeschlossen). Das habe ich inhaltlich weitestgehend im Studium mit abgedeckt gehabt und die Fachdidaktik kann ich aus einem meiner anderen Fächer übertragen weitestgehend. Trotzdem war das erste Halbjahr noch sehr durchwachsen, weil ich mich in Fach und Themen eben erst einarbeiten musste, weil ich keinerlei Vorerfahrungen aus dem Ref hatte und es eben auch abgrenzen musste an bestimmten Punkten z.B. zu Politik. Ich habe aber Studium und Ref mit exzellenten Noten abgeschlossen, habe ein Erststudium mit weiteren Fächern vorzuweisen, viele Jahre Berufserfahrung im außerschulischen Bildungsbereich und bin insgesamt fachlich, didaktisch und pädagogisch so weit aufgestellt damit (und auch so erfahren), dass ich äußerst guten Gewissens dieses eine Fach anbieten kann, weil ich weiß, dass ich das wirklich leisten kann. Du hast deiner eigenen Aussage nach weder im Studium, noch im Ref Bestnoten erzielt . Das ist nicht dramatisch (womöglich auch ungleich verteilt auf die beiden Fächer), bedeutet aber eben, dass du so ehrlich zu dir selbst sein solltest, dass du womöglich eben noch etwas mehr Zeit benötigen wirst, um dich in der erforderlichen Qualität in deine Fächer einzuarbeiten. Ehe du selbst nur befriedigenden, aber keinen guten Unterricht in deinen Fächern leisten kannst sollte fachfremder Unterricht idealiter keine Rolle spielen und wenn er sich gar nicht umgehen lassen würde, nicht mehr als ein neues Fach alle 2-3 Jahre bedeuten, damit du dich wirklich einarbeiten kannst in Fachinhalte und Fachdidaktik der verschiedenen Klassenstufen. Soviel Qualitätsanspruch sollten wir als Lehrkräfte haben- immerhin fordern wir auch unseren SuS entsprechende Leistungen in entsprechender Qualität ab. Also prüf ehrlich und selbstkritisch, was du anbieten kannst, wenn du nach fachfremdem Unterricht gefragt wirst. Sich selbst an so einer Stelle ehrlich zu reflektieren und Grenzen zu ziehen wo nötig, statt einfach alles zu machen, was ein SL grad brauchen könnte bringt dir bei den richtigen Leuten eher Extrapunkte, weil du signalisierst, dass du dich selbst ehrlich einschätzen kannst und einen bestimmten Selbstanspruch hast deine Arbeit betreffend. Meine aktuelle Schulleitung hätte auch sehr gerne noch ein weiteres Fach fachfremd von mir unterrichtet gewusst, kann aber auch weiterhin- ungeachtet des Mangels in diesem Fach- sehr gut damit leben, dass ich dieses Fach nicht anzubieten bereit bin, weil ich es fachlich nicht in einer Qualität leisten könnte (auch nicht im Schuljahresverlauf), um meinem persönlichen Qualitätsanspruch zu genügen (oder zumindest so ordentlich unterrichten zu können, um ein Ref zumindest mit "ausreichend" in dem Fach bestehen zu können rein hypothetisch). Auch die Schule mit dem ganz akuten Mangel, die damals fünf Fächer fachfremd wollte hat mir am Ende ein Stellenangebot gemacht gehabt, obwohl ich bei der Mehrheit der Fächer überdeutlich ausgedrückt habe diese niemals fachfremd zu unterrichten. Meine "Gegenkandidatin" bei der Schule (auch frisch aus dem Ref) hatte sich direkt bereit erklärt sämtliche geforderten Fächer sofort fachfremd zu leisten und trotzdem die Stelle erst angeboten bekommen, nachdem ich abgelehnt hatte und weil es keine anderen Bewerber gab. (Bevor jemand nachfragt: Ja, das weiß ich zufällig wirklich so genau mit allen einstellungsrelevanten Details. Die Schule hatte sich faktisch bei mir beworben, nicht ich bei ihr und hat ein paar Dinge ausgeplaudert, die sie nicht hätte ausplaudern sollen/dürfen.) Qualität schlägt eben immer noch Quantität, das solltest du bei der Frage nach fachfremdem Unterricht niemals vergessen.

    "Benutzen wir unsere Vernunft, der wir auch diese Medizin verdanken, um das Kostbarste zu erhalten, das wir haben: unser soziales Gewebe, unsere Menschlichkeit. Sollten wir das nicht schaffen, hätte die Pest in der Tat gewonnen. Ich warte auf euch in der Schule." Domenico Squillace

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