Grundschule RLP: Schwerpunktschule werden

  • Hallo,


    wir sind eine innerstädtische Grundschule in einem sozialen Brennpunkt. Um uns herum liegen mehrere Schwerpunktschulen (Grundschulen). Wir sind vor ein paar Jahren Ganztagsschule geworden. Außerdem nehmen wir gerade am Projekt „S hoch4:Starke Schule, Schule stärken“ teil.


    Einige Kolleg(Inn)en inclusive mir überlegen, ob es sinnvoll ist, dass wir Schwerpunktschule werden.


    Gibt es dazu von euch Erfahrungen, Tipps, Vor-oder Nachteile, die zu berücksichtigen sind?


    Bisher auf meiner Liste:


    +es gibt mehr Unterstützung (mehr Förderstunden, Förderlehrkräfte)

    +Anträge auf Gutachten werden zukünftig früher/schneller durch ausgebildete Förderlehrer gestellt

    (Eine Freundin an einer benachbarten Schwerpunktschule hat noch nie einen Antrag zum Fördergutachten gestellt; ich habe das pro Jahr ca.1x.)


    -wir würden „schwierigere“ Schüler bekommen, sagen einige

    (ich bin der Meinung, dass das nicht stimmt: unsere Klassen sind 20-24 teilweise sehr anspruchsvolle Kinder; es kann nicht noch anspruchsvoller werden)

    -es gibt kein (Förder-)Personal und die Stellen/Arbeit würde durch zusätzliche Grundschullehrer besetzt/erledigt

    (Ich sehe an den umliegenden Schulen durchaus Förderlehrer.)



    Wie seht ihr das, was beachte ich nicht (ich bin in unserem Einzugsgebiet deutlich pro Schwerpunktschule) und wie groß ist der bürokratische Aufwand bis man Schwerpunktschule ist?


    Vielen Dank für eure Unterstützung!

  • Zu deiner Frage kann ich nichts sagen, nur dazu:

    -wir würden „schwierigere“ Schüler bekommen, sagen einige

    (ich bin der Meinung, dass das nicht stimmt: unsere Klassen sind 20-24 teilweise sehr anspruchsvolle Kinder; es kann nicht noch anspruchsvoller werden)

    Schlimmer geht immer. Ich vermute mal, du bekommst zusätzlich zu deinen schwierigen SuS noch welche mit anerkanntem Förderbedarf und da kann, frei nach Max Goldt, ein Gallenröhrling das sorgsam gehegte Steinpilzgericht verderben.

    Tao-hsin sprach zu seinen Schülern "Die Freiheit des Himmels, eines Baumes, eines Steines ist die Messlatte."

  • Es ist sehr schwierig, das über die Bundesländer hinweg beurteilen zu können - das BL ist RLP, nicht BY, "Förderlehrer" Plattenspieler , wird es in RLP nicht geben.


    Meine Beobachtung ist, dass sich an den Ganztagesschulen schon häufiger schwierige SuS sammeln. Das liegt aber an der regionalen Schullandschaft und ist sicher nicht generell so.


    Fraglich wäre also:

    - Welche SuS müsst ihr jetzt beschulen? Kommen auch jetzt Schüler:innen mit besonderen Bedarfen hinzu, weil sie eurer Schule zugewiesen werden?

    - Gibt es Quoten für diese Schulen?

    - Wie wird unter den bisherigen Schwerpunktschulen abgestimmt, wer welche SuS nimmt?



    Was ist nicht verstehe:

    In deiner Liste schreibst du positiv, dass es an Schwerpunktschulen mehr Förderstunden gibt, und negativ, dass es weniger Sonderpädagogen gibt,

    gleichzeitig versprichst du dir, dass die Überprüfungen von anderen Kräften übernommen werden.

    Das ist nicht stimmig oder für mich nicht verständlich.


    Letztlich spielt wohl auch noch die regionale Unterrichtsversorgung eine Rolle. Wenn ohnehin zu wenig Personal in der Region ist, bekommt man die im Erlass eingesetzten Stunden nur anteilig.

  • Hallo,


    Danke schonmal!


    Also ja, Förderschullehrer.🙂

    Wir haben wiegesagt ein sehr schweres Einzugsgebiet. Im erweiterten Umkreis (Ich war schon über ein Jahr an Grundschulen, Gymnasien, IGSn) finde ich unser Schülerklientel echt heftig.

    Dadurch, dass wir GTS geworden sind, kommen alle Kinder aus unserem Viertel zu uns, außer diejenigen, die auf eine Schwerpunktschule gehen. Wenn ich sehe, wieviele Lernschwache oder durch Migrationshintergrund sprachlich eingeschränkte Kinder wir haben, sind das vermutlich nicht so viele, die woanders hingehen. Wir haben auch Kinder mit autistischen Verhaltensweisen.

    Es geht mir zum Beispiel so, dass ich mich um viele Dinge gar nicht kümmern kann. 25 Kinder, einer mit sozial-emotionalem Förderbedarf (gibt keinen Platz für ihn an der Förderschule), 5 Kinder mit sprachlichen Problemen, ein neues Kind gerade aus Osteuropa gekommen (spricht nur ein paar Wörter Deutsch), zwei oft störende Kinder (einer könnte sich auch hin zu einem SE-Gutachten entwickeln).

    Ich fühle mich überfordert, da ich nicht hinterherkomme. Ich denke, dass eine zweite Lehrkraft sehr hilfreich wäre und auf der anderen Seite nur 0-2 mehr „schwierige“ Kinder dazukommen „dürften“…


    Zu deiner Frage Palim:

    Ich hoffe, dass eine weitere Lehrkraft (egal ob Förderschullehrer oder Grundschullehrer) in meiner Klasse als Doppelbesetzung helfen würde.

    Ich fürchte, dass es kein ausreichend qualifiziertes Personal vorhanden ist. Für mich ist das kein Hinderungsgrund, denn gefühlt machen wir Arbeit für zwei. Eine „Aufsicht“ am Morgen für differenzierte Arbeitsphasen, Förderstunden mit einzelnen Kindern oder Aufsicht über die Klasse, während ich Anrufe (dringende Anrufe, wie: holen sie bitte ihr Kind ab und führen ein Gespräch mit ihm, dass er kein Messer mit zur Schule bringt und damit Mitschüler bedroht!) tätigen kann.

    Aktuell ist es eher so, dass ich diesen Kindern bedrohliche Dinge oder Spielzeuge annehmen muss und diejenigen in eine andere Klasse schicken muss, da es „einfacher“ oder weniger zeitaufwendig ist. Andere Kollegen sehen über viele Dinge einfach hinweg und das finde ich noch mehr daneben.

    Abgesehen davon hatte ich im letzten halben Jahr gesundheitliche Probleme und gerade an Heiligabend einen Hörsturz. Davor hatte ich fünf Jahre keinen Fehltag.


    Mein Beruf und die Arbeit machen mir Spaß, aber die Belastung ist aktuell einfach enorm.

    Von der Seite sehe ich es so, dass auch ein zweiter Grundschullehrer sehr unterstützend wirken würde.


    Danke für euer Verständnis für meine Klagen!

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