Die Waldorfschule und Inklusion

  • Hallo JuliaMaria05,

    willkommen hier im Forum. Möchtest du an einer Waldorfschule (mit Inklusionsschwerpunkt) unterrichten, schreibst du eine Arbeit über diesen Bereich (und befindest dich demnach noch im (Lehramts-)Studium) oder ziehst du in Erwägung, dein Kind (falls vorhanden) an einer dieser Schulen anzumelden? Alles Fragen meinerseits, die du selbstverständlich nicht öffentlich beantworten musst, ich mir aber dennoch in Bezug auf deinen vorausgegangenen Beitrag stelle, da du leider keinerlei Informationen zu deinem beruflichen Status oder zu deiner Person in deinem Profil bzw. in deinem Post vermerkt hast.


    Ich unterrichte am Gymnasium (Bayern) und könnte dir demnach ''nur'' Erfahrungsberichte zur Inklusion an dieser Schulart (und nicht an der Waldorfschule) liefern, würde dir jedoch -um bei deinen Fragen zu bleiben- empfehlen, dich durch nachstehende Links zu klicken (die übrigens aufpoppen, sobald du genau deine hier gepostete Frage in die Suchmaschine deiner Wahl eingibst):


    Inklusion - Bund der Freien Waldorfschulen

    Erziehungskunst – Waldorfpädagogik heute: Wie inklusiv sind Waldorfschulen?

    Inklusion und Heilpädagogik - Bund der Freien Waldorfschulen

    Bildung | UN-Behindertenrechtskonvention


    Der Inhalt dieser sollte deinen Fragen ggf. entsprechende Antworten liefern können. Ansonsten kannst du auch einfach mal die Homepages der Waldorfschulen deiner Wahl durchforsten und bei Bedarf anrufen, um etwaige Fragen zu klären.

    Gruß, Laborhund

    „Es muss von Herzen kommen, was auf Herzen wirken soll.“ (Johann Wolfgang von Goethe)

    „Der Sinn des Lebens besteht nicht darin, ein erfolgreicher Mensch zu sein, sondern ein wertvoller.“ (Albert Einstein)

    „Phantasie ist wichtiger als Wissen, denn Wissen ist begrenzt“ (Albert Einstein)

    „Stolpern ist die einzige Möglichkeit, der Welt einen Tritt zu verpassen“ (Charlie Chaplin)

    „Jeder schafft die Welt neu mit seiner Geburt, denn jeder ist die Welt“ (Rainer Maria Rilke)

  • Auf die Gefahr hin, mich unbeliebt zu machen: Waldorfschulen entspringen der anthroposophischen Tradition, die auch nach wie vor gelebt wird (siehe Hamburg - der Modellversuch einer staatlichen Waldorfschule ist gescheitert, weil die Vereinigung der Waldorfschulen argumentiert hat, dass "nur" Elemente der Waldorfpädagogik nicht möglich sind, sondern immer im Sinne Steiners ein Gesamtkonzept sein muss.

    Bestandteil der Anthroposophie ist die Karma-Lehre, die Krankheit und Behinderung als Konsequenz von Fehlern in einem früheren Leben ansieht, mit deren Folgen die Schüler*innen nun leben. Zudem beruht der Waldorf-Lehrplan in den ersten Grundschuljahren auf strenger Imitation vorgegebener Muster (Tafelanschriebe abmalen, bestimmte Kunst nachzeichnen, in der Eurythmie Rhythmen nachahmen, usw.), was wenig Raum für Differenzierung lässt.

    Ich gehe stark davon aus, dass es Schulen gibt, die sich von dieser Tradition entfernt haben und sich bemühen, schüler*innenzentrierten, guten Unterricht zu machen & deren Lehrkräfte (und entsprechend auch Kollektivleitungen) nicht so tief anthroposophisch verwurzelt sind. Dennoch ist das Gesamtkonzept, in der strengen Tradition nach Steiner, zutief ableistisch und hat überhaupt nichts mit Inklusion zu tun.

  • Obwohl ich mich spontan immer frage, was bei ableistischen Konzepten denn eigentlich abgeleistet werden muss (und von wem), von mir volle Zustimmung für diese treffende Charakterisierung der schwarzen Waldorfpädagogik!

    Eine Rückkehr zur Normalität „nach der Pandemie“ wird nur für diejenigen möglich sein, die vorher schon normal waren. Es handelt sich um eine Pandemie, nicht um ein Wunder.

  • Danke :)


    Ich versuche, Ableismus als Konzept auch nicht inflationär zu verwenden, aber der Kern ist, dass Menschen auf ihre Beeinträchtigung reduziert werden & davon auf ihr Sein als Mensch, im schlimmsten Fall (und bitte nicht missverstehen, ich teile das absolut nicht) implizit oder explizit eine Wertigkeit damit verbunden wird. Und bei Steiner trifft das 1:1 zu, Behinderung und Erkrankung sind ja in seinem Konzept Strafen.

    Einmal editiert, zuletzt von JoyfulJay () aus folgendem Grund: Zu viele "ja"s im Beitrag, zwei entfernt 😂

  • Es ist schon erschreckend, dass man auf Grundlage derartigen esoterischen Spinnkrams Schulen betreiben darf. Das ist ja fast so schlimm wie Kirchen als Schulträgerinnen.

    „Kinderlähmung ist grausam, Schluckimpfung ist süß.“

    2 Mal editiert, zuletzt von O. Meier ()

  • Es gibt heute durchaus Waldorfschulen, die bewusst inklusiv arbeiten und sich das auch ins Programm schreiben. Wichtiger ist wohl die Sichtweise und das Menschenbild der Anthroposophie. Steiner unterscheidet m.W. Körper, Geist und Seele und die Seele kann aus Sicht der Anthroposophen nicht behindert sein.


    Ich bin nicht sonderlich bewandert in der Anthroposophie und die TE sollte sich bei ernsthaftem Interesse intensiver mit der Thematik befassen. Aber anthroposophische Einrichtungen, die ich aus persönlicher Anschauung kenne, sind schon weit bevor der Begriff der Inklusion in aller Munde war wesentlich menschlicher, mit mehr Akzeptanz und ohne defizitäre Sicht mit Menschen mit Behinderung umgegangen.


    Ob man mit dem ganzen ideologischen Überbau was anfangen kann, sei mal dahingestellt. Aber gerade Inklusion halte ich für ein sehr anthroposophisches Konzept.

  • Es gibt heute durchaus Waldorfschulen, die bewusst inklusiv arbeiten und sich das auch ins Programm schreiben. Wichtiger ist wohl die Sichtweise und das Menschenbild der Anthroposophie. Steiner unterscheidet m.W. Körper, Geist und Seele und die Seele kann aus Sicht der Anthroposophen nicht behindert sein.


    Ich bin nicht sonderlich bewandert in der Anthroposophie und die TE sollte sich bei ernsthaftem Interesse intensiver mit der Thematik befassen. Aber anthroposophische Einrichtungen, die ich aus persönlicher Anschauung kenne, sind schon weit bevor der Begriff der Inklusion in aller Munde war wesentlich menschlicher, mit mehr Akzeptanz und ohne defizitäre Sicht mit Menschen mit Behinderung umgegangen.


    Ob man mit dem ganzen ideologischen Überbau was anfangen kann, sei mal dahingestellt. Aber gerade Inklusion halte ich für ein sehr anthroposophisches Konzept.

    Sorry, da muss ich leider widersprechen bzgl. Steiner (hab da erst meine Abschlussarbeit drüber geschrieben & mich dafür monatelang intensiv mit der Anthroposophie und Steiner beschäftigt).

    Steiners Dreigliedrigkeit unterscheidet zwar Seele, Geist und Körper, aber in einem anderen Verständnis als wir von diesen drei Begriffen haben; sie stellen Entwicklungsstufen des Menschen dar, die in bestimmten Alterstufen erreicht werden. Geist und Seele entsprechen der dritten und vierten Stufe, Körper der ersten. Grundlage(!) der Anthroposophie im Bezug auf Behinderung das hier:

    Zitat

    “Entsprechend prägt sich im heutigen physischen Leib ab, was als Ätherleib im vorigen Erdenleben erlebt hat und in diesem wiederum, was den Astralleib im vorigen Leben bewegte.


    Angesichts dieser Gesetzmässigkeit, dass im nächst niederen Wesensglied die Arbeitsergebnisse des nächsthöheren aufgenommen und ins unbewusste Körperleben integriert werden, wird auch verständlich, warum es nur begrenzt sinnvoll ist, die Ursachen für Krankheiten und Behinderungen in diesem einen Erdenleben beziehungsweise allein in Konstitution, Vererbung und Umwelt zu suchen.


    Ihren wirklichen Grund haben sie in längst vergangenen Erdenleben, ja, was den physischen Leib betrifft, reichen sie in das vierte vorige Leben zurück.” (Michaela Glöckler in “Begabung und Behinderung”, Verlag Freies Geistesleben (2004))

    Behinderung ist IMMER als Konsequenz aus Verfehlungen des viertletzten bzw. ggfs. auch anderer früherer Leben. Das Konzept der Anthroposophie denkt Behinderung als Strafe und egal, wie zugewandt Menschen vor Ort sein können, ist die Grundlage zutiefst feindlich ggü. Menschen mit Behinderung.

    Inklusion als anthroposophisches Konzept zu bezeichnen ist ein Schlag ins Gesicht für alle Menschen mit Behinderung, denn niemand trägt Schuld an seiner Erkrankung/ Behinderung und muss das durch besseres Karma kompensieren.

  • Behinderung ist IMMER als Konsequenz aus Verfehlungen des viertletzten bzw. ggfs. auch anderer früherer Leben.

    Danke für die Information, das liest sich wirklich furchtbar. Ich sagte auch bewusst, dass ich mich mit Steiner kaum theoretisch befasst habe. Was ich aber habe, ist ein Einblick in verschiedene anthroposophische Einrichtungen. In Waldorfschulklassen saßen schon vor 40 Jahren Kinder mit Behinderung 'einfach mit dabei' was tatsächlich besonders war. Und ich weiß, dass Inklusion heute anders verstanden wird, aber früher gab es den Begriff und eine Vorstellung davon gar nicht.


    Und Einrichtungen für Erwachsene, die in Dorfgemeinschaften zusammenleben, jede*r trägt mit seiner Arbeit zum Arbeitsergebnis bei..., das gibt es auch schon mehrere Jahrzehnte, wo andernorts noch Schrauben sortiert wurden. Von der DDR fange ich erst gar nicht an.

  • Was ist das?

    Oh, keine Ahnung, im zitierten Kontext wahrscheinlich etwas, das unsterblich ist und keine Behinderung erleiden kann? Ich bin weder Philosoph noch Christ, deswegen äußere ich mich auch dazu nicht mehr, andere kennen sich bestimmt besser aus:_o_)


    Ich wollte nur sagen, dass bei aller berechtigten Kritik an Steiner und seinen Vorstellungen, in vielen anthroposophischen Einrichtungen eine wertschätzende Atmosphäre herrscht, der Umgang mit der Natur ein sehr nachhaltiger ist und damit waren die Anthros ihrer Zeit voraus. Ich habe den Eindruck, dass in den Medien oft ein sehr vorurteilsbelastetes Bild von insbesondere Waldorfschulen vorherrscht und das stimmt meiner Erfahrung nach nicht 100% mit der Realität überein. Es gibt auch geimpfte Anthros.

  • @Thymian


    Also muss man froh sein, dass die Anhängerinnen dieses Spinnkrams sich nicht (konsequent) an den Spinnkram halten? Das überzeugt.

    „Kinderlähmung ist grausam, Schluckimpfung ist süß.“

  • Also muss man froh sein, dass die Anhängerinnen dieses Spinnkrams sich nicht (konsequent) an den Spinnkram halten?

    Das ist doch bei anderem Spinnkram nicht anders.

    Das überzeugt.

    Nein, so weit würde ich nicht gehen.

    Eine Rückkehr zur Normalität „nach der Pandemie“ wird nur für diejenigen möglich sein, die vorher schon normal waren. Es handelt sich um eine Pandemie, nicht um ein Wunder.

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