Lehrprobe/UB-Vorbereitung mit ADHS

  • Wie war das denn während Deiner Schulzeit? Bist Du da medikamentiert worden, oder hast Du das so hinbekommen?

    Falls Du einer Medikation gegenüber aufgeschlossen bist, ggf. wegen Vorerfahrung, könnte das ja ggf. auch helfen.

    Hallo Bolzbold,


    während meiner Schulzeit war es schwierig. Die Diagnose kam auf, wurde aber nicht weiter thematisiert und auch nicht behandelt (warum konnte ich leider nicht rausfinden). Ein offizielles Dokument habe ich aber nicht. Aus diesem Grund habe ich als Erwachsener eine Diagnose machen lassen die ziemlich eindeutig war.


    Medikamente helfen auf jeden Fall, dennoch gibt es ein Recht großen Reboundeffekt, d.h. danach sind die Symptome deutlich schlimmer als vorher für einen Zeitraum.


    Neben der medikamentösen Therapie brauche ich also noch eine ergänzende Struktur, die ich Versuche alleine und durch Tipps von anderen zu erschaffen.


    LG

  • An meinem Seminar im Ref es Coachingangebote, die einige genutzt und als gewinnbringend empfunden haben. Vielleicht gibt es so etwas auch bei euch, damit du Hilfestellung dabei erhältst dich zu sortieren und erforderliche Strukturen zumindest berufsbezogen mit Unterstützung zu erstellen.

    Hast du alternativ schon einmal über therapeutische Begleitung nachgedacht als Unterstützung/ Entlastung?

    "Benutzen wir unsere Vernunft, der wir auch diese Medizin verdanken, um das Kostbarste zu erhalten, das wir haben: unser soziales Gewebe, unsere Menschlichkeit. Sollten wir das nicht schaffen, hätte die Pest in der Tat gewonnen. Ich warte auf euch in der Schule." Domenico Squillace

  • Interessanter Gedanke, vielleicht wäre es aber auch an der Zeit, "positiv bewertete Symptome" mit aufzunehmen? ADHS hat, wer in stressigen Zeiten schnell denken kann oder so ^^


    Danke für die spannende Diskussion...

    Forumsbeiträge von oben nach unten und schräg lesen...

    SCHOKOEIS!


    Ich lese und schreibe nach dem Paretoprinzip.

  • Medikamente helfen auf jeden Fall, dennoch gibt es ein Recht großen Reboundeffekt, d.h. danach sind die Symptome deutlich schlimmer als vorher für einen Zeitraum.

    Hast du mehrere Medikamente ausprobiert?

    Hast du aktuell eine Ärztin/einen Arzt, die/der mit dir auch etwas ausprobieren würde? Ich habe von Leuten gelesen, die z.B. morgens und mittags Medikinet adult und am frühen abend noch eine kleine Dosis unretardiertes Medikinet nehmen, wenn sie abends noch etwas arbeiten müssen.


    An Strategien ist das Schwierigste, sie in den Alltag zu integrieren. Bei ADHS braucht das noch länger als bei Menschen ohne.


    Die Probleme, die du beschreibst (immer wieder neu anfangen, alles blöd finden und verwerfen, sich im Hyperfokus in die Sachanalyse begeben...) kenne ich. So ganz genau weiß ich auch noch nicht, wie man damit umgeht.

    Falls du ... jetzt habe ich vergessen, was ich schreiben wollte, weil ich in 3 minuten zum Sport verabredet bin und mich noch umziehen und die Tasche packen muss. Vielleicht nachher oder morgen oder so... :flieh:

    SCHOKOEIS!


    Ich lese und schreibe nach dem Paretoprinzip.

  • An meinem Seminar im Ref es Coachingangebote, die einige genutzt und als gewinnbringend empfunden haben. Vielleicht gibt es so etwas auch bei euch, damit du Hilfestellung dabei erhältst dich zu sortieren und erforderliche Strukturen zumindest berufsbezogen mit Unterstützung zu erstellen.

    Hast du alternativ schon einmal über therapeutische Begleitung nachgedacht als Unterstützung/ Entlastung?

    Ich habe tatsächlich einen Flyer gefunden und werde mich da Mal melden. Eine Verhaltenstherapie habe ich abgeschlossen, hat besonders im sozialen Umgang sehr geholfen, ich denke das gerade aufgrund des Berufskontextes ein Coaching die richtige Alternative wäre. Danke!

  • Ich habe tatsächlich einen Flyer gefunden und werde mich da Mal melden. Eine Verhaltenstherapie habe ich abgeschlossen, hat besonders im sozialen Umgang sehr geholfen, ich denke das gerade aufgrund des Berufskontextes ein Coaching die richtige Alternative wäre. Danke!

    Jetzt fällt es mir wieder ein:

    Es wurde geraten, sich Tipps von Menschen zu holen, die das "Problem nicht kennen". Unter Umständen funktionieren die Strategien von Menschen mit neurotypischen Gehirnen nicht bei Menschen mit neurodiversen Gehirnen. Da muss man sehr genau schauen. Ich habe diese Erfahren öfter machen müssen und bis ich das verstanden (und eine Diagnose) hatte, hat mein Selbstwertgefühl sehr gelitten.


    Kennst du die Pomodoro-Technik? https://adhsspektrum.com/2013/…die-pflicht-zur-erholung/

    Du arbeitest eine konkrete Zeit (Timer) an einem konkreten Thema und nur daran, dann gibt es eine Pause, wo man was ganz anderes macht. Üblicherweise 25 min -5 min, je nach Tagesform ggf. kürzer als 25 min. Das dämmt die Möglichkeit, sich ablenken zu lassen und was anderes zu machen, etwas ein. Wenn 25 min zu lang sind, kürzere Intervalle wählen. (Ich kann nicht genau erkennen, ob das dein Problem ist, "Gedankensprünge" können ja im Thema stattfinden oder auch zu ganz anderen Themen, z.b. Staubsaugen statt U-Planung. Bei letzterem wäre es sinnvoll.) Gleichzeitig bieten die Pausen, die unbedingt einzuhalten sind, die Chance, aus einem Hyperfokus (20 Seiten Paper lesen) wieder herauszukommen und sich zu fragen, ob die Seiten 15 bis 20 noch nötig sind.


    Kannst du dir Zeitziele setzen, zu denen du mit einer Tätigkeit aufhörst? ("Morgen um 17 Uhr nehme ich das, was ich an Sachanalyse habe." - "Wenn morgen um 17 Uhr mein Timer klingelt, dann nehme ich das, was ich zur Sachanalyse bis dahin gelesen habe und schreibe los." - "Am Freitag um 15 Uhr nehme ich eine der Ideen, die bis dahin existiert. Wenn ich mich nicht entscheiden kann, nummeriere ich sie und verwende ich einen Zufallsgenerator.")


    Ich habe die von dir beschriebenen Probleme zum Teil in der Unterrichtsplanung und im Erstellen von Tests und Klassenarbeiten. Im Moment ist es wieder richtig schlimm, weil ich neue Klassenstufen unterrichte, die ich in diesem Fach noch nie hatte und es wenig Zusammenarbeit gibt. Ich habe also keine Vorerfahrungen und "rödele" so vor mich hin, verwerfe 25 Ideen, mache das nochmal neu, plane ein halbes Kapitel aus dem Buch, entscheide mich dann für ein anderes und fange an, das zu planen. Mir hilft es, mir eine Deadline zu setzen, wie gerade eben beschrieben.

    Ansonsten habe ich mein Ref ohne Diagnose geschafft, indem ich die Nächte vor Unterrichtsbesuchen z.T. fast durchgemacht habe, einmal habe ich sogar verschlafen. Das ist stressig, es ist Mist, aber irgendwann ist das Ref um und dann wird es insgesamt besser, weil man nicht mehr unter Zeitdruck besten Unterricht planen muss und viel mehr ausprobieren und spontan handeln kann.

    SCHOKOEIS!


    Ich lese und schreibe nach dem Paretoprinzip.

  • Ich habe mal "Mit ADHS erfolgreich im Beruf" von H. Lachenmeier gelesen, einem selbst betroffenen Therapeuten. Er hat viele soziale Probleme beschrieben, die man sich immer wieder einbrockt, fand ich ganz heilsam zu lesen, dass andere das auch kennen. Die Strategien sind allerdings mehr oder weniger die Selbstbeobachtung und überhaupt erkennen, warum man immer wieder an Grenzen stößt.

  • Die Strategien sind allerdings mehr oder weniger die Selbstbeobachtung und überhaupt erkennen, warum man immer wieder an Grenzen stößt

    Ja, was will man sonst auch machen.

    Selbst ein Friseur schafft es nicht, montags vor 10 Uhr so viele Gerüchte in die Welt zu setzen, wie das Kollegium eines Lehrerzimmers. (c) undichbinweg

  • Ich habe noch nie an eine so interessante Entscheidung gedacht

    Hallo liebe KI, schön, dass du auch mitschreiben möchtest. Keine KI? Dann formuliert doch bitte verständlich, worauf du dich beziehst, danke.

    "Benutzen wir unsere Vernunft, der wir auch diese Medizin verdanken, um das Kostbarste zu erhalten, das wir haben: unser soziales Gewebe, unsere Menschlichkeit. Sollten wir das nicht schaffen, hätte die Pest in der Tat gewonnen. Ich warte auf euch in der Schule." Domenico Squillace

  • Kennst du die Pomodoro-Technik? https://adhsspektrum.com/2013/…die-pflicht-zur-erholung/

    Du arbeitest eine konkrete Zeit (Timer) an einem konkreten Thema und nur daran, dann gibt es eine Pause, wo man was ganz anderes macht. Üblicherweise 25 min -5 min, je nach Tagesform ggf. kürzer als 25 min. Das dämmt die Möglichkeit, sich ablenken zu lassen und was anderes zu machen, etwas ein. Wenn 25 min zu lang sind, kürzere Intervalle wählen. (Ich kann nicht genau erkennen, ob das dein Problem ist, "Gedankensprünge" können ja im Thema stattfinden oder auch zu ganz anderen Themen, z.b. Staubsaugen statt U-Planung. Bei letzterem wäre es sinnvoll.) Gleichzeitig bieten die Pausen, die unbedingt einzuhalten sind, die Chance, aus einem Hyperfokus (20 Seiten Paper lesen) wieder herauszukommen und sich zu fragen, ob die Seiten 15 bis 20 noch nötig sind.

    Wie in der ersten Antwort geschrieben, habe ich auch ADHS und diese Strategie hat mich (auch wenn ich sie nicht mit Namen kannte) durch meine Promotion gebracht und dann auch später durch mein Referendariat.


    Trotzdem waren meine Entwürfe regelmäßig schlecht und ich habe oft geschludert bei der Vorbereitung. Mir hat geholfen, dass wir im Kernseminar (glaube ich) eine Liste mit "Dingen, die für einen UB zu erledigen sind" bekommen haben. Diese bin ich dann jedes Mal durchgegangen...

  • Ich denke, du musst mehrere Spezialisten aufsuchen. Viele Menschen leben mit ADHS. Aber es hängt auch davon ab, welchen Grad der Krankheit man hat. In einer guten neurologischen Klinik bekommt man auch für die schwierigsten Probleme wie Demenz, psp Parkinson Lebenserwartung, usw. Lösungen. Bei einem leichten Fall wie deinem mit ADHS wird man dir also eine Menge Tipps geben, die dir die Arbeit erleichtern können. Viel mehr als in einem Forum. Ich finde, du bemühst dich wirklich sehr gut. Ich wünschte, ich hätte deine Willenskraft.

  • Ich denke, du musst mehrere Spezialisten aufsuchen. Viele Menschen leben mit ADHS. Aber es hängt auch davon ab, welchen Grad der Krankheit man hat. In einer guten neurologischen Klinik bekommt man auch für die schwierigsten Probleme wie Demenz, psp Parkinson Lebenserwartung, usw. Lösungen. Bei einem leichten Fall wie deinem mit ADHS wird man dir also eine Menge Tipps geben, die dir die Arbeit erleichtern können. Viel mehr als in einem Forum. Ich finde, du bemühst dich wirklich sehr gut. Ich wünschte, ich hätte deine Willenskraft.

    Hast du dich hier angemeldet um mitzuteilen, dass es auch andere, noch schwerere Erkrankungen gibt?

  • Vor allem die "Lösung" für Demenz würde mich interessieren.

    Selbst ein Friseur schafft es nicht, montags vor 10 Uhr so viele Gerüchte in die Welt zu setzen, wie das Kollegium eines Lehrerzimmers. (c) undichbinweg

Werbung