Beiträge von Nordseekrabbe

    Ich unterrichte im Ausland an einer deutschen Auslandsschule und habe eine Schülerin in meiner Klasse, bei der wir den Förderbedarf Lernen vermuten. Zwar bin ich selber Sonderpädagogin, habe aber hier aber kaum die nötige Ausstattung mit entsprechenden Tests, da ich hier als Grundschullehrerin tätig bin. Ich möchte es außerdem nicht selber machen, da ich halt auch die Klassenlehrerin bin und wir gerne extern eine Einschätzung bekommen möchten.

    Das Kind ist derzeit in Europa und wir suchen nun eine geeignete Stelle in Hamburg, die nach Möglichkeit einen sprachfreien Test mit ihm durchführen könnte. Sprachfrei, weil das Kind mit mehreren Sprachen aufwächst und keine Sprache auf muttersprachlichem Niveau spricht.

    Da das Kind ja keinen Wohnsitz in Deutschland, fällt es mir etwas schwer, eine passende Stelle zu finden, die dies gegen Bezahlung machen könnte. Hat jemand von euch vielleicht eine Idee, an wen wir uns wenden könnten?

    Könntest du dazu kurz was schreiben? Lernen die Kinder damit zuhause oder in der Schule? Erstellt ihr selbst die Karten/Sets oder benutzt ihr vorhandene? Klappt das alles reibungslos?


    Ich würde gerne jetzt am Ende der 4. Klasse in Englisch Vokabeln lernen lassen. Ich überlege aber noch, ob ich lieber mit den Kindern Karteikästchen basteln möchte oder eine App benutzen sollte.

    Wir nutzen die App für den Wortschatz sowohl zu Hause als auch teilweise in der Schule. In den ersten Wochen der dritten Klasse üben die Kinder in der Schule erstmal den Umgang mit der App. Nach einigen Wochen wird vor allem zu Hause damit geübt. Zuerst sollen die Kinder mit dem Modus "Lernen" 100% erreichen, danach dürfen sie mit "Antworten" und "Zuordnen" üben, und schließlich "Testen". Im Unterricht spielen wir am Ende einer Unterrichtseinheit oder vor Klassenarbeiten/Tests gerne "Quizlet Live".

    Für viele Kinder ist es sehr hilfreich, dass sie immer gleich die Rückmeldung bekommen, ob ihre Antwort richtig war. Besonders Kinder, die sonst Schwierigkeiten haben, ihre eigene Arbeit genau zu kontrollieren, werden so "gezwungen", das Wort richtig zu schreiben.


    Die Lernsets erstellen wir selber, wobei wir uns im Kollegium teilweise auch untereinander austauschen. Wir haben uns auch auf eine einheitliche Schreibweise geeinigt(z.B. Verben in der Grundform auf der Vorderseite, Rückseite dann 3. Person Präsens und Perfekt, ab der vierten Klasse auch Präteritum, Adjektive mit Steigerung). Neben Deutsch nutzen wir sie auch in Mathe und Sachkunde für den jeweiligen Wortschatz der Unterrichtseinheit. Das klappt bei den meisten Kindern ganz gut. Und mir gefällt auch, dass ich für alle SchülerInnen sehen kann, was sie geübt haben.

    Karteikarten und Kästchen habe ich bislang immer in der ersten und zweiten Klasse eingesetzt, bin aber froh, im Moment eine dritte Klasse zu haben, mit der ich Quizlet nutze. Die Karten fliegen halt bei vielen Kindern immer in der Gegend herum, gehen verloren, und viele Kinder haben auch Schwierigkeiten, den Ablauf mit 1., 2. und 3. Fach einzuhalten. Wenn man die Kinder die Karten selbst schreiben lässt (was ja durchaus sinnvoll ist), muss man dann allerdings alle Karten nochmal kontrollieren und auch die Laufdiktate etc., was die Kinder dann mit den Karten machen, muss alles zumindest stichprobeweise kontrolliert werden. Insofern ist eine App auf jeden Fall arbeitserleichternd.

    Wenn du dauerhaft im Ausland arbeiten möchtest, kommen nur OLK-Stellen in Frage. Auf diese kannst du dich natürlich auch mit 2.Staatsexamen bewerben. Das Examen ist zwar Vorraussetzung für die Verbeamtung, aber du bist nicht automatisch verbeamtet, nur weil du die Prüfung bestanden hast. In vielen Ländern ist das zweite Staatsexamen auch aus visatechnischen Gründen erforderlich.

    Wenn du allerdings bereits in D verbeamtet bist und dauerhaft im Ausland arbeiten möchtest, musst du aus dem Beamtenberhältnis aussteigen. Bedenke dabei aber bitte, dass es im Ausland eigentlich keine unbefristeten Stellen gibt, sondern dein Arbeitsvertrag als OLK üblicherweise immer zwei Jahre läuft und dann ggf. verlängert wird.

    Ich bin Sonderpädagogin und im Ausland, als Grundschullehrkraft, tätig. Eine DaF-Ausbildung habe ich auch und die ist auf jeden Fall sehr hilfreich, da man an allen Deutschen Auslandsschulen einen hohen Anteil an SchülerInnen hat, für die Deutsch nicht die Muttersprache ist. Über die ZfA wirst du eher keine Stellen bekommen. Die Chance, dass du als Auslandsdienstlehrkraft vermittelt wirst, ist sehr gering, da diese Kollegen normalerweise auch Funktionsstellen besetzen. Aber als Ortslehrkraft ist das auf jeden Fall möglich, ggf. auch direkt als Sonderpädagoge, die werden auch immer mal wieder gesucht.

    Meine bisherige Überlegung ist folgender Rhythmus:



    ca 10-15 min Standortbestimmung. Hier gibt es jede Stunde 10 Aufgaben. Abwechselnd gibt es einen Rückblick der letzten Schuljahre (Grundwissen prüfen) oder ein Aufgabenset zum aktuellen Thema. Die Aufgaben sind für alle gleich und sollen dazu dienen, Grundwissen wach zu halten und gleichzeitig die Stärken und Lücken zu identifizieren.



    Entsprechende Übungsaufgaben würde ich als Hausaufgabe aufgeben. Damit sparst du die Unterrichtszeit hierfür und normalerweise sind das Aufgaben, für die die SuS dich nicht brauchen (sollten).


    ca. 5 min Rückblick. Die Schüler blättern in ihren Aufzeichnungen der letzten Stunde und erzählen sich dann zusammenfassend gegenseitig mit ihrem Sitznachbarn, was sie letzte Stunde gemacht haben und was sie für heute planen.

    Da der Sitznachbar dies nicht zu wissen braucht, würde ich diese Phase komplett weglassen.


    ca. 5 min Organisation. Im Gespräch mit der ganzen Klasse werden Rollen verteilt (Zeitwächter, Lautstärkewächter, Experten (zu einzelnen Aufgaben)), Gruppen abgesprochen und Lehrerangebote (z. B. kleine Erklärrunden) terminiert.

    Die Rollen würde ich nicht jede Stunde neu verteilen, sondern längerfristig an der Wand visualisieren. Es macht außerdem Sinn, sich bei solchen Aufgaben wie Lautstärkewächter, etc. an der Klassenlehrkraft zu orientieren und das von ihr eingeführte System nach Möglichkeit zu übernehmen. Für Lehrerangebote kannst du eine Liste aushängen, in die sich die SuS eintragen können. Wenn du dann Zeit dafür hast, rufst du die entsprechenden SuS einfach zusammen.


    ca. 35 min Freiarbeit. Die Schüler arbeiten allein, zu zweit oder in Gruppen an den selbständig gewählten Aufgaben. Zur Orientierung nutzen sie Kompetenzraster und Lernwegelisten. Sie kontrollieren ihre Ergebnisse zum Teil selbständig, manche werden an mich abgegeben. Die Schüler haken ihre Lernwegelisten ab und legen sie in mein Fach. Ggf. bekommen sie dann für nächstes Mal einen Hinweis von mir, was sie dringend noch bearbeiten sollten.

    Die Zeit, die du durch den Wegfall der anderen Unterrichtsphasen einsparst, könntest du dann für die produktive Arbeitsphase nutzen. Somit hättest du 60 bis 75 Minuten hierfür. Das ist auch nötig, da die SuS meiner Erfahrung nach in offenen Situationen längst nicht so schnell und stringent arbeiten, wie bei stärker lehrerzentriertem Unterricht. Du schaffst ansonsten einfach zu wenig mit ihnen.

    a. 5 min Selbsteinschätzung. Schüler schätzen grob ihr Arbeitsverhalten und ihren Lernerfolg ein und geben an, wie gut sie im Zeitplan sind.
    ca. 15 min Gesprächskreis. Ein Schüler moderiert. Die Schüler stellen ihre Ergebnisse vor und können bei Bedarf erzählen, was ihnen beim Arbeiten geholfen hat, was schwierig war usw.

    Die Selbsteinschätzung würde ich die SuS auf ihrem Lernplan/Wochenplan machen lassen. 15 Minuten Gesprächskreis ist auch zu lang. Ich würde mir am Ende der Stunde fünf Minuten Zeit nehmen, damit einzelne SuS sich äußern können. Hierfür eignen sich gut vorbereitete Karten mit entsprechenden Satzanfängen, z.B. "Heute habe ich an .... gearbeitet." "Ich hatte Schwierigkeiten mit ....." "Für das nächste Mal nehme ich mir ..... vor." u.ä.

    Damit die SuS eine Struktur haben und du auch den Überblick nicht verlierst, würde ich mit Wochenplänen anfangen. Diese beinhalten Pflichtaufgaben und Wahlaufgaben, eine Einschätzung durch den SuS für jede Aufgabe "schwierig, mittel, leicht" und eine Spalte für dich, wo du abhaken kannst, wenn du die Aufgabe kontrolliert hast. Denn auch, wenn die SuS selber kontrollieren sollen, solltest du trotzdem die Heftseiten zumindest überfliegen, um zu sehen, ob alle SuS das Thema grundlegend verstanden haben.

    Ich will jetzt nicht auf den Begrifflichkeiten herumreiten, allerdings fällt es mir eben auf, dass du so darauf verweist, wie wenig ausgebildet sie deiner Meinung nach ist. Tatsache ist aber, dass sie die formale Lehrerausbildung hat - wenn auch die aus einem anderen Land als Deutschland.

    Deswegen sollte die Frage meiner Meinung nach von dieser Tatsache losgelöst sein.

    Nein, das Problem ist davon eben nicht losgelöst. Ich denke, wir sind uns einig, dass eine einjährige theoretische Ausbildung, in die ein zehnwöchiges Praktikum integriert ist, kein komplettes Lehramtsstudium ersetzen kann, und ja, das zeigt sich halt in ihren Unterricht. Und die mangelnde Fähigkeit, den Unterricht didaktisch und methodisch zu planen und v.a. auch für die Schüler zu differenzieren, wird halt immer wieder deutlich. Und das sehe nicht nur ich so, sondern auch andere Kollegen.

    Und bist du denn selbst ausgebildete Fremdsprachenlehrerin, dass du ihren Unterricht nach fremdsprachendidaktischen Kriterien beurteilen kannst - aus Erzählungen heraus?

    Ich habe eine Zusatzausbildung für Deutsch als Fremdsprache/Zweitsprache. Und nein, ich beurteile ihren Unterricht nicht aus Erzählungen heraus. Keine Ahnung, wie du darauf kommst.

    Wenn dir wirklich die Schüler und deren Lernerfolg am Herzen liegen, würde ich dir vorschlagen mal in einer ruhigen Minute ein Gespräch mit der Kollegin führen. Und zwar losgelöst vom fachlichen Aspekt. Sich einfach mal austauschen über die Schüler. Wie ihr sie erlebt. Was sie motiviert. Was sie demotiviert. Usw. Das ist meiner Meinung nach gewinnbringender als irgendwelche Aktionen a la bei der Schulleitung petzen.

    Interessant, wie hier immer wieder das Wort "petzen" benutzt wird. Würde ich dies wollen, hätte ich schon längst mit der Schulleitung gesprochen.


    Aber vielen Dank für die Antworten, die mich wirklich etwas weitergebracht haben. Ich werde mich dann in den nächsten Tagen entscheiden, was ich machen werde.

    Die Frage lautet in Konflikten bei der Arbeit doch meist: wer hat wem was zu sagen? Bist du weisungsbefugt? Dann mach eine Ansage. Bist du das nicht, kann nur der Chef was sagen. Allerdings ist das "Petzen" natürlich die unkollegialste Variante und die Frage ist: will man das? Es sich mit Kollegen verscherzen, mit denen man noch lang zu tun haben wird? Die Kinder kommen und gehen.

    Darum überlege ich ja, was ich mache und frage hier .... Na ja, und die Einstellung "die Kinder kommen und gehen" ist definitiv nicht meine. Ich arbeite für meine Schüler, nicht für meine Kollegen.

    Hm, das erscheint widersprüchlich. Das PGCE ist die Lehrerausbildung in den meisten Teilen des UK. Damit wäre sie eben doch ausgebildete Lehrerin. Allerdings dauert es länger als zehn Wochen.

    Nicht nur in Großbritannien, sondern in angelsächsischen Länder.Die Ausbildung bei ihr dauerte insgesamt 10 Monate, davon waren aber nur 10 Wochen Praktikum. Im Vergleich zu einem kompletten Lehramtsstudium plus Referendariat ist das fast nichts.

    Erstmal zu meiner Ausgangssituation: Ich bin an einer deutschen Auslandsschule in der Grundschule als Klassenlehrerin tätig. Meine Schüler wachsen alle mit zwei oder mehr Sprachen auf. Manche Kinder haben einen englischsprachigen Elternteil und haben daher ein recht gutes Niveau in Englisch, während es für andere Kinder eine Fremdsprache ist, die sie nur in der Schule lernen.

    Nun habe ich schon seit einiger Zeit festgestellt, dass der Englischunterricht sich nur an den Muttersprachlern orientiert, während die anderen Kinder von den Aufgaben völlig überfordert sind. Der Unterricht ist insgesamt auch völlig unstrukturiert, so kann ich keine größeren Themen oder Lernbereiche, keine Lernziele erkennen. Der meiste Unterricht besteht darin, dass die Kollegin den Kindern eine Geschichte vorliest. Diese sind sprachlich sehr anspruchsvoll und es findet keine Vorentlastung für die Fremdsprachlerner statt. Ebenso gibt es keine Vokabelarbeit, die Kinder lernen keine Satzstrukturen etc. Also alles, was für einen Sprachaufbau nötig wäre, findet nicht statt. Stattdessen springt sie von einer Aufgabe zur anderen, die sie scheinbar gerade irgendwo im Internet gefunden hat. Dazu muss ich sagen, dass meine Kollegin zwar Muttersprachlerin ist (keine Deutsche), aber nicht auf Lehramt studiert hat und im Anschluss an ihr Studium nur eine kurze Lehrerfortbildung (PGCE) gemacht hat. Diese beinhaltete lediglich ein zehnwöchiges Praktikum, so dass ihr offenbar sowohl Unterrichtserfahrung als auch Wissen um Methodik/Didaktik fehlt.

    Ich habe sie schon öfter angesprochen und ihr u.a. gesagt, dass es gut wäre, wenn wir unsere Unterrichtseinheiten etwas aufeinander abstimmen würden, so wie ich es auch selber für die Fächer Deutsch und Sachkunde, teilweise auch Mathe, mache. Darauf ist sie bislang nie eingegangen. Eine andere Kollegin hat ihr bereits viele Ideen genannt, wie sie Wortschatzarbeit gestalten könnte, allerdings auch ohne Erfolg. Sie nimmt einfach nichts an.

    Nun bin ich unsicher, wie ich damit weiterhin umgehe. Ich fühle mich als Klassenlehrerin für meine Schüler verantwortlich und sehe, dass manche Kinder in Englisch wirklich abgehängt werden und nichts lernen. Nun kann ich ihr aber ja auch nicht sagen, wie sie ihren Unterricht zu machen hat. Das würde ich mir umgekehrt auch verbitten. Zur Schulleitung möchte zumindest im Moment nicht gehen.

    Hättet Ihr Ideen ode Vorschläge, was ich machen könnte?

    Der Schulleiter sollte den Abteilungsleitern, die offensichtlich nicht verstehen, was da läuft, klar machen, dass sie bei jeglichen Informationen, die sie von deiner Kollegin bekommen, erstmal gar nicht zu agieren haben, sondern entweder die betreffende Person erstmal selber ansprechen müssen oder sich direkt an ihn wenden müssen.

Werbung