Beiträge von Lehramtsstudent

    Bin überrascht, wie viele freiwillig zu Hause gewohnt haben :ohh: Ist das Beste an der Uni nicht, dass man in WGs wohnt und möglichst weit weg ist von der Kleinstadt?!

    Klingt so als ob Kleinstadt per se etwas Negatives sei. Ich würde nicht geschenkt in der Großstadt wohnen wollen. Aber wo ich gerade das Wort "geschenkt" nutze: Das Finanzielle ist natürlich schon ein springender Punkt. Hier auf dem Land kostet eine Einzimmerwohnung schon um die 400€, in Großstadtnähe kann sie noch einmal deutlich darüber liegen. Wenn jetzt der Durchschnittsstudent neben dem Studium noch einen Minijob ausübt, Semesterbeitrag, Krankenkasse und co. zu bezahlen hat, wo soll dann noch Geld für Wohnen und Einkauf sein? Ich bin da ehrlich: Mir wäre es zu blöd gewesen, zu studieren und zu arbeiten, nur um dann zu sehen, dass ich am Ende des Monats kein Geld mehr hätte, um mir auch nur eine Kleinigkeit außerhalb der Reihe leisten zu können. Wenn man jetzt zumindest nicht völlig zerstritten mit seinen Eltern ist, kann man ja während des Studiums zuhause wohnen bleiben und in dieser Zeit etwas Geld für später zurücklegen.

    Welche Alternativen zur Schule oder gibt es denn als Haupt- und Realschullehrer? Oder als Grundschullehrer mit 6 Semestern Studium?

    Das Lehramt ist eine Einbahnstraße, von den paar Anomalien wie im Schulbuchverlag zu arbeiten oder ins Ministerium zu wechseln mal abgesehen. Im Studium hatten wir damals auch eine Exkursion und wurden von einer Museumspädagogin betreut, die im früheren Leben Lehramt studierte. Kommt alles vor, ist aber sicher nicht der Regelfall und zumeist mit viel Glück verbunden.

    Daher gehe ich in den meisten Fällen bei solchen Aussagen davon aus, dass die Leute meinen "Wenn ich mich von Anfang an für eine Alternative statt Lehramt entschieden hätte." - außer jetzt Leute wie Wollsocken80, die tatsächlich aus einem nichtschulischen Bereich kommen und mit mehr oder weniger großer Wahrscheinlichkeit tatsächlich wieder in diesen zurück könnten.

    Funky303 : Die Immobilienpreise in den Großstädten sind ja nur so hoch, weil die Nachfrage höher als das Angebot ist. Sie werden solange steigen bis 1000 Nachfrager = 1000 angebotene Immobilien. Ist ja klar, würde ich als Immobilienverkäufer auch so machen. Die Leute müssen halt schlau sein und sagen: "Nö, nicht mit mir, dann ziehe ich eben auf das Land und habe etwas von meinem Geld." Du wohnst ja in BW und sowohl in BW als auch in Bayern kannst du in die tiefste Einöde ziehen und es gibt trotzdem kaum Arbeitslosigkeit, weil diese Bundesländer so reich sind.

    Früher hatten die Leute teilweise deutlich weniger Geld und einen Stall voll Kindern - ih denke, dass Geld nicht das ausschlaggebende Kriterium für oder gegen Kinder sein sollte. Stelle mir mal vor, du wirst mal 60 sein und musst dir vorwerfen, aus Geldgründen auf Kinder verzichtet zu haben! Da gibt es deutlich mehr Leute, die mit 60 sagen: "Es war zwar schwer, aber ich würde meine Kinder nie mehr hergeben.".

    Wir haben hier am Ort auch Autoindustrie und so viele Führungspositionen sind darin jetzt auch nicht involviert. Ein nicht unerheblicher Teil sind einfache Arbeiter, bei denen das Gehalt für die Mietwohnung und der jährliche Urlaub ins Heimatland reicht. So eine Führungsposition wächst hingegen auch nicht auf Bäumen, da muss man erst einmal hinkommen.

    Denke ich auch. Es würde auch den Lehrer*innen den Druck nehmen, immer mehr Schüler durchzuwinken und für ein Referat noch ne 1 zu verpassen, damit es am Schluss zum Bestehen reicht.

    Welcher Druck soll das denn sein? Eigentlich ist es doch eher das Gegegenteil, nämlich der Vorwurf, dass zu viele Schüler nach der Grundschule auf das Gymnasium wechseln bzw. zu viele Schüler Abitur machen und dadurch das Bildungsniveau sinke...

    Ich arbeite auch viel mit Belohnungssystemen, runterzählen (wobei ich eigentlich gar nicht weiß, was ich mache, wenn ich bei null ankomme und es ist immer noch Chaos)... das Letztere funktioniert also.

    Erinnert mich an die Eltern, die beim Zählen irgendwann bei Zweieinhalb sind und hoffen, dass sie noch genug Bruchzahlen zwischen 2 und 3 finden, dass das Kind doch zur Vernunft kommt, ohne dass man selbst inkonsequent wirkt ;) .

    Es kommt ja nicht nur mehr Verwaltungsarbeit dazu, es fallen ja auch zu erteilende Unterrichtsstunden weg, die das Ganze etwas ausgleichen. Es soll auch Leute geben, die es sogar als entlastend finden, mehr Verwaltung statt Unterricht zu haben und sich bewusst für Beförderungsstellen für Führungspositionen entscheiden - und wenn es im schlechtesten Fall nur 80€ mehr bedeutet.

    Ich glaube aber auch nicht, dass man als Grundschullehrer nicht mehr als A12 verdienen kann - wenn keine Beförderung in Richtung Schulleitung in Sicht ist, dann vlt. eine Abordnung ans Studienseminar oder an die Uni? Oder vlt. Erweiterung um ein zusätzliches Lehramt?

    Vlt. macht Zentralabitur ja auch in manchen Fächern mehr Sinn als in anderen. Bei Mathematik macht das Zentralabitur in meinen Augen mehr Sinn zwecks Vergleichbarkeit als im Fach Englisch beispielsweise, da die Unterrichtsgegenstände in letzterem stärker zwischen einzelnen Schulen variieren, was die Gefahr einer Prüfung als kleinsten gemeinsamen Nenners birgt. Damals wie heute kenne ich so Sprüche wie "Für das Englischabitur kann man ja eh kaum lernen." - in Mathematik würde kaum jemand auf so eine Aussage kommen.

    Ich finde den Förderalismus in der Bildung gut. FreMe hat völlig Recht, dass sich nicht alles zwangsläufig zum Guten verbessern muss durch Vereinheitlichung. Hessen ist Mittelmaß in Sachen Bildung und könnte sich noch stärker an den Frontreitern Sachsen und Bayern orientieren. Wichtig finde ich aber auch eine klare Abgrenzung gegen Bundesländer wie Berlin oder NRW, die bildungstechnisch viele, mitunter ideologiebedingte, Fehler begehen. Auch BW hat sich mit der Gemeinschaftsschule keinen Gefallen getan.

    Aus eigener Erfahrung kann ich dir sagen: Die technische Ausstattung ist nicht so wichtig wie viele angehende Studenten zumeist denken. Wenn die Grundausstattung, Officeprogramme und Internetzugang, vorhanden sind, reicht das locker aus.

    Viel eher solltest du dir Gedanken um die Fächerkombi machen: Mit Gymnasiallehrern, insbesondere Deutsch + Gesellschaftswissenschaft, kann man Straßen pflastern. Überlege dir das lieber noch einmal bevor du später nach Duisburg versetzt wirst oder eine Sondermaßnahme wie aus anderen Bundesländern bekannt machen darfst!

    Ich bin kein Religionsexperte, aber ein kurzer Blick in die Curricula meines Bundeslandes ergab, dass es in der Sek I vereinzelt Anknüpfungspunkte gibt, z.B. beim Inhaltsfeld "Mensch und Welt" (Stichpunkt "Die Frage nach Vergänglichkeit des Lebens") und "Ethik" (Stichpunkt "Konfliktsituationen in der Gesellschaft und im individuellen Erfahrungsbereich"). Ansonsten bietet sich ein Exkurs in den Sprachen an, wenn in Deutsch der "Werther" oder in Englisch "Thirteen Reasons Why" oder "A Long Way Down" ansteht.

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