Beiträge von Lindbergh

    Kopfschloss: Eigentlich ein guter Plan, wenn in dem Lockdown wirklich ein guter, nachhaltiger Perspektivenplan erarbeitet wird. Seit dem 2. Lockdown schoss die Politik jedoch einen Bock nach dem anderen, weswegen ich daran nicht so recht glaube. Was, wenn es wieder zu Mutationen, Impfstoffengpässen oder anderen Dingen, die die Welt nicht braucht, kommt?

    Was denn nun?

    Was ich meine: Angenommen, ich wäre selbstständig und hätte eine schlimme Krebserkrankung, die nur durch eine teure Behandlung behoben werden kann. Um mein Leben zu retten, würde ich natürlich den Betrieb verkaufen.

    Ich würde das aber wohl kaum machen, wenn in meiner Familie kein besonderes Krebsrisiko vorhanden ist und ich auch sonst gesund bin.

    Kopfschloss: Danke erst einmal für den Beitrag, weil er deutlich macht, wo wir stehen. Ich sehe die Folgen eines Lockdowns als gravierender, du die Folgen des Virus. Es geht dich zwar nichts an, aber natürlich unterstütze ich meine Familie im Rahmen meiner Möglichkeiten. Es gibt Familien, die derzeit große finanzielle Sorgen haben, dafür läuft es gesundheitlich. In anderen ist es genau andersherum. Im Zweifelsfall würde jeder zugunsten der Gesundheit auf die Finanzen pfeifen. Jemand, der hingegen völlig gesund ist, würde es eher nicht tun und das kann man ihm auch nicht zum Vorwurf machen.

    Kopfschloss: November war nicht die Zeit für Öffnungen, Ende März nicht, in 4 Monaten vlt. auch nicht oder dann wieder in 4 Monaten. Verstehst du das Problem? Je länger man mit Öffnungen wartet, desto mehr finanzielle Existenzen geraten in Gefahr. Wir reden hier von Betrieben, die teilweise Weltkriege überstanden und nicht wegen Corona jetzt kaputtgehen dürfen.


    German: Was Freizeitangebote angeht, so könnt ihr freiwillig entscheiden, ob ihr sie nutzen möchtet oder nicht. Beim Arzt oder zum Einkaufen könnte es Risikogruppenzeiten geben. Im Job irgendwie versuchen, AHA umzusetzen. Sind Kinder U8 oder mit Behinderungen bei euch in der Familie? Da schrieb ich ja schon, dass zu diesen kein Abstand eingehalten werden kann. Hier muss man das Risiko einfach eingehen, wenn Kitas und Schulen nicht noch jahrelang geschlossen bleiben sollen.


    Fallen Angel : Wenn du Lehrer wärst, hättest du vorab eine Ausbildung zwischen 5 und 10 Jahren hinter dir. Bist du dir sicher, dass du das aufgeben würdest? Andere Leute steckten möglicherweise auch viel Zeit und Geld in ihre Arbeit. In vielen Betrieben werden Alternativmöglichkeiten wie von dir genannt angeboten, aber mal mehr, mal weniger gut genutzt. Viele haben jetzt weniger Geld und diejenigen, die es hätten, geben es nicht umso stärker aus, um das zu kompensieren. Du schriebst doch auch mal, dass du wegen der Mehrwertsteuersenkung nicht mehr kaufen würdest, oder?

    Übrigens ist das ja auch ein Beispiel für die Solidaritätssache, die ich vorhin ansprach.

    German: Wir sind jetzt bei Einzelfällen. Diese finde ich, keine Frage, äußerlich bedauerlich und wünsche mir auch für die Longcovid-Betroffenen baldige Besserung. Ich sprach aber aus gesamtgesellschaftlicher Sicht, sprich aus der Perspektive der 83 mio. hier in dem Land. Die Opfer sind schlimm, aber sie machen nur einen kleinen Teil der Gesamtbevölkerung aus. Und ja, es gibt viele, deren Füße höchstens etwas nass wurden: die asymptomatisch Erkrankten oder diejenigen mit leichten Erkältungssymptomen.

    Kopfschloss: Die Politik hatte monatelang Zeit, sich ein Konzept zu überlegen. Zunächst verschob man es lange, sich überhaupt dazu zu äußern, dann hieß es, es sei schlichtweg nicht möglich, einen Perspektivenplan auf den Tisch zu bringen, da das Virus ja so unberechenbar sei. Dann kommt Merkel tatsächlich mit einem sehr umständlichen Plan ab, der während (aber nicht wegen) des ersten Öffnungsschrittes bereits zu massiven Anstiegen der Zahlen führt. Während des nächsten Lockdowns soll es dann also tatsächlich klappen, dass DER Perspektivenplan schlechthin entwickelt wird? Die Betriebe sind da sicher mehr als skeptisch.


    Fallen Angel: Deine Argumentation ist mir zu unterkühlt. Emotionale Unterhaltungen können schnell ausufern, aber zu nüchtern ist auch schwierig. Man kann es ja gerne mal auf den Lehrerberuf übertragen: Was würdest du sagen, wenn du monatelang nicht als Lehrer arbeiten dürfest, die Zahlungen mehr schlecht als recht kommen und du dringend auf das Geld angewiesen bist, um z.B. den Hauskredit abzubezahlen?

    Der Vergleich hinkt, weil die Welle viele nicht betreffen wird und bei denjenigen, die sie treffen wird, die Füße nass werden.

    Ein Lockdown alleine ist keine Lösung. Ein Lockdown muss Perspektive für die Zeit danach bieten. Der Lockdown ab November zeigte, dass man nichts lernte seitdem, weil dieselbe Problematik immer noch besteht und Lösungen hierfür immer noch nicht vorhanden sind. Soll auf die 3. Welle eine 4. und eine 5. Welle folgen?


    Was sagt ihr einem Selbstständigen der Branche eurer Wahl, der euch sagt, dass das Wasser ihm bis zum Hals stehe und er jetzt einen Plan brauche, wie er sein Geschäft und sein Haus halten kann, ohne Kredite aufnehmen zu müssen, die er im Leben nicht abbezahlen kann (und auch nicht sollte, er hat nichts falsch gemacht!)?

    Das mit den Geschäften wäre unter folgenden Bedingungen halb so schlimm:

    - Kompensationszahlungen werden pünktlich und umfänglich bezahlt (Ich habe selbstständige Angehörige, die privat kaputte Haushaltsgeräte hatten, die aus Geldgründen wochenlang nicht repariert werden konnten).

    - Die Banken und der Staat (--- Steuern!) drücken bei Zahlungen ein Auge zu.


    Wer aufgrund staatlicher Auflagen entgegen Artikel 13 GG nicht arbeiten darf, dem darf nicht zugemutet werden, dass er die Pleite fürchten muss, weil Gläubiger dennoch auf ihr Geld bestehen. Wenn, dann müssen auch die Gläubiger die Auflage erhalten, die Füße stillzuhalten, sonst lässt sich ein Betrieb natürlich nicht halten. Und es gibt in diesem Land Betriebe, die seit über 100 Jahren bestehen.

    Darf ich mal unabhängig vom Inhalt ein großes Lob an Nymphicus aussprechen? Hier im Forum ist ja die Diskussionskultur manchmal unter aller Sau, aber Nymphicus hat jetzt einmal ein Beispiel statuiert, wie man in ruhigem Ton und angenehm erfrischender Art auch mit unterschiedlichen Meinungen umgeht, ohne zu beleidigen oder das Bedürfnis zu haben, jemanden diskreditieren zu müssen.

    Ich glaube, dass ich in dem Leben kein Lauterbach-Fan mehr werde, aber wenn deine Theorie im Nachhinein aufgehen sollte, werde ich vlt. noch zum @Nymphicus-Fan. Ich bin ehrlich, ich habe gerne Recht, aber ich bin jemand, der kein Problem damit hat, Andere zu loben. Bis dahin brauche ich nach dieser Durststrecke seit November aber erst einmal eine Art "Beweis", dass es endlich mal in die richtige Richtung geht.

    Nymphicus: Danke dir! Ich gehe davon aus, dass die Zahlen in einem Lockdown leicht heruntergehen werden, danach aber wieder stagnieren, weil keiner mehr Bock hat oder eine neue Mutation wieder nach Deutschland kommt. Durch offene Grenzen, die systemrelevanten Berufe und die privaten Kontakte, die man schlichtweg in einem demokratischen Staat nicht unterbinden KANN (und es auch nie ernsthaft versuchte), ist die Unterschreitung eines gewissen Levels kaum möglich. Und da sind die Demonstrationen noch nicht berücksichtigt.

    Aber sicher. Vllt. sogar zurecht. Ich finde es schon krass, Familien mit arabischem Hintergrund pauschal zu unterstellen, "patriarchalische Tyranneien" zu sein.

    Ich hätte nie gedacht, dass eine positive Aussage bzgl. arabischer Menschen mal hier polarisieren würde, aber wie man es macht... Es gibt Dinge, die vermehrt in arabischen Familien vorkommen und die ich natürlich auch nicht gut finde. Mir ging es eher um das Wir-Gefühl, die Unterstützung untereinander und die Hilfe für alte oder kranke Familienmitglieder, was hierzulande im Schnitt weniger ausgeprägt ist.


    Schmidt: Das machte ich in der Vergangenheit aber auch schon und da hieß es, dass das nicht repräsentative Einzelfälle seien und die bloße Nennung bereits rassistisch sei.

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