Beiträge von Wollsocken80

    Danke Moebius , mir ist das hier wirklich zu blöd geworden. Noch erschreckender als den ganz offensichtlichen und nachweisbaren Stuss, der hier geschrieben wird, finde ich die Tatsache, dass dem auch noch regelmässig 10 Personen Beifall klatschen. Ja Leute, so entstehen Verschwörungstheorien. Auf der anderen Seite ist es auch beruhigend, dass es halt nur 10 Personen sind, die sich hier gegenseitig in ihrer Hysterie (sorry, ein anderes Wort fällt mir für das Trauerspiel nicht mehr ein) bestätigen und in Deutschland gibt's ja immerhin sowas wie 800000 Lehrpersonen.


    Ich kann by the way immer noch keine Horrorstories über apokalyptische Ausbrüche an Schulen und Leichenberge auf den Strassen liefern. Dabei hat es die Schweiz wie schon während der 1. Welle in die unrümlichen Top 5 Europas mit der Inzidenz geschafft, unterdessen haben wir sogar Frankreich überholt. Baselland liefert mit einer 7-Tage-Inzidenz von ca. 220 den tiefsten Wert im ganzen Land. Yeah! Im Wallis sind allein in den vergangenen 2 Wochen knapp 2 % der Bevölkerung positiv getestet worden. Da die landesweite Positivrate bei den Test bei knapp 25 % liegt, ist von einer entsprechend hohen Dunkelziffer auszugehen. Zieht euch das rein: Stehste mit 100 Personen am Testzentrum und wartest auf den Abstrich, stehen 25 Infizierte mit einem in der Reihe.


    Gestern hat unser Kantonsarzt die Hälfte unseres Schulchores zum Test einbestellt weil bei der letzten Chorprobe (ja, wir singen immer noch!!) ein infiziertes Mädchen dabei war. Innerhalb von ca. 1 h mussten alle Beteiligten ihren Kram zusammenpacken und aus dem Unterricht raus ins Tram in Richtung Testzentrum abziehen, der Termin war bereits vereinbart. Da es sich um einen Test auf Verdacht handelt, wird er vom Bund nicht bezahlt, ohne Symptome bezahlt man bei uns ja selbst. In dem Fall zahlts aber der Kanton, da es eine behördliche Anweisung war. Das sind Ereignisse die für mich ganz klar zeigen, ja, wir nehmen es wirklich verdammt ernst damit, dass die Schulen heile bleiben sollen.


    Da wir in der Schweiz ja die ganze Pandemiezeit über schon ganz ohne grosses Geschrei und Schnappatmung klarkommen ist in den deutschen Medien auch noch gar nicht angekommen, dass seit heute wieder (für unsere Verhältnisse) ziemlich drastische Massnahmen gelten. Im Freizeitbereich ist vieles komplett eingestellt worden, die Maskenpflicht ist noch mal deutlich ausgeweitet worden und gilt jetzt landesweit einheitlich, im privaten Bereich dürfen nur noch maximal 15 Personen zusammenkommen, Clubs und Bars sind landesweit geschlossen, in Restaurants ist ab 23 Uhr Schicht im Schacht, es darf nur noch mit max. 4 Personen am Tisch sitzend konsumiert werden, auch öffentliche Veranstaltungen sind wieder auf max. 50 Personen beschränkt. In mehreren Kantonen werden nicht-dringende Operationen bereits wieder verschoben bzw. abgesagt. Speziell für Lehramtsstudent , bei dem's ja immer noch nicht angekommen ist: Covid-Patienten müssen im Spital isoliert werden, die liegen nicht einfach in einem normalen Bettchen rum. Selbst wenn die nicht ans Beatmungsgerät gehen (deren Zahl ist zum Glück immer noch sehr klein und sie steigt auch bei weitem nicht so schnell an, wie das im März passiert ist), blockieren sie in erheblichen Ausmass die Kapazitäten eines Spitals.


    Guess what: Trotz "Slowdown" bleiben die Schulen inklusive Sekundarstufe II offen und im Regelbetrieb. Zumindest an meiner Schule ist eine überwältigende Mehrheit der Kolleginnen und Kollegen auch heilfroh über diese Entscheidung. Für die Sek II gilt die uneingeschränkte Maskenpflicht nun landesweit, für die Region Nordwestschweiz ändert sich da eh nichts, in dem Modus sind wir schon seit August unterwegs. Nur so nebenbei bemerkt ... Im August wurde ich hier noch angeblökt, Masken sind doch geil, ich soll mich nicht so "anstellen" etc. pp. und auf explizite Nachfrage meinerseits stellt sich dann letztens raus, ach bei euch gibt's gar keine so wirkliche Maskenpflicht an den Schulen ... also doch, schon, aber man muss die Maske nur aufsetzen wenn gerade Vollmond ist und es einem hinter dem rechten Ohr juckt. Und jetzt grosses mimimi, dass in Hessen z. B. das verbindliche Tragen der Maske im Unterricht dann tatsächlich auch mal angeordent wurde und na sowas aber auch, Lehrpersonen müssen sie auch tragen. Ja, Kinners, ich stehe seit August jeden Tag mit der Maske im Gesicht vor den Jugendlichen und für die Jugendlichen gilt exakt das gleiche. Bekanntermassen habe ich dem ollen Lappen nicht allzu viel zugetraut (ich habe ihn niemals "verweigert", wie mir hier immer mal wieder kackdreist unterstellt wird!) und muss unterdessen sagen: doch, ja, läuft. Unterdessen haben wir sowas wie 4 infizierte Jugendliche an der Schule und möglicherweise auch eine infizierte Lehrperson (sie ist krank, das Testergebnis steht aus). Im Schulhaus ist es nachweislich 0 x passiert. Wenn's jetzt beim Singen passiert ist, haben wir Pech gehabt, das kantonale Schutzkonzept wurde jedenfalls eingehalten. Oder anders ausgedrückt: Die zwei sichersten Orte im Land bezüglich Corona sind die Schulen und beim Frisör.


    Punkto Evidenz einfach mal ein paar Graphiken mit Zahlen zum drüber meditieren:



    Stand letzter Woche sind die schulpflichtigen Kinder und Jugendlichen die beiden Gruppen mit der niedrigsten Inzidenz in der Bevölkerung. Schaut man sich den zeitlichen Verlauf an, ist wohl ziemlich klar, wer die eigentlichen "Covid-Schweine" sind: die 20 - 40jährigen.



    Die von mir gekennzeichneten Zeiträume sind die Schulferien. Zwei Beobachtungen:

    1. Die Inzidenz fängt während der Sommerferien (Zeitraum 1) an zu steigen - während, nicht danach! Sie nimmt während des laufenden Schulbetriebs langsam aber stetig zu, gleichzeitig werden aber auch immer mehr Tests pro Tag gemacht. Warum ist das so? Vermutlich (und an dieser Stelle extrapoliere ich ausgehend von meiner Schule) weil insbesondere schulpflichtige Jugendliche besonders häufig zum Test gehen. Zumindest unsere tun das relativ zuverlässig schon mit dem kleinsten Kratzen im Hals und bleiben dann auch brav zu Hause, bis das Testergebnis vorliegt.
    2. Die Tatsache, dass während der Herbstferien (Zeitraum 2) die Anzahl täglicher Tests wieder deutlich abnimmt, bestätigt meine Vermutung, dass vor allem Jugendliche überproportional häufig zum Test gehen. Zugleich kann man gut erkennen, dass gegen ende der ersten 7 Schulwochen und während der ersten Ferienwoche die Inzidenz deutlich sinkt, dann wiederum während (nicht danach!!) der zweiten Ferienwoche plötzlich steigt und schliesslich vollkommen eskaliert. Der plötzliche Anstieg während der zweiten Ferienwoche korreliert sehr stark mit dem von mir bereits erwähnten Jodelfest im Kanton Schwyz, die Zahlen stiegen zunächst sehr lokal in der Zentralschweiz sprunghaft an.

    Bezüglich der finalen Eskalation noch einmal ganz speziell für Lehramtsstudent : Steck Dir Deine türkischen Hochzeiten einfach mal sonstwo hin und lies Dir das hier durch:


    Superspreader-Hochzeit in Schwellbrunn


    Das ist an Niederträchtigkeit einfach nicht mehr zu überbieten und ich wünsche allen Beteiligten aus tiefstem Herzen ein Strafverfahren an den Hals, das gerne auch mit einer Verurteilung wegen fahrlässiger Körperverletzung wenn nicht gar fahrlässiger Tötung enden darf.


    In diesem Sinne bin ich wieder raus, vielleicht melde ich mich ja Weihnachten noch mal mit ner Tasse Glühwein. Bis dahin viel Vergnügen dabei die immer gleiche "Diskussion" darüber, wie schrecklich nicht alles ist, weiter im Kreis zu drehen.

    Das ist jetzt aber auch arges schwarz-weiß Denken, wie dir sicherlich bewusst ist

    Dich habe ich auch nicht gemeint.

    Ganz ehrlich: inzwischen wäre mir kaum etwas lieber, als endlich in Quarantäne zu dürfen

    Schön, dass es endlich jemand mal direkt schreibt!


    Bei uns sind allein in dieser Woche rund 1/3 der KuK in Quarantäne

    Bei uns ist nicht eine einzige Lehrperson krank.


    Ich wünsch euch was, ich brauch mal wieder ne Pause. Ich will keine Quarantäne und meine Jugendlichen auch nicht. Sie benehmen sich auch entsprechend. Die Inzidenz unter den Schülern liegt im Baselland einen Faktor 3 unter der in der allgemeinen Bevölkerung. Fakten. Das sind Fakten. Wenn's in Deutschland anders ist - keine Ahnung was ihr falsch macht. (*Ihr* gehört dazu, ja.)

    nicht etwa SÄMTLICHE Nachbarländer

    Das ist nachweislich falsch?! Die Schweiz, Österreich und Frankreich sind Nachbarländer Deutschlands, falls Du das noch nicht bemerkt hast. In allen drei Ländern fingen die Zahlen *während* der Ferien an zu steigen. Ich habe wirklich keine Lust die restlichen Nachbarstaaten zu recherchieren, das ist einfach nur noch dumm.


    Aber Söder will ja jetzt hart durchgreifen mit Lockdown und strengen Polizeikontrollen. Das freut bestimmt hier ein paar.

    Also ehrlich, das ist hier schon ziemlich freaky, oder? Spanien hat bis Mitte September Ferien, guck Dir einfach die Zahlen an. Das gleiche für Österreich, das gleiche für die Schweiz, das gleiche für Frankreich,...


    Ich glaube hier sind einfach ein paar Leute massiv unzufrieden mit ihrem Beruf und hätten gerne wieder Fernunterricht. Anders ist die Realitätsverweigerung ja bald nicht mehr erklärbar.

    Welches das wohl sein könnte?

    Hmm... Lass mich kurz überlegen: Das gleiche wie schon im März? Junge Erwachsene bis Mitvierziger, die auf ihren individuellen Reisespass nicht verzichten können?


    Du hast echt was mit den Augen. Die Fallzahlen stiegen in ganz Europa bereits während der Sommerferien, da ist bekanntlich keine Schule. Drum heisst's ja auch "Ferien". Meine Güte. :autsch:

    Das höre ich tatsächlich zum ersten Mal!

    Ich auch. Schlussendlich ist keine einzige Situation davor gefeit. Statistik und so. Ich war seit Beginn der Pandemie übrigens ausschliesslich mit Maske beim Friseur. Ist einer der wenigen Orte, wo das hier schon die ganze Zeit gilt, nicht mal un Arztpraxen musste man bis vor kurzem zwingend eine Maske tragen.

    Na so einfach kannst Du die Korrelation schon nicht ziehen. Supermärkte leisten auch ohne Masken keinen nennenswerten Beitrag zum Infektionsgeschehen. Dafür gibt's genug Beispiele von Ländern in denen man lange ohne Maske einkaufen ging und die Inzidenz nicht stieg bis zu irgendeinem bestimmten Ereignis.


    Schule ist halt ein Ort an dem 25 Personen 45 min lang einen Raum vollpesten und dann wird's wohl sicher irgendwann mal kritisch. Statistisch gesehen *müssen* wir den ein oder anderen Infizieren im Schulhaus haben, der einfach nichts davon weiss. Es fällt halt nicht auf, wenn es im Schulhaus nicht weitergegeben wird und scheinbar funktioniert das so bis jetzt.

    bzw. sie nehmen nicht wahr, dass ich mit Ihnen spreche

    Das passiert mir sogar hin und wieder bei den Jugendlichen. Ich kenne meine Erstis praktisch nur mit Maske und kann bei den Mädchen die Stimmen nicht zuverlässig zuordnen .


    FrauZipp Für die Jugendlichen ist das mit den Masken voll OK. Ich hab ja oft geschrieben, mir fehlt ein überzeugendes "Experiment" für die Wirksamkeit der Masken. Eine technische Studie erlaubt halt kein finales Urteil bezüglich der Infektiösität und in sämtlichen Beobachtungsstudien kann man die einzelnen Massnahmen nicht auseinanderhalten. Langsam glaube ich es, dass es was bringt, sonst würden wir nicht so gut über die Runden kommen. Ich hab mir eben die Zahlen noch mal angeschaut, Kinder und Jugendliche sind in der Inzidenz einfach immer noch massiv unterrepräsentiert.

    Die beiden grossen Supermarktketten verkaufen bei uns tatsächlich die ganze Zeit schon die gleichen beiden "Marken" an Hygienemasken. Die sind dreilagig mit irgendeiner Art von Filterschicht. Steril sind sie natürlich nicht, aber das sind zumindest die, die beim Kassensturz-Test (das ist so wie Stiftung Warentest) als zuverlässig eingestuft wurden. Humblebee Ich glaube offiziell heissen sie "Hygienemasken" weil sie eben nicht steril und damit nicht für den OP zugelassen sind. Die Materialqualität sollte aber die gleiche sein.

    FrauZipp Ich drücke die Daumen, dass die bei euch nicht auch noch auf die Idee kommen, die Kleinen einzutüten. Ich weiss wirklich nicht, was den Baslern da eingefallen ist, der Status ist immer noch, dass an den Schulen alles sehr ruhig zugeht. Im Moment haben wir zwei Jugendliche zu Hause in Quarantäne, das schulische Umfeld ist jeweils nicht betroffen.

    Finde ich interessant bis schizophrenen dass sowas bei euch erlaubt ist, das habe ich bei uns noch nicht mal irgendwo gesehen. Unser Motto ist definitiv "entweder richtig oder gar nicht". Streng genommen erlaubt der Kanton nicht mal Stoffmasken, es gibt unterdessen auch mehr als genug technische Studien, die zeigen, dass wenn überhaupt die OP-Masken oder eben zertifizierte FFP2/3-Masken was bringen. Ich würde schätzen dass tatsächlich auch etwa 80 % der Leute hier OP-Masken benutzen.

    Mir hat das persönlich nichts gebracht ausser der Erkenntnis, dass Forschung nicht mein Ding ist.

    So würde ich es nicht sagen. Der Weg über die Promotion hat mich hierher gebracht und tatsächlich kann ich an der Schule sogar von den Erfahrungen aus der Promotion profitieren. Wenn ich heute wieder von vorne anfangen müsste, würde ich schon gar nicht mehr Chemie studieren sondern am ehesten Luft- und Raumfahrttechnik. Damit geht man natürlich nicht ins Lehramt ;)


    Nein, ich sage wirklich nicht, dass das Lehramt für mich alternativlos ist. Ich mag den Job furchtbar gerne aber ich sähe mich als Chemikerin z. B. auch im Kantonslabor, bei der EMPA oder bei der EAWAG. Also diese Analytik-Jobs mehr oder weniger im Staatsdienst. Ich finde ehrlichgesagt den Staatsdienst schon etwas sehr Attraktives. Ich bin einfach nicht der Leistungs-Typ und hätte keine Lust mein Gehalt zu verhandeln. Da nehme ich lieber weniger und hab einen Job, in dem ich relativ krisensicher so vor mich hinwursten kann. Oder eben Verlagswesen, da hatte ich den Fuss eh schon so halb drin, das wäre auch was gewesen.

    Palim Die Schweiz ist ja zum Glück klein und die Rega wird sich jetzt drum kümmern die schwer Erkrankten auf die Spitäler mit freien Kapazitäten zu verteilen. Es scheint als hätte wenigstens das Gesundheitssystem in den letzten Monaten brav die Hausaufgaben gemacht. Das müssen jetzt nur noch alle mitbekommen die demnächst wieder im Tiefschnee abseits der Piste rumgurken wollen, dass die Rega anderweitig verplant ist.

    Wir reden hier von meiner Region hinter den Bergen bei den 7 Zwergen.

    Weiter hinter den Bergen bei den 7 Zwergen als im Kanton Schwyz kannst Du gar nicht sein. Das ist genau das Problem an solchen Orten: Die Kapazitäten sind viel schneller ausgeschöpft, als in der fiesen Grossstadt. Die Innerschweizer wussten die letzten 8 Monate wahrscheinlich gar nicht, wie man Corona buchstabiert, jetzt können sie zumindest kurzfristig ein bisschen neidisch auf die Ghetto-Basler gucken. Aber keine Sorge, nächste Woche erklärt uns Deutschland alle zum Risiko. Und von wegen Grossstadt: Basel hat nur 180000 Einwohner, Zürich hat 350000 Einwohner. Hier ist überhaupt nichts gross. Ausser der Corona-Zahlen natürlich.

    Und sonst... Schule wechseln?

    Ja. Ich denke, das ist das einzige, was Du aktiv tun kannst. Du änderst Deine Schule nicht, Du änderst das System nicht, Du kannst nur Dich selbst und Deine Situation verändern.


    Ich glaube ehrlich gesagt, hier sind einige unterwegs, die schon den ein oder anderen wirklich üblen Hänger hatten. Ich erzähle jetzt einfach mal ein bisschen von meinen Hängern, vielleicht inspiriert Dich das irgendwie. 2 von 5 Jahren meiner Promotion waren richtig scheisse. Das hat mir gezeigt, dass das nichts für mich ist mit der Forschung und alledem und vor allem, dass ich mit dieser Art von Leistungsdruck in Kombination mit genau gar keiner Anerkennung für irgendwas überhaupt nicht umgehen kann. Die Ratlosigkeit nach Abschluss der Promotion hat mich mit ein bisschen Glück in die Schweiz gebracht und ich habe rausgefunden, dass ich hier mit meiner Ausbildung ziemlich einfach ins Lehramt komme, was in Deutschland so nicht möglich gewesen wäre. Ich wusste aus Erfahrung, dass ich das kann und hatte das ganz starke Gefühl, dass mir das auch dauerhaft Spass machen wird. Also habe ich meinen Vertrag an der Uni gekündigt und das PH-Studium in einem Jahr durchgezogen.


    Ich hatte nach Abschluss der Ausbildung je eine Anstellung an einer Berufsschule und einer Kantonsschule wobei letzteres ziemlich unglücklich gelaufen ist, die haben mich einfach völlig über den Tisch gezogen. Die Arbeit an der Berufsschule war gut aber ich habe schnell gemerkt, das wird mir auf Dauer zu öde. Der Job an der Kanti war grauenhaft aber nicht wegen der Sache an sich, sondern wegen der Schule. Dort sind einzelne Personen mobbing-mässig auf mich losgegangen wie ich es noch nie zuvor erlebt habe. Ich wusste, dass das grundsätzlich absolut mein Ding ist aber dass der Ort einfach schlecht für mich ist. Ich wusste über eine Person aus der Fachdidaktik, dass an meiner jetzigen Schule jemand pensioniert wird und ich wusste, dass es nicht wirklich qualifizierte Bewerber für die Stelle gibt. Also habe ich nach nur 3 Monaten gekündigt, mich neu beworben und natürlich habe ich die Stelle bekommen. Ich habe brav das Jahr an der alten Schule fertig gemacht, habe zu zwei Kollegen dort immer noch guten Kontakt und bin jetzt glücklich und zufrieden an meiner rostigen kleinen Ghetto-Schule.


    Natürlich läuft dort auch nicht immer alles easy, aber das liegt auch an mir, ich bin kein einfacher Mensch. Ich hab mir mit meiner Chefin schon die Augen ausgekratzt aber ich mag sie und sie mag mich. Und vor allem hab ich da meine "Nischen" in denen ich wursten kann, wie's mir passt. Ich habe dieses Jahr einen Kurs übernommen, den es so an unserer Schule überhaupt noch nicht gab, das ist jetzt meins und bleibt es für die nächsten 100 Jahre. Mir geht es da gerade ein bisschen wie Gruenfink , ich bewege mich zunehmend weg von der "Elite" aka Schwerpunktfach Gymnasium hin zur FMS, das ist ja ein Niveau unter dem Gymnasium. Keine Frage, es macht mir immer noch Spass auf irgendeinem Freak-Niveau rumzunerden aber ich merke einfach, dass ich viel mehr Freude daran habe, den nicht ganz so dollen Super-Checkern was beizubringen, was sie wirklich fürs Leben gebrauchen können. Das wär's sicher auch an der Berufsschule gewesen, auch dort fand ich die Jungs wirklich herzig. Aber dort sind die Strukturen halt sehr starr vorgegeben, was an der FMS halt nicht so ist. Das ist perfekt für mich. Herzige Menschen und man kann kreativ sein. Super.


    Meine Lebensgefährtin schmeisst übrigens gerade ihren Job hin. Der reicht's. Sie ist jetzt krankgeschrieben und näht vorläufig nur noch. Mobbing vom Allerfeinsten, mehr will ich darüber nicht schreiben. Wir haben abgemacht, dass es OK ist, wenn sie jetzt ein paar Monate lang arbeitslos ist, ich verdiene ja genug Körner. Die soll sich was Neues suchen, mit dem sie glücklich wird. Egal was. Mir ist klar, dass das viel schwieriger ist, wenn man Kinder hat. Aber bevor man kaputtgeht, muss man es halt machen. Hinschmeissen und fertig.

    Danke auf jeden Fall für die Hintergrundinfo, dass manchmal auch Fälle aus Platzgründen nicht stationär behandelt werden, das hatte ich so nicht im Hinterkopf.

    Du tust jetzt allen Ernstes so, als sei das eine neue Information für Dich? Entschuldige bitte, aber in welchem Film warst Du denn die letzten knapp 8 Monate unterwegs? Darum geht es doch die ganze Zeit schon.



    Ich glaube, dass das tatsächlich nur sehr kurz eine Rolle gespielt hat, direkt nach den Ferien aber nicht für die „zweite Welle“ verantwortlich ist.

    Meiner Meinung nach hatten wir den ganzen Sommer über eine „Hintergrundaktivität“, der Virus war ja nie weg.

    Das ist jetzt einfach nur Quatsch. Wir hatten in der Schweiz nach dem Lockdown im Mai/Juni etwas in der Grössenordnung von 10 Neuinfektionen pro Tag. In Worten: zehn. Zehn auf 8.6 Millionen Einwohner. Es gab einzelne Tage, da wurde nicht eine einzige Neuinfektion registriert. Es gab in dieser Zeit nur genau drei Einschränkungen: Uni/Sek-II-Schulen im Fernunterricht, keine Grossveranstaltungen, kein Reiseverkehr. Alles andere war freigegeben, wir hatten auch keine Maskenpflicht, nirgendwo in keiner Situation. Da war keine heimliche Hintergrundaktivität, die zwangsläufig irgendwo zum Super-GAU geführt hätte. Natürlich muss es die ein oder andere unentdeckte Infektion gegeben haben, sonst wäre das Virus ja ganz verschwunden. Wir sprechen hier aber ganz sicher nicht über irgendwas auch nur annähernd Gefährliches, sonst wäre es ganz einfach tatsächlich irgendwann in dieser Zeit gekommen. Ich fand es ehrlich gesagt erstaunlich, dass das in einem Land mit so viel Kontakt zum benachbarten Ausland überhaupt möglich war, wir hatten ja zu der Zeit eine deutlich tiefere Inzidenz als Deutschland. Ehrlich, das ist Neuseeland ein müder Hasenpfurz dagegen, die sind ja eine Insel und wir bekanntermassen nicht.


    In dem Moment als der Reiseverkehr freigegeben wurde, stiegen die Zahlen wieder. Noch eindeutiger geht es ja wohl nicht! Es gab die ganze Zeit über Länder, die die ganze Sache viel schlechter im Griff hatten als z. B. Deutschland oder die Schweiz. Abgesehen von Spanien, Grossbritannien, etc. war das z. B. eben auch Serbien, die meiner Ansicht nach in der 1. Runde einfach nur Glück hatten, das Land hat ja nicht so wahnsinnig viel Austausch mit dem Ausland, es ist auch kein typische Urlaubsland, usw. Das haben die wohl unterschätzt und irgendwann hat es zugeschlagen. Da die zu dem Zeitpunkt auch sehr wenige Tests gemacht haben, blieb es für längere Zeit unbemerkt, dass irgendwas im Gange war und so konnten wieder Viren z. B. in die Schweiz eingeschleppt werden. Noch mal: Hier geht's überhaupt nicht um Migranten-Bashing oder sowas sondern nur um die Rekapitulation der Fakten. So war es einfach. Ich habe hier mehrfach geschrieben, dass es mich ziemlich geärgert hat, dass man den Reiseverkehr in dieser Art überhaupt wieder freigegeben hat und uns an den Gymnasien (auch an den Unis) im Gegenzug im Fernunterricht hat sitzen lassen. Aber so hat man halt entschieden, dies vor allem aus wirtschaftlichen Gründen, damit halt die Fluggesellschaften nicht der Reihe nach Pleite gehen.


    Irgendwann hat man dann mal bemerkt, oh, da kommen Viren aus dem Ausland zurück und so fing es an mit der Quarantäneliste. Aber natürlich immer 2 Wochen zu spät, man merkt's ja erst, wenn auffällig viele Rückreisende aus einem bestimmten Land positiv getestet werden. Und nur so kann das Virus dann im Inland überhaupt wieder zirkulieren. Es ist ja ganz einfach: Wo kein Virus, da keine Zirkulation und genau den Zustand hatten wir im Mai/Juni. In der Zeit hätte es das dämliche Jodelfest in Schwyz auch locker vertragen. Dann hätte es da halt einen Ausbruch gegeben, den hätte man eingefangen und fertig ist die Wurst. So Tönnies-mässig halt. Man stelle sich nur mal vor, Tönnies wäre letzte Woche in Deutschland passiert. Dann ist eigentlich klar, was der Unterschied zwischen Mai/Juni und jetzt ist. Ein plötzlicher Anstieg von 10 Neuinfektionen auf 50 Neuinfektionen pro Tag ist für das Contact Tracing kein Problem. Ein Anstieg von 400 auf 1500 Neuinfektionen ist ein Desaster und genau das ist bei uns innerhalb von nur 2 Wochen passiert. So konnte es aber nur kommen, weil durch den Reiseverkehr die Inzidenz überhaupt so hoch gestiegen ist. Am Montag meldet das BAG dann wieder Zahlen für die letzten 3 Tage und dann wird die Zahl sicher fünfstellig sein.


    Da amüsiert mich die plötzliche Schnappatmung der Politik dann schon recht. Was haben die denn gedacht? Monatelang das Gerede von wegen "wir müssen mit de Virus leben", Grossveranstaltungen mit über 1000 Personen freigeben und so tun als wären wir die Gechilltesten der Welt und plötzlich ist man "besorgt" und "überrascht"? Nee, echt jetzt ... das nimmt in der Bevölkerung niemand mehr ernst. Oder halt, doch ... Nachdem inoffiziell gestern schon eine drastische Versammlungsbeschränkung angekündigt wurde, gab's heute mal wieder ein Loch im Klopapier-Regal beim Coop. Da ich davon ausgehe, dass das die gleichen Hanswursten sind wie im März frage ich mich, wie viel Klopapier die im Keller wohl noch übrig haben? Ist das echt so, dass das erste woran man denkt, wenn man die Meldung von knapp über 3000 Neuinfektionen auf 8.6 Millionen Einwohner sieht ist: Kacken und sich den Hintern mit Papier abwischen können? Jesses ... dann haben wir hier aber sicher noch keine echten Probleme.

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