Lateinische Synonymik

  • Die große Schwäche von kompakten zweisprachigen Lexika ist, dass Übersetzungsvorschläge in der Regel nur als Übertragungen von Wort zu Wort angeboten werden, ohne dass für den Benutzer klar wird, in welchen genauen Bedeutungszusammenhängen ein aufgefundener Begriff verwendet wird oder welche Assoziationen mit ihm verbunden sind. Ein Begriffsfund wird so leider nur allzu oft ein vermeintlicher Fund, ohne dass dies dem Benutzer des Lexikons gewahr wird. Als Sprachlehrer weiß ich ein trauriges Lied davon zu singen.


    In den neueren Sprachen bieten einsprachige Lexika nähere Erläuterungen, auch ein umfangreicheres zweisprachiges Wörterbuch kann weiterführende Angaben zum Sprachgebrauch machen - die endgültige Gewissheit über die Bedeutungsnuancen eines Wortes kann aber nur die philologische Erfahrung als Ertrag langjähriger Lektüre zielsprachlicher Texte bieten. Die Lateinische Synonymik, ursprünglich aus der Feder Hermann Menges und Ende der 70er Jahre neubearbeitet von O. Schönberger, ein typisches Produkt der überaus fruchtbaren philologischen Arbeit des 19. Jh., bietet diesen Erfahrungsschatz auch dem Lerner der lateinischen Sprache.


    Als klassischer Thesaurus ist die Synonymik in Bedeutungssachgruppen gegliedert, die ihrerseits unter den drei großen Wortgruppen Verben, Substantive und Adjektive subsumiert sind. Untergruppen der Wortarten sind Bedeutungsfelder wie z.B. "Weihen, widmen" oder "Glauben, meinen" bei den Verben bzw. "Grund, Beweis" oder "Gelegenheit, Möglichkeit" bei den Substantiven. Die Bedeutungsfelder enthalten jeweils eine Liste möglicher lateinischer Begriffe, zu denen knappe aber prägnante Erläuterungen zum Sprachgebrauch gemacht werden. Oft aber nicht immer werden beispielhafte Phrasen dargeboten; lange und kurze Vokale sind dankenswerterweise im Zweifelsfall markiert.


    Synonymlexika dienen vorrangig dem produktiven Sprachgebrauch, so auch der vorliegende Titel. Aus diesem Grund ist mir unverständlich, wieso in der mir vorliegenden Ausgabe zwar alphabetische Register zu lateinischen Worten (ca. 3200 Einträge) und deutschen Entsprechungen (ca. 1300 Einträge) bereitgestellt werden, aber keine Auflistung der Bedeutungsfelder zu finden ist. Es ist zu vermuten, dass die Herausgeber ein derartiges Verzeichnis für unnötig hielten, da auch die ursprüngliche Struktur Menges keinen planenden Sinn hinter der numerischen Abfolge von Synonymfeldern erkennen lässt. Ebenso ist die übergeordnete Aufteilung zwischen Wortarten wenig sinnvoll, da so davon ausgegangen wird, dass der Benutzer des Verzeichnisses nach einem spezifischen Wort sucht, während realiter in der Übersetzung doch wohl eher nach allgemeinen sprachlichen Mitteln gesucht wird, um einen Gedanken in der Zielsprache auszudrücken. Das klassische Synonymlexikon der englischen Sprache, Roget's Thesaurus hat deshalb die grammatikalischen Kategorien den Bedeutungskategorien untergeordnet und bietet so für den gesuchten Ausdruck ein ganzes Repertoire möglicher Ausdrücke.


    Trotz dieser Einschränkung ist mir die vorliegende Synonymik in kurzer Zeit zu einem wichtigen, ja unverzichtbaren Werkzeug bei meinem Studium der lateinischen Sprache geworden. Ich halte die Anschaffung dieses Buches für sehr empfehlenswert für jeden, der einen Zugang zu den Bedeutungsfeinheiten der lateinischen Sprache finden möchte und sein eigenes Sprachrepertoire systematisch erweitern will.

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