Beiträge von the_rani

    Hallo Ratloser,

    einen Beruf auszuüben, in dem man dauerhaft unglücklich ist, ist natürlich keine Option. Ich würde mich an Deiner Stelle zunächst einmal professionell beraten lassen, welche Alternativen Dir offenstehen (im Bereich Informatik gibt es da sicher einige). Dann könntest Du Dich erkundigen, wie die Modalitäten für eine Beurlaubung sind. Wie Meike schon gesagt hat, ist es in allen Bundesländern möglich, sich für mehrere Jahre beurlauben zu lassen.

    Ich selber habe eine Zeitlang im PR-Bereich gearbeitet, hatte dann aber doch wieder Lust auf einen Job in der Bildung und bin an die Schule zurückgegangen. Ich war zu dem Zeitpunkt allerdings auch noch nicht verbeamtet, so dass sich die ganzen Fragen von Alterssicherung, Beurlaubung etc. gar nicht gestellt haben.

    Wünsch Dir viel Glück bei Deiner Entscheidung.
    Gruß
    The Rani

    Zitat

    Original von andreal

    Ich merke jetzt als Vertretungslehrer selbst, welche teilweise elementaren Sprachformulierungen den Schülern nicht gegeben sind, um sich deutlich auszudrücken - selbst in der 12. Klasse. Abgesehen davon, dass ihnen ein gewisses Sprachgefühl fehlt, welches erst kommt, wenn man real in Kontakt mit Muttersprachlern tritt, frage ich mich, wie man ihnen helfen kann, Inhalte zu verstehen aber auch so auszudrücken, wie sie und ihre Intelligenz es eigentlich in der Lage sind. Mich würde daher interessieren, wie ihr (the_rani, DFU & all the others) das Problem gelöst habt. Von der Themenauswahl angefangen: Besprecht ihr prinzipiell die gleichen Inhalte wie der muttersprachliche Fachunterricht nur auf einer anderen Sprache oder handelt ihr z.B. nach dem Bilingual Triangle von Hallet (1999)? Nutzt ihr die Chancen des BiliU zur Erweiterung des Fremdverstehens, Mulitperspektivität, Einblick in die fremdsprachliche kulturellen Traditionen? Wie brecht ihr den Inhalt herunter? Wie viel Zeit geht für den sprachlichen Support drauf? Wo hakt es am meisten? Welche Formen der Spracharbeit helfen den Schülern wirklich? Welche vielleicht auch nicht?

    Es reicht nicht, im Bili-Unterricht einfach alle Materialien auf Englisch einzusetzen und alles genau wie im deutschsprachigen Unterricht zu machen. Viele Quellen / Fachtexte findet man ja sowieso nicht in einer englischen Übersetzung, und es ist ja auch das erklärte Ziel des englischsprachigen FACHunterrichts (kein fachlich orientierter FREMDsprachenunterricht, andreal, da stimme ich Dir absolut zu), Originaltexte zugänglich zu machen.

    Multiperspektivisch sollte Geschichts- und Politikunterricht ja sowieso sein, und im Bili-Unterricht hat man dann eben die Möglichkeit, auch die Perspektive der Zielsprachenländer verstärkt mit einzubeziehen. Häufig ergibt sich auch anhand von Gegenüberstellungen von englischen und deutschen Texten oder Begriffen Diskussionsstoff über interkulturelle Themen (Bsp: englische Entsprechung zu Begriffen wie "Gleichschaltung", "Föderalismus").

    Den Stoff muss man ingesamt gegenüber dem deutschsprachigen Unterricht etwas einschränken. Häufig erhalten Bili-Fächer aber eine oder zwei Stunden wöchentlich mehr, so dass sich das auch in Grenzen hält.

    Spracharbeit im Bili-Unterricht muss in gewissem Umfang sein, ist aber sicherlich nicht Priorität gegenüber den fachlichen Fertigkeiten. Ich selber setze in der Unter- und Mittelstufe noch häufig auf Vokabeltests und mache auch mal Übungen auf der Grundlage von Fachtexten (Lückentexte, Grammatik etc.)

    In der Oberstufe stellen wir nur noch gemeinsam Glossare zusammen und üben Textstrategien (essay-writing, text analysis). Spracharbeit mache ich nur, wenn ich z.B. Klausuren bespreche und häufige Fehler analysieren lasse. Dann gebe ich den Schülern eben Aufgaben für zuhause - in der Stunde machen wir Fachunterricht.

    In der Oberstufe können meiner Erfahrung nach bilinguale Schüler auf einem DEUTLICH besseren Niveau Englisch als Nicht-bili-Schüler. Manche erreichen sogar C2-Niveau, jedenfalls auf der passiven Ebene. Hier sind dann auch Diskussionen auf einem ähnlich hohen Niveau wie in der Muttersprache möglich und machbar.

    Dennoch bin ich, wie oben schon beschrieben, nicht immer ganz glücklich mit den Deutschkenntnissen dieser Schüler. Deshalb gebe ich auch ab und zu mal deutsche Texte rein oder bitte die Schüler, die Stundenergebnisse auf Deutsch zusammenzufassen, damit sie auch in ihrer Muttersprache über das Thema sprechen können. Heißt ja nicht umsonst ZWEIsprachiger Unterricht.

    Grüße von the rani

    Hallo zusammen,

    ich finde es interessant, dass der größte Teil des Threads sich um die Frage Verhältnis Praxis/Theorie dreht, zur eigentlichen Fragestellung des OP aber sehr wenig gepostet wurde. Ich muss - bei aller Kritik an der Praxisferne der Fachdidaktik an der Universität - doch noch mal darauf hinweisen, dass andreal schon Recht damit hat, dass der bilinguale Unterricht in den Sachfächern Schüler vor größere Herausforderungen stellt als der muttersprachliche Unterricht.

    Damit meine ich ausdrücklich NICHT den Erwerb eines Fachvokabulars oder den Erwerb von den berühmten "Phrasen" zur kommunikativen Kompetenz- die kann man einführen wie im herkömmlichen Fremdsprachenunterricht - sondern die Aneignung der fachspezifischen Methoden und Fertigkeiten des SACHFACHES in der Fremdsprache. Ich unterrichte selber seit vielen Jahren Geschichte und Gemeinschaftskunde auf Englisch und habe ein paar Jahre auch deutschsprachigen Fachunterricht in Politik und Wirtschaft im Ausland gegeben.

    Die eigentliche Schwierigkeit besteht z.B. in Geschichte nicht darin, historische Fachbegriffe auf Englisch zu lernen, sondern häufig sprachlich und inhaltlich komplexe Quellen in der Fremdsprache zu analysieren. Zudem handelt es sich - wie jedem Geschichtslehrer bekannt sein dürfte - in den Jahren, in denen Geschichte auf Englisch eingeführt wird, meistens 7. - 9. Klasse, um Themen, die schon auf Deutsch von den Schülern eine ziemliche Identifikationsleistung erfordern (Mittelalter, Renaissance, Napoleon....). Diese gehören nicht gerade zu den zugänglichsten Epochen und Schüler schreien selten laut "Hurrah". Reduziert man dann die Quellen sprachlich auf ein Niveau, mit dem die Schüler in diesem Alter klarkommen, bleibt von der Analyse und dem fachlichen Anspruch nicht mehr sehr viel übrig. Belässt man die Quellen im Originalzustand, erzeugt man leicht Frust.

    Bei Politik sieht es ähnlich aus - politisch argumentieren lernen ist schon auf Deutsch schwierig, auf Englisch stellt es die Schüler vor sehr große Hürden.

    Bilingualer Unterricht ist für mich insgesamt ein "mixed blessing": Manchmal finde ich es besorgniserregend zu sehen, dass bilinguale Schüler wenig deutsches FAchvokabular beherrschen, weil sie einige Themen ausschließlich auf Englisch behandelt haben und sich dann kaum angemessen in ihrer Muttersprache über diese Themen unterhalten können. Meine Anregungen im Kollegium, doch deutsche und englische Unterrichtseinheiten abzuwechseln, um die Ausbildung in der Muttersprache sicherzustellen, trifft leider auf wenig Gegenliebe. Dennoch überzeugt mich das Niveau, das bilinguale Schüler in der Oberstufe im Englischen haben, weil es im Allgemeinen weit über das "normale" Englisch in der Sek II hinausgeht.

    Gruß
    The Rani

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