Zitat
Original von andreal
Ich merke jetzt als Vertretungslehrer selbst, welche teilweise elementaren Sprachformulierungen den Schülern nicht gegeben sind, um sich deutlich auszudrücken - selbst in der 12. Klasse. Abgesehen davon, dass ihnen ein gewisses Sprachgefühl fehlt, welches erst kommt, wenn man real in Kontakt mit Muttersprachlern tritt, frage ich mich, wie man ihnen helfen kann, Inhalte zu verstehen aber auch so auszudrücken, wie sie und ihre Intelligenz es eigentlich in der Lage sind. Mich würde daher interessieren, wie ihr (the_rani, DFU & all the others) das Problem gelöst habt. Von der Themenauswahl angefangen: Besprecht ihr prinzipiell die gleichen Inhalte wie der muttersprachliche Fachunterricht nur auf einer anderen Sprache oder handelt ihr z.B. nach dem Bilingual Triangle von Hallet (1999)? Nutzt ihr die Chancen des BiliU zur Erweiterung des Fremdverstehens, Mulitperspektivität, Einblick in die fremdsprachliche kulturellen Traditionen? Wie brecht ihr den Inhalt herunter? Wie viel Zeit geht für den sprachlichen Support drauf? Wo hakt es am meisten? Welche Formen der Spracharbeit helfen den Schülern wirklich? Welche vielleicht auch nicht?
Es reicht nicht, im Bili-Unterricht einfach alle Materialien auf Englisch einzusetzen und alles genau wie im deutschsprachigen Unterricht zu machen. Viele Quellen / Fachtexte findet man ja sowieso nicht in einer englischen Übersetzung, und es ist ja auch das erklärte Ziel des englischsprachigen FACHunterrichts (kein fachlich orientierter FREMDsprachenunterricht, andreal, da stimme ich Dir absolut zu), Originaltexte zugänglich zu machen.
Multiperspektivisch sollte Geschichts- und Politikunterricht ja sowieso sein, und im Bili-Unterricht hat man dann eben die Möglichkeit, auch die Perspektive der Zielsprachenländer verstärkt mit einzubeziehen. Häufig ergibt sich auch anhand von Gegenüberstellungen von englischen und deutschen Texten oder Begriffen Diskussionsstoff über interkulturelle Themen (Bsp: englische Entsprechung zu Begriffen wie "Gleichschaltung", "Föderalismus").
Den Stoff muss man ingesamt gegenüber dem deutschsprachigen Unterricht etwas einschränken. Häufig erhalten Bili-Fächer aber eine oder zwei Stunden wöchentlich mehr, so dass sich das auch in Grenzen hält.
Spracharbeit im Bili-Unterricht muss in gewissem Umfang sein, ist aber sicherlich nicht Priorität gegenüber den fachlichen Fertigkeiten. Ich selber setze in der Unter- und Mittelstufe noch häufig auf Vokabeltests und mache auch mal Übungen auf der Grundlage von Fachtexten (Lückentexte, Grammatik etc.)
In der Oberstufe stellen wir nur noch gemeinsam Glossare zusammen und üben Textstrategien (essay-writing, text analysis). Spracharbeit mache ich nur, wenn ich z.B. Klausuren bespreche und häufige Fehler analysieren lasse. Dann gebe ich den Schülern eben Aufgaben für zuhause - in der Stunde machen wir Fachunterricht.
In der Oberstufe können meiner Erfahrung nach bilinguale Schüler auf einem DEUTLICH besseren Niveau Englisch als Nicht-bili-Schüler. Manche erreichen sogar C2-Niveau, jedenfalls auf der passiven Ebene. Hier sind dann auch Diskussionen auf einem ähnlich hohen Niveau wie in der Muttersprache möglich und machbar.
Dennoch bin ich, wie oben schon beschrieben, nicht immer ganz glücklich mit den Deutschkenntnissen dieser Schüler. Deshalb gebe ich auch ab und zu mal deutsche Texte rein oder bitte die Schüler, die Stundenergebnisse auf Deutsch zusammenzufassen, damit sie auch in ihrer Muttersprache über das Thema sprechen können. Heißt ja nicht umsonst ZWEIsprachiger Unterricht.
Grüße von the rani