Hallo Melosine,
ich habe nun ein Jahr Erfahrung mit der 1/2 im Rücken und kann folgende Punkte für weitere Überlegungen zur Verfügung stellen:
positiv:
- Groß hilft Klein und manchmal auch schon umgekehrt 
- Leselernprozess viel schneller (kann aber auch an besonders cleveren Ersties gelegen haben ...)
- großer Lerneifer bei den Erstklässlern (Schwammprinzip - sie saugen alles auf!)
- riesige Lernschritte (sofortiger Einstieg in Zahlenraum bis 20 war kein Problem; einfache Malaufgaben lösen die Kleinen auch schon)
- hoher Grad an Selbständigkeit durch offene Arbeitsformen (Tagesplan, Wochenplan, Werkstatt, Lerntheke, ...)
- gemeinsame Stunden in Sachunterricht, Kunst, Musik, Sport, Religion sehr ausgewogen und kein Problem
- gemeinsame Sequenzen helfen schwachen Zweitklässlern und fördern clevere Erstklässler (z.B. auditive Übungen zu Phonemen / Rechtschreibübungen)
- problemlose Mischung der Lerninhalte für z.B. mathematisch besonders begabte Kinder
negativ:
- Räume zu klein für hohe Aktivität
- keine geeigneten Möbel (Tische und Stühle müssten in allen Größen vorhanden sein, geschlossene Schränke, tiefe Regale, einheitliche Behältnisse für Material)
- ein halbes Jahr sehr sehr viele und intensive Arbeitsstunden mit Parallelkollegen (Erschöpfungsgrad durch Erwartungshaltung der Öffentlichkeit sehr hoch)
- ablehnende Eltern, die auch schon mal bewusst Steine in den Weg legen
- eifersüchtige Zweitklässler, weil die 'Kleinen' anfangs noch mehr Zuwendung benötigten (könnte sich mit dem zweiten Jahrgang aufheben)
- nicht ausgereiftes Konzept und o.g. Rahmenbedingungen führen noch zu oft zu einem 'Nebeneinanderlernen' (getrennte Tagespläne für Erst- und Zweitklässer in Mathe und Deutsch; Einzelstunden bzw. Rückzug einer Gruppe in einen leeren Klassenraum)
- keine passenden Schulbücher (ein großes großes Problem)
Den ersten Schultag - noch ohne die Erstklässler - werde ich nutzen, um mit den Zweitklässlern organisatorische Dinge abzusprechen:
- jedes Kind bekommt einen oder zwei Erstklässler als 'Patenkind' zugeteilt (einige kennen sich aus dem KiGa)
- Programm für die erste Woche: Ersties 'an die Hand' nehmen und z.B. WC, Spieleausleihe und Lehrerzimmer zeigen
- für den Unterricht: Zweitklässler bekommen Schreibschriftlernheft für den Tagesplan, können dann selbständig arbeiten während ich mit den Kleinen die ersten Buchstaben einführe; ähnliche Arbeitsweise in Mathe
Ich hoffe, es wird einfacher, weil die Großen ja meine Arbeitsweise nun kennen und sofort wissen, was zu tun ist, wenn ich die Symbolkarten für Tages-/Wochenplan anhefte oder Stichworte an die Tafel schreibe (z.B. Lesekartei oder M: S. XY Nr. Z ins Heft).
Hier stoppe ich erstmal, obwohl ich wahrscheinlich inzwischen einen Ratgeber schreiben könnte.
Damit warte ich aber noch ein Jahr, bis die 'Kinderkrankheiten' der Flex ausgeheilt sind.
Alle Fragen beantworte ich gerne auch per PN! Wir müssen uns gerade auch mit diesen jahrgangsübergreifenden Klassen helfen. Ich weiß wie anstrengend es sein kann ...
LG Talida

