Beiträge von DeadPoet

    Wie viele Punkte kann man ernsthaft in 10 Sekunden aufholen?

    Meistens ist das zum Schluss noch schnell hingekritzelte eh falsch. Blöd ist, wenn das richtige durchgestrichen wurde.

    Ja, 10 Sekunden bringen jetzt nicht DEN großen Vorteil. Bei 90 Sekunden sieht das für mich aber doch anders aus. Außerdem: Wozu sonst noch irgend welche Regeln (Bearbeitungszeiten) wenn sich keiner dran halten muss?
    Ich sag bei Klausuren in der Oberstufen nix wegen 10 Sekunden, aber 90 würde ich auch nicht tolerieren.

    Ich halte es für etwas ... fragwürdig ... Dinge im Unterricht zu behandeln, bei denen man auf Vermutungen angewiesen ist, weil man keine genaueren Infos hat und noch niemand Einblick in irgendwelche Akten hatte. Auch die Frage "wie wird das enden?" beantwortet meine Glaskugel leider nicht. Aber es mag auch sein, dass Politikunterricht da anders funktioniert als Geschichtsunterricht.

    Und zum Thema Wiederwahl: Dann müsste man den jetzigen Konflikt schon noch knapp ein Jahr am Köcheln halten.

    Schöner Thread. Bei allem Gejammer und Stress ... ich finde nicht viele Berufe, die ich lieber ausüben würde.

    - weil es nie langweilig wird
    - weil ich grundsätzlich Kinder/Jugendliche mag
    - weil es - neben all dem Mist - auch wunderschöne Erlebnisse mit Kindern/Jugendlichen gibt, die man ganz fest im Gedächtnis halten muss, um sich immer wieder daran zu erinnern
    - weil ich mich für meine Fächer wirklich interessiere und so wenigstens zum Teil meine Hobbies auch mein Beruf sind
    - weil ich jemandem etwas beibringen will (und das auch manchmal (?) schaffe)
    - weil ich immer noch ein hohes Maß an Freiheit und freier Zeiteinteilung habe
    - weil es mir der Beamtenstatus erlaubt, auch mal zu sagen "Nein, den Blödsinn mache ich jetzt nicht mit"
    - und auch, weil es gut bezahlt ist (meine Meinung).

    Ich bin grad in Gedanken meine Klassen so durch gegangen.

    die Kleinen: bester Schüler ein Felix, die mit den geringsten Chancen (im MOment!) am Gymnasium: eine Julia; größter Quertreiber: Karl.

    in der Mitte: bester Schüler: Philipp, geringste Chancen: Martin, größter Quertreiber: Simon

    oben: beste Schülerin: Victoria, geringste Chancen, dass das mit dem Abi was wird: Christian, größter Störenfried: keiner, die schlafen alle ...

    Und ja, in den Klassen gibt es Kevins, Amalias, Christinas, Maries ... usw. usf.

    Was sagt mir das jetzt?

    Ich hatte Kevins, die entsprachen dem "Vorurteil" ... und dann war ein Kursbester auch mal ein Kevin.

    Auch das unbedingte "kein Sex vor der Ehe" gehört eher in den Bereich der - aus meiner Sicht - fundamentalistischen Hardliner. Muss man selbst entscheiden. Meine Frau und ich sind Christen (im Ausweis steht auch "katholisch"), dennoch hatten wir vor der Ehe Sex.

    Ich stimme in Bezug auf Sex grundsätzlich dem Satz zu "Was zwei mündige Menschen hinter verschlossenen Türen miteinander im beidseitigem Einverständnis tun, ist ihre Sache" (man beachte das "grundsätzlich" - ich will jetzt nicht über alle möglichen Spielarten diskutieren und dass der Satz im Einzelfall evtl. doch nicht so zustimmungwürdig ist).

    Aber: dazu gehört die Fähigkeit und die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen - und wenn es nur insoweit ist, dass man sicher stellt, dass aus den "zwei Menschen" nicht ungewollt drei werden (ungewollte Schwangerschaft). Diese Verantwortung hat man, der muss man gerecht werden (können).
    Man hat auch die Verantwortung, gerade wenn man den Sexualpartner nicht gut kennt, sich und ihn vor Krankheiten zu schützen (und das ist einer der Aspekte, wo ich den Satz "man muss nicht sofort mit jedem ins Bett springen" schon verstehen kann - man kann trotzdem springen, aber man hat eine Verantwortung für sich und den anderen).

    Äh ... ich weiß ja nicht ... aber bei den Christen des späteren 20. Jhd. (und dann auch denen des 21.) hat sich ja doch vorwiegend die Ansicht durchgesetzt, dass das Alte Testament nun nicht in allen Aussagen wörtlich als Glaubens- und Handlungsempfehlung anzusehen ist (bestimmte Stellen wie die 10 Gebote ausgenommen).
    Man muss das ganze hier als Schrift einer patriarchalischen (gar frauenfeindlichen) Zeit betrachten (die Frau als Wurzel des Übels, als unrein ... etc), in der bestimmte "Hygieneregeln" (anders als heute) evtl. (!) noch Sinn machten.

    Nur liest sich das bei der Stadt Köln z.B. dann schon etwas anders. Erster Satz bzgl. safer-use Informationen: "Risikofreien Konsum gibt es nicht. Wer die teils erheblichen, akuten und langfristigen Risiken in Kauf nimmt, kann sich höchstens mit safer-use-Informationen vertraut machen."

    und dann: "Am wichtigsten: Vorbeugung von Suchtgefahren!"

    Da muss ich dann ehrlich sagen, dass ich von einem Lehrer etwas anderes erwarte, als "passt auf, dass ihr die richtige Pille bzw. nicht zu viel nehmt".

    Es ist wohl richtig, dass junge Lehrer ihre Schüler bei bestimmten Themen leichter erreichen, als ältere Lehrer. Aber: Das wird auch von Seiten der Jugendlichen nie auf Augenhöhe passieren. Egal, wie jung/cool/ etc Du bist, Du wirst für die immer eine Lehrperson sein. Darüber hinaus finde ich Deine Vorstellung von Drogenprävention zumindest an der Grenze zum Irrsinn.

    Und: wieso verlinkst Du Websites mit Beratungsangeboten aus der Schweiz? Gibt's keine deutschen, die Deine Haltung stützen?

    Pekuniäre Interessen!

    Ich hoffe, dass das jetzt genau so Ironie ist, wie die Berufung oben. Wer nur aus finanziellen Interessen Lehrer geworden ist, hat irgendwo mein Unverständnis und Mitleid (seine SchülerInnen haben ebenfalls mein Mitleid). Wer aus "pekuniären Interessen" Lehrer wird ... äh ... hat es zu mehr nicht gelangt? Bei entsprechender Qualifikation kann man doch - wie manche hier so gerne betonen - in der freien Wirtschaft viel mehr verdienen ...

    Ich denke schon, dass man seinen Beruf auch nach Interessen wählt - was NICHT heißt, dass man soviel Spaß dabei haben muss, dass man umsonst arbeitet bzw. sich ausbeuten lässt.

    Warum ich Lehrer bin? Ich wollte tatsächlich mit Kindern und Jugendlichen arbeiten, ihnen etwas beibringen, sie als Pädagoge begleiten. Das bedeutet aber nicht, dass ich das für lau oder für einen Hungerlohn machen würde. Natürlich will ich dafür auch vernünftig bezahlt werden (was auch - nach meinem Empfinden - der Fall ist), denn ich glaube, dass ich auch eine vernünftige "Leistung" erbringe. Ich halte unsere Mehrarbeitsregeln auch für ausbeuterisch und habe deshalb auch schon mal Dinge nicht mehr angeboten, die das Schulleben bereichert hätten. Ich arbeite, um zu leben. Dass ich dabei etwas tue, was mich interessiert, ist gut so und sollte so sein. Aber Schule ist nicht mein "Hobby" und ich bin nicht mit ihr (und auch nicht mit den Schülern) "verheiratet".

    Nur so aus dem Nähkästchen: Bei uns sind im Moment (mündliche Zusatzprüfungen zur Verbesserung laufen) so viele SuS durchgefallen wie schon lange nicht mehr (ich kann mich nicht an so viele erinnern ... und hab seit 20 Jahren Abi). Und jetzt kommt es: Mathe war NICHT das "Killerabi" ... sondern Deutsch, Englisch oder ein anderes drittes schriftliches Abi-Fach. Natürlich hat es auch in Mathe welche erwischt, aber nicht mehr als in den vergangenen Jahren.

    Diese Diskussion würde meiner Meinung nach nicht schaden. Dass in einer solchen Diskussion verallgemeinert wird und erst im Rahmen der Diskussion ein differenziertes Bild entsteht, erlebt man häufig (auch hier im Forum ;) ).

    Nebenbei: Mit 20-30 Jahren als Lehrer hat man viele verschiedene pädagogische "Modeerscheinungen" / Neuentwicklungen erlebt und bei aller "Freude" über etwas Neues den Wert des Alten nicht vergessen. Etwas problematischer ist es (und das habe ich auch schon erlebt), wenn Leute frisch von der Uni (oder auch Referendare im Seminar) nur eine Richtung kennen gelernt haben, weil die gerade angesagt war, und dann nichts Anderes mehr gelten darf (sei es, weil sie davon überzeugt sind, sei es, weil ihr Ausbilder das so will).
    Konkret: ich alter Sack habe noch überwiegend (erzählenden) Frontalunterricht "genossen". Und während das bei manchen Lehrern absolut furchtbar war, fand ich es bei anderen wiederum toll (weil die erzählen konnten, fesseln konnten, erklären konnten ...).
    Von daher war für mich diese Art des Unterrichts immer eine Option (auch wenn sie zeitweise verpönt war). Natürlich nicht ausschließlich - aber eben auch nicht ausgeschlossen.

    Grundsätzlich finde ich, dass "Eltern" durchaus auch ein gewisses Verständnis für Schule / das Schulsystem haben können. Das gilt auch für einen Psychiater, der sich vor allem mit Kindern/Jugendlichen beschäftigt.
    Darüber hinaus: er beschreibt die Ergebnisse des pädagogischen Handelns ... und da muss ich ehrlich sagen: von dieser Perspektive aus gesehen, muss dieses pädagogische Handeln kritisiert / hinterfragt werden, denn es läuft etwas allem Anschein nach nicht richtig. Dafür muss ich nicht die Feinheiten verstehen, nur sehen, was raus kommt.
    Ich finde, man darf das Schulsystem ruhig angreifen, es liegt eine ganze Menge im Argen ... und manche "Erkenntnisse" der Pädagogik der letzten Jahre ... will ich gar nicht anwenden müssen bzw. ich kann es gar nicht, weil die Grundvoraussetzungen fehlen (Klassenstärke über 30 ...).

    Ich denke, man sollte zwei Dinge unterscheiden:

    Winterhoffs Zustandsbeschreibung (mehr Kinder/Jugendliche als früher haben Defizite in Empathie, Sozialverhalten, Eigenständigkeit, Bereitschaft zur Anstrengung ... Rechtschreibung, Mathematik ... am Gymnasium jammern wir darüber, was die Kinder alles NICHT aus der Grundschule mitbringen und die Arbeitgeber / Universitäten jammern, dass die Jugendlichen nach dem Abitur nicht arbeits- bzw. studierfähig sind).

    Ich würde ihm da weitgehend zustimmen. Gerade die Aussage bei Lanz, dass man ein 10 Jahre altes Lehrbuch nicht mehr verwenden kann, weil die Schüler es nicht mehr verstehen, ist auch meine Erfahrung.

    Wenn ich mir so anschaue, was in unserem Bildungssystem die letzten 15 Jahre passiert (oder auch nicht passiert) ist, dann halte ich einen gewissen Alarmismus langsam für mehr als angebracht.

    Das führt dann natürlich zu der Frage, warum das so ist. Da kann man unterschiedliche Antworten geben. Winterhoff gibt Antworten, über die man streiten kann (wie wahrscheinlich über alle). Aber die anscheinend weit verbreitete Reaktion "So ein Quatsch, was hat der denn ... ist doch alles in Ordnung, läuft super" halte ich für etwas kurzsichtig.

    Ich halte Führung, Autorität und klare Rollenverteilung zum Beispiel durchaus für wichtig (je nach Alter der SuS mehr oder weniger). Es ist nur noch wichtiger, wer hier führt und Autorität beansprucht - und zu welchem Zweck.

    Und?
    Kauft ihr jetzt alle das Buch?

    Herr Winterhoff taucht immer auf, wenn wieder eines seiner Werke fertig ist.
    Die Geschichte mit dem Baumarkt kannte ich schon von einem der vorherigen Male, die kann also nicht aktuell sein.

    Letztlich: Er ist Psychiater! Er weiß, wie er Menschen ansprechen kann.

    Wikipedia fasst zusammen: "Seine Werke erzielen hohe Auflagen und stoßen auf entsprechend große mediale Resonanz, in der Fachwelt jedoch auf verbreitete Kritik."

    Nur decken sich seine Aussagen in erschreckend weiten Bereichen mit meinen Beobachtungen an der Schule (und ich "beobachte" halt jetzt auch schon 25 Jahre). Die "Fachwelt", die ihn kritisiert - das sind nicht zufällig genau die Bildungswissenschaftler, die uns z.T. den ganzen Schlamassel eingebrockt haben?

    Vielleicht liegt es am Alter ... ich glaube, die "positive" Schülergeneration von der er spricht, auch noch erlebt zu haben. Und ich sehe sehr ähnliche Entwicklungen wie er, wenn ich die Schüler meiner jetzigen Oberstufenkurse mit denen vergleiche, die ich so 2004/05 herum hatte. Natürlich sind in den heutigen Kursen immer noch hervorragende Leute drin, aber eben auch mehr von denen, über die er so mit Sorge redet.

    Ich fühl mich von dem, was er sagt, in vielen Punkten durchaus angesprochen.

    Der Autor sagt (und er meint diese Aussage nicht positiv): "Es ist gewollt, dass die Kinder auf sich gestellt sind." Genau dieses "auf sich gestellt" wird mir aber zu stark an der Schule gepredigt. Gruppenarbeiten, Partnerübungen, der Lehrer als Coach, selbst-entdeckendes Lernen - alles gut, hat seinen Platz. Aber nicht als DAS neue, allein selig-machende Allheilmittel. Ich find Eigenverantwortung gut, aber die muss man auch lernen (können) und mit zu viel überfordert man Schüler (vor allem in der Unter- und Mittelstufe).


    Dass das menschliche Hirn viel Murks kompensieren kann, denke ich auch - aber nur, wenn es Alternativen für den Murks bekommt ... bzw. eine andere Pädagogik noch erlebt hat. Und immerhin murksen wir so seit ca. 15 Jahren herum ...


    Und zu Erziehung:
    - im Thread zur Ganztagsschule kommt doch ab und zu der Hinweis, dass manche Eltern sich nicht ausreichend um die Kinder kümmern könnten, weil sie arbeiten müssten (also liegt es da am Geldbeutel)
    - ich finde schon, dass gute Erziehung Zeit für und mit dem Kind erfordert ...

    aber richtig, hier ist er doch etwas oberflächlich.


    Nur: wir haben inzwischen die ersten Eltern, die als Kinder die negativen Entwicklungen, die er anspricht, selbst "erlitten" haben ... wenn er Recht hat (und auch nur im Ansatz) brauchen wir uns über unsere (zukünftigen) Schüler doch dann wirklich nicht mehr wundern.

    Ich frage mich allerdings, wer bei Textverständnis hier immer auf dem Holzweg ist ... ich kann erneut nicht erkennen, dass wieder einmal die Lehrer zum großen Teil schuld sind. Denn

    "Ich fordere die Umstellung, dass wir Lehrer wieder als Lehrer sehen, dass Erzieher wieder Erzieher sind. Die können wir sofort machen, die kostet noch nicht mal Geld. Aber wir müssen, wenn uns die Kinder wichtig sind und wir als Gesellschaft Menschen haben wollen, die so leben können wie wir, investieren. Ich brauche in der Grundschule auf 15 Kinder zwei Lehrer oder einen Lehrer und einen Erzieher. Ich brauche das auch in der Nachmittagsbetreuung in der Offenen Ganztagsschule, da ist der Schlüssel aktuell 1:25 und diese Person ist oft noch nicht mal Erzieherin."

    "Die Schulen wurden in den letzten 20 Jahren kaputtreformiert, die Lehrer können nicht mehr. Auf die wahren Probleme schaut man nicht, dass wir, wie es bis 1995 noch war, nicht mehr darüber verfügen können, dass alle Kinder eine Schulreife mit sich bringen. Damals wollten die Kinder in die Schule, waren lernwillig, wissbegierig und haben auch Dinge gemacht, zu denen sie keine Lust hatten, üben, Hausaufgaben etc. Und heute haben die Lehrer einen großen Teil von Schülern da sitzen, die Kleinkinder geblieben sind und sich nicht haben entwickeln können. Wir haben an den Bedürfnissen der Kinder vorbei ein ganzes Bildungswesen auf den Kopf gestellt."

    Das hat doch nichts mit den Lehrern an sich zu tun, sondern mit dem, wie die Gesellschaft / das System Schule sie haben will und unter welchen Bedingungen sie arbeiten.

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