Beiträge von DeadPoet

    Nein, nur die Aussage, dass sie sich mit dem Zeugnis bewerben wollen, führt bei mir nicht zu besseren Noten. Aber der Schüler hat natürlich jederzeit vor Notenschluss die Möglichkeit, durch Mitarbeit oder ein Referat seine Note zu verbessern - wie alle anderen auch.

    Ich bin etwas verwundert, wenn ich manche Beiträge hier lese ... vielleicht hatte ich bisher einfach nur Glück. Aber bei mir (und da ist es egal, ob Sek I oder II) geht jeder Schüler, der auf die Toilette muss, einfach auf die Toilette - und zwar ohne zu fragen. Die Bedingungen, unter denen diese (scheinbar ja sehr großzügige Lösung) beibehalten wird:


    - es geht immer nur eine(r)
    - es gibt kein Dauergerenne
    - es kann nicht sein, dass ich meine Uhr danach stellen kann, weil Schüler xy grundsätzlich um 11.45 auf die Toilette geht => es gibt niemanden, der grundsätzlich immer mitten in der Stunde aufs Klo geht
    - wer geht, verschwindet leise, kommt ohne zu stören so schnell wie möglich zurück, ein Toilettengang überschreitet eine bestimmte Dauer nicht
    - der Lehrer darf nicht das Gefühl bekommen, es wird ausgenutzt / der Zweck des Rausgehens ist es nicht, auf die Toilette zu gehen, sondern Pause zu machen oder Hausaufgabe abzuschreiben
    - in Prüfungssituationen (Schulaufgabe von 45 Minuten oder Stegreifaufgabe) geht KEINE(R)


    Ich hatte mit dieser Lösung in 10 Jahren nur ein einziges Mal ein Problem und das war durch einfaches Ansprechen gelöst. Evtl. wird es meist von den SuS gar nicht ausgenutzt wenn


    - sie das Gefühl haben, den Lehrer damit eben nicht ärgern zu können
    - keine Extra-Wurst einfordern zu können - es ist für jeden ganz normal möglich
    - das freundliche Angebot bei Missbrauch eben nicht mehr gilt

    Bei älteren Kollegen / Kolleginnen duze ich, wenn sie mich duzen. Bei jüngeren sag ich meist schon bei der Vorstellung "Wir können uns duzen".


    Unaufgefordert würde ich nicht ungedingt gern von Praktikanten oder Referendaren geduzt (Referendaren, die ich betreue, biete ich das Du an). Mir ist es auch noch nie passiert, dass mich z.B. ein Praktikant un"gebeten" geduzt hat ... je nach Situation würde ich dann zum "Du" übergehen, oder beim nächsten Satz das "Sie" betonen ...

    - Während des Unterrichts: Smartphone abnehmen, Eltern können es sich bei mir in der Sprechstunde wieder holen (in Bayern sind eingeschaltete Handys während des Unterrichts verboten)


    - Hausaufgabe (in Bayern dürfen Hausaufgaben an sich nicht benotet werden, sonst wäre es leicht, auf jedes Plagiat eine 6 wegen nicht selbst erbrachter Leistung zu geben ... evtl. geht das dennoch, aber darüber sollen sich die Schulrechtler streiten):
    a) dem Schüler seinen ausgedruckten Aufsatz abnehmen und ihn auffordern, mündlich zusammen zu fassen, was drin steht => Mitarbeitsnote
    b) Einsammeln, kurz googeln und wenn nachweisbar nur ausgedruckt, dann Ordnungsmaßnahme (z.B. Nacharbeit: "nachsitzen" und die Hausaufgabe ohne Hilfsmittel am Nachmittag an der Schule anfertigen)


    Meist muss ich diese Maßnahmen nur wenige Male anwenden, bis die Schüler verstanden haben, dass das so nicht geht.

    Da gibt es wohl nix einheitliches. Ich erstelle Klausuren immer für eine Arbeitszeit von 45 Minuten, allerdings werden daraus oft 50 - 55, da einige SuS halt schneller und andere langsamer sind.


    Manchmal geht eine ganze Klausur von einem Quellentext aus:


    Beispiel:


    1) Gustav Stresemann am 13. April 1919:


    Es ist eine Lüge gegenüber der Öffentlichkeit, zu sagen, die Revolution habe in Deutschland das System des Absolutismus gestürzt. Als sie kam, da war das Deutschland, das sie stürzte, ein Land, in dem die Monarchie in dem Verhältnis zum Volk und Staat stand, wie sie in England steht. Seit Jahrhunderten hat die deutsche Demo­kratie die englische Verfassung als ihr Vorbild angesehen. Wenn sie heute auch ihrerseits den 9. November fei­erte, dann feiert sie den Tag, an dem ihr Ideal in Deutschland zusammengebrochen ist, an dem das parlamen­tarisch-konstitutionell-monarchische System der Republik Platz machte. Deshalb war schon an sich für jeden Liberalen der Tag, der diese Entwicklung unterbrach, kein Tag irgendwelcher Genugtuung, und für jeden, der monarchisch denkt, ist es ein Tag der Trauer. Aber höher noch als die Liebe zur Monarchie steht der Gedanke zu Volk und Vaterland, und das Traurigste an jenem 9. November ist neben dem Sturz der Monarchie und der alten Staatseinrichtungen die Würdelosigkeit, mit der diese Revolution sich gegen das nationale Empfinden im Volke gewandt hat. ... Das geschichtlich Gewordene fortzuführen wäre zunächst dasjenige gewesen, was uns veranlasst hätte, wenn die Entscheidung bei uns lag, an der Monarchie festzuhalten. Und dann das zweite Ver­standesmäßige: Gerade in einer Zeit großer sozialer Gegensätze, großer Umballungen wirtschaftlicher Macht erscheint mir die monarchische Regierung für die Fortentwicklung eines gesunden sozialen Gedankens eine bessere Gewähr als die Republik. Das Kaisertum und der Monarch in seiner Höhe stand jeder Beeinflussung durch große Kapitalmächte viel freier und unabhängiger gegenüber als im Allgemeinen irgend ein Ministerium einer Republik.“


    Gustav Stresemann zum ersten Jahrestag der Revolution vom 9.11.1918:


    Die Revolution hat uns nicht die innere Versöhnung gebracht. ... Die deutsche Arbeiterschaft ist gespalten ... Der wildeste Terror wird gegen den Parteifeind angewendet ... Niemand garantiert, dass der ersten Revolution nicht eine zweite folgt. ...“


    a) Stellen Sie mit eigenen Worten dar, was nach Stresemanns Ansicht die bessere Alternative zur Republik gewesen wäre und wie er diese Einschätzung begründet!


    b) Erläutern Sie Ursachen, Hintergründe, Inhalte und Verlauf der revolutionären Ereignisse in Deutschland bis einschließlich des 9. Novembers 1918!


    c) Untersuchen Sie vor dem Hintergrund des Zeitraums vom 9.11.1918 bis 19.1.1919, ob Stresemanns Aussagen in der zweiten Quelle zutreffend sind (mit ausführlicher Begründung von Ihrer Seite)!



    Einige Fragen, die ich in Klausuren schon mal gestellt habe:


    a) Geben Sie einen ausführlichen Überblick über die Weimarer Verfassung!


    b) Beurteilen Sie, inwiefern diese Republik angesichts dieser Verfassung von Anfang an auf wackeligen Beinen stand (a und b können in einer Antwort abgedeckt werden)!




    Die Weimarer Republik war eine Demokratie (griechisch: Volksherrschaft). Zeigen Sie, wie in Weimar das Volk „herrschte“ und wieso manche Historiker der Ansicht sind, es wäre sogar zu viel an Demokratie gewesen!



    Beurteilen Sie, ob Stresemann außenpolitisch seine Ziele erreicht hat (gehen Sie dabei auch ausführlich auf die Locarno Verträge ein)!





    Die Weimarer Republik ist ein weites Feld, auch das Krisenjahr 1923 oder das Ende der Republik mit den Präsidialkabinetten könnten Themen sein.

    An meiner Schule (Gymnasium Bayern): 0 Tage, egal wie viele Korrekturen ... Anfrage des Personalrats wurde mit "Erstens bringt bei der Menge ein Tag auch nix und zweitens gibt es keinen Rechtsanspruch" abgelehnt.

    Ich kam nach dem Referendariat an eine FOS/BOS (also 11. bis 13. Klasse). Hatte zunächst Vorteile:
    - meine didaktischen / pädagogischen Fähigkeiten waren im Studium nicht wirklich entwickelt worden ... ältere Schüler sind da etwas einfacher zu handhaben (fand ich)
    - Unterrichtsvorbereitung beschränkt sich auf drei Jahrgangsstufen


    Ich habe mich aber dann nach drei Jahren wieder an ein Gymnasium versetzen lassen ... ein Grund (unter anderen) war, dass ich mir nicht vorstellen konnte, 30 Jahre und länger nur in drei Jahrgangsstufen zu unterrichten. Zu viele Inhalte eines meiner Fächer, die mich sehr interessieren, wären einfach weg gefallen (Geschichtsstoff begann an der FOS mit Napoleon ... also keine Antike, kein Mittelalter). Mir würde das langweilig ... immer nur Napoleon bis Wiedervereinigung ...


    Bei Deiner Fächerverbindung sehe ich diesen Nachteil evtl. nicht so stark. Auch dass Oberstufenschulaufgaben in Sprachen viel aufwändiger in der Korrektur sind, trifft Dich nicht ... von daher sehe ich keine großen Nachteile.

    Ich weigere mich auch als Lehrer, immer die Wirtschaft / den Personalmanager von Firma XY im Kopf zu haben. Ginge es nach der Wirtschaft, könnte einige Fächer, die ich aber für eine gute Allgemeinbildung unumgänglich halte, wohl wegfallen.


    Aber: Was bedeutet "fit" machen, für die Welt draußen? Was ist Firmenbossen heute wichtig?
    Aus meiner Sicht hat die Schule durchaus einen Auftrag: Eine gute Allgemeinbildung vermitteln, dazu bestimmte Fähigkeiten / Verhaltensweisen, die in fast allen späteren Tätigkeitsfeldern nötig sind ... oder auch nur im Zusammenleben in der Gesellschaft (Sozialkompetenz, Teamfähigkeit, problemlösendes Denken, Eigenverantwortung ... und, da das scheinbar in manchen Elternhäusern nicht mehr so geschieht, auch höfliches Auftreten). Von daher gebe ich Kuschlerin recht: Bildung und Erziehung sind die Ziele (nur ... das kann durchaus auch von der Wirtschaft gewünscht sein - ich glaube sogar, dass das vielen Firmenbossen wichtig wäre ... und: das hat auch etwas mit Anforderungen / Forderungen stellen zu tun und an bestimmten Punkten - z.B. so im Übergang von Grundschule in die Sekundarstufe - wäre es wünschenswert, wenn in bestimmten Bereichen möglichst viele SuS bestimmte Anforderungen möglichst gut erfüllen würden ... das sollte evtl. unser Streben sein ... gleiches gilt dann natürlich für den Übergang Schule - Berufsleben oder Studium).


    Ich würde allerdings widersprechen, wenn man sagt, dass Schule früher nur aus Angst vor Strafe durch Eltern und Lehrer funktionierte. Wie war das mit Pauschalisieren? Angst hatte ich während meiner Schulzeit keine ... es hat bei mir aber gut geklappt ... weil:
    - meine Eltern mir überzeugend darlegen konnten, dass das alles nicht sinnlos ist
    - ich das Gefühl hatte, Eltern, Lehrer und auch ich wollen eigentlich das Gleiche
    - meine Lehrer Regeln aufgestellt haben - mit transparenten Konsequenzen - und diese Regeln auch gerecht durchgesetzt haben
    - ich grundsätzlich daran interessiert war, etwas zu lernen (und das sind Kinder eigentlich immer - die Frage ist, wann und warum ihnen dieses Bedürfnis abhanden kommt)
    - ein gewisses Vertrauen in Eltern und Lehrer da war, dass sie das Beste für mich wollen (und nicht das Bequemste)
    - ich das Gefühl hatte, gefordert zu sein
    - ich altersgemäß Eigenverantwortung bekam


    Ich war übrigens auch froh, wenn Unterricht ausfiel ... den z.T. äußerst verbissenen Versuchen des KMs, den Unterrichtsausfall zu vermindern stehe ich als Lehrer skeptisch gegenüber (als Schüler würd ich den passiven Widerstand wählen).


    Möglicherweise besteht auch über die ZIELE viel größere Übereinstimmung, als über die MITTEL, wie sie zu erreichen sind.

    Hawkeye,


    a) sehe ich (fast) absolut genau so.


    b) "Solche Schüler kenne ich nicht ... meine Schüler grüßen mich (nicht ausnahmslos": Das ist Deine Erfahrung ... wenn nun andere Lehrer andere Erfahrungen haben, pauschalisieren sie? Ist nicht jeder Beitrag so zu verstehen, dass es sich dabei um die Erfahrungen bzw. die Wünsche der jeweiligen Individuen handelt? Hat irgendjemand hier für sich in Anspruch genommen, für alle Kinder, für alle Schulen, für alle Lehrer zu sprechen? Wenn jemand zustimmt, dann evtl. auch, weil er ähnliche Erfahrungen hat?


    Aber in einem Punkt hast Du Recht: Ich hätte darauf hinweisen sollen, dass ein beträchtlicher Teil meiner SuS und ein (etwas weniger) beträchtlicher Teil der Eltern meinen "Wünschen" schon entspricht bzw. ihnen nahe kommt ... dass ich dazu tendiere, den Verhaltensweisen, die mir nicht gefallen, mehr Beachtung zu schenken bzw. sie länger im Gedächtnis zu behalten, ist eine Schwäche von mir ... und von daher kann es wohl so wirken, als wären alle meine Schüler unhöflich etc ... sollte es nicht. Dennoch bleibt der Wunsch (und ich weiß auch, dass Wünsche nicht immer realistisch sind), dass die Grundschulen da teilweise etwas mehr gegensteuern könnten.

    Hawkeye,


    a) sehe ich (fast) absolut genau so.


    b) "Solche Schüler kenne ich nicht ... meine Schüler grüßen mich (nicht ausnahmslos": Das ist Deine Erfahrung ... wenn nun andere Lehrer andere Erfahrungen haben, pauschalisieren sie? Ist nicht jeder Beitrag so zu verstehen, dass es sich dabei um die Erfahrungen bzw. die Wünsche der jeweiligen Individuen handelt? Hat irgendjemand hier für sich in Anspruch genommen, für alle Kinder, für alle Schulen, für alle Lehrer zu sprechen? Wenn jemand zustimmt, dann evtl. auch, weil er ähnliche Erfahrungen hat?


    Aber in einem Punkt hast Du Recht: Ich hätte darauf hinweisen sollen, dass ein beträchtlicher Teil meiner SuS und ein (etwas weniger) beträchtlicher Teil der Eltern meinen "Wünschen" schon entspricht bzw. ihnen nahe kommt ... dass ich dazu tendiere, den Verhaltensweisen, die mir nicht gefallen, mehr Beachtung zu schenken bzw. sie länger im Gedächtnis zu behalten, ist eine Schwäche von mir ... und von daher kann es wohl so wirken, als wären alle meine Schüler unhöflich etc ... sollte es nicht. Dennoch bleibt der Wunsch (und ich weiß auch, dass Wünsche nicht immer realistisch sind), dass die Grundschulen da teilweise etwas mehr gegensteuern könnten.

    @ Silicium:


    Meine Wünsche an Schüler bzw. ihr Verhalten nach der Grundschule:
    - wenn man etwas möchte, melden und warten bis man dran ist ... nicht zum Lehrerpult kommen
    - auf ein "Guten Morgen" des Lehrers ein ganz normales "Guten Morgen" zurück ... oder anders gesagt: bestimmte Grundregeln der Höflichkeit einhalten
    - Sozialverhalten: mittlerweile sind alle Klasslehrer der 5. Klassen bei uns (Gymnasium) über eine Woche beschäftigt, den SuS (mit Hilfe von Beratungslehrern, Schulpsychologen usw) die Grundregeln einer Gemeinschaft beizubringen (Ich lasse den anderen ausreden, ich beleidige niemanden, ich rufe nicht dazwischen, ich ärgere meine Mitschüler nicht etc etc)
    - ein Mindestmaß an "Ich kann mich selbst organisieren": Hausaufgaben zuverlässig in das Hausaufgabenheft schreiben, Bücher dabei haben (ok, jetzt sind wir eher bei den Fähigkeiten als beim Verhalten)


    und weil wir bei Fähigkeiten sind: Grundregeln der dt. Sprache - es bringt mir nichts, wenn das Kind auf Englisch bis zehn zählen kann, aber nicht weiß, wie man in einem Satz das Subjekt und das Objekt erkennt ... bzw. von Satzzeichen und Groß- und Kleinschreibung noch nie etwas gehört hat.


    Meine Wünsche an die Eltern:
    - Mikael hat es schon angesprochen: Es wäre schön, wenn die Eltern die Schule darin unterstützen würden, den Kindern zu zeigen, dass eine gewisse Leistungsbereitschaft auch dazu gehört (wie schnell werden bessere Klassenkameraden als "Streber" abgetan, schlechte Leistungen des Kindes mit "unfähiger Lehrer" bzw. "unfaire Schulaufgabe" erklärt oder sogar mit dem Satz "eine vier reicht doch" verharmlost. Natürlich reicht eine vier ... aber in jedem Fach in der 6. Klasse? Das eigene Kind wird auf einen Sockel gestellt und ist über jeden Zweifel erhaben, eher lügt der Lehrer, als das eigene Kind.)
    - etwas mehr Vertrauen also in die Kompetenz der Lehrer und etwas mehr kritisches Augenmerk auf die eignen Kinder
    - die Schule nicht als "Kinderaufbewahrungsanstalt" sehen (soll ich das länger ausführen? Würde dauern ...)


    Sind Wünsche ... träumen darf man ...

    @ Silicium:


    Meine Wünsche an Schüler bzw. ihr Verhalten nach der Grundschule:
    - wenn man etwas möchte, melden und warten bis man dran ist ... nicht zum Lehrerpult kommen
    - auf ein "Guten Morgen" des Lehrers ein ganz normales "Guten Morgen" zurück ... oder anders gesagt: bestimmte Grundregeln der Höflichkeit einhalten
    - Sozialverhalten: mittlerweile sind alle Klasslehrer der 5. Klassen bei uns (Gymnasium) über eine Woche beschäftigt, den SuS (mit Hilfe von Beratungslehrern, Schulpsychologen usw) die Grundregeln einer Gemeinschaft beizubringen (Ich lasse den anderen ausreden, ich beleidige niemanden, ich rufe nicht dazwischen, ich ärgere meine Mitschüler nicht etc etc)
    - ein Mindestmaß an "Ich kann mich selbst organisieren": Hausaufgaben zuverlässig in das Hausaufgabenheft schreiben, Bücher dabei haben (ok, jetzt sind wir eher bei den Fähigkeiten als beim Verhalten)


    und weil wir bei Fähigkeiten sind: Grundregeln der dt. Sprache - es bringt mir nichts, wenn das Kind auf Englisch bis zehn zählen kann, aber nicht weiß, wie man in einem Satz das Subjekt und das Objekt erkennt ... bzw. von Satzzeichen und Groß- und Kleinschreibung noch nie etwas gehört hat.


    Meine Wünsche an die Eltern:
    - Mikael hat es schon angesprochen: Es wäre schön, wenn die Eltern die Schule darin unterstützen würden, den Kindern zu zeigen, dass eine gewisse Leistungsbereitschaft auch dazu gehört (wie schnell werden bessere Klassenkameraden als "Streber" abgetan, schlechte Leistungen des Kindes mit "unfähiger Lehrer" bzw. "unfaire Schulaufgabe" erklärt oder sogar mit dem Satz "eine vier reicht doch" verharmlost. Natürlich reicht eine vier ... aber in jedem Fach in der 6. Klasse? Das eigene Kind wird auf einen Sockel gestellt und ist über jeden Zweifel erhaben, eher lügt der Lehrer, als das eigene Kind.)
    - etwas mehr Vertrauen also in die Kompetenz der Lehrer und etwas mehr kritisches Augenmerk auf die eignen Kinder
    - die Schule nicht als "Kinderaufbewahrungsanstalt" sehen (soll ich das länger ausführen? Würde dauern ...)


    Sind Wünsche ... träumen darf man ...

    Ich bin da sehr gespalten. Einerseits denke ich schon, dass insbesondere z.B. das Gymnasium bestimmte Erwartungen an Grundschüler stellen darf und soll ... andere in dem Thread geäußerte Erwartungen (Fähigkeit zur Konzentration, der Wille etwas zu lernen) wären vor einigen Jahren wohl noch Selbstverständlichkeiten gewesen, die keiner Diskussion bedurft hätten. Die meisten Dinge, die ich mir von der Grundschule wünschen würde, haben übrigens weniger etwas mit Fähigkeiten als mit Verhalten zu tun ... andere Wünsche müsste ich eher an die Eltern richten, als an die Grundschule, denn mit bestimmten Dingen sind Lehrer, egal ob Grundschule oder Sekundarstufe, ohne die Mithilfe der Eltern einfach auf verlorenem Posten.


    Aber: ein Schüler der 5. Klasse ist vom Arbeitsleben nun doch noch etwas entfernt - insofern ist mir das hier zu reißerisch. Ein Schüler der 5. Klasse ist ein Kind und die sollten schon noch das Recht haben, vom bösen "wirklichen Leben" noch etwas geschützt zu sein.

    Ich erwarte, dass mir meine Schüler sagen, wenn sie die Hausaufgaben nicht haben. Solange es nicht zu häufig passiert, haben vergessene Hausaufgaben keine Konsequenzen (zu häufig hängt auch etwas von der Jahrgangsstufe und der generellen Arbeitshaltung der Klasse ab) ... außer dass sie in der nächsten Stunde vorgezeigt werden müssen.
    Bei der Besprechung der Hausaufgaben rufe ich dann verschiedene Schüler auf ... sollte dann erst jemand zugeben müssen, dass er die Hausaufgaben nicht hat, wird es etwas ungemütlicher (deutliche Rüge bis hin zur Mitteilung an die Eltern oder sogar Nacharbeit am Nachmittag).


    In der Oberstufe (dazu zähle ich die 10. Klasse jetzt nicht) registriere ich fehlende Hausaufgaben und notiere sie mir, aber Konsequenzen hat das keine ... wenn ein Schüler in Englisch gute Klausuren schreibt, ohne die Hausaufgaben zu erledigen, soll es mir auch recht sein. Schreibt er schlechte Noten, weil er zu wenig Übung hat, dann ist er mit 17 / 18 Jahren alt genug, selbst Konsequenzen zu ziehen.


    Wenn die SuS erkennen, dass Hausaufgaben nicht aus Prinzip gegeben werden, sondern dass da durchaus auch Sinn dahinter steckt (sie also erkennen können, dass die Hausaufgabe tatsächlich bei der Bewältigung der nächsten Aufgaben hilft), habe ich bisher nur sehr selten Probleme mit der Hausaufgabenmoral.


    Mehrarbeit o.Ä. gebe ich nicht ... (höchstens mal einen Termin am Nachmittag zur Nacharbeit, aber das kam bisher auch nur sehr selten vor). In der Unter- und Mittelstufe schreib ich in hartnäckigen Fällen einen Hinweis an die Eltern ... wenn es mich besonders nervt, stelle ich dem Schüler am Anfang des Unterrichts genau die Frage, die Hausaufgabe war (wenn praktikabel) und benote dann seine Äußerung (NICHT die Hausaufgabe) => Kann er gut antworten, obwohl er die Hausaufgabe nicht hat, kriegt er auch eine gute Note.


    Wenn ich das Gefühl hab, sie schwätzen zu viel, unterbreche ich das Kaffeekränzchen, indem ich genau den Schwätzer aufrufe ... der weiß dann normalerweise nicht mal, was ich grad gefragt hab. Einmal kriegt er dann den "kostenlosen" Hinweis, dass das nicht gerade förderlich für seine Unterrichtsbeitragsnote ist ... beim nächsten Mal (insbesondere, wenn es in der gleichen Stunde nochmal nötig ist) muss er damit rechnen, dass ich ihm die "6" auch eintrage.


    Aber ganz generell muss ich selten zu solchen Maßnahmen greifen (wohl auch, weill ich oft Glück mit meinen Klassen hab) ... ich versuche den SuS klar zu machen, was ich von ihnen erwarte und was sie dafür von mir erwarten können, wenn sie sich entsprechend verhalten (z.B. Rücksichtnahme auf Schulaufgaben oder sogar Referate in anderen Fächern bei Abfragen meinerseits, dass man mich durchaus auch mal bitten kann, einen bestimmten Schüler an einem bestimmten Tag nicht auszufragen, weil er am Abend vorher auf einem Konzert seine Lieblingsband war ..., eine spontan umgeplante Stunde - statt Textarbeit eine Diskussion oder ein Song, weil die Lateinschulaufgabe in der Stunde direkt vor meiner so "hart" war..., dass ich nicht auf jede vergessene Hausaufgabe oder auf jede Störung sofort energisch reagiere, wenn es eigentlich gut läuft ... usw.).

    Wir haben morgen den letzten Tag vor den Osterferien. Ich hab z.B. in der 7. Klasse in der vorherigen Stunde die Entdeckung Amerikas durch Columbus besprochen ... und für morgen nun einen Film, der zeigt, wie es genau dem Indianerstamm, der Columbus so freundlich geholfen hat, in den nächsten Jahren unter spanischer Herrschaft erging.


    Wenn ich sowas Passendes habe, schaue ich das natürlich (und zwar nicht unbedingt nur in einer Stunde vor den Ferien). Aber einfach nur zum "Zeit totschlagen" würde ich es nicht machen. Da kann man auch in einer Stunde, auf die man dann nach den Ferien wohl nicht mehr so gut aufbauen kann, etwas Sinnvolles machen (in Englisch heute z.B. eine Hörverstehensübung ... mit etwas humorvollem Inhalt ... oder einen Song zu dem Thema, das wir vorher besprochen haben).


    "Vertretbar" ist es aber aus meiner Sicht schon ... ich würde keine Kollegin / keinen Kollegen deshalb steinigen ..

    Nein, eine Regelung gibt es bei uns an der Schule nicht. Ich handhabe das so, dass ich bei Geschichtsklausuren den Hinweis, dass sich Mängel in der Form und Darstellung auf die Note auswirken können, mit auf die Angabe schreibe. Ebenso die Anweisung: Beantworte alle Fragen in ganzen Sätzen.
    Da es ja meist Fragen sind, die mit der reinen Aufzählung von Fakten nicht beantwortbar sind (beurteile, diskutiere ... etc), ziehe ich durchaus Punkte ab (bzw. gebe sie gar nicht erst), wenn


    - keine Diskussion / keine Beurteilung vorhanden ist
    - die Aussage als Ganzes zwar irgendwie die Fakten enthält, insgesamt aber falsch ist (Korrekturanmerkung: SO stimmt das nicht)
    - keine ganzen Sätze geschrieben werden (Korrekturanmerkung: Satz?)
    - ein meiner Ansicht nach durchschnittlicher Leser den Sinn nicht versteht (Korrekturanmerkung: Sinn?)
    - Fachbegriffe falsch geschrieben werden (Bissmarg = Bismarck ;) )


    Wie gesagt, ich vergebe dann z.T. die Punkte erst gar nicht. Werden keine ganzen Sätze geschrieben, ziehe ich je nach "Umfang" der Verfehlung Punkte ab, meist 1-2 pro Frage (meist gibt es zwischen 5 und 10 Punkte auf jede Frage) - das kann leicht eine Notenstufe ausmachen.


    Reine sprachliche Fehler (Grammatik, Rechtschreibung - Ausnahmen siehe oben) fließen bei mir nicht in die Benotung ein (auch wenn ich manchmal versucht bin, das zu tun).

    Bei mir gibt es da keine allgemeine Antwort.


    Wenn ich in die Klasse komme und die SuS mir vorschlagen, dass wir etwas spielen sollen - evtl. sogar auf Englisch - bzw. sie schon Plätzchen und Kinderpunsch hergerichtet haben, sage ich ja. Aber ich selbst bereite sowas nicht vor.


    Auch sonst kommt es auf die Klasse an. Hat sie bisher gut gearbeitet, hab ich meist einen Film dabei (nicht einen beliebigen, sondern einen, der mit dem Thema - z.B. Mittelalter - zu tun hat ... und immer wieder wird der kurz angehalten und mit der Klasse bestimmte Dinge vertieft). Hat die Klasse bisher nicht gut gearbeitet (z.B. Hausaufgaben nicht oder nur schlampig erledigt), halte ich ganz normal Unterricht - und da ist mir dann ganz egal, was andere Kollegen machen.


    Manchmal sind Klassen auch (fast) froh, nicht schon wieder / immer noch Spielen / Weihnachten feiern zu müssen ...

    "Müssen" wäre mir neu. Sinnvoll kann es allerdings durchaus sein, denn so haben die Lehrer der Klasse einen Überblick über die Hausaufgabenbelastung der SuS - wenn ich sehe, dass bis morgen ein Deutschaufsatz zu schreiben ist, gebe ich wenn möglich nicht auch noch einen Englischaufsatz auf, sondern reduziere evtl. den geplanten Aufsatz auf "Argumente in Stichpunkten" oder "ausformulierte Einleitung".

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