Ich habe "Anne Frank" auch mal mit einer neunten Klasse (Gesamtschule) gelesen, allerdings keine Nachprüfung daraus gemacht.
Könnt ihr nicht einen Textauszug aus dem Buch nehmen, der eine der Personen aus dem Versteck gut charakterisiert und den Schüler genau das in der Prüfung machen lassen? Ich weiß ja nicht, was Schwerpunkt der Unterrichtsreihe war... Dabei könnte man gut auf die Hintergründe eingehen und auf Grundlage der Lektüre analysieren lassen, warum sich die Personen so verhalten, wie Anne es schildert.
Eine schöne Aufgabe wäre auch, eine kurze Textstelle vorzulegen, in der Anne das Verhältnis zu ihrer Mutter beschreibt, was ja sehr angespannt war. Dabei könnte der Prüfling die Einstellung Annes gegenüber ihrer Mutter untersuchen, begründen und kritisch beleuchten.
Mögliche Textstellen dafür (Seitenangaben beziehen sich auf meine Taschenbuchausgabe aber die Daten der Tagebucheinträge sind ja auch in anderen Ausgaben leicht zu finden):
„Es ist hart, die Wahrheit zu sagen, und doch ist es die Wahrheit, dass sie mich selbst von sich gestoßen hat, dass sie mich selbst durch ihre taktlosen Bemerkungen für jede Liebe von ihrer Seite abgestumpft hat, durch ihre rohen Scherze über Dinge, die ich nicht witzig finde.“ (S. 102, Eintrag vom 2. April 1943)
„Und doch liegt mir Mutter mit all ihren Mängeln am schwersten auf dem Herzen. Ich weiß nicht, wie ich mich beherrschen soll. Ich kann ihr nicht ihre Schlampigkeit, ihren Sarkasmus und ihre Härte unter die Nase reiben, kann jedoch auch nicht immer die Schuld bei mir finden.“ (S.142, Eintrag vom 30. Oktober 1943)
„Ich kann nicht mit ihr sprechen, ich kann nicht liebevoll in diese kalten Augen schauen, ich kann nicht, nie! – Wenn sie nur ein bisschen war von einer verständnisvollen Mutter hätte, entweder Weichheit oder Freundlichkeit oder Geduld oder etwas anderes; ich würde mich ihr immer wieder zu nähern versuchen. Aber diese gefühllose Natur zu lieben, dieses spöttische Wesen, ist mir mit jedem Tag unmöglicher!“ (S. 183f., Eintrag vom 8. Februar 1944)
„Eine Mutter stelle ich mir als eine Frau vor, die vor allem viel Takt an den Tag legt, besonders für Kinder in unserem Alter. Nicht wie Mansa, die mich laut auslacht, wenn ich wegen etwas weine, nicht wegen Schmerzen, sondern wegen anderer Dinge.“ (S.159, Eintrag vom 6. Januar 1944)