Beiträge von Leo13

    Hallo,

    ich unterrichte Deutsch in der Sek. I, aber mein Sohn ist in der GS. Daher heute eine Frage als Mutter, weniger als Lehrerin:

    Mein Sohn behauptet, im Aufsatz dürfe er einen Satzanfang immer nur 1x benutzen. Wenn er also einmal einen Satz mit "Dann..." oder "Daraufhin..." beginnt, darf er das im Aufsatz kein zweites Mal, auch nicht fünf Sätze weiter. Tatsächlich scheint seine Lehrerin in solchen Fällen Punkte abzuziehen.

    Ich selber lege die Vorgabe "Nutze verschiedene Satzanfänge!" so aus, dass man in einem Text durchaus häufiger als 1x einen bestimmten Satzanfang verwenden darf, wenn man darauf achtet, dass dies mit einem angemessenen Abstand im Text geschieht.

    Wie wird das an der Grundschule gehandhabt? Hat die Lehrerin Recht oder ist meine Theorie richtig?

    Danke

    ich habe mal eine ganz wunderbare "willi wills wissen"-folge gesehen, titel: Wie ist das mit dem Tod?
    die kinder-doku ist preisgekrönt worden. nicht, dass du die folge zeigen sollst (man sieht dort einen echten toten menschen), aber vielleicht gibt dir die sendung ein paar ideen. ich habe die folge mit meinen kindern geschaut, als diese 6 und 8 waren. ich fand das thema perfekt für dieses alter aufbereitet.

    Nach 10 Jahren im Beruf bin ich davon überzeugt, dass solche Diskussionen zu nichts führen, außer zu verhärteten Fronten. Im Lehrerzimmer sollte man NIEMALS darüber sprechen, wieviele Stunden in der Woche man arbeitet. Gibt nur Stress.

    Tatsächlich ist es nämlich so, dass jeder Lehrer und jede Lehrerin das höchst unterschiedlich erlebt. Überall hast du Kollegen, die Vollzeit arbeiten und damit gut klarkommen. Sie arbeiten zwischen 38 und 45 Stunden die Woche, führen ein ausgefülltes Familienleben, pflegen Hobbies und Freundeskreis, sind beruflich zufrieden. Und dann gibt es die Kollegen, die sich wie im Hamsterrad fühlen, permanent gestresst sind, Stunden um Stunden am Nachmittag, Abend und Wochenende am heimischen Schreibtisch sitzen. Und dann gibt es die dazwischen, die mal entspannt und mal gestresst sind - je nachdem.

    Ich sage nicht, zu welcher der drei Gruppen ich mich zähle. Siehe oben.

    Der Lehrerberuf hat sich sehr gewandelt in den letzten 20-30 Jahren. Stellt man sich darauf ein, sollte es eigentlich gehen. Erwartet man, weiterhin so zu arbeiten wie in den 80ern, kriegt man sicherlich Probleme.

    Ja, es gibt mehr Besprechungen als früher.
    Ja, es muss mehr kooperiert werden mit anderen Lehrern.
    Ja, kaum ein Lehrer geht mehr jeden Tag um 13 Uhr nach Hause.
    Ja, die Kinder sind anders als früher.

    A15 und "kaum merklich mehr Geld"??? Das halte ich für ein Gerücht... Wobei ich 5000 € netto sehr hochgegriffen finde. Da war bestimmt das Kindergeld dabei und die PKV für die vierköpfige Familie geht bestimmt noch runter, so dass man dann bei 4000 € netto landet, was aber immer noch ein Haufen Kohle und "merklich" mehr Geld als A12 ist.

    ich bin seit 10 jahren hauptschullehrerin, ländlich, kleine schule. es ist sehr kuschelig und hat nichts mit dem bild von hauptschule zu tun, das in den medien geistert. kämst du in meinen unterricht, wärst du wahrscheinlich erstaunt. ich habe es sehr gut, kaum disziplinschwierigkeiten, nette schüler, ruhige unterrichtsstunden.
    ok, sie sind sehr lernschwach und machen keine hausaufgaben. das ist aber auch schon alles.

    Hallo, heute schreibe ich nicht als Lehrerin, sondern als Mutter eines Viertklässlers. Der hat heute eine Mathearbeit zurückbekommen. Darin ist eine Aufgabe falsch, die aus meiner Sicht richtig ist:

    Bastian hat an der Stellentafel mit Plättchen die Zahl 43 716 gelegt.
    Teoman nimmt ein Plättchen weg. Welche Zahlen können es jetzt sein?
    Schreibe alle auf.

    Mein Sohn hat geschrieben: 33.716, 42.716, 43.616, 43.706, 43.715. Das ist jedoch alles falsch, darunter steht: Beachte die Ziffernkarten. Es müssen vierstellige Zahlen entstehen.

    Das zweifel ich an, das Bastian die Zahl nicht mit Ziffernkarten, sondern mit Plättchen gelegt hat. Wie seht ihr das? Lehrbuch ist "Das Zahlenbuch" aus dem Klettverlag.

    Danke!

    Ich habe diese Erfahrung nicht gemacht. Meine Seminarleiter waren vor zehn Jahren kompetent und umgänglich. Und was die Showstunden betrifft: Es ist wichtig, im Ref auch gerade solche Stunden zu zeigen. Man will ja zeigen, was man drauf hat. Ein Tischlerlehrling fertigt für seine Abschlussprüfung auch ein besonders exklusives Möbelstück her, wozu er im Arbeitsalltag vermutlich niemals mehr die Zeit haben wird. Ähnlich ist das mit den besonderen Unterrichtsstunden im Ref, die man nicht nur, aber immer mal wieder zeigen sollte.

    Statistik hin oder her: Ich ziehe mir den Schuh nicht an, er passt mir nämlich nicht. Ich fühle mich respektiert von Schülern und Eltern. Mein Ansehen in meinem Umfeld erlebe ich als angemessen. Vertrauen in meine Leistung als Lehrerin empfinde ich als gegeben. Solche Studien können mich von meinem Empfinden nicht abbringen.

    ich kann dir als lehrerin und mutter zweier grundschulkinder (3./4. kl.) sagen, wenn du das nicht in den griff kriegst, drehst du die nächsten jahre am rad. meine söhne gehören NICHT zu den besten der klassen, obwohl ich natürlich vorher sicher war, dass sie nur einsen nach hause bringen. denn sie sind schlau und intelligent und eloquent und wissen viel. wenn ich aber eines gelernt habe in den letzten jahren, dann dass intelligenz und schulerfolg nicht unbedingt gleichzusetzen sind. schule läuft einfach nach bestimmten prinzipien, der jeweilige lehrer hat seine bestimmten prinzipien - und nur wenn das passt und genügend intelligenz vorhanden ist, läuft es ohne probleme.

    probleme haben wir nun nicht. meine kinder haben zweien und dreien - das ist ok so, aber auch nicht die überflieger-noten, die man sich als lehrer für sein kind natürlich insgeheim erhofft hat. gerade hat mein drittklässler im diktat eine vier mit nach hause gebracht, dabei haben wir so geübt. aber da ich als deutschlehrerin weiß, wie sich rechtschreibung entwickelt und dass man als drittklässler noch nicht zwangsläufig fehlerfrei schreiben muss und dass diktate sowieso nichts über die rechtschreibkompetenz aussagen, war und bin ich sehr entspannt. zugegeben, das musste ich auch erst lernen. als mein großer eine vier in mathe heimbracht, habe ich schon geschluckt. aber es entwickelt sich alles, jetzt hat er eine 2 minus und wird wohl zum gym wechseln nach der 4. klasse.

    kinder lernen und entwickeln sich einfach unterschiedlich. meine söhne waren immer von der langsamen truppe, sie konnten alles später, dafür aber sehr ausgereift und gut. darauf nimmt schule aber keine rücksicht, was dazu führt, dass meine kinder zwar ganz gut klarkommen, aber bei weitem nicht die vorzeige-lehrerkinder sind, die man vielleicht erwartet. anders der sohn meiner kollegen, der schreibt NUR einsen. dafür ist er sozial viel inkompetenter als meine kinder, die im gegensatz zu ihm sehr selbstbewusst, offen, kommunikativ und furchtlos sind. aber das spielt halt in der schule nur bedingt eine rolle. dass meine kinder sich zu selbstsicheren und liebenden menschen entwickeln, ist mir ohnehin viel wichtiger als lauter einsen auf dem zeugnis.

    ich könnte noch viel mehr erfahrungen schreiben, unter dem strich bleibt: lehrerkinder sind nicht automatisch die klassenbesten. lehrer mit kindern müssen das lernen und akzeptieren.

    Ich habe gegen Endes meines Refs 12 Schulen angeschrieben und mich in einem netten Anschreiben vorgestellt und mein Interesse bekundet. Nur zwei Schulen haben sich überhaupt zurückgemeldet. Beide wollten mich haben. Für eine habe ich mich entschieden und dort bin ich schon seit 11 Jahren. Allerdings habe ich nicht gerade Allerweltsfächer und ich war bereit, an der Hauptschule zu unterrichten. Das wollte damals niemand. Also standen meine Chancen gut.

    Studierst du schon auf Lehramt oder planst du es? Am ehesten findest du deine Eignung heraus, indem du ein Praktikum absolvierst, gerne auch freiwillig, also unabhängig vom Studium. Die meisten Schule sind sicher bereit, dir ein solches Praktikum zu ermöglichen. Als ich deine Schilderungen las, hatte ich ganz persönlich ein ungutes Gefühl in Bezug auf deine Lehrertauglichkeit. Aber das ist natürlich sehr subjektiv, ich kenne dich ja nicht persönlich.

    Generell finde ich, dass man als Lehrer ein bisschen eine Rampensau sein sollte. Introvertiert und Lehrerberuf passen meiner Meinung nach nicht gut zusammen. Dein Hang zu Aggressivität, den du ja selber einräumst, macht die Sache nicht einfacher. Gelassenheit im Schulalltag ist das A und O. Die von dir genannten "großen Ängste", die dich "innerlich fertig machen", treiben mir ebenfalls Sorgenfalten auf die Stirn. Belastbarkeit und inneres Gleichgewicht sind eine Grundvoraussetzung für erfolgreiches Unterrichten.

    Mein Tipp: Such dir eine Schule, in die du eine Weile hineinschnuppern darfst. Versuch deine Ängste und deine Aggressivität in den Griff zu bekommen, vielleicht mit Hilfe eines Experten?

    Wenn du dir nicht sicher bist, lass es und such dir was Anderes. Lehrer, die für ihren Beruf eigentlich ungeeignet sind, können so viel kaputt machen. Bei sich selber, aber auch bei Schülern.

    Ich wünsche dir alles Gute.

    Ich arbeite an vier Tagen bis 13:20 und an einem Tag, meinem Ganztag, bis 15:20. Bis 13:20 ist kein Problem, weil meine Kinder bis 14 Uhr im Hort sind. Am Ganztag muss ich eine weitere Betreuung einsetzen. Das ist eine Berufschülerin, die in unserer Nähe wohnt. Sie holt die Kinder um 14 Uhr vom Bus ab, geht mit ihnen nach Hause und bleibt dort, bis ich da bin. Da wir eine offene GTS sind, kann ich meinen Ganztag frei wählen und nehme natürlich immer den Tag, an dem unser "Kindermädchen" früh Schulschluss hat. Das geht ganz gut. Wir haben auch noch zwei Jugendliche aus der Straße als Ersatz und/oder für Konferenzen. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Schüler sich mit Kinderbetreuung gerne ein paar Euro dazuverdienen. Meine Jungs finden es außerdem cool, von Jugendlichen versorgt zu werden. Ich zahle 5 € pro Stunde.

    Ohne ein soziales Netz geht nichts. Und ja, es kostet Geld. Wir geben einen Haufen Geld aus für Kinderbetreuung. Aber das ist uns egal. Wir verdienen gut und wollen unsere Kinder bestmöglich betreut wissen während unserer Abwesenheit. Es sind ohnehin nur noch wenige Jahre bis sie so alt sind, dass man sie ohne weiteres ein paar Stunden alleine lassen kann.

    Dazu kommt, dass man sich hauptsächlich mit Disziplinproblemen und bürokratischen Tätigkeiten herumplagen muss, die nur Stress aber keinen Anspruch bieten.


    Das ist ja mal interessant. Ich finde nämlich, dass der Umgang mit Disziplinproblemen einen erheblichen Anspruch hat. Es zu schaffen, dass man eine Klasse in den Griff bekommt, schwierige Schüler für sich gewinnt, eine Klassengemeinschaft formt, familiäre Schwierigkeiten bei einem Schüler begleitet, indem man sich mit Eltern/Jugendamt/Schulleitung in Verbindung setzt - all das hat einen hohen pädagogischen Anspruch.

    MIr scheint, hier zeigen sich die Unterschiede zwischen Gymnasiallehrkräften auf der einen Seite und Grundschul-/bzw. HS-RS-Lehrkräften auf der anderen: Letztere verstehen sich viel mehr als Pädagogen.

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