Beiträge von kodi

    Eine andere Art von Unterricht als die klassische lehrergelenkte Stunde im Klassenverband, in der jeweils alle mehr oder weniger das gleiche tun, muss nicht unbedingt Mehrarbeit bedeuten.
    Klassischer Unterricht, der nicht funktioniert, kann wesentlich mehr Arbeit bedeuten als offener Projektunterricht, der funktioniert!
    Bei meiner Klientel ist das zu großen Teilen auch so.

    Die Nutzung des Lehrerzimmers kommt mir auf den ersten Blick auch problematisch vor.
    Auf der anderen Seite ist das eine Grundschule. Da sind Springstunden wesentlich seltener als an weiterführenden Schulen.
    Entsprechend ist da während der Unterrichtsstunden auch nicht ständig jemand im Lehrerzimmer. Dann kann man es auch in Grenzen mitnutzen.

    4 Besuche (2 pro Fach) sind nach den neuen Beurteilungsrichtlinien in NRW normal.
    Wenn du bereits 12 Monate im Dienst bist, müßtest du die erste Beurteilung bereits bekommen haben und deine SL müßte in jedem Fach einmal im Unterricht gewesen sein.

    Wenn die Zwischenbeurteilung nicht gut gewesen sein sollte, dann wäre es durchaus nicht ungewöhnlich, wenn die SL zur Qualitätssicherung öfter vorbei kommt und auch detailierte Entwürfe anfordert.
    Die SL ist in dem Fall sogar explizit verpflichtet, dir Hilfe anzubieten.
    Wenn jedoch alles in Ordnung war, dann würde ich mich an deiner Stelle vom Personalrat beraten lassen.

    Und wie sieht es mit Initiativbewerbungen aus? Lohnen die sich?

    Für eine feste Stelle lohnen die sich nur, wenn du seltene Fächer hast, die sonst eventuell nicht ausgeschrieben werden.
    Eine Schule kann nur ausschreiben, wenn sie eine Stelle zugewiesen bekommt. Dann geht es meistens nach Fachbedarf.

    Sie können sich für eine Vertretungsstelle lohnen. Die Ausschreibungsflexibilität ist da höher.

    Unser Konrektor zieht sich gerne aus dem Unterricht zurück und wird nahezu immer (!) vertreten. Er sitzt dann immer in seinem Büro und erledigt seine „Aufgaben“, manchmal quatscht er mit Kollegen.
    Wie kann das sein ? Keiner traut sich was zu sagen. Kennt ihr Möglichkeiten, etwas zu unternehmen?

    Ich kenne euren Konrektor nicht, aber manchmal gibt es Aufgaben, die sofort erledigt werden müssen.
    Die Aussage "er sitzt nur im Büro" ist ein bischen so wie die Aussage "Lehrer haben nach der Schule frei". Natürlich sitzt er an seinem Verwaltungsarbeitsplatz. Was er da tut, ist von außen unter Umständen schwer zu beurteilen.
    Wenn er natürlich nur im Lehrerzimmer steht und quatsch, dann ist das nicht in Ordnung.
    Wobei selbst da kann es sein, dass er 40 Minuten gearbeitet hat und du ihn in den 5 Minuten gesehen hast, wo er ins Lehrerzimmer ging.
    Dann gibt es noch den Fall, dass er eventuell den Kollegen nach 30 Minuten in der Vertretung gelassen hat, damit die Mehrarbeitsstunde angerechnet wird.

    Das soll das jetzt nicht relativieren oder entschuldigen. Ich kenne deinen Konrektor ja nicht, aber manchmal ist die Situation nicht so offensichtlich, wie man es selbst auf den ersten Blick denkt. Ich hab auch schon die Arbeit von Kollegen falsch eingeschätzt, weil sie für mich nicht sichtbar war.

    In der Vergangenheit haben sich schon mal paar Kollegen beschwert - die Folge: schlechtere Stundenpläne, Aufsichten, Unterrichtsverteilung. Sobald man den Mund aufmacht, gibts Konsequenzen.

    Ist das wirklich so? Jemandem extra einen schlechten Stundenplan zu bauen erfordert deutlich Mehrarbeit (genauso wie ein besonders guter).

    Grundsätzlich würde ich nochmal überlegen, ob die Situation objektiv auch so ist, wie du sie subjektiv auf jeden Fall wahrnimmst.
    Falls ja, ist der Weg über die Grundsätze der Vertretungsregelung der richtige.

    Allerdings muss man sich immer im klaren sein, dass ein enges Regelkorsett dann auch für alle gilt.
    Ich kenne zum Beispiel einen Fall, wo sich ein Kollegium per Konferenzbeschluss der Kulanzmöglichkeit bei der Freistellungs-/Teilzeitregelung beraubt hat und erst hinterher feststellte, dass die vorherige Handhabung deutlich zu ihrem Vorteil war gegenüber dem neuen Beschluss.
    Da muss man immer ein bischen abwägen und gucken, dass man das Kind nicht mit dem Bade ausgießt.

    Völlig inakzeptable Zustände.

    Meiner Meinung sollte mindestens folgendes gemacht werden:

    • Schulleitung austauschen. Wenn sowas möglich ist, liegt definitiv (auch) ein Führungsversagen vor. Keine respektvolle Schulkultur, keine funktionierenden Konfliktsysteme, mangelhafte Betreuung/Unterstützung von Seiteneinsteigern? Konsequenz bei Regelverstößen von Schülern?
    • Lehrer fortbilden (und vermutlich sein Kollegium auch). So etwas greift nicht um sich bzw. bleibt unbemerkt, wenn alle hingucken. Der Kollege selbst braucht dringend Handlungsalternativen um solche Situationen zu verhindern. Die Probezeit des Kollegens sollte nach entsprechender Fortbildung ggf. verlängert werden.
    • Schüler von der Schule entfernen und Tätergruppe vereinzeln.

    Ich bin grundsätzlich deiner Meinung, dass Unterricht von Lehrern und nicht von Vertretungskräften erteilt werden soll und dies vorrang hat.
    Das heißt für Leute mit Mangelfach, dass da weniger Spielraum ist. Bei einer gängigen Kombination gehe ich jetzt aber mal nicht von Fachlehrermangel aus.

    Wenn jetzt eine Schule, z.B. 20% Ganztagsstunden hat, dann ist systemisch bereits eingepreist, dass 20% der gehaltenen Stunden im Schnitt im Ganztagsbereich liegen. Da ist das völlig ok, wenn ein hoch belasteter Doppelkorrekturkollege nicht ausschließlich in E/D eingesetzt wird, sondern auch in den Ganztags/AG-Stunden. Das ist sogar vorgesehen. Im Durschschnitt sind das 20% seiner Stunden.

    Bezüglich entlasteter Zusatzarbeiten gilt das selbe. Ob da jetzt jemand lieber eine weitere Korrekturklasse hat oder dafür eine (natürlich nicht vollständig/adäquat entlastete) Zusatzarbeit vorzieht, kann ja jeder selbst entscheiden.

    Ich finde das auch legitim sich entsprechendes zu wünschen. Entscheiden tut es in NRW die Schulleitung. Eine kluge SL wird auch die Belastungen angelehnt an die Wünsche der Kollegen ausgleichen, wenn es die Rahmenbedingungen zulassen.

    Ich persönlich würde das jetzige Studium an deiner Stelle zu Ende machen und ins Ref gehen.

    Die Qualifikationserweiterung DAZ/DAF würde ich nur machen, wenn du sie "quasi ohne Arbeit" mitnehmen kannst.
    DAF/DAZ-Stellen sind im Vergleich zu einer regulären Lehrerstelle sehr schlecht bezahlt, sodass sich meiner Meinung nach eine größe Zusatzinvestition dafür nicht lohnt, wenn du eh bereits Germanistik studiert hast.
    Vermutlicher ist es sogar lohnender, an einer Schule eine Vertretungsstelle in Teilzeit anzunehmen, als auf eine DAZ/DAF-Stelle von BAMF/VHS zu setzen. Der ganz große DAZ-Bedarf scheint mir auch etwas zurück zu gehen.

    Wenn du ins Ref gehst und dann hinterher Lehrer bist, kannst du immernoch eine Qualifikationserweiterung machen. Entweder über Z-Kurse oder indem du dann nachstudierst. Letzteres ist zugegebenermaßen zeitlich nicht einfach.
    Wenn es nur darum geht, die Korrekturlast zu senken, dann kannst du gucken, ob du nicht AG-Stunden, Ganztagsstunden oder entlastete Zusatzaufgaben bekommen kannst.

    So wie du das beschreibst (einmalig freier Tag), hat da vermutlich keiner eine rechtlich abgesicherte Entlastung.

    Ansonsten gibt es 2 Entlastungsstundentöpfe, einen für die Schulleitung für Leitungstätigkeiten und den Lehrertopf.
    Der SL kann Stunden aus dem Leitungstopf weitergeben. Ihr habt da aber keinen Einlfuß drauf.
    Da die Leitungszeit in der GS vorne und hinten nicht ausreicht, glaube ich nicht, dass da Stunden weitergegeben wurden.

    Über die Verwendung der Entlastungsstunden aus dem Lehrertopf stimmt ihr in der Konferenz ab.
    Da könnt ihr auch den SL bedenken. ;)
    Aber das halte ich für unwahrscheinlich, weil auch die Entlastungen aus dem Lehrertopf an der GS für die vielen Zusatzaufgaben vorne und hinten nicht reicht.
    Falls daraus Entlastung an die Steuergruppenmitglieder gegangen ist, müßtest du es in den Konferenzprotokollen nachlesen können.

    Naja, ich glaube sparsamer als "der Steuerzahler" sind die meisten Betriebswirte in Firmen.
    Nicht umsonst leisten sich Firmen trotzdem meistens eine Betriebsfeier. Die verbessert nämlich das Betriebsklima und damit die Produktivität.

    Zumindest in meinem Bereich wird in den Alternativjobs für die Arbeitnehmerzufriedenheit deutlich mehr getan als im Staatsdienst.

    Je nach Firmengröße sind das:

    • Sekretariat/Assistenten
    • Dienstwagen/Jobticket/E-Bike
    • Betriebskindergarten
    • Betriebskantine
    • Mitgliedschaft im Fitnessclub/Sportförderung
    • Bildungsurlaub
    • Betriebsarzt
    • Betriebliche Altersvorgorge
    • Erfolgsboni

    Und ja, auch in diesen Jobs braucht man keine große Sorge vor Kündigung zu haben.
    Diese Benefits werden nicht aus Herzensgüte gewährt, sondern um gutes Personal zu bekommen/halten und die Jobzufriedenheit und die Leistung zu steigern.

    Insofern ist der Staat schon dumm, selbst bei der letzten Kleinigkeit zur Verbesserung des Betriebsklimas geizig zu sein.
    Die Folgen der schlechten Arbeitsbedingungen sieht man in einigen Fächern ja auch deutlich.

    Wir hatten mal weitgehend das Doppelstundenmodell mit flexibler 5min Pause (ohne Klingeln).
    Ich fand es super, weil man auch mal Zeit für intensivere Unterrichtsformen hatte und die Pause je nach Stundenverlauf/Tagesform der Schüler frei setzen konnte.
    Vor allem in MINT, war das ein großer Vorteil.

    Kollegen, die eine Standart-45-Minuten-Stunde-nach-Altväter-Sitte auf 90 Minuten gestreckt haben, hatten extreme Probleme.
    Die "kleinen" einstündigen Nebenfächer waren weiterhin im 45-Min-Takt und hatten daher keine Vorteile vom 90-Min-Modell.

    Wir sind dann wegen der einstündigen Unterrichtsfächer auf ein 60-Minutenmodell umgeschwenkt und haben die Fächer über die Jahrgänge leicht neuverteilt.
    Positiv ist, dass man weiterhin etwas mehr Zeit für aufwendigere Unterrichtsvorhaben hat und das jetzt auch in "kleinen" Nebenfächern. Für MINT ist es leider etwas knapp im vergleich zu früher.
    Die flexible Pause ist leider weggefallen. Auch bei 60Minuten muß man den Unterricht stärker phasieren, als im 45min-Takt, genau wie beim 90-Minuten-Modell.

    Ich kann nur empfehlen für jede Arbeit kompetenzorientierte Rückmelde/Bewertungsbögen zu erstellen.

    Das entzieht 95% dieser Notenanfragen die Grundlage, weil es Transparenz schafft und dir eine sehr sichere Argumentationsgrundlage gibt, falls doch mal eine Note begründet werden muss.

    Besonders geschickt ist es, dort auch gleich die passenden Förderaufgaben zu vermerken. Dann wissen die Schüler, wie sie an ihren Defiziten arbeiten können.

    Auf den ersten Blick macht das natürlich mehr Arbeit, vor allem beim Aufstellen der Arbeit, da du den Erwartungshorizont genau aufdröseln und in schülerverständlicher Form niederschreiben mußt und gleichzeitig, sowas wie einen Förderplan schreibst. Das fand ich zuerst auch etwas nervig.

    Mittelfristig sparst du meiner Erfahrung nach jedoch ein vielfaches an Zeit wieder ein, weil du sofort:

    • eine quasi unangreifbare Notengrundlage hast
    • kaum noch Nachfragen bezüglich der Bewertung hast
    • jeder Schüler automatisch einen individuellen Förderplan bekommt
    • du bei Notenbegründungen nur noch die Bögen zusammentackern brauchst
    • die Bewertung der Arbeiten schneller geht, weil die Kriterien gut ausformuliert sind

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