Beiträge von kodi

    Ich bin grundsätzlich deiner Meinung, dass Unterricht von Lehrern und nicht von Vertretungskräften erteilt werden soll und dies vorrang hat.
    Das heißt für Leute mit Mangelfach, dass da weniger Spielraum ist. Bei einer gängigen Kombination gehe ich jetzt aber mal nicht von Fachlehrermangel aus.

    Wenn jetzt eine Schule, z.B. 20% Ganztagsstunden hat, dann ist systemisch bereits eingepreist, dass 20% der gehaltenen Stunden im Schnitt im Ganztagsbereich liegen. Da ist das völlig ok, wenn ein hoch belasteter Doppelkorrekturkollege nicht ausschließlich in E/D eingesetzt wird, sondern auch in den Ganztags/AG-Stunden. Das ist sogar vorgesehen. Im Durschschnitt sind das 20% seiner Stunden.

    Bezüglich entlasteter Zusatzarbeiten gilt das selbe. Ob da jetzt jemand lieber eine weitere Korrekturklasse hat oder dafür eine (natürlich nicht vollständig/adäquat entlastete) Zusatzarbeit vorzieht, kann ja jeder selbst entscheiden.

    Ich finde das auch legitim sich entsprechendes zu wünschen. Entscheiden tut es in NRW die Schulleitung. Eine kluge SL wird auch die Belastungen angelehnt an die Wünsche der Kollegen ausgleichen, wenn es die Rahmenbedingungen zulassen.

    Ich persönlich würde das jetzige Studium an deiner Stelle zu Ende machen und ins Ref gehen.

    Die Qualifikationserweiterung DAZ/DAF würde ich nur machen, wenn du sie "quasi ohne Arbeit" mitnehmen kannst.
    DAF/DAZ-Stellen sind im Vergleich zu einer regulären Lehrerstelle sehr schlecht bezahlt, sodass sich meiner Meinung nach eine größe Zusatzinvestition dafür nicht lohnt, wenn du eh bereits Germanistik studiert hast.
    Vermutlicher ist es sogar lohnender, an einer Schule eine Vertretungsstelle in Teilzeit anzunehmen, als auf eine DAZ/DAF-Stelle von BAMF/VHS zu setzen. Der ganz große DAZ-Bedarf scheint mir auch etwas zurück zu gehen.

    Wenn du ins Ref gehst und dann hinterher Lehrer bist, kannst du immernoch eine Qualifikationserweiterung machen. Entweder über Z-Kurse oder indem du dann nachstudierst. Letzteres ist zugegebenermaßen zeitlich nicht einfach.
    Wenn es nur darum geht, die Korrekturlast zu senken, dann kannst du gucken, ob du nicht AG-Stunden, Ganztagsstunden oder entlastete Zusatzaufgaben bekommen kannst.

    So wie du das beschreibst (einmalig freier Tag), hat da vermutlich keiner eine rechtlich abgesicherte Entlastung.

    Ansonsten gibt es 2 Entlastungsstundentöpfe, einen für die Schulleitung für Leitungstätigkeiten und den Lehrertopf.
    Der SL kann Stunden aus dem Leitungstopf weitergeben. Ihr habt da aber keinen Einlfuß drauf.
    Da die Leitungszeit in der GS vorne und hinten nicht ausreicht, glaube ich nicht, dass da Stunden weitergegeben wurden.

    Über die Verwendung der Entlastungsstunden aus dem Lehrertopf stimmt ihr in der Konferenz ab.
    Da könnt ihr auch den SL bedenken. ;)
    Aber das halte ich für unwahrscheinlich, weil auch die Entlastungen aus dem Lehrertopf an der GS für die vielen Zusatzaufgaben vorne und hinten nicht reicht.
    Falls daraus Entlastung an die Steuergruppenmitglieder gegangen ist, müßtest du es in den Konferenzprotokollen nachlesen können.

    Naja, ich glaube sparsamer als "der Steuerzahler" sind die meisten Betriebswirte in Firmen.
    Nicht umsonst leisten sich Firmen trotzdem meistens eine Betriebsfeier. Die verbessert nämlich das Betriebsklima und damit die Produktivität.

    Zumindest in meinem Bereich wird in den Alternativjobs für die Arbeitnehmerzufriedenheit deutlich mehr getan als im Staatsdienst.

    Je nach Firmengröße sind das:

    • Sekretariat/Assistenten
    • Dienstwagen/Jobticket/E-Bike
    • Betriebskindergarten
    • Betriebskantine
    • Mitgliedschaft im Fitnessclub/Sportförderung
    • Bildungsurlaub
    • Betriebsarzt
    • Betriebliche Altersvorgorge
    • Erfolgsboni

    Und ja, auch in diesen Jobs braucht man keine große Sorge vor Kündigung zu haben.
    Diese Benefits werden nicht aus Herzensgüte gewährt, sondern um gutes Personal zu bekommen/halten und die Jobzufriedenheit und die Leistung zu steigern.

    Insofern ist der Staat schon dumm, selbst bei der letzten Kleinigkeit zur Verbesserung des Betriebsklimas geizig zu sein.
    Die Folgen der schlechten Arbeitsbedingungen sieht man in einigen Fächern ja auch deutlich.

    Wir hatten mal weitgehend das Doppelstundenmodell mit flexibler 5min Pause (ohne Klingeln).
    Ich fand es super, weil man auch mal Zeit für intensivere Unterrichtsformen hatte und die Pause je nach Stundenverlauf/Tagesform der Schüler frei setzen konnte.
    Vor allem in MINT, war das ein großer Vorteil.

    Kollegen, die eine Standart-45-Minuten-Stunde-nach-Altväter-Sitte auf 90 Minuten gestreckt haben, hatten extreme Probleme.
    Die "kleinen" einstündigen Nebenfächer waren weiterhin im 45-Min-Takt und hatten daher keine Vorteile vom 90-Min-Modell.

    Wir sind dann wegen der einstündigen Unterrichtsfächer auf ein 60-Minutenmodell umgeschwenkt und haben die Fächer über die Jahrgänge leicht neuverteilt.
    Positiv ist, dass man weiterhin etwas mehr Zeit für aufwendigere Unterrichtsvorhaben hat und das jetzt auch in "kleinen" Nebenfächern. Für MINT ist es leider etwas knapp im vergleich zu früher.
    Die flexible Pause ist leider weggefallen. Auch bei 60Minuten muß man den Unterricht stärker phasieren, als im 45min-Takt, genau wie beim 90-Minuten-Modell.

    Ich kann nur empfehlen für jede Arbeit kompetenzorientierte Rückmelde/Bewertungsbögen zu erstellen.

    Das entzieht 95% dieser Notenanfragen die Grundlage, weil es Transparenz schafft und dir eine sehr sichere Argumentationsgrundlage gibt, falls doch mal eine Note begründet werden muss.

    Besonders geschickt ist es, dort auch gleich die passenden Förderaufgaben zu vermerken. Dann wissen die Schüler, wie sie an ihren Defiziten arbeiten können.

    Auf den ersten Blick macht das natürlich mehr Arbeit, vor allem beim Aufstellen der Arbeit, da du den Erwartungshorizont genau aufdröseln und in schülerverständlicher Form niederschreiben mußt und gleichzeitig, sowas wie einen Förderplan schreibst. Das fand ich zuerst auch etwas nervig.

    Mittelfristig sparst du meiner Erfahrung nach jedoch ein vielfaches an Zeit wieder ein, weil du sofort:

    • eine quasi unangreifbare Notengrundlage hast
    • kaum noch Nachfragen bezüglich der Bewertung hast
    • jeder Schüler automatisch einen individuellen Förderplan bekommt
    • du bei Notenbegründungen nur noch die Bögen zusammentackern brauchst
    • die Bewertung der Arbeiten schneller geht, weil die Kriterien gut ausformuliert sind

    Das schöne an unserem politischen System ist, dass jeder das selbst in die Hand nehmen und sich für seine Ziele/Vorstellungen engagieren kann.
    Insofern hat jede Berufsgruppe irgendwo auch die Arbeitnehmervertretung, die sie verdient/sich selbst ausgesucht hat.

    Da nur wenige Leute bereit sind, sich führe ihre Wünsche zu engagieren, hat man auch exzellente Chancen schnell in einer Position zu sein, wo man etwas bewirken kann.
    Zugegebenerweise gehört die Mitgliedschaft in der Tarifkommision vermutlich eher nicht dazu, wo das ganz schnell geht.

    Das ist doch nur für die Akte als Antikorruptionsnachweis.

    Du hast 2 Möglichkeiten:

    • Bring die Wertgrenze für die 3-Angebotsregel in Erfahrung und zerleg deine Bestellungen, sodass du dadrunter bleibst.
    • Mach ein Schreiben, wieso aus didaktischen Gründen genau dieses Material gebraucht wird und kein anderes und schreib, dass es nur einen Anbieter gibt. Dann gibt es für die Verwaltung was zum Abheften und du kannst (zumindest bei uns) eigentlich immer bestellen.

    Meine Eskalationsstufen:

    • Blickkontakt/Pack's weg!
    • Gib es ab und hol es nach der Stunde wieder ab.
    • Gib es ab und hol es am Schultagende bei mir ab.
    • Gib es ab, deine Eltern können es abholen.
    • Gib es ab, deine Eltern können es abholen und du arbeitest den versäumten Stoff Freitags nach der letzten Stunde nach.
    • Ordnungskonferenz

    Zusatz, der immer gilt:
    Beim Klogang liegt das Handy auf dem Lehrerpult.

    Das ist wie bei allem. Konsequenz wirkt am allerbesten.
    Wenn man das mit der unerlaubten Benutzung im Griff hat, dann kann man auch relativ sorgenfrei die erlaubte Benutzung in den Unterricht einplanen. Das mache ich recht häufig.
    Heute haben die Schüler zum Beispiel einen Glimmlampenversuch als Auswertungshilfe (und Andenken ;) ) gefilmt.

    Was dieser Artikel mal wieder übersieht:

    Hattie ist eine Metastudie!
    Hohe Effektstärke = In den Studien konnte insgesamt ein hoher Effektzusammenhang festgestellt werden.
    Geringe Effektstärke = In den untersuchten Studien konnte kein hoher Effektzusammenhang festgestellt werden.

    Der Unterschied ist subtil aber dramatisch.
    Hoher Effektstärke --> der Effekt ist da
    Niedrige Effektstärke --> der Effekt wurde in den Studien nicht gefunden --> Es ist keine Aussage möglich, ob er da ist oder nicht. Das Studiendesign muss erst untersucht werden.
    Suche ich beispielsweise bei Mietwagen nach roten Autos und finde keine, dann heißt das nicht, dass es keine roten Autos gibt, sondern dass vielleicht mein Studiendesign (Einschränkung auf Mietwagen) falsch war.

    Das Problem ist, dass keine Metastudie Validität, Reliabilität und Objektivität der Einzelstudien garantieren kann. Daher kommt der Unterschied in der Aussagekraft von hohen und niedrigen Effektstärken.

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