Beiträge von Maylin85

    Okay, so kompliziert wie bei chilli war es bei uns nicht. Wenn ich mich richtig erinnere, brachte eine Klassenleitung in 5/6 z.B. 0,5 Entlastungsstunden, Englisch LK Korrekturentlastung 0,3 (pauschal, egal wie groß der Kurs war) und so hatte eben alles seine Bepreisung. Man musste auch nix extra einreichen, sondern das haben direkt die Stundenplaner gemacht.

    Jetzt nichts gegen dich, aber es ist immer interessant, was Kolleginnen und Kollegen vom Gymnasium als sehr betreuungsintensiv empfinden.

    Im Vergleich zu einer Mittelstufenklassenleitung ist die Erprobungsstufe definitiv betreuungsintensiver. Allein schon, weil die Eltern dort noch öfter auf der Matte stehen und mehr Konferenzen anfallen. Wenn es um die Verteilung von Entlastung geht, kann man ja nur innerhalb der eigenen Schule schauen, wo eben die meiste Zeit verbraten wird 😊

    Ich finde es schon deswegen richtig, Entlastungspunkte für Klassenleitungen zu geben, weil gar nicht jeder eine hat. Wer z.B. Französisch und Latein unterrichtet, was an manchen Schulen beides im klassenübergreifenden Kurssystem läuft, hat praktisch nie Klassenleitungen. Kollegen mit periodischen Fächern meist auch nicht. Dagegen sind gerade Hauptfachlehrer, die ohnehin die höheren Korrekturbelastungen haben, hier oft dauerhaft betroffen und haben selten mal ein Jahr ohne.

    Gerade in der sehr betreuungsintensiven Erprobungsstufe finde ich Entlastung für Klassenlehrertätigkeiten absolut angemessen.

    Zum Thema: an meiner letzten Schule gab es ein Punktesystem für fest definierte Tätigkeiten und man hat jedes Jahr eine Übersicht bekommen, wie viel Entlastung einem gerade auf dem Papier zusteht. Alle paar Jahre gab es die dann auch im Stundenplan. Ich meine, die Liste für das Gesamtkollegium war auch transparent einsehbar.

    Auch am Gymnasium sind die Noten und die Schulformempfehlung bei Anmeldung in Klasse 5 eigentlich egal, denn Eltern dürfen ja anmelden, wo sie wollen. Bei mehr Anmeldungen als Kapazitäten durfte an meinem alten Gymnasium auch nicht auf Basis der Schulformempfehlungen ausgewählt werden, sondern es wurde gelost. Ich weiß nicht, ob das überall so ist, aber hier konnte sich wirklich absolut jeder anmelden und hatte im Prinzip gleiche Chancen.

    lilimarleen: Ich denke, dass du dich in einer wohlsituierten Blase bewegst. Ich lese bei dir keinen KFZ-Mechatroniker, Bäcker oder Rettungssanitäter heraus. Aus dieser Sicht sieht nämlich ein A12-Gehalt noch einmal ganz anders aus. Und selbst wenn jemand IT macht oder Anwalt ist, gehört man nicht automatisch zu den top 10% in der Branche - auch hier gibt es viel Mittelmaß.

    Aber Grundschullehrer ist ja nunmal ein studierter Beruf, also muss man auch mit den Berufsentscheidungen anderer männlicher Akademiker vergleichen. In meiner Bubble gibt es auch keinen Mann, der nach Studium in einem Job auf A12-Niveau gelandet ist. Einer arbeitet als freier Journalist, der mag eine Ausnahme sein. Aber gefühlt spricht man seiner Tätigkeit (ob verdient oder nicht, sei dahingestellt) mehr intellektuellen Anspruch und damit letztlich auch mehr Prestige zu. Um mehr Männer ins GS-Lehramt zu holen, bräuchte es eine andere gesellschaftliche Anerkennung des Berufs.

    Neben dem erteilten Unterricht haben wir eine Fülle an anderen Sachen zu stemmen (ich rede noch nicht von Unterrichtsvorbereitung oder Korrekturen), keiner würde sich an eine Budgetierung trauen.

    ("1 Std. Aufsicht pro Woche führen", "Klassenakten aktualisieren 4 Std/Jahr", "Schulausflüge begleiten 20 Std/Jahr", "Chemiesammlungsleitung 30 Std/Jahr" oder "Klassenlehrerschaft 2 Std/Woche" oder "Konferenzen xxxStunden pro Jahr). Zum einen würde es bedeuten, dass unsere Dienstherren schwarz auf weiß hätten, was wir eigentlich alles leisten müssen, zum anderen variieren die Stunden ja tatsächlich auch stark (Klassenlehrerschaften können extrem zeitraubend sein oder eben auch nicht, wenn keine Problemfälle auftreten. Die Chemiesammlung kann ein Selbstläufer sein, wenn alle Kollegen an einem Strang ziehen, oder es kostet mehrere Stunden pro Woche )

    Exakt diese Budgetierung braucht es. In Kombination mit Erfassung der tatsächlichen Arbeitszeit. Wenn eine Klassenleitung sich dann als zu "betreuungsintensiv" herausstellt und das vorgesehene Kontingent sprengt, muss eben Entlastung an anderer Stelle geschaffen werden - Teilnahmeentbindung von einer Konferenz, anders verteilte Aufsichten, Vertretungen, Einsatz in Zweitkorrekturen oder Prüfungskommissionen, whatever. Kommt eine Schule zu der Erkenntnis, dass es auch damit nicht funktioniert die Zeitgrenzen einzuhalten, ist das ein deutlicher Marker, dass Angebote eingekürzt, Konferenzen gestrafft oder reduziert, Arbeitsprozesse optimiert werden müssen etc.

    Also ich war auch schon mit Klassen im Hochseilgarten, seltsames Beispiel. Und wegen Liebeskummer muss man zum Sozialarbeiter?! Gute Güte..

    Generell halte ich Lehrer und pädagogisches Personal als "Bezugspersonen" in ihrer vermeintlichen Bedeutung für überschätzt. Personal in Institutionen leistet Betreuung und Anleitung zum Lernen, für die allermeisten Kinder wars das aber dann auch. Echte Bezugspersonen finden sich im privaten Umfeld und das pädagogische Personal nimmt höchstens bei desolaten Familienverhältnissen eine substitutive Funktion ein. Man sollte seinen Einfluss hier auch nicht überschätzen.

    Ich finde einen höheren Männeranteil trotzdem erstrebenswert - nicht nur für die Schüler, sondern auch im Hinblick auf ein ausgewogenes Verhältnis im Kollegium. Ich habe gerade die männlichen Kollegen in der Vergangenheit in vielen Situationen als pragmatischer und weniger selbstausbeuterisch veranlagt erlebt, was sich in so mancher Debatte und Abstimmung über nette, aber letztlich Mehrarbeit verusachende Ideen und Vorhaben als sehr wertvoll erwiesen hat. Auch sind Männer tendenziell zuverlässiger einsetzbar und fallen weniger oft durch Schwangerschaft, Kinderkranktage usw. aus - aus Kollegensicht ebenfalls vorteilhaft.

    Naja, die 3. Zuwanderer-Generation findet den Job mit den gegebenen Rahmenbedingungen sicher genauso attraktiv oder unattraktiv, wie alle anderen. Ich bin gerade nicht sicher, wie dieser Aspekt zum Thema passt. Grundsätzlich: ja bitte, ab an die Schulen. Wenn man sie denn bekommt.

    Wenn die Schülerzahlen steigen, die personellen Ressourcen aber nicht, dann muss das Angebot eben eingekürzt werden, bis beide Faktoren wieder zusammenpassen. Sich hier nicht ehrlich zu machen und nötige Anpassungen vorzunehmen, führt nur immer tiefer in die Abwärtsspirale.

    Migration haben wir nun einmal, das gehört zur Realität, mit der man nun weiterarbeiten muss.

    Der weitaus häufigere Weg, insbesondere in fortgeschrittenerem Alter, dürfte der Exit über Dienstunfähigkeit sein. Oder, im ersten Schritt, über signifikant steigende Krankheitsphasen zur Regeneration im laufenden Betrieb.

    Ich denke, diese Maßnahme ist kurz gedacht und wird die Probleme nur verschärfen.

    Ich finde den Switch vom Du zum Sie in der Oberstufe nicht so ungewöhnlich und erinnere mich an Kollegen, die das auch am Gymnasium gemacht haben. Ich habe gefragt, wie die Schüler es möchten.

    An reinen Sek II Schulen muss man schauen, was passt (wie handhaben es die Kollegen; gibt es Einheitlichkeit?) und womit man sich wohlfühlt. Bei uns wird teilweise in beide Richtungen geduzt, es gibt Sie + Nachname und Sie + Vorname. Ich bevorzuge Sie + Vorname, finde das bei Studierenden, die älter sind als ich, aber dann umgekehrt bei "Frau Maylin" bleiben, auch etwas merkwürdig.

    Lassen die "Sie + Vorname"-Leute hier sich auch mit Vornamen ansprechen oder ist es einseitig?

    Ich war in Klasse 6 grottig in Englisch und wurde aufgrund dessen in Richtung Latein beraten. Hab ich dann auch gewählt. Gruselige Entscheidung. Mein Problem mit Englisch war, dass ich schlichtweg nicht lernen konnte und es einfach noch ein halbes Schuljahr länger gedauert hat, bis die Sprache sich irgendwie "automatisch gesetzt" hat. In Latein passiert nix automatisch.

    Ich war mit Beratungen dieser Art daher immer extrem vorsichtig. Latein ist in erster Linie ein Fleißfach. Wer kein entsprechendes Lernverhalten an den Tag legt, sollte vielleicht besser auf eine Alternative setzen, bei der einen irgendwann ggf. auch ganz schnöde das natürliche Sprachgefühl retten kann.

    Ganz richtig.

    Aber die Lehrer, die dann privat agieren als "unkollegial" zu bezeichnen, geht ein wenig zu weit.

    Kommt drauf an. Wenn draus, dass einige sich privat einbringen, die implizite Erwartungshaltung entsteht, dass alle anderen sich bitte auch "nicht so anstellen" mögen und ihrerseits als unkollegial bezeichnet werden, wenn sie bei ihrer Haltung bleiben (auch das war hier im Thread bereits zu lesen), dann ist es in der Konsequenz unterm Strich dann doch irgendwie unkollegial.

    Das Land möge dann bitte einfach dafür sorgen, dass flächendeckend die Voraussetzungen bestehen ohne Einbezug privater Konten zu fahren. Es ist nichts Verwerfliches daran den Anspruch zu haben, dass Privates und Dienstliches - insbesondere finanziell - konsequent getrennt werden. Ganz im Gegenteil, eigentlich ist das völlig normal und alles, was in der Hinsicht an Schulen passiert, einfach nur maximal absurd.

    Es ist auch nicht unkollegial, das alles abzulehnen, sondern es ist viel mehr ziemlich übergriffig zu erwarten, dass ein Lehrer grundsätzlich dazu bereit zu sein hat, mit Privatem in die Bresche zu springen. Wer möchte, kann das gerne tun, es darf aber keine dahingehende Erwartungshaltung geben.

    Vermutlich ist es zumutbar, für ein paar Stunden Bahnfahrt mal nichts zu essen. Ob man das nun sinnvoll findet oder nicht: wenn ein Schüler tatsächlich wegen eines Regelbruchs aus der Bahn geschmissen wird, macht er möglicherweise die vollkommen neuartige Erfahrung, dass Fehlverhalten mancherorts tatsächlich Konsequenzen hat. Ich weiß gerade gar nicht, ob ich das wirklich schlecht finden würde...


    Edit: Ok, auch auf den Fake reingefallen 😄 Dennoch, ich lass es mal so stehen 😊

    "Inmer wieder" ist überzogen und Wechsel sind immer eine Ausnahme. Aber sie kommen vor und sind manchmal eben auch sinnvoll. Wenn ein Kind wirklich komplett isoliert ist und keinerlei Anschluss hat (was in dieser Form ja schon ungewöhnlich ist, aber eben sehr selten mal vorkommt), finde ich das Pochen auf den Verbleib in der Klasse nur schwer nachvollziehbar. Es ist eben nunmal so, dass nicht jeder in jedem Sozialverbund glücklich wird.

    und wenn die anderen Klassen beispielsweise bilinguale Klassen wären, würde das Ganze nicht funktionieren.

    Nicht zwingend. Ich habe exakt diese Situation an meiner letzten Schule erlebt. Eine Schülerin mit (nicht offiziell diagnostiziertem) Autismus, die durch ihr Verhalten massive Konflikte in ihrer Ursprungsklasse hatte, wechselte schließlich in Klasse 8 in die Biliklasse, weil man diese Klasse im Jahrgang für die sozialverträglichste hielt. In der Folge hatten alle Fachlehrer der Bilifächer das Vergnügen, diese eine Schülerin zwei Jahre lang parallel mit deutschem Material zu beschulen (eigentlich - faktisch hat sie auch gerne mal das Bilimaterial genommen, aber sie war nie offiziell in dieser Schiene aufgenommen). Ganz unmöglich ist es also nicht.

    Wie macht ihr das am WBK?

    Ich bin erst ein Schuljahr dort und in der Zeit gab es - abgesehen von Erstsemestern, die gerne mit Freunden zusammengruppiert werden wollten und was dann auch ermöglicht wurde - keine Wechselwünsche. Meinem Eindruck nach ist Mobbing auch eher weniger ein Thema als bei jüngeren Schülern.

    An der alten Schule (Gymnasium) wurde Klassenwechselwünschen zwar nicht sofort zugestimmt, wenn sich über einen längeren Zeitraum aber gezeigt hat, dass die Situation für das Kind belastend ist und man in einem Wechsel Chancen auf Besserung gesehen hat, dann wurde dem auch statt gegeben (siehe oben). Finde ich auch richtig. Ich halte viele Dinge, die im Schulkontext passieren, für übertriebenes Geschiss und zu "schüler/elternfreundlich". Was allerdings unbestritten Grundvoraussetzung für bestmögliches Lernen ist, ist ein positives Lernklima und eine soziale Umgebung, in der ein Schüler sich wohlfühlen kann und "gut aufgehoben" fühlt. Das scheint hier nicht der Fall zu sein, weil kein Anschluss an die Gruppe gegeben ist. Ich finde schon, dass das ein Problem - und zwar ein anderes Problem als aktives Mobbing - ist und man als Schule schauen muss, ob man Abhilfe schaffen kann. Schule trägt eben auch zu einem gewissen Grad Verantwortung für das psychische Wohlergehen der Kinder.

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