Ich gebe normalerweise mehrere Lektüren zur Auswahl, stelle die zentralen Themen der Bücher kurz vor und lasse den Schülern Zeit für Rückmeldungen bis zur endgültigen Abstimmung. Wer gegen eines der Bücher oder Themen Vorbehalte hat, kann die gerne äußern (auch anonym). Auf diese Weise ist Handmaid's Tales auch mal von der Liste geflogen, weil mir anonym jemand geschrieben hat, er/sie würde sich aus persönlichen Gründen ungern mit sexuellem Missbrauch beschäftigen. Auch Thirteen reasons why habe ich mal bewusst nicht gelesen, nachdem eine Kollegin mir gesteckt hat, dass in meinem Kurs eine Schülerin sitzt, die zwei Selbstmordversuche hinter sich hatte. Wenn man von den Vorbelastungen der Schüler weiß, kann man sicherlich darauf reagieren - schwierig ist es eben, wenn man nichts weiß und auch niemand was äußert.
Unabhängig davon denke ich, dass man mit bestimmten Themen ohnehin sensibel umgehen muss. Ich sage den Schülerm immer, dass sie sich auch gerne kurz rausziehen können, wenn ihnen eine Thematik gerade zu nahe geht. Wir hatten z.B. letztes Jahr im Zusammenhang mit women in Nigeria einen Filmausschnitt, in dem häusliche Gewalt gezeigt wurde (ich hatte das vorher auch angekündigt) und mittendrin ist jemand rausgegangen. Das ist okay und hat auch niemand kommentiert.
Wichtig ist, denke ich, Schüler nicht ohne Vorwarnung mit möglicherweise triggernden Inhalten zu konfrontieren und ein Klima im Kurs zu schaffen, das es ermöglicht, sich zurückzuziehen oder ggf. auch zu sprechen, wenn ein Bedürfnis danach entsteht.