Beiträge von Maylin85

    Nein, müssen sie nicht. Es gibt keine Notwendigkeit, das in einer bestimmten Rangfolge zu durchlaufen. Die ergriffenen Maßnahmen müssen nur schlicht verhältnismäßig zum Vorfall sein. Mal als Extrembeispiele:

    1. Schüler kaut entgegen der Schulordnung Kaugummi. -> das ist wohl eher ein Fall für ein passendes Erziehungsmittel und keine Ordnungsmaßnahme

    2. Schüler prügelt auf einen anderen Schüler ein -> hier ist ein reines Erziehungsmittel daneben, das kann man auch direkt mit einer passenden Ordnungsmaßnahme beantworten (mind. vorübergehende Suspendierung)

    Bei "ausreichend schweren" Taten kann man Erziehungsmaßnahmen sicherlich überspringen. Bei Gewalt gibts bei uns auch sofort Teilkonferenzen und deutliche Konsequenzen.

    An einer vorherigen Schule wurde nach Besuch einer entsprechenden Fortbildung aber explizit auf die Notwendigkeit der zuvor dokumentierten Erziehungsmaßnahmen hingewiesen, um Ordnungsmaßnahmen für Standardfälle rechtlich abzusichern. Störendes Verhalten direkt mit Suspendierung oder temporärer Überweisung in die Parallelklassen zu sanktionieren oder dergleichen ist bei Widerspruch schwierig, wenn vorher nichts dokumentiert wurde.

    Ich halte Erziehungsmaßnahmen auch überwiegend für wirkungslosen Quatsch, formell müssen sie einer Ordnungsmaßnahme aber nunmal vorgelagert sein, wenn der Beschluss widerspruchsfest sein soll.

    Es muss aber ja nicht zwingend immer ein Elterngespräch sein (gerade, wenn die Eltern eh uneinsichtig sind), sondern das Fehlverhalten kann auch schriftlich (Mail, Brief) gerügt werden. Wenn man das 3x dokumentiert hat, hat man auch eine Basis für eine Ordnungsmaßnahme.

    Ich führe keine Projektarbeiten mehr durch, wo es nicht zwingend nötig ist. Eigentlich finde ich nach wie vor, dass insbesondere gesellschaftswissenschaftliche Fächer sich dazu eignen, eigenständig an problemorientierten Themen zu arbeiten. Wenn aber etwas, das für 4-5 Wochen angelegt war, einmal durch die KI gejagt wird und in Woche 2 "fertig" ist, wird das Ganze witzlos. Dann schaut man sich Ergebnisse an, bespricht, warum diese Ergebnisse teilweise unpassend und oftmals unzureichend sind, startet den nächsten Versuch und es läuft wieder exakt auf das gleiche heraus. Fazit, mit diesen Schülern funktioniert es offensichtlich nicht. Und es ist an dieser Schule völlig egal, was gemacht werden soll, ich kriege zu jedem einzelnen Aufgabenformat von 3/4 der Lerngruppen KI Ergebnisse hingeklatscht. Mühsam.


    Zu den Begrifflichkeiten: es mag sich regional ja auch unterscheiden, aber mir sind hier im schulischen Kontext noch keine Hausarbeiten begegnet. Facharbeiten haben wir.

    Vielleicht werden die Begriffe auch regional unterschiedlich verwendet. Wie würdest du es nennen, wenn die Schüler (m/w/d) zum Thema X einen mehrseitigen Aufsatz schreiben sollen? Bei deinen Fächern kann das in der Sek II ja durchaus mal vorkommen.

    Hausaufgabe.


    Quittengelee

    Nee, eher andersrum. Ich mache jetzt mehr Buchunterricht, als jemals zuvor, und da reicht vorbereitend häufig auch die Pause vor der Stunde. Oder ein Viertel davon.

    Ich saß den ganzen Tag in der Cafeteria und hab korrigiert, insofern war das damals auch ein recht produktiver Tag.

    Den Ordner habe ich damals pflichtbewusst in der letzten oder vorletzten Schuljahreswoche noch mit dem vereinbarten Kram bestückt und von Schülern oft "hä, welcher Ordner?" gehört, also nehme ich an, dass der insgesamt auch nicht von jedem beachtet wurde.

    Ich erinnere mich an mühsame Gehirnverrenkungen, um KAoA irgendwie ins Erdkundecurriculum einzupflegen. Wir sollten am Gymnasium in jedem Fach in jeder Jahrgangsstufe irgendeine Anbindung haben, zumindest auf dem Papier. Kamen sehr absurde Sachen bei raus.

    Ansonsten war ich einmal mit 8ern bei der Potentialanalyse, vom Rest habe ich nichts aktiv mitbekommen. Ich hatte aber schon den Eindruck, dass das bei uns ernst genommen wurde und dass diejenigen, die damit zu tun hatten, gut beschäftigt waren.

    Hausaufgaben dürfen ohnehin nicht bewertet werden.

    Im schulischen Bereich betrifft es aber ja auch Facharbeiten, Projektarbeiten, Referate, über mehrere Stunden anlegte Arbeitspläne... hab ich immer recht gerne gemacht, im letzten Halbjahr gingen solche Aktionen aber zu 100% schief, weil überwiegend nur noch KI Ergebnisse rausgerotzt wurden. Schade, dann eben nicht mehr.

    Wenn wir uns von einem "Früher war alles besser" lösen, ist das in der Tat eine relevante Kompetenz. KI ist hier und sie wird ein fester Bestandteil unseres Lebens, ebenso wie Smartphones, Internet, Taschenrechner. Da hilft auch kein pearl-clutching.

    Das Problem, das ich wahrnehme, ist, dass Schüler aber mit der KI nicht umgehen können. Das ist einfach nur eine Verlängerung des Phänomens, dass Schüler das Internet nicht richtig zur Recherche für Präsentationen etc. nutzen konnten, nur potenziert.

    Wenn also jemand die Kompetenz hat, Prompts korrekt so zu formulieren, dass sie den gewünschten Output inhaltlich verlässlich und in der notwendigen Tiefe erbringen - und dabei noch andere Faktoren berücksichtigen ("nicht erwischt werden"), ist das eine Kompetenz, die sie im veränderten Berufsleben natürlich brauchen werden. Wir tun uns - und unseren Schülern - keinen Gefallen, wenn wir die Augen davor verschließen. Das heißt nicht, dass sie nicht auch noch lernen müssen, richtig zu recherchieren, zu bibliographieren und zu argumentieren - ebensowenig wie die Einführung des Taschenrechners das Kopfrechnen unnötig gemacht hat oder die Zulassung von Wörterbüchern das Vokabellernen überflüssig gemacht hat.

    Das von dir gebrachte Beispiel ist allerdings leider ein Paradebeispiel, wie KI zu Verblödung beiträgt. Ziel einer Hausarbeit ist ja nicht nur, eine lesbare Hausarbeit abzugeben, sondern daran Kompetenzen zu entwickeln. Ich bezweifle, dass das bei den Studenten gelungen ist. Nun kann man natürlich argumentieren, dass das egal ist, weil sie diese Kompetenzen im KI-Zeitalter gar nicht mehr selbst benötigen, aber dann benötigt man in letzter Konsequenz vermutlich auch diese Studenten dieser Studienrichtung nicht mehr, denn ihre Kompetenzen sind ja offensichtlich durch KI ersetzbar. Und ob die KI brauchbare Ergebnisse liefert, können sie mangels eigener Fähigkeiten wahrscheinlich auch nicht mehr selbst beurteilen, also sind sie nichtmals als Kontrollinstanz zu gebrauchen. Wenn man das als Erfolg verkaufen möchte, bitte, ich finde es mindestens fragwürdig.

    Denkt man deine Argumentationslinie weiter, brauchen Schüler zukünftig außer Prompten eigentlich überhaupt nichts mehr selbst beherrschen und wir können sämtliche Lehrpläne direkt fast vollständig im Schredder entsorgen.

    Ich habe in der Ausbildungsvorbereitung zum Halbjahr 21x die Note 5 oder 6 vergeben. Wo nichts ist, da ist eben nicht.

    Spannend finde ich allerdings, dass in BFS1 und BFS2 teilweise Schüler sitzen, die definitiv auch nicht besser sind, aber irgendwie Abschlüsse bekommen haben und dort angekommen sind.

    Ich weiß ja nicht, wie es anderswo läuft, aber an meinen bisherigen Schulen haben Klassenleitungen/Tutoren immer dann, wenn sie es für richtig hielten, die Einberufung einer Teilkonferenz angestoßen und ich habe nie erlebt, dass das abgeschmettert wurde. Ich habe allerdings auch nie erlebt, dass es dabei um Kappen oder Kaugummis ging.

    Wenn eine Schulleitung ungern Ordnungsmaßnahmen verhängt, bleibt Kollegien immer noch der Hebel, die anderen Mitglieder der Teilkonferenz sehr bewusst mit Kollegen zu besetzen, die dazu eine andere Haltung vertreten. Schulleitungen können durchaus auch überstimmt werden.

    Keine Brennpunkteschule. Eher ländlich zwischen OWL und Sauerland. Es ist auch nicht nur unser BK. Egal mit welchem Kollegen von anderen BKs ich spreche. Überall das gleiche Bild

    Erlebe ich auch so. Zustimmung zu allen Postings.

    Aber fairerweise war es an anderen Schulformen nicht so ausgeprägt schlimm, also ist es vielleicht auch ein spezielles Klientel-Problem.

    In anderen Worten: Es müssen mehr Leistungen aus eigener Tasche gezahlt werden.

    Ja.

    Mir ist auch nicht daran gelegen, bei den Allerärmsten einzukürzen, aber bei Gießkannenleistungen und pauschalen Förderungen ohne Bedürftigkeitsprüfungen gibt es sicherlich Einsparpotential.

    Und speziell beim Thema Gesundheitsleistungen ist z.B. null nachvollziehbar, wieso Esoterikkram ohne jede Evidenz bezahlt wird - da kann man ebenso völlig schadensfrei einkürzen, wie bei Vorsorge- und Screeningleistungen mit umstrittenem wissenschaftlichen Nutzen. Die kostenlose Mitversicherung von Kindern in der GKV könnte ebenfalls auf den Prüfstand. Ich persönlich fände es auch in Ordnung, bis zu einem (meinetwegen einkommengestaffelten) Betrag X erstmal selbst zahlen zu müssen, bevor überhaupt eine Versicherung einspringt.

    Dass das größte Einsparpotential in Strukturreformen und nicht Leistungskürzungen besteht, ist mir natürlich auch klar, ich denke aber, dass man dringend beide Seiten angehen sollte/muss.

    Ich rede vor allem nicht von Rente, sondern von Gesundheitskosten und Sozialleistungen. Vollkaskoversorgung muss man sich leisten können und wollen - das funktioniert bei konstantem, ordentlichen Wirtschaftswachstum und einem passenden Verhältnis von Einzahlern und Empfängern. Ob sich das angesichts der Kombination von Bevölkerungsprofil und anhaltender Deindustrialsierung so halten lässt, darf bezweifelt werden. Die Notwendigkeit für Beitragssteigerungen kommt ja nicht aus dem Nichts, an der Schraube kann man aber auch nicht unendlich drehen.

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