Beiträge von Maylin85

    Wir MÜSSEN (Anweisung an den Stundenplan) eine Freistunde im Mittagsbereich (5.-8.?) haben. Für die Mittagspause. Also 3 mal Mittagspause in der Woche ist ganz normal plus eben die Freistunden, die sich ergeben. Natürlich gibt es Leute mit viel Glück und Leute mit weniger Glück. 5-6 Stunden inklusive Mittagspausen würde ich als normal ansehen. Hatte ich letztes Jahr mit VZ.

    Oh wow, das ist echt übel. Ganztag macht den Job noch unattraktiver, als er eh schon ist.

    Das heißt, mit 25,5 Stunden die Woche (VZ Gym NRW) kann ich einen Stundenplan von 27 Stundenslots haben (24 Unterrichts plus 3 Lernzeiten haben), plus 2-4 Freistunden plus 3-4 Vertretungsbereitschaften außerhalb dieser Freistunden. (plus Hofaufsichten vor / zwischen / nach dem Unterricht)

    Verstehe ich das richtig, ihr habt Vollzeitpläne mit 5-8 Leerslots? 😳

    Eine Ex-Kollegin erzählte neulich von 7 (bei 67-Minuten-Modell) + teilweise Mittagspausen, die man absitzen muss, und ich hatte das ja intuitiv als vermutlich absolute Ausnahme eingestuft. Das ist stundentechnisch ein normaler Vollzeitarbeitstag in anderen Berufen, den man in Präsenz an die Schule gebunden ist - stelle ich mir schwer auszuhalten vor, wenn es regelmäßig vorkommt.

    Ich hab tatsächlich (fast) nichts davon gehört. Ausnahme: einmal wurde wegen eines Klassenarbeitstermins am Tag nach einem Deutschland WM-Spiel gemeckert, Klasse 6.

    Entweder hatte ich es bisher mit pflegeleichten Eltern zu tun oder ich bin ein pflegeleichter Lehrer 😄

    Wenn der Entwurf die Tabellenentgelte anhebt, ist er unterm Strich trotzdem eine Verbesserung gegenüber den jetzigen Besoldungen. Die 6000 (oder 20.000) € sind ja auch kein Wert, der meinem Grundgehalt direkt "abgezogen" wird, sondern Berechnungsgrundlage für die Festsetzung von Grundgehalt und Zuschlägen. Ja, ohne fiktives Partnereinkommen wäre beides vermutlich etwas höher (wobei meines Wissens auch nicht klar ist, was stärker davon eingeschränkt wird - Grundbesoldung oder Zuschläge), aber in der Sache ist es doch richtig und entspricht der Realität, dass Partner in der Regel eigenes Einkommen haben. Dass man Privilegien ungern aufgibt, ist klar, aber dieses hier ist rational auch wirklich nicht mehr zu rechtfertigen.

    Was die politischen Rahmenbedingungen angeht: Die letzten 20 Jahre gab es in NRW schon viel Abwechslung an der Spitze des Kultusministeriums (CDU, FDP, Grüne). Wenn deren Schulpolitik nicht deinen Anforderungen entspricht, macht es ggf. Sinn, vor der nächsten Landtagswahl die Wahlprogramme der anderen Parteien mit Chancen auf mindestens 5% (SPD, Linke, AfD) insbesondere in den Kapiteln "Bildung und Schule" aufmerksam zu lesen und die Erkenntnisse hieraus in deine Wahl einfließen zu lassen - mit dem Wissen, dass Kompromisse in einer Demokratie immer dazugehören und es keine Partei gibt, deren Positionen zu 100% teilt. Wenn es 80% sind, wäre das schon echt gut.

    Ich bin in Sachen Bildungspolitik ganz klar auf AfD-Linie. Ich habe am Kapitel Bildung in deren Programmen insgesamt wenig zu meckern und würde die meisten Ansätze mittragen. Dennoch würde ich diese Partei aufgrund anderer Positionen, die meines Erachtens deutlich mehr Gewicht als Bildungspolitik haben, niemals wählen.

    Ich fürchte, im etablierten Parteienspektrum wird es noch dauern, bis sich der Wind dreht und hoffentlich irgendwann eine Abkehr vom Kurs der letzten 2 Jahrzehnte erfolgt.

    Ich spreche jetzt von Fächern wie Geschichte oder Geo. Da schreibt man 2-4 schriftliche Tests im Jahr. Ansonsten gibt es mündliche Noten in gleicher Anzahl. Mehr nicht. Warum sollte ich 20 Tests schreiben?

    Ich habe in Geo zu jeder Sequenz Tests geschrieben. Dann habe ich aber 4-5 Testnoten, die die Gewichtung von 4-5 Unterrichtsstunden haben, und der Rest der Note muss aus dem sonstigen Unterrichtsverhalten erwachsen. Hier ein Defizit zu setzen ist schwierig... ich habe das dennoch gemacht, musste aber auch rechtfertigen, wie das denn sein könne angesichts dessen, dass in der Sek I keine Bringschuld bestehe und man doch sicher Leistungen heranholen könne/müsse, blabla. Ganz falsch ist das ja auch nicht, denn zu wenig komplexen, allgemeinen Sachverhalten, wie man sie in Geo Sek I nunmal überwiegend hat, können Schüler auf Aufforderung immer irgendwas beitragen.

    Wenn man so blöd ist, die Defizite bereits zum Halbjahr zu setzen, schreibt man sich auch noch dumm und dämlich an Förderplänen und führt die entsprechenden Förderplangespräche, nur um dann festzustellen, dass der ganze Aufwand angesichts der Notenverschenkerei der Kollegen verpufft und die Schüler eh durchrutschen. Oder dass Kollegen in der Zeugniskonferenz regelmäßig doch noch ihre Noten hochsetzen, wenn die SL lange genug bohrt.

    Im nächsten Jahr überlegt man sich, ob man sich das alles noch antut.

    Gymshark Ich wäre eine furchtbare Führungskraft und auch nicht gut in der Entwicklung platziert. Ich bin null diplomatisch, ungeduldig und neige zum inneren Blockieren und Bocken, wenn was gegen meine Vorstellungen läuft. Und im Schulsystem läuft vieles gegen meine Vorstellungen. Also nein, niemals würde ich sowas anstreben 😄

    Eigentlich würde ich nur gerne unter nervenschonenden Rahmenbedingungen mein Kerngeschäft gut und ordentlich und mit einem gewissen Wirkungsgrad erledigen. Mich frustet, dass sich Schule (in meinem Erleben) immer nur verschlimmert und man jeden Tag dabei zusehen kann, wie ganze Schülergenerationen systemisch gegen die Wand gefahren werden.

    Darf ich mal ganz doof fragen: Hast Du denn dann mal darüber nachgedacht was anderes zu machen? Ich stelle es mir im Schulsystem schwierig vor, wenn man das Gefühl hat, dass das System kaputt ist.

    Natürlich, ständig. Aber nicht zum Preis späterer Altersarmut, also werde ich mich wohl die nächsten 30 Jahren durchs Berufsleben motzen 😄

    Und vielleicht schafft man es irgendwann ja nochmal, eine Nische zu finden, die noch funktioniert.

    NRW wollte auf Teufel komm raus höhere Abiturquoten und hat die Rahmenbedingungen entsprechend gesetzt. Vielleicht ist es in anderen Bundesländern ja tatsächlich anders und NRWler-Beiträge daher schwer nachvollziehbar, aber hier hat die Erprobungsstufe den Namen eigentlich nicht verdient, denn ein echtes Sortieren ist weder gewünscht noch vorgesehen noch möglich.

    Und es reicht auch nicht, wenn SL "Eier" haben, sie müssen aufnehmen. Genauso wie man bei Überanmeldungen nicht erstmal Schüler mit Gymnasialempfehlung vorziehen darf, sondern losen muss. So sieht verfehlte Schulpolitik aus.

    Nein, aber die Lösung ist nicht eine Option für die Reichen zu schaffen, die gleichzeitig noch massive Nachteile hat. Nämlich die Eltern, die ihr Kind aus idiologischen Gründen und nicht aus Bildungsgründen rausnehmen. Sind wir doch mal ehrlich. Die Eltern, die ihr Kind aufgrund der besseren Bildungschancen zu Hause betreuen wollen, sind relativ wenige. Diejenigen, die mit unserem Wertesystem nicht einverstanden sind oder bestimmte Werte vermittelt haben wollen, sind doch die große Mehrheit der Home-Schooling-Nutzenden.

    Zu 2)
    Das ist eine Sicht, die dann passiert, wenn die Schule schlechte Arbeit leistet oder die Situation an der Schule schon problematisch ist. Im Idealfall sind die Leistungsträger Vorbild für die anderen Kinder und tragen positiv zum Klassenklima bei. Und trotzdem werden sie gefördert und gefordert. Ich würde sogar behaupten, dass das in meinen Klassen zu 90% funktioniert. Und diese Kinder werden sogar besser gefördert als im Homeschooling. Einerseits lernen sie im Kontakt mit schwächeren Schülern Dinge, die sonst nicht lernen. Einem schwächeren Kind etwas zu erklären, bringt auch für das leistungsstarke Kind Vorteile. Dann profitieren leistungsstarke Kinder auch von anderen leistungsstarken Mitschülern. Vielleicht gibt es auch mal Kinder, die in Sprachen schlecht aber in Mathematik gut sind. Und letztlich haben wir als Schule viel mehr Forder- und Fördermöglichkeiten als die Eltern Zuhause. Auch sind wir in der Regel besser ausgebildet. usw.

    Zu 1: Dazu hätte ich gerne Zahlen (konkret auf Deutschland bezogen, nicht auf amerikanische Evangelikale o.ä.). Ich erlebe das anders, aber das kann natürlich auch an meiner Blase liegen.

    Zu 2: Zeige mir eine einzige Schule im Ruhrpott, wo die Situation NICHT "schon problematisch ist" 😉
    Die Mär von dem leistungsstarken Schüler, der davon profitiert dem Schwächeren was zu erklären (statt in der Zeit selbst Neues zu lernen) ist so ausgelutscht, ich kann das nicht ernst nehmen. Sorry. Und auch nicht die angeblich so tollen Forder/Fördermöglichkeiten zwischen Personalmangel, Inklusion, Verhaltensauffälligkeiten, etc. pp. Einerseits sehen sich viele Kollegen mittlerweile primär als Brandlöscher, andererseits wird dort angeblich so toll individualisiert gefördert (schlägt sich nur leider nicht in Leistungsstudien nieder, sehr komisch).
    Ich kanns nicht mehr hören und ich glaube es auch nicht. Jede einzelne Leistungserhebung zeigt sehr klar auf, dass die Bildungsqualität schlecht ist und keine Trendwende zu erkennen ist. Also lasse man die Eltern doch bitte selbst nach erfolgreicheren Alternativen schauen, wenn sie das möchten und können.


    Aber ich nehme zur Kenntnis, dass die Ansichten weit auseinandergehen, und widme mich jetzt dann doch mal meinen lange ignorierten Klausurstapeln 😊

    Ich bin froh um jede Schüler:in und jeden Schüler, der kommt und annähernd beschulbar ist.

    Mit Kindern, die von den Eltern Unterstützung erfahren, ist sehr vieles sehr viel einfacher und für die Lehrkraft angenehmer. Diese Garantie hat man aber nicht (hatte man noch nie) und das System muss dahingehend angepasst werden, dass man Kinder beschulen, fördern und herausfordern kann, auch wenn Eltern sich gar nicht um schulische Belange kümmern wollen oder können. Denn die Herausforderungen sind, zumindest an meiner Schule, mehr und vielfältiger geworden.

    Das ändert sich aber nicht dadurch, dass Eltern ihre Kinder zu Hause beschulen. Die Klassen bleiben gleich groß und jede Lehrkraft hat noch mehr Kinder, die besondere Förderung in irgendeiner Form benötigen. Das ergibt sich durch die Segregation über Wohngebiete und Privatschulen oder kirchliche Trägerschaften mit Ablehnung jetzt schon, samt Eltern, die sich einbringen und die Kassen des Fördervereins füllen.

    Es führt gerade nicht dazu, dass die Schulen, die sich den benachteiligten Schüler:innen annehmen, besonders unterstützt und besser ausgestattet werden.
    Das Sparen in der Bildung führt dazu, dass es sich die Probleme verschärfen.

    Okay, in meiner Utopie würden die freigesetzten Ressourcen dorthin fließen, wo es nötig ist. Du magst Recht haben, dass es in der Praxis anders aussähe.

    Dennoch haben Eltern aktuell nur die Wahl, ihr Kind aus dieser Umgebung rauszuziehen und zu schützen, oder es halt unter den Bus zu schleudern. Meine Schwester zittert jetzt schon, was sie machen, wenn der Neffe in 2 Jahren keinen Platz an der einzigen konfessionellen Schule im Ort bekommen sollte. Hier mit Homeschooling eine ergänzende Option zu schaffen, fände ich sinnvoll. Wir sollten doch alle ein Interesse daran haben, dass möglichst viele Kinder möglichst gute Grundlagen mit auf den Weg bekommen - wo auch immer das dann passiert.

    Das ist doch gesellschaftlich ein riesiges Problem. Wer Geld hat, kauft sich gute Bildung. Und wer kein Geld hat, bekommt nur das Standardprogramm. Das fördert doch gerade die soziale Ungleichheit, die schon jetzt ein großes Problem in Deutschland ist. Dann ist die Bildung noch stärker vom Elternhaus abhängig.

    Und das die Schulen dann froh sind, klappt auch nicht. Erstmal brauchst du in deiner Lerngruppe eine Menge X an guten Schülern, die dein Unterricht vorwärts bringen und auch das Klassenklima beeinflussen sowieso als Vorbild dienen. Ich habe noch keine Lehrkraft erlebt, die es gut fand, wenn Leistungsträger die Klasse verlassen.
    Und das wir dann kleinere Klassen bekommen, ist doch wohl utopisch. Am Ende spart sich das Land ein paar Lehrerstellen und freut sich.

    Also ist die Konsequenz, dass bitteschön alle schlechte Bildung zu erdulden haben? Wem genau hilft das denn? Gesamtgesellschaftlich sicherlich auch keine Sternstrategie.

    Den zweiten Absatz verstehe ich aus Lehrersicht, nicht aber, wenn du auf das Wohl des einzelnen Kindes schaust. Denn das wird genötigt, ggf. unter seinen Möglichkeiten zu bleiben und auf bessere Beschulung zu verzichten, um Zugpferdchen und sozialen Prellbock für Mitschüler zu spielen. Es muss erlaubt sein, dass auch leistungsstarke und sozial in der Spur laufende Schüler eine für sie adäquate Lernumgebung bekommen..


    Palim

    Ich mache den Grundschulen gar keinen Vorwurf und bessere Förderung würden wir wohl alle befürworten. Die gibt es aber nunmal nicht und ich persönliche glaube an der Stelle auch nicht an die große Revolution. Fakt ist hier aber nunmal, dass die meisten Eltern in meinem Dunstkreis zu Hause eh schon selbst beschulen, weil die Schule es nicht mehr richtig schafft. Dann kann man es konsequenterweise auch direkt komplett erlauben.

    Klassenkampf, ach so; Vielleicht sehe ich auch falsche Dokus, aber:

    Es würde vielen Menschen (und Ländern) wirklich besser gehen, wenn Kinder, die kaum andere "Qualifikationen" als einflussreiche bzw. schwerreiche Eltern haben, auf "normale" Schulen gehen würden, als zum Beispiel auf Schweizer Eliteinternate. Es nützt der Welt nichts, wenn die "Elite" sich abschottet. Es geht ihnen um Karriere und vor allem Geld.

    Wenn es darum ginge, beste Bildung zu erhalten, um Zustände erträglicher zu machen, um zum Beispiel dein "Chaos" in deiner Schule zu verhindern, würden "die Reichen" ihre Kids nicht in einer fragwürdigen Umgebung erziehen lassen.

    Zugegeben, das ist ein Extrembeispiel. Aber so fängt es an, und dann denken die Absolventen solcher Schulen, sie können sich "alles leisten".

    Die wirklich Elite wird sich immer abschotten. Irgendwo auf der Welt gibts tolle Schulen, die man sich in diesen Kreisen schon leisten kann. Um diese sehr kleine Gruppe geht es mir aber gar nicht, sondern eher um die normale Mittelschicht, die einfach nur sicherstellen möchte, dass ihr Kind eine solide Grundausbildung bekommt. Die hiesigen Grundschulen leisten das nicht mehr und viele Kinder bleiben unter ihren Möglichkeiten, weil sie in den gegebenen Strukturen untergehen. Wenn diese Eltern sich dazu entscheiden, lieber auf häuslichen Unterricht zu setzen, ist das meines Erachtens verständlich. Die Schulen wiederum können angesichts der heterogenen Schülerschaft mit unterschiedlichsten Förderbedarfen froh sein um jeden Schüler weniger und damit kleinere Lerngruppen.

    Warum brauchen diese Kinder der „Bestenauslese“ denn nun plötzlich Förderung und kommen im gymnasialen Unterricht nicht zu den Spitzenleistungen, die dir so wichtig sind?

    Und warum ist die Förderung am Gym überhaupt schlecht?

    Wir schmeißen die Themen Homeschooling und Übertrittsquote zum Gymnasium gerade durcheinander.

    Bei Privatlehrern/Homeschooling gehts doch gar nicht um Schulformen, sondern primär darum, in Ruhe und ungestörter als in Schulen lernen zu können. Auf welchem Level auch immer. Ich denke dabei in erster Linie an Grundschulen, die ja mittlerweile nichtmals mehr Basisfähigkeiten wie flüssiges Lesen, Schreiben und Grundrechenarten so stabil vermittelt bekommen, dass man bei Fünftklässlern am Gymnasium davon ausgehen kann, dass die entsprechenden Kompetenzen vorhanden sind. Viele Homeschooler nutzen Homeschooling ja insbesondere in den ersten Jahren und gen Abschluss wechseln die Kinder/Jugendlichen dann doch an eine richtige Schule. Dagegen spricht meines Erachtens auch nichts.

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