Beiträge von Maylin85

    und meine Grundschüler können ziemlich gut mit allen umgehen, auch wenn sie speziell sind. Ist es nicht auch wichtig, das zu lernen?

    Vergessen, dazu: warum genau ist das eigentlich wichtig? Ich denke gerade an eine spezielle Klassezurück mit einem Mädchen, das sich ständig von Nichtigkeiten angetriggert gefühlt hat und ausgerastet ist, während man der (wirklich eigentlich sehr netten und sozialen) Klasse erklärt hat, dafür müsse sie Verständnis haben, das Mädchen sei halt neurodivergent und könne das nicht so steuern etc. - funktionierte in den ersten paar Monaten, danach fühlte der Rest sich massiv ungerecht behandelt, wenn das eigene Verhalten mit völlig anderen Maßstäben beurteilt und ggf. sanktioniert wurde. Und ich kanns verstehen. Nenne mir nur einen einzigen Ort außerhalb der Schule, wo es geduldet werden muss, wenn sich jemand ständig nicht im Griff hat? Dieser Mensch wird von jedem Arbeitgeber, Verein, usw. früher oder später vor die Tür gesetzt. Und deswegen ist es eigentlich auch nur bedingt "wichtig" zu lernen, mit so etwas umzugehen, denn realistisch betrachtet hat die Mehrheit der Schüler nach Ende der Schulzeit keine Berührungspunkte mehr mit Menschen mit schwierigem Sozialverhalten (außer, man entscheidet sich aktiv dafür, z.B. im beruflichen Kontext).

    Seltsam. Ich beschule gerade das 4. Kind mit Autismus (jeweils mit Schulbegleitung). 2 davon sind äußerst intelligent und davon profitieren auch Regelschulkinder. Das mit dem abweichenden Sozialverhalten stimmt, es ist aber bei Autisten mehr oder weniger stark ausgeprägt und meine Grundschüler können ziemlich gut mit allen umgehen, auch wenn sie speziell sind. Ist es nicht auch wichtig, das zu lernen?

    Es gibt aber in unseren (Grund)schulen genug Kinder mit massiven Verhaltensauffälligkeiten, spätestens wenn man davon 5 oder 6 in der Klasse hat, kommt man an seine Grenzen. Das sind aber in der Regel Kinder ohne Diagnose. Ich will sagen, nur weil man attestierter Autist ist, gehört man nicht automatisch auf eine Förderschule.

    Ich schrieb ja auch von Kindern mit "abweichendem, die Mehrheit beeinträchtigenden Verhalten". Ich hattte auch schon Autisten, mit denen es gut funktionierte, und andere Kinder, die ganze Klassen gesprengt haben. Mir ist die Diagnose ziemlich egal; was praktisch nicht funktioniert, müsste anders gelöst werden,und ansonsten sollte das Kriterium der Schulzuordnung allein das Leistungsvermögen sein.

    Irgendjemand schreib hier, dass auch Kinder mit probematischem Sozialverhalten sich nicht gut tun würden - das mag sein, aber ganz nüchtern betrachtet beeinträchtigen sie sich dann immerhin nur gegenseitig und damit in der Summe weniger Kinder, als wenn x verschiedene Klassen davon betroffen sind.

    Ich halte unregulierte Inklusion für einen Menschenrechtsverstoß. Die Lehrkräfte und der Rest der Klasse haben ein Recht auf funktionierenden Unterricht.

    Und die Inklusionskinder ebenfalls. Wenn meine Freundin von den Arbeitsbedingungen an ihrer Förderschule erzählt und das mit Regelschulbedingungen vergleicht, ist es ein Verbrechen, dass man betroffenen Kindern diese Förderung vorenthält.

    Gerade bei dir, Maylin85, fällt mir wiederholt auf, dass du gar nicht blind für diese Ungerechtigkeiten bist, sondern diese ganz bewusst verteidigst und noch verstärken willst zugunsten der Privilegierten. Das ist einfach nur Abschottung, die du bei deiner eigenen Karrierebiografie ja auch sehr offensiv vor dir her trägst.

    Jein. Ich halte ein System für erstrebenswert, dass stärker nach Leistung selektiert und somit möglichst homogene Bedingungen in den einzelnen Schulformen schafft, weil ich absolut davon überzeugt bin, dass man unter diesen Rahmenbedingungen allen Kindern, egal auf welchem Niveau, schlichtweg besser gerecht wird. Dort, wo Heterogenität zunimmt, beobachtet man oft ein allgemeines Abdriften in die Mittelmäßigkeit. Total anekdotische Evidenz, aber in dem Zusammenhang fand ich bemerkenswert, dass die Realschule, an der ich mal ein Halbjahr unterrichtet habe, ein höheres Niveau hatte, als mein späteres Gymnasium (mit sehr heterogener Schülerschaft und vielen Schülern ohne Gymnasialempfehlung, also eigentlich nur noch Gymnasium auf dem Papier). Unter den Bedingungen, die wir nunmal haben, gelingt Individualisierung eben nur begrenzt und je homogener die Ausgangslage ist, desto besser und unkomplizierter lässt sich punktuell und gezielt für einzelne Schüler differenzieren. Finde ich.

    Die angeprangerten Ungerechtigkeiten ergeben sich meines Erachtens auch nicht per se aus der Selektion, sondern aus der noch immer nicht optimalen Durchlässigkeit zwischen den Schulformen. DAS wäre ein Punkt, den ich viel stärker in den Fokus rücken würde und wo man nachdenken könnte/sollte, wie man an neuralgischen Punkten (Ende Orientierungsstufe, Oberstufe) funktionale Gelenkstellen schafft, die den Übertritt erleichtern, wenn es Schülern gelingt, in den oberen 10-20% ihrer jeweiligen Schulform zu performen und sich für einen Wechsel zu qualifizieren. Weiterhin sollte irgendwo Berücksichtigung finden, dass einige Kinder einfach länger brauchen oder durch Schicksalsschläge zurückgeworfen werden etc., spricht es braucht weiterhin und niederschwellig zugänglich "zweite Bildungsschancen".

    Ich bin überhaupt kein Vertreter von Elitenförderung und der Rest fällt halt irgendwie hinten über, sonst hätte ich mir keine Schulform ausgesucht, in der man ausschließlich auf Schüler mit gebrochener Bilungsbiographie und vielschichtigen Lernproblemen trifft. Ich lehne nur den Ansatz der "einen" Schule für alle ab, denn das resultiert in der Praxis nunmal überwiegend in (ja, auch sozialem) Chaos und Leistungsverlust. Dass man die Abgehängten mitnehmen und besser qualifizieren muss, ist richtig, aber dafür sollte man die Leistungsspitze nicht "opfern", sondern auch dieser Klientel systemisch ermöglichen, sich bestmöglich zu entwickeln. Dazu braucht es Selektion.

    Mir ist unbegreiflich, wie Lehrkräfte, die nennenswert Zeit an deutschen Schulen verbracht und praktische Erfahrungen gemacht haben, Inklusion oder unzureichende Selektion für irgendwie gewinnbringend halten können. Dass auf Bundeslandebene mit Bayern und Sachsen Bundesländer vorne liegen, die noch strikter selektieren, ist null verwunderlich.

    Es ist für mich als chronischer auf-den-letzten-Drücker Mensch schon stressig, wenn eine Klausur x Wochen vorher fertig sein soll. Das engt ja auch die Unterrichtsgestaltung total ein - mal länger bei einem interessanten Thema hängen bleiben und dann ggf. spontan einen anderen passenden Klausurschwerpunkt setzen, als ursprünglich grob angedacht, ist ja dann eher nicht möglich.


    Zum Thema: an Vergleichsarbeiten oder wer welche Art von Klassenarbeit schreibt, würde ich mich nicht aufreiben. Bei der Fahrt sieht das anders aus. Gestaltung ok, soll er sich halt ausklinken und mit seinen Leuten was anderes machen. Aber es kann nicht sein, dass eine Klasse andere Regeln hat, als der Rest - da ist Stress und Gequengel ja quasi vorprogrammiert und hier würde ich wohl auf eine gemeinsame Linie pochen, glaube ich.

    Ich sehe auch wenig Mehrwert in Vergleichsarbeiten und mir ging die Notwendigkeit, sich abzusprechen, immer ziemlich auf den Keks. Vergleichbare Rahmenparameter können in der Fachkonferenz abgesteckt werden, das reicht meines Erachtens völlig.


    Den Kollegen, der grundsätzlich sein eigenes Ding gemacht und sich nicht an Absprachen gehalten hat, kenne ich auch. Für Schüler war er auch oft schwierig, da ziemlich straight seinen Stiefel durchziehend. Aber: hat man zur Oberstufe hin Schüler von ihm übernommen, waren die fachlich top... also soll man den Mann doch einfach machen lassen. Vergleichsarbeiten hätte man mit ihm vermutlich auch nicht schreiben können, weil er das Englischbuch und die dort angelegte Progression großzügigig ignoriert hat, während das für alle anderen in der Sek I klarer Leitfaden war.

    Als Single zu pendeln ist natürlich auch was ganz anderes als dann mit Baby oder Kleinkind pendeln zu müssen. Da verstehe ich, dass die entsprechenden Leute dann froh sind, wenn sie nach der Elternzeit wohnortnäher arbeiten können.

    Ja, Singles können sowieso alles ständig und prima abfedern, gar kein Problem.

    Wie wäre es denn mit: wer mit Baby oder Kleinkind nicht pendeln möchte, verlagert seinen Wohnort halt einfach entsprechend in die Nähe der Schule, an der er immmerhin eine Vertrag unterschrieben hat 🙄

    Die dadurch ausfallenden Stunden habe ich fast immer auf die ein oder andere Art trotzdem nachgeholt, sei es in der Freistunde oder dadurch, dass ich Material für die Schüler:innen erstellt habe. (Man muss dazu sagen, in unserem gibt es Lernzeit, in denen ich mit Kids auch einzeln arbeiten kann, und das habe ich dann in meinen Freistunden getan, weil ich sonst keine Zeit dafür gefunden habe.

    Sorry, aber warum macht man das? Dazu bist du doch vermutlich nicht verpflichtet.

    Ach, wenn man bereit ist, Münster Mitte zu bezahlen, findet man sicher im Ruhrgebiet schöne Ecken ;)

    Eben, Ecken. Das ist das Problem. Ich bin ja auch vorübergehend hier gestranded und meine "Ecke" ist durchaus nett. 2 Kilometer weiter kannste aber komplett vergessen und musst weit weit hindurchfahren bis zur nächsten Ecke, wo man wieder aussteigen kann 😄 Mich persönlich nervt es inzwischen, in so einem fragmentierten Raum zu leben, der ständiges Eckenhopping erfordert.

    Verkehr ist die nächste Katastrophe und ohne Auto gehts auch nicht wirklich.

    Allerdings finde ich auch, wer sich einmal für eine Stelle hier entschieden hat, sollte die auch ausfüllen müssen. Schlimmer ist doch, wenn man vielleicht jahrelang darauf gewartet hat, eine Stelle in einem vernünftigen Gebiet zu ergattern, und dann trotzdem in den Pott abgeordnet wird, weil diese Elternzeit-Nummer leider funktioniert.

    Dies mag stimmen, aber viele nehmen/nahmen BEWUSST eine Stelle 90km von Münster an, egal welcher Schule, sind dann sehr schnell schwanger geworden und dann im Beschäftigungsverbot gewesen und nach der Elternzeit landen sie im näheren Umkreis (und einige regen sich sogar auf, weil sie nicht wussten, dass man im Gesamtschulkapitel bleibt, wenn man drin ist).
    Es wird oft gar nicht versucht, die Schule gut zu finden, sie wird nur als Eingangstür in die Planstelle gesehen. Ich kenne da mehrere Frauen, die es in mehreren Himmelsrichtungen gemacht haben (also definitiv nicht nur Ruhrgebiet, sondern auch im Westen und Norden...).

    Ja ok, das stimmt. Das gabs in meinem Umfeld analog auch mit Düsseldorf/Rheinland.

    Die Krux ist halt, dass das Ruhrgebiet echt keine schöne Region ist und man da halt eher nicht wohnen will 😬

    Ich hätte natürlich auch keine Lust, gegen meinen Willen an eine Problemschule abgeordnet zu werden.
    Ehrlichweise muss man aber auch sagen, dass "die ganze Abordnerei" halt auch Teil des Beamtendeals ist. Wir erkaufen uns unsere Beamtenpriviligien damit, dass der Staat über uns in diesem Umfang verfügen kann, deshalb muss er unattraktive Schulen nicht über regionale Zulagen oder abgesenkte Deputate attraktiver machen.

    Dann sollte der Arbeitgeber auch seinen Teil des Deals erfüllen und im ersten Schritt mal Arbeitszeit korrekt erfassen. An Problemschulen fällt erheblich mehr an - pädagogische Konferenzen, ständige Dienstbesprechungen wegen freidrehender Klassen und zigtausend Elterngespräche wegen Fehlverhaltens kannte ich vorher beispielsweise nicht. Allein das rechtfertigt eine Deputatsabsenkung, denn der Dienstherr ist eigentlich auch in der Pflicht, einigermaßen gleichwertige Arbeitsbedingungen sicherzustellen.

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