Stimmt, Maria Letitica, das ist der springende Punkt. Und das ist auch das Einzige, was mich an der ganzen Seite wirklich aufregt.
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Das mag im Sonderschulbereich anders sein, wo evtl. andere Faktoren mit einfließen, aber ich bewerte in meiner Schulform nichts anderes als z.B. die Leistungen eines Schülers/einer Schülerin im Fach Englisch.
Wer keinen geraden Satz in Englisch formulieren kann und z.B in der 7. Klasse immer noch nicht weiß, was ein Simple Past ist, wie man´s bildet, geschweige denn anwendet, wird sich schwer tun, noch eine 4 zu erlangen.
Darüber hinaus gebe ich Kopfnoten. Die sind auch relativ einfach zu bestimmen, da es nur noch drei der Art sind.
Aber auch damit beurteile ich nicht die Persönlichkeit von Kindern, sondern lediglich Facetten derselben, äußere Dokumentationen dessen, was im Unterricht ersichtlich wird und was im weiteren Sinne zum Feld "Leistung" gehört.
Ich würde mir nie anmaßen, einem Schüler in Bezug auf "Menschlichkeit" ´ne Note zuzuweisen - das ist doch grotesk. Aber umgekehrt legitim, oder was?!
Nein, das war von mir hauptsächlich auf den Regelschulbereich bezogen. Ich war lange genug in der Integration und hatte in dieser Zeit einen sehr guten Einblick in die Bewertungspraxis von Kollegen. Wobei das im Sonderschulbereich sicher nicht anders ist, nur hab ich in dem Fall halt nicht so den Blick von außen.
Ich für meinen Teil würde mir auch nie anmaßen, zu behaupten, dass ich die Persönlichkeit eines Schülers bei der Notengebung völlig außen vor lassen kann. Im Gegenteil, ich versuche meine Notengebung in dieser Hinsicht immer wieder zu reflektieren und zu bestimmen, welche Persönlichkeitsanteile und wie stark diese in die Bewertung mit einfließen. Bei manchen Schülern lasse ich einen gewissen Anteil aus pädagogischen Gründen auch bewusst mit in die Note einfließen. Natürlich ist es dann nicht gerade das Kriterium "beliebt". Aber im Gegensatz zu den Spickmich-Machern hab ich halt auch 'ne pädagogische Ausbildung. 
An unserer Schule gibt es außerdem zum Zeugnis Anlagen, in denen die Schüler eine sehr dezidierte Rückmeldung zu ihrem Sozial- und Arbeitsverhalten bekommen. Natürlich wird dabei auf die Persönlichkeit des Schülers eingegangen.
Und andersrum ist es nicht anders. Am Ende des Schuljahres möchte ich von meinen Schülern eine Rückmeldung zu mir als Lehrerpersönlichkeit haben. Mit dem Begriff "Menschlichkeit" können Schüler durchaus etwas anfangen und ich weiß, was sie damit meinen. Warum sollten sie mich da also nicht bewerten dürfen?
Aber ich möchte eben selbst bestimmen, ob diese Bewertungen öffentlich gemacht werden. Andersrum muss ich mir doch auch die Einverständniserklärung der Eltern holen, wenn ich etwas über ihre Kinder im Internet veröffentliche.
Zitat
Und damit verbunden die Einforderung nach Selbstreflexion des Systems, der Kollegen.... das ist doch blablabla.
Dieses System ist doch so ruiniert, dass nichtmals mehr das Notwendigste flächendeckend finanziert werden kann, d.h. insbesondere nicht das Personal. Bzw. das System ist so marode, dass es seit Anfang der 90er schlicht verpennt hat, dass ab 2000 so und so viele Lehrerstellen fehlen werden und deshalb seither nur Plan(los)-Wirtschaft betrieben hat.
Und dieses System ist so fragwürdig, dass es aus Furcht vor Pisa bzw. der Bloßstellung vor der ganzen (bildungspolitischen) Welt seit Jahren nur noch idiotische Schnellschüsse (ZAP, ZA, LSE etc.) in die Schulwelt schießt, damit bloß keiner merkt, wie sehr man über Jahrzehnte hinweg in D gedöst hat!
Und den Lehrern dann den durch den Staat/das Land verordneten Mist in die Schuhe schieben und noch auf spickmich öffentlich dokumentieren lassen - na, großartig.
Mal ehrlich. Wer das noch beschönigt bzw. immer noch ´ne tolle Ausrede findet, warum all das seine Berechtigung hat, dem sei gesagt:
Bleib´bloß Lehrer in D! Jemanden mit größerer Bereitwilligkeit sich selbstlos kritisieren und für fast alles schuldig sprechen zu lassen, sich ferner aufopfernd immer mehr Arbeit in die Schuhe schieben zu lassen und diese Überlastung auch noch in Noten im Internet verzeichnet wiederzufinden und duldsam stehen zu lassen - ´nen Blöderen findet man in der Tat so schnell nicht wieder 
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Da holst du jetzt aber ganz schön zum Rundumschlag aus. 
Ich sehe nicht, dass Spickmich diesen Stellenwert und diese Funktion hat, die du dieser Seite zuschreibst.
Ich sehe auch nicht, dass dort auch nur einem Lehrer für bildungspolitische Misstände die Schuld in die Schuhe geschoben wird, für die er nichts kann.
Ich bin kein Fan davon, dass die Lehrerevaluation auf diese unpersönliche und öffentliche Art und Weise gemacht wird. Und ich persönlich würde solche anonymen Bewertungen auch nicht als brauchbares Feedback zu meiner Arbeit ansehen können.
Und wie eben schon gesagt: Die Persönlichkeitsrechte eines Menschen werden insoweit verletzt, dass einem die Entscheidungsfreiheit genommen wird, seine Bewertung öffentlich zu machen oder nicht.
Aber ein Drama muss man aus so einer Seite nun auch nicht machen. Selbst wenn ein Lehrer ungerechtfertigt schlecht bewertet wird: Who cares?
Im Gegensatz zu den ganzen Dienstleistungsbewertungen hat das für unseren Status, unseren Ruf und letztlich unser Einkommen, exakt null Auswirkungen. Schließlich sind wir eben einfach keine Dienstleistungsanbieter.
Und wenn die Kollegin nun nicht gerade geklagt hätte, hätte die Seite auch nicht die Besucherzahlen zu verzeichnen, die sie jetzt hat. Super Werbemaßnahme, die Macher werden sich freuen.
Viele Grüße
Mia