Die modernisierte rechtsextreme Bewegung wirbt um soziale Akzeptanz
Die modernisierte rechtsextreme Bewegung setzt dabei an zwei – nur auf den ersten Blick nicht zu vereinbarenden – Rollen- und Auftrittsmustern an: sie wirbt um soziale Akzeptanz, tritt auf als die netten Kümmerer von nebenan oder als Helfer/innen im Verein oder in der Gemeinde. Rechtsextreme zielen auf soziale Kontakte, sie sind präsent, bieten ihre Dienste an. Sie gehen zu den Orten, wo Jugendliche sich aufhalten, mischen sich dazu und fallen nicht mit ihrer Ideologie ins Haus, sondern laden zur gemeinsamen Freizeitgestaltung ein, zu Konzerten, Abenden bei einem Freibier. Sie bieten Hilfe und Unterstützung an - oft und gerne gegen die Eltern der Jugendlichen oder angeblich „linke Pauker“. Der NPD-Vorsitzende Udo Voigt beschreibt es erstaunlich ehrlich: „Ich muss also immer erst durch meine Person und meine Argumentation überzeugen und dann als ‚Aha-Erlebnis' die Katze aus dem Sack lassen und mich zur NPD bekennen."
Erst gemeinsame Erlebnisse und positive Erfahrungen wecken ein Interesse für die politischen Inhalte, kostenlos verteilte Musik-CD’s und Konzerte transportieren rechtsextreme Ideologie mehr oder weniger verklausuliert.
Zugleich zielt ein militanter Flügel - autonome Nationalisten, freie Kräfte, Kameradschaften, rechtsextreme Bands, die Volkstodbewegung u.a. – vor allem auf jene Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die für Rebellion und Wut besonders empfänglich sind, die sich von Radika(h)len angezogen fühlen („die tun wenigstens was“). Ihnen wird vermittelt, die eigene Perspektivlosigkeit sei ein Ergebnis der Dominanz von Linken und Ausländern - Bevölkerungsgruppen, denen zu viel Aufmerksamkeit und Förderung zulasten der Situation der „einfachen guten Deutschen“ zuteilwürden.