Selbstverfreilich stellst du eine Leistung fest. Physikalisch die Arbeit, die in einer bestimmten Zeit erledigt wurde, bzw. der Energie, die in einer bestimmten Zeit investiert wurde (werden konnte).
Nun kommen jedoch deine Schüler mit unterschiedlichen Paketen an Leistungsvorrat (Energie) daher - an dem sie selbst keinen Anteil haben. Schmidtchen Peter (eigentlich dumm wie die Nacht) bekommt Nachilfe bei Professor Unrat, weil die Eltern auf genügend Geld sitzen. Hänschen Peter hat zu Hause nicht mal einen eigenen Schreibtisch und beißt sich durch. Bei der Leistungsmessung legst du einen Kanon fest und nivellierst beide nach Gauß um den Mittelwert der Klassenzusammensetzung.
Der Glaube an eine "objektive Leistungsbeurteilung" ist das Opium der Lehrer, die sich nicht eingestehen wollen, dass es dies nicht gibt. Hänschen Peter, der allen Widrigkeiten zum Trotz die Hälfte der Vokabeln beherrscht, hat mehr geleistet, als Schmidtchen Peter, dem die Eltern die Vokabeln jede Nacht fünf Mal vorgelesen haben und der die Ferien im englischen Internat mit Vollpension verbringen durfte. Du brichst den Stab über Menschen und deren Hintergrund wenn du bewertest. Jede andere Aussage ist Selbstschutz, weil man sonst -als Mensch - an dieser Aufgabe verzweifeln muss.
Glücklicherweise ist unser Bewertungssystem so aufgebaut, dass die Voraussetzungen der Leistungsfaktoren "objektivierbar" in die Beurteilung mit einfließen können. Leider kann ich derzeit dem Schüler, der nur die Hälfte der Vokabeln konnte, kein "hervorragend" für seine persönliche Bestleistung geben. Wir hängen noch zu sehr am "sportlichen Wettkampf", der das Ranking nach Hundertstel-Kommastellen im Gruppenverband entscheidet. Aber ich kann seine sonstigen Leistungen - an seiner persönlichen Entwicklung bewerten und in den mündlichen Teil mit berücksichtigen. Das nennt sich "pädagogischer Spielraum" und "Ermessen" des Lehrers. Ich gehe konform mit vielen Kollegen, die die elende Ziffernbenotung in den Mülleimer der Geschichte kicken wollen.