Nun spendiere ich dieser "Diskussion" doch auch noch meine 2cents:
Siliciums Grundannahme, dass eine stark intelektuell fordernde Ausbildung per se zu einer höheren Bezahlung führt, entspringt einer idealtypischen Wunschvorstellung die mit der Wirklichkeit nicht übereinstimmt. Wie Philosophus richtig bemerkt, leben wir im Kapitalismus, wo Angebot und Nachfrage den Preis bestimmen - auch beim Angebot der Arbeitskraft. So verdient ein Maschinenbauingenieur mit 2.Bildungsweg oft mehr als der diplomierte Mathematiker, der (wenn er Glück hat) einen Job in der Versicherungswirtschaft ergattert - oder seinen Lebensunterhalt als Taxifahrer bestreitet.
Der Beruf der Grundschullehrerin hat ein hohes gesellschaftliches Ansehen, wird (und wurde) deshalb von einer großen Zahl Abiturientinnen angestrebt. Es besteht für den Arbeitgeber somit keine Veranlassung, durch finanzielle Anreize Menschen für diese Tätigkeit zu gewinnen - es existiert ein Überangebot. Weil viele Grundschullehrerinnen zudem in Teilzeit arbeiten und über Ehepartner bereits finanziell abgesichert sind, ist in diesem Bereich auch eine geringere gewerkschaftliche Organisationsdichte vorhanden, die zur Durchsetzung höherer Lohnabschlüsse notwendig wäre.
Meiner Meinung nach sollte die Bezahlung mit dem Grad an Verantwortung übereinstimmen, die man in der ausgeübten Tätigkeit zu tragen hat. Die Komplexität der Tätigkeit und die Verantwortung für den gesamten Lebensweg junger Menschen ist in der Grundschule immens. Ich habe absolute Hochachtung vor der Arbeit der Kolleginnen, die unseren Erstis Lesen, Rechnen und Schreiben beibringen. An ihrer Tätigkeit hängt der ganze Rest.
Dieses ganze Gegeifere, wer denn der stolzere Pfau im Lehrbetrieb sein darf und die wichtigere oder schwerere Arbeit macht, ist imho Humbug. Die Versuche, die Arbeit von Grundschullehrern gegen die Arbeit von Gymnasiallehrern aufzurechnen sind genauso sinnfrei, wie die Gegenüberstellung der Tätigkeiten von Musiklehrern gegen die der Korrekturfachlehrer. Gleicher Lohn für alle sowie Zeitausgleich für zusätzliche Belastungen und Aufstiegsämter für alle. Und gut is. 